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Reportage: Vollidiot: Der Roman (Unterhaltung)
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Titel:      Vollidiot: Der Roman (Unterhaltung)
Kategorien:      Reportage
BuchID:      2155
Autor:      Tommy Jaud
ISBN-10(13):      3596163609
Verlag:      Fischer Taschenbuch Verlag
Publikationsdatum:      2012-02-03
Edition:      25
Number of pages:      288
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
Leichte Spuren, Buch wurde nur einmal ganz vorsichtig gelesen, ganz schwacher Leseknick im Rücken, minimal bestoßen, fleckenfreie Seiten. "Ich will diese Frau! Also muss ich sie ansprechen. So einfach ist das. Ich beschließe, bis zehn zu zählen und dann festen Schrittes und mit charismatischem Siegerlächeln den Laden zu betreten. Dann werde ich sie fragen, was sie nach Feierabend vorhat. So was machen täglich Tausende von Männern. Und nicht wenige kommen Sekunden später mit ihrer zukünftigen Ehefrau aus Cafés, Supermärkten und Bowlingcentern. Gut, danach gibt es oft noch ein paar kleinere Probleme wie Untreue, Erpressung und Schießereien, aber am Ende ist immer alles gut."
Aus der Amazon.de-Redaktion
Es gibt Bücher, da muss man während der Lektüre alle paar Sekunden lachen, fühlt sich prächtig unterhalten -- und hat die Handlung doch nach kurzer Zeit völlig vergessen. Was kein Einwand sein muss, sondern vielmehr eine Art Genre beschreibt, das man in Anlehnung an das Kino als Popcorn-Literatur bezeichnen könnte: Temporeich erzählt und schnell konsumierbar, spekuliert diese Art von Unterhaltungs-Literatur von Anfang an auf ihre Verfilmbarkeit. Else Buschheuers Ruf! Mich! An! ist so ein Fall, oder auch Benjamin von Stuckrad-Barres Soloalbum. Mit scharfsinnigen Beobachtungen gespickt und hart am Zeitgeist segelnd, kreisen diese Romane gern um die existenziellen, aber irgendwie auch nichtigen Nöte notorischer Single-Existenzen. Tommy Jauds Vollidiot passt prima in die Reihe.

Simon Peters, Verkäufer in einem T-Punkt-Laden, steht kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag. Seit seine Freundin ihn verlassen hat, ist er etwas von der Rolle. Weder im Club-Urlaub noch im Kölner Tag-und-Nacht-Leben findet er sexuelle Erfüllung. Und bei Ikea sind nur Pärchen unterwegs. Als er sich endlich ein Herz fasst und die traumhafte Tresenkraft aus dem Starbucks gegenüber anspricht, fühlt er sich "wie ein Ossi beim ersten McDonalds-Besuch, drei Minuten nachdem die Mauer gefallen ist." Natürlich geht der Annäherungsversuch schief, denn Auge in Auge mit der Angebeteten bringt Simon kein Wort heraus: "ein Reh im Fernlicht eines Gurkenlasters."

Zum Glück gibt es aber Paula. Die ist mit allen Beziehungswassern gewaschen und hat den perfekten Paula-Plan parat, mit dem Simon die Milchschaum-Fachkraft todsicher klarmacht. Dummerweise vermasselt Simon den Plan, weil er sich am Tag X aus seiner Wohnung aussperrt. Zum Glück hat seine kroatische Putzfrau Lala einen Ersatzschlüssel.

Wie in den meisten Single-Romanen geht es auch bei Tommy Jaud darum, dass der egozentrische Held ein paar Sachen über sich kapiert: nämlich, dass er sich wie ein Trottel durch die Welt bewegt. Eine richtige Entwicklung macht er freilich nicht durch. Und wie Sven Regeners Herr Lehmann endet auch Vollidiot mit dem dreißigsten Geburtstag des Protagonisten. Nur dass bei Jaud am Schluss nicht die Berliner Mauer fällt, sondern der Ikea-Sessel Jennylund in Rauch und Asche aufgeht.

