Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/rezionde/components/com_booklibrary/booklibrary.php on line 2910
Krimi/Thriller: Sorry
  Print


Titel:      Sorry
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      171
Autor:      Zoran Drvenkar
ISBN-10(13):      3550087721
Verlag:      Ullstein
Publikationsdatum:      2009
Edition:      3.
Number of pages:      400
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Aus der Amazon.de-Redaktion
Am Anfang stand ein Traum. Autor Zoran Drvenkar träumte eines Nachts, er würde gemeinsam mit Freunden eine Agentur gründen; eine ganz besondere Agentur – eine Agentur für Entschuldigungen. Aus diesem seltsamen Traum entstand bei ihm die Idee zu einem spannenden Thriller. Doch das Schreiben desselben wurde für Drvenkar selbst zu einer Art Albtraum...

„Das Buch kam mir bedrohlich vor, sodass ich fast ein Jahr mit dem Schreiben ins Stocken geriet. Ein Schriftsteller sollte sich nicht vor seinem Buch fürchten, und wenn er sich fürchtet, muss er sich den Dämonen stellen. Und das wurde dann die härteste Arbeit...“, so bekennt der insbesondere für zahlreiche erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher bekannte Autor in einem Interview. Die Mühe seines Schöpfers merkt man dem Buch nicht an – wohl aber die außergewöhnliche Intensität, eine Art Sog des untergründigen Grauens, der diese unheimliche Geschichte durchzieht.

Tamara, Kris, Wolf und Frauke sind seit ihren gemeinsamen Berliner Schultagen befreundet. Obwohl alle schon um die dreißig sind, leben sie immer noch mehr oder weniger erfolglos in den Tag hinein; bis Kris eines bekifften Abends eine ziemlich verrückte Idee hat: Wie wäre es, eine Agentur zu gründen, die sich für andere Leute entschuldigt? Die Freunde setzen die Idee in die Tat um – zu ihrem eigenen Erstaunen mit größtem Erfolg.

Ob zu Unrecht gekündigte Mitarbeiter oder schmachvoll verlassene Geliebte: Die Agentur „Sorry“ entschuldigt sich im Auftrag ihrer Kunden bei ihnen allen. Mit der Erlösung von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen lässt sich eine Menge Geld verdienen. Alles läuft gut - bis Wolf eines Tages vor einer grausam zugerichteten Leiche steht, mit dem Auftrag, sich bei dieser zu entschuldigen. Der Mörder beginnt ein beklemmendes Spiel mit den Freunden, in dessen Verlauf diese nicht zuletzt mit ihren eigenen Abgründen konfrontiert werden… - Ulrike Künnecke, Literaturtest

   


Rezensionen
Rezension

05.07.2009 Bewertung:  5 Anonym vergibt 10 von 10 Punkten

UserpicFirmengründung mit mörderischen Folgen

Inhalt:

Vier junge Berliner, die sich schon seit ihrer Schulzeit kennen und beruflich bisher wenig Erfolg hatten, haben die Idee - sie gründen eine Entschuldigungsagentur.
Firmen, die sich für etwas entschuldigen wollen können die Freunde damit beauftragen.
Kris & Wolf kümmern sich um die Praxis und überbringen somit die Entschuldigungen, während die beiden Frauen im Team sich mit Auftragsannahme, Koordination und Datenübermittlung beschäftigen.
Das Geschäft boomt, die Freunde sind überglücklich.
Bis die Agentur ins Visier eines von Schuldgefühlen geplagten Mörders gerät, der in der Geschäftsidee der jungen Leute seine Rettung sieht. Und so steht Wolf eines Tages plötzlich vor einer Leiche - und der Mörder ist noch nicht fertig...

Meine Meinung:

Die Covergestaltung, so unscheinbar sich auch wirken mag, sagt eigentlich alles aus. Genau wie der Inhalt ist auch sie dunkel, düster und rabenschwarz.

