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Reportage: Das glücklichste Volk: Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas
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Titel:      Das glücklichste Volk: Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas
Kategorien:      Reportage
BuchID:      10232
Autor:      Daniel Everett
ISBN-10(13):      9783570551677
Verlag:      Pantheon Verlag
Publikationsdatum:      2012-05-21
Number of pages:      416
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
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Rezensionen
Ach, was für eine Wohltat!

20.04.2013 Bewertung:  4.5 mr.matze vergibt 9 von 10 Punkten

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Daniel Everett – Das glücklichste Volk – Einleitung

Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einer Biographie und stöberte in der Buchhandlung am Nürnberger Hauptbahnhof auf dem Rückweg einer Tagung circa eine halbe Stunde an den Regalen vorbei, nur um mich nicht zwischen alten deutschen Politikern, russischen Regenten und US-amerikanischen Ex-Präsidenten entscheiden zu können.

 

Daniel Everett – Das glücklichste Volk - Der Autor

Der Linguist Daniel Everett ist zum Einen im Zuge seiner Sprachstudien nach Brasilien geflogen, zum Anderen aber auch mit dem Auftrag das jüngst in den Mittelpunkt des Interesses gerückten Volks der Piraha zu missionieren. Was 1977 begann, endete Jahre später mit vielerlei Erkenntnissen. Zum Einen mit dem Zerbrechen seiner Familie, zum Anderen aber auch mit dem Zerbrechen seines Glaubens. Nicht er hatte die Piraha missioniert und zu seinem Glauben bekehrt … sondern umgekehrt.

1951 geboren wurde er später Professor für Linguistik und Dekan an der Bentley University in Waltham, Massachusetts.

Daniel Everett – Das glücklichste Volk – Leseeindrücke

Das Buch beginnt im Prinzip so, wie man es erwartet hatte. Ein weißer US-Amerikaner kommt zu einem abgelegenen Volk von Indianern an einem Ableger des Amazonas und wird quasi wie selbstverständlich in deren Mitte aufgenommen, erhält ein Haus und scheinbar jede Hilfe, die er benötigt, scheint rasend schnell deren Sprache zu lernen und alles scheint seinen Gang zu gehen. Nahezu ein perfektes Drehbuch, bei dem auch die eine oder andere gefährliche Situation mit einem klapprigen Motorflugzeug nicht fehlen darf.

Was als reines Abenteuer beginnt, wird relativ schnell zu einem Lebensbericht des Autors, der sich mit den Piraha und deren Gebräuchen schnell anfreundet und dem Lebensstil durchaus interessante Seiten abgewinnen kann. Ursprünglich angereist um die Bibel in die Sprache der Piraha zu übersetzen (der Rest der Msissionierung würde dann fast von allein passieren – so die landläufige Meinung), entdeckt er einen meist friedvollen und respektvollen Umgang der Piraha miteinander. Wer jetzt aber glaubt, dass alles eitel Sonnenschein wäre, täuscht sich. Auch bei den Piraha gibt es Streit, Neid und Missgunst, sogar Morde und Vergewaltigung kommt vor. Da erschreckt man sich als Leser, hatte man doch eigentlich gedacht, dass das glücklichste Volk derlei Dinge nicht auf dem Tagesplan wird stehen haben. Dass Everett doch zu dem Schluss der Glücklichkeit kommt, zeigt vielleicht, wie weit wir „zivilisierte und gebildete“ Völker uns von dem Ideal, dass wir wie selbstverständlich bei anderen fordern, selbst entfernt haben.

Ein großer Teil behandelt die Sprache der Piraha. Es gibt keine Zahlen, eine eigene Grammatik und nur wenige Vokale und Laute, die die Worte sehr lang machen und zusätzliche Bedeutungsunterschiede durch die Tonhöhe, mit der sie gesprochen werden, bekommen. Das Kapitel ist so lang, dass man glaubt, man halte eine linguistische Fachliteratur in der Hand. Ist es zwar nicht, kommt einem aber doch so vor. Einiges mag der geneigte Leser überblättern, denn es ist in der Tat schon viel, was man über Daniel Everett, Noah Chomsky und andere Sprachforscher erfährt. Nicht langweilig, aber durchaus nicht das, was man vom Titel erwarten würde. Potentielle Käufer seien also gewarnt.

Daniel Everett – Das glücklichste Volk – Fazit

Doch – es ist faszinierend Daniel Everett in das Amazonas-Gebiet zu folgen. Und es ist faszinierend über die Piraha mehr zu erfahren und ja – man kann durchaus einiges an Lebenseinstellung für sein eigenes Leben abgewinnen.

Die Piraha haben vieles nicht, was wir in der westlichen, der so genannten ersten Welt haben. Aber manche Dinge brauchen und wollen Sie auch gar nicht. Geld, Materielles und Zahlworte gehören dazu – aber ebenso die Bibel, Geschichten über Jesus und Sorgen … die brauchen sie auch nicht.

So titelt „Die Welt“ über das Buch: „Ach, was für eine Wohltat!“ – dem schließe ich mich an.

Daniel Everett – Das glücklichste Volk – Technisches

Das glücklichste Volk
Sieben Jahre bei den Piraha-Indianern

Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2010
ISBN 9783421043078
Gebunden, 414 Seiten, 24,95 EUR


mr.matze hat insgesamt 37 Rezensionen angelegt.


 
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