Tommy Jaud, Comedy-Autor aus Köln, weiß, wie man Pointen setzt, mit Klischees spielt und den Leser bei Laune hält. Der Zwang zum Originellen ist vermutlich berufsbedingt. ("Dörte? Klingt wie ein widerlicher Bio-Brotaufstrich. So einer, den sich frustrierte Realschullehrer auf ihr Dinkel-Bananenbrot streichen, bevor sie in ihren asbestverseuchten Klassenzimmern verpickelte Teenager mit binomischen Formeln zu Tode langweilen.") Mögen die Lacher auch gekonnt vorprogrammiert sein, echtes Interesse bringt Jaud seinem Helden nicht entgegen. Und so ergeht es auch dem Leser. Er lacht und geht zur Tagesordnung über. --Axel Henrici

   


Rezensionen
Malte, Broder, Fleischpeitsche

04.10.2011 Bewertung:  5 mr.matze vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic

== Einleitung ==

 

Meine Frau hat das Buch ausgeliehen bekommen. Ich hatte sowohl von Tommy Jaud als auch von „Vollidiot“ schon mal was gehört, habe eins seiner Bücher sogar schon mal verschenkt, aber eher vom Hörensagen als aus echtem literarischem Wissen heraus. Und als meine Frau doch das eine oder andere Mal mehr schmunzelte und lachte als ich das eigentlich gewohnt war, beschloss ich, dass das Buch unmittelbar nach dem Auslesen auf meinen Nachttisch wandert.

== Ein bisschen was vom Inhalt ==

 

Es geht in Vollidiot um Simon Peters. Simon Peters ist ein Mann wie du und ich, aber eben nicht ganz. Vielleicht nicht ganz so gewöhnlich ist sein Job als T-Punkt-Verkäufer. Irgendwie gleichermaßen gewöhnlich als auch exotisch. Seine Mitarbeiter sind eher Kollegen als Freunde, auch wenn die eine oder andere Verabredung zum Bier dabei rausspringt. Unnachahmlich an Simon Peters sind allerdings zwei Dinge. Zum Einen erwischt er zielsicher jedes noch so offensichtlich versteckte Fettnäpfchen, zum anderen sind Simon Peters und Frauen offensichtlich zwei Dinge, die in diesem Leben nicht recht zusammen gehören wollen. Lediglich Lala, seine Putzfrau aus Osteuropa scheint an Simon zu glauben, verkuppelt ihn aber ein ums andere Mal mit mehr als zweifelhaften Weibsbildern.

Das ganze scheint ein gutes Ende zu nehmen, als Simon Peters _sie_ trifft: Marcia, die im Starbucks genau gegenüber vom T-Punkt. Uns während er sich noch gedankenverloren darüber Sorgen macht, wie er die Millionen aufbringen kann, damit Marcia ihm sein ganzes Leben lang Capuccino machen müsste, gerät das Leben von Simon, dem T-Punkt-Verkäufer, ein ganz klein wenig in einen Abwärtsstrudel. Bleiben tun ihm zunächst nur Paula und Flik, Freundin und Kollege … doch da ist ja noch sein gesamtes Handy-Adressbuch …

 

== Ein bisschen was von mir ==

 

Um es vorweg zu sagen. Das Buch lebt nicht von der Geschichte. Wirklich nicht. Oder doch. Ein bisschen. Na ja, jedenfalls deswegen, weil wir uns darin wiederfinden. Entweder Dinge aus der Jugend, aus dem Heranwachsendenalter oder aus der Gegenwart. Ein bisschen Simon Pters steckt in uns allen. Und wenn ich wir und uns sage, meine ich natürlich nur uns Männer. Denn ihr Frauen spielt in dem Roman gar nicht mit. Ihr seid zwar dabei, trauern und lachen tun wir über euch, nicht mit euch.

 

Denn Tommy Jaud, der früher im Radio als Moderator tätig war und schon für Schmidt und Engelke im Hintergrund die Gags geschrieben hat, hat das kreiiert, was ich seitdem auch so weitergebe: den Begriff des Männerromans. Mit seinem Wortwitz, einem Gageuerwerk, von dem Eckart von Hirschhausen auch nicht mal annähernd träumen kann, hat mich Tommy Jaud circa 2 Liter Tränenflüssigkeit gekostet. So sehr habe ich geweint vor Lachen, sicher waren auch Freudentränen dabei, dass es mal wieder jemand so auf den Punkt bringt.

 

Begriffe, Anekdoten, Formulierungen – hier greift wirklich eine Silbe in die andere. Ob Vergleiche, Metaphern, Wortkreationen – hier wird der simpel gestrickte Geist eines Mannes auf das Höchste und Beste amüsiert. Nur Niveau darf man nicht zuviel erwarten. Man muss sich über Namen wie Malte und Broder amüsieren können und das Wort Fleischpeitsche darf man auch dann nur lesen, wenn man sich niveauvoll auf die Schenkel klopfen will - oder eben ausschüttet vor Lachen.

 

== Eine Art Fazit ==

Ich liebe ihn – Tommy Jaud, nicht Simon Peters. Obwohl ich mit dem sicher auch mal ein Bier trinken gehen wollte.

 

== Technisches ==

 

Broschiert: 283 Seiten, Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (10. März 2011)

ISBN-10: 3596511593, ISBN-13: 978-3596511594

 


mr.matze hat insgesamt 37 Rezensionen angelegt.


 
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