Die 397 Seiten sind in achte Teile gegliedert, die jeweils noch in die Zeitabschnitte "Davor", "Dazwischen" und "Danach" unterteilt sind. Was diese Unterpunkte zu bedeuten haben ist lange unklar, doch nach und nach wird immer mehr Licht in die finstere Handlung gebracht, bis dann am Ende jeder kleinste Winkel hell erleuchtet ist.
Im Großen und Ganzen gibt es zwei Handlungsstränge, nämlich das Jetzt in Form der Agentur und der Morde, sowie das Damals mit der langsamen Auflösung der Tathintergründe.
Die Handlung ist fließend, stimmig und absolut erschreckend und schockierend. Sie zieht den Leser in einen Bann, aus dem er sich genauso wenig befreien kann, wie die Freunde aus dem Netz des Mörders.

Die Protagonisten sind sehr vielschichtig, die vier Freunde dem Leser sehr vertraut gemacht. Man erfährt viel über sie, man freut sich mit ihnen und zittert mit ihnen. Man wird selbst ein Teil der Geschichte.
Auf der anderen Seite stehen der Mörder und "Der Mann, der nicht da war". Die Vergangenheit des Mörders ist so grausam, das man fast schon Mitleid mit ihm bekommt. Seine Verzweiflung trifft den Leser. Der Mann dagegen ist ein weiterer dunkler Schatten in einem Psychospiel, das schon Jahre vor der jetzigen Handlung gespielt wurde.

Der anziehende Eindruck des Thrillers, der durch die Charaktere entsteht, wird auch durch die sprachlichen Mittel des Autors verstärkt.
Der Schreibstil ist hart, deutlich, die Handlung bis ins kleinste Detail geschildert.
Die Sprache ist lebendig, rasant und intensiv. Die lässt das Geschehen nah und erreichbar wirken.
Das Thema des Buches ist nicht neu und vermutlich deswegen hat der Zoran Drvenkar eine faszinierende Verpackung dafür gewählt.
Die Haupthandlung wird in der 3. Person geschildert. Ist jedoch vom Mörder die Rede, so verwendet der Autor die 2. Person und scheint so den Leser persönlich anzusprechen und in das Buch einzuladen. Für kurze Abschnitte wechselt er auch in die 1. Person.
Diese Perspektivenwechsel mögen vielleicht im ersten Moment verwirrend sein, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran und kennt man alle Zusammenhänge wird die Absicht dahinter deutlich.

Fazit:

Ein absolut begeisternder Thriller, der nicht nur durch den Inhalt, sondern auch dadurch besticht, dass er erfrischend neu ist. Der den Leser nicht mehr aus seinen Fängen lässt und erst wieder freigibt, wenn er zu Ende gelesen ist.
Sollte es jemals wirklich eine Entschuldigungsagentur geben, wird Zoran Drvenkar ihre Dienst sicher nicht in Anspruch nehmen müssen, denn für einen solchen Thriller, muss man sich nicht entschuldigen.

Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt.


Rezension

05.07.2009 Bewertung:  1 Blindfisch /// Tista vergibt 2 von 10 Punkten

UserpicDie Idee ist gut.....
..... vier junge Leute gründen eine Agentur und bieten an, sich für andere Leute zu entschuldigen. Für alles, was andere Menschen sich haben zuschulden kommen lassen, wollen Sie sich bei den "Opfern" entschuldigen!
Die Idee wird dankend angenommen und das Geschäft floriert........ bis dann, durch einen großen Zufall, alles anders wird - das Grauen für die jungen Leute beginnt.
Sie sollen sich bei einer Toten entschuldigen! Mehr will ich über den Inhalt des Buches und was aus dieser Situation entsteht, gar nicht verraten - es wird spannend, es wird verwirrend - es geht um Schuld und Sühne, warum Opfer zu Tätern werden, um Macht und darum, wie das Leben sich von einen Tag zum anderen so völlig verändern kann, so dass alles aus den Fugen gerät. Leider kam ich mit dem Schreibstil von Doran Drvenkar überhaupt nicht klar.
Die einzelnen Kapitel sind immer aus der Sicht eines anderen geschrieben - Kris - Wolf - Frauke - Tamara - der Mann, der nicht da war - DU, und als man im Metaxa essen war, gab es auch noch ein WIR! Zwischendurch gibt es ein jetzt - ein davor - ein danach und ein dazwischen - so springt der Roman immer hin und her. Für mich war es verwirrend, ich konnte mich darauf nicht einlassen. Der Schreibstil ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig, die Schilderungen einiger Grausamkeiten dermaßen detailgetreu, dass ich auch schon mal "quer" gelesen habe. Die dunkle Stimmung zieht sich durch das ganze Buch, es wird von Seite zu Seite immer verwirrender und ich für mich war froh, als es endlich zu Ende war.

Blindfisch /// Tista hat insgesamt 40 Rezensionen angelegt.


Rezension

05.07.2009 Bewertung:  3.5 Anonym vergibt 7 von 10 Punkten

UserpicVier junge Leute, Freunde, gründen eine Agentur. Eine Agentur, die sich für Vergehen anderer Menschen entschuldigen soll und somit deren Gewissen erleichtern soll. Als eines Tages ein Mörder die Dienste der Freunde in Anspruch nehmen will, nimmt eine tragische Geschichte ihren Lauf.
Wir erfahren von schlimmen Ereignissen aus der Vergangenheit, die die Betroffenen auch in der Gegenwart nicht loslassen.

Die Geschichte wird von Zoran Drvenkar sehr fesselnd erzählt. Nicht so sensationsheischend aufgemacht wie viele andere Thriller, aber unterschwellig wird die Spannung aufgebaut und erhalten. Und zwar das ganze Buch über.
Die Geschichte selbst fand ich allerdings nicht wirklich gut. Zu vorhersehbar, spätestens ab der Mitte des Buches kann man wissen was genau da hinter steckt, und für mich auch überhaupt nicht überzeugend.

Ein Plus war für mich also auf jeden Fall die t olle erzählerische Leistung und die Darstellung der Geschichte aus so vielen Perspektiven.
Ein Minus war einfach die Durchschaubarkeit und die Geschichte an sich, die ich nicht realistisch empfunden habe, obwohl sie ja in meinem Heimatland spielte zu dem ich alleine deswegen ja eigentlich einen stärkeren Bezug haben müsste. Jedenfalls bei den meisten anderen Thrillern die in Deutschland spielen.

Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt.


Rezension

05.07.2009 Bewertung:  4.5 Anonym vergibt 9 von 10 Punkten

Userpic

Vier Freunde, die alle mehr oder weniger ihre eigenen Probleme im Leben haben, gründen zusammen eine Agentur die Absolution erteilt. Diese Agentur wird von Peinigern beauftragt sich bei ihren Opfern zu entschuldigen und so erleichtern sich diese ihr Gewissen. Schon moralisch eine interessante Geschichte, aber es zeigt sich, dass das Geschäft gut läuft, denn es geht um viel Geld. Bis eines Tages ein Mörder die Dienste der Agentur in Anspruch nimmt. Und der will nicht nur, dass sich die Agentur für ihn bei den toten Opfern entschuldigt, er will auch noch, dass die Freunde ihm dabei helfen seine Spuren zu verwischen. Ansonsten, so droht er, tut er ihren Familien etwas an.

Zoran Drvenkar hat eine höchst spannende Geschichte erzählt, in denen die Opfer zu Täter werden. Allesamt. Dem Mörder wurde als Kind selbst schreckliche Dinge angetan, für die er sich nun zu rächen versucht. Den Freunden wird schlimmes angetan und sie vertuschen einen Mord und wollen selbst morden. So nimmt ein großes Drama seinen Lauf. Dabei hat Drvenkar es wirklich raus zu unterhalten. Obwohl er die wirklich erschreckenden Szenen, wie Kinder Opfer von Pädophilen werden, nicht haargenau beschreibt, so setzen sich die schrecklichen Bilder wirklich in Mark und Bein des Lesers und erschüttern ihn bis ins Mark. So war es jedenfalls bei mir. Die Geschehnisse bedurften einfach keinerlei weitere Beschreibung.

Weiterhin ist das Buch so vielschichtig geworden, weil der Autor die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschreibt. So bekommt der Leser von allen ein wenig mit und kann so das Puzzle zusammen setzen. Zeitsprünge sind hier ebenso gemeint wie auch Personenperspektivenwechsel.

Optisch ist das Buch recht schlicht gehalten, aber ich fand, dass schon der Umschlag die beklemmende Atmosphäre des Buches rüber bringt. Die Beklommenheit hält sich tatsächlich das ganze Buch über hartnäckig.

Insgesamt ein wirklich toller Psychothriller, der vor allem durch eine herausragende Erzählweise überzeugt!


Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt.


Rezension

05.07.2009 Bewertung:  5 Anonym vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic
Schuld ist ein Thema, mit dem jeder Mensch früher oder später in Berührung kommt. Nicht wenige Menschen brechen unter der Last der Schuld zusammen und einige von ihnen sehen schließlich nur noch Auswege, die sich nur schwer bis gar nicht mit den Interessen anderer Menschen vereinen lassen.
 
Ein solcher Fall wird dem Leser in „Sorry“ von Zoran Drvenkar präsentiert. In einem ersten Kapitel, was auch dem thrillererprobten Leser den Angstschweiß auf die Stirn treibt, wird ein brutaler Mord an einer Frau in allen Einzelheiten und sehr bildlich beschrieben.
Im weiteren Verlauf des Buches baut der Autor dann eine Geschichte um vier Freunde auf, die mit einer besonderen Geschäftsidee erfolgreich in die Selbständigkeit starten – einer Agentur, die sich stellvertretend für den Auftraggeber bei gewünschten Personen entschuldigt. Alles läuft reibungslos, bis sie den Auftrag erhalten, sich bei einer Toten zu entschuldigen. Von diesem Moment an befinden sie sich in einem Strudel aus Gewalt, Angst, Drohungen und Pflichtbewusstsein.
 
Dies allein wäre schon spannend genug, wenn nicht die ständig stattfindenden Wechsel der Erzählperspektive verdeutlichen würden, dass die Identität des Mörders mehr als fragwürdig ist und er eigentlich gar nicht mehr existieren dürfte.
Drvenkar erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der Freunde, aus der Sicht des Mörders und aus der Sicht einer dritten Person, deren Identität erst ziemlich weit am Ende deutlich wird. Durch die Perspektiv- und damit verbunden auch die Zeitwechsel (und Rückblicke), erlebt der Leser die gleiche Szene unter Umständen mehrmals aus verschiedenen Blickwinkeln. Dies ermöglicht es gerade am Ende zum Teil, Schlüsse zu ziehen, dennoch bleibt die Spannung bis zur letzten Seite erhalten.
 
Der Autor versteht es, die Situationen der Handlung und die Stimmungen der Personen sehr detailliert und greifbar zu beschreiben, wodurch man als Leser von Beginn an immer weiter lesen muss. Der bereits erwähnte fulminante Einstieg macht das Buch bereits zu einem Lesehighlight – auch wenn teilweise brutale, erschreckende und furchtbare Szenen beschrieben werden (Stichwort: Kindesmissbrauch) und sich mir beim Lesen des Öfteren der Magen umdrehen wollte. Dieses Buch ein absoluter Buchtipp und somit absolut empfehlenswert.

Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt.


Rezension

05.07.2009 Bewertung:  5 Anonym vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic„Eine Entschuldigung ist ein Abschied, bei dem man weiß, das man sich nicht wiedersehen wird“.

Obwohl mich die Leseprobe des Buches „Sorry“ von Zoran Drvenkar nicht so richtig überzeugen konnte, habe eine gute Gelegenheit ergriffen und das Buch dann doch noch gelesen. Zum Glück , wie ich sagen muß, denn sonst wäre mir ein Psychothriller erster Klasse entgangen.

Die Brüder Kris und Wolf Marrer sowie die Freundinnen Tamara und Frauke stehen nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens, als ihnen bei einem geselligen Zusammensein plötzlich die zündende Idee kommt – sie gründen eine Agentur für Entschuldigungen, nach dem Motto „Vergebung kennt keine Grenzen“. Die Idee ist so einfach, das sie schon wieder brillant ist – das Geschäft boomt. Alles läuft wunderbar, die vier können sich schon bald eine Villa am See leisten, bis Wolf eines Tages bei einem Auftrag die Leiche einer Frau findet. Der Täter setzt sich schon bald mit ihm in Verbindung, die Entschuldigung soll überbracht werden und anschließend sollen die Freunde die Leiche entsorgen, das passende Druckmittel hat er auch in der Hand: er bedroht das Leben von Kris und Wolfs Vater, Fraukes Mutter und Tamaras Tochter, zu der sie keinen Kontakt hat. Und hier beginnt ein perfides Katz und Mausspiel, bei dem nach oben hin keine Grenzen gesetzt sind. Zeitgleich, sozusagen als Zwischensequenz, wird die Geschichte zweier Jungen erzählt, Butch und Sundance, dem Anfang von sexuellem Mißbrauch und dem zeitgleichen Ende der Kindheit. Eine Geschichte, die die Grenzen von Freundschaft, Vertrauen und Liebe neu ausleuchtet und aus Opfern Täter macht.

Die Geschichte war viel mehr als das, was ich erwartet hatte. Die Idee zu dem Buch war toll, die Umsetzung mit Zuhilfenahme verschiedener Stilistischer Mittel gekonnt – man fühlt sich direkt angesprochen, ich war schnell gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die einzelnen Personen wirkten sehr lebendig, ihre Vergangenheit, Stärken und Schwächen sehr gut beschrieben. Besonders gut hat der Autor den Charakter des Butch gezeichnet- am Anfang war ich voller Sympathie und Mitleid, im Laufe der Geschichte wird aus dem Opfer ein Täter und die Gefühle des Lesers Butch gegenüber wandeln sich im selben Maße. Das Thema „Kindesmißbrauch“ ist sicherlich auch nicht einfach zu handhaben, hier wurde es aber geschickt in den Handlungsverlauf integriert.

Die Geschichte wurde aus verschiedenen zeitlichen Abschnitten (davor-dazwischen-danach) und unterschiedlichen Erzähl-Perspektiven geschildert, was am Anfang recht verwirrend ist, man findet sich aber schnell zurecht und kann das Buch in einem Rutsch durchlesen. Nichts für zart besaitetet ist die Beschreibung der Tat und der Leichen, hat mir nicht so gut gefallen, aber das ist sicher Geschmackssache. Der Plot ist gut durchdacht, lose Handlungsfäden werden geschickt zusammen geführt, allerdings – wie man aber im Laufe der Geschichte schon recht schnell feststellt- bleibt kein Platz für ein „Full-Happy-End“. Mir hat das Buch trotzdem sehr gut gefallen, es ist auf jeden Fall kein 08-15-Thriller, bei dem man im ersten drittel den Täter erahnen kann – das Geheimnis bleibt bis zum Schluss gewahrt. Die Atmosphäre ist zwar durch das ganze Buch hindurch recht düster, das Geschehen manchmal schockierend – und trotzdem bleibt kein beklemmendes Gefühl. Für mich war das sicher nicht das letzte Buch, das ich von Zoran Drvenkar gelesen habe.


Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt.


Rezension

05.07.2009 Bewertung:  3.5 Anonym vergibt 7 von 10 Punkten

UserpicSchuld und Sühne im 21. Jahrhundert In Zoran Drvenkars neustem Roman geht es vorwiegend um Schuld und die Sühne. Können Außenstehende Schuld anderer übernehmen, ist moderner Ablasshandel möglich?  Ist es mit einem lapidaren „Sorry“ getan? Inwiefern kann Schuld überhaupt gesühnt werden?
Vier junge Menschen, Frauke und Tamara, sowie die beiden Brüder Kris und Wolf, haben eine vermeintlich geniale Geschäftsidee. Gegen Bezahlung wollen sie sich für andere Menschen entschuldigen. Schnell hat ihre Agentur einen gut zahlenden Kundenkreis. Manager, die ein schlechtes Gewissen gegenüber entsorgten Mitarbeitern, verlassenen Expartnerinnen usw. haben und sich mit diesen „Problemen“ nicht mehr selbst beschäftigen möchten. Alles scheint bestens zu laufen, bis sie sich eines Tages bei einer brutal ermordeten Frau entschuldigen sollen…
„Sorry“ ist keine einfache Lektüre, weder sprachlich noch inhaltlich. Häufige Perspektivwechsel und Zeitsprünge sind anfangs etwas verwirrend, die Brutalität mancher Szenen erschreckend und für meinen Geschmack allzu detailliert beschrieben. Ohne diese Szenen hätte ich „Sorry“ vermutlich in einem Zug durchgelesen, so fesselnd ist es geschrieben.
Drvenkars präzise und knappe Schilderungen ließen Bilder in meinem Kopf entstehen, die Figuren lebendig werden. Sehr ungewohnt ist, dass der Leser mit „du“ angesprochen wird und in die Position des Mörders versetzt wird. In anderen Kapiteln ist der Leser dann mit dem Erzähler Beobachter und bleibt so stets Beteiligter der Geschichte.
In diesem ungewöhnlichen Psychothriller spielt die Polizei nur eine Nebenrolle. Die Spannung wird durch den Einblick in die Abgründe menschlicher Seelen und zwischenmenschlicher Beziehungen erzeugt, sowie durch das Verhalten von Menschen unter extremer psychischer und körperlicher Belastung. Wer ist Täter und wer Opfer?  Die Beantwortung dieser Frage ist bei „Sorry“ nicht so leicht, wie es anfangs scheint.
Störend fand ich die konsequente Verwendung von ß statt ss, sogar bei Boss und Business, sowie die fehlenden Satzzeichen bei wörtlicher Rede. Abzug gibt es auch für die allzu ausführliche Darstellung einiger Gewaltszenen.
„Sorry“ fragt nach Schuld und Moral und überlässt die Beantwortung dieser Fragen dem Leser. Ein beeindruckendes Buch, das ganz anders endet als erwartet und die Leser nicht nur deshalb noch lange beschäftigt.

Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt.


Kommerzialisierte Entschuldigungen

02.09.2009 Bewertung:  3 goldfisch vergibt 6 von 10 Punkten

Userpic

Vier Freunde, alle Ende Zwanzig, habe eine scheinbar geniale Geschäftsidee. Tamara, Frauke, Kris und sein jüngerer Bruder Wolf wollen anderen Menschen das Sich-Entschuldigen abnehmen - für viel Geld natürlich. Zielgruppe sind gut zahlende Unternehmen. Das geht solange gut, bis sie sich bei einer Leiche entschuldigen sollen...

 

Zoran Drvenkar ist es auch in seinem neusten Roman wieder gelungen, eine ungewöhnliche Idee auf eine aus dem Rahmen fallende Art und Weise zu erzählen. Schon das Cover ist sehr gelungen, mit der roten Banderole, die den Leser vor dem Inhalt warnen soll. Zu Recht, denn schon das erste Kapitel ist definitiv nichts für Zartbesaitete. Dann die Unterteilung der Kapitel in die verschiedenen Zeitabschnitte davor, dazwischen und danach, sowie die Perspektiven der jeweiligen Hauptfiguren. Der Leser wird zum Täter gemacht und bekommt seine Gräueltaten von einem Unbekannten erzählt. Die Figuren werden durch die plastischen Schilderungen zum Leben erweckt und die vielen Perspektivwechsel waren erstaunlicherweise nicht verwirrend.

\"Sorry\" ist viel mehr als ein Psychothriller, der sich weit abseits der ausgetretenen Pfade anderer Bestseller bewegt. Das Buch macht nachdenklich über die Verteilung der Opfer- und Täterrollen, sowie natürlich die Frage, ob wildfremde Menschen sich für Taten entschuldigen können, die sie selbst gar nicht begangen haben. Außerdem ist es eine interessante psychologische Studie, wie enge Freunde unter extremem Stress reagieren könnten.

Ein sehr empfehlenswerter Thriller, der nur deshalb zwei Punkte Abzug bekommt, weil mir einige Gewaltszenen viel zu detailliert beschrieben waren und für die nervige Verwendung des Wortes \"Busineß\". Nichts gegen die alte Rechtschreibung, aber Business mit ß geht bei mir überhaupt nicht.


goldfisch hat insgesamt 9 Rezensionen angelegt.


Ein Thriller wie ein böser Traum

13.05.2010 Bewertung:  5 KimVi vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic

Vier Freunden kommt nach einer durchzechten Nacht eine geniale Geschäftsidee in den Sinn. Kris, Wolf, Frauke und Tamara gründen die Dienstleistungsagentur \"Sorry\", ihr Angebot - Entschuldigungen. Geschäftsunternehmen können ihre Dienste in Anspruch nehmen, um sich zum Beispiel bei ehemaligen Mitarbeitern in aller Form zu entschuldigen und begangenes Unrecht zu bereinigen. Da es einigen Bedarf gibt, schließen die vier Freunde mit ihrer genialen Idee eine Marktlücke und verdienen sehr viel Geld. Bis zu dem Tag an dem Du von der Agentur hörst.

 

Voller Aufregung rufst Du in der Agentur an. Du gibst dich als  Geschäftsmann Lars Meybach aus und erteilst der Agentur einen Auftrