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Sachbuch: Sprache ohne Worte: Wie unser Körper Trauma verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt
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Titel:      Sprache ohne Worte: Wie unser Körper Trauma verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt
Kategorien:      Sachbuch
BuchID:      10895
Autor:      Peter A. Levine
ISBN-10(13):      3942748762
Verlag:      Lagato Verlag
Publikationsdatum:      2016-04-29
Edition:      1
Number of pages:      600
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
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Rezensionen
Biologisch und logisch

12.01.2017 Bewertung:  4.5 ragantanger vergibt 9 von 10 Punkten

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Es ist schon erstaunlich und auch ein wenig erschreckend, dass Peter Levine, der Begründer der Somatic Experience und der anerkannten Traumaforschung, keinen eigenen Wikipedia-Eintrag besitzt - ganz im Gegensatz zu modernen Pornodarstellern oder den Weltmeistern im Unterwasserrugby. Dabei ist er einer der wenigen psychologischen Koryphäen unserer Zeit, der sich mit seiner Trauma-Heilung tief in das kollektive Gedächtnis eingraben wird (wenn er es schon getan hätte, wüsste man es umfassender zu würdigen). Für viele Experten, Therapeuten vor allen Dingen aber auch Klienten sind seine Erfahrungen und Erforschungen zum Thema ein unvergleichlicher Schatz, weil er ganz ähnlich wie andere herausragende Körpertherapeuten den biologischen Bezug nicht vergisst, weil er abseits behaviouristischer oder tiefenpsychologischer Erkenntnisse des Denkens das in den Mittelpunkt stellt, was unauflösbar die allererste Sprache spricht: den Körper.

Das Buch Sprache ohne Worte ist, wenn man so will, die Zusammenfassung seines bisherigen Schaffens, ein Kompendium der Erfahrung, der Praxisbeispiele, der neurobiologischen Hintergründe und der möglichen Auswegen aus der Traumfalle oder besser: den Umgang mit jenen komplexbehafteten Situationen. Das geht an mancher Stelle tief ins persönliche Detail (das macht ihn vor alledem sehr authentisch und menschlich), an anderer Stelle tief ins neurowissenschaftliche Arrangement (das wäre eigentlich gerade für ihn nicht so notwendig, aber es ist vielleicht ein Entgegenkommen an die mathematisch geglättete Zwanghaftigkeit der Moderne), ist aber in erster Linie immer auf Heilung und Verständnis ausgerichtet. Dass man nicht eben ein sturer Charakterkopf ist, sondern ein traumatisiertes Wesen. Das hört sich dramatischer als es ist, denn es gibt keine moderne Person, die nicht traumatisiert ist. Allein das muss man erst mal verdauen.

Der sprachlichen Umsetzung, die im Legato-Verlag erschienen ist, hat sich Helge Heynold als Sprecher angenommen. Der bekannte Schauspieler hat eine sonore Altherrenstimme, die nicht immer diese tiefe persönliche und forschbegierige Tonlage des Autors trifft. Als Märchenerzähler und Tragödiendratseller sicher eine Wucht, als Erzähler eines fundamentalen Sachbuchs wirkt er hingegen manchmal etwas zu heimelig, aber das ist, wie im Auditiven immer, Geschmackssache. Immerhin schafft er beim Sprechen die nötigen Pausen, denn die braucht es, und die mehr als zehn Stunden Laufzeit sauber zu verarbeiten.

Das Beste ist sowieso: Peter Levines Inhalt. Und wahrscheinlich wird man an mancher Stelle immer wieder zurück drücken müssen, um wirklich verstehen zu können, wie tief der Autor in die biologische Wirklichkeit eindringt. Kompliment für dieses Werk, die Hörbuchfassung ist solide, bekommt aber aufgrund der Vorlage nichtsdestotrotz fünf Sterne.

 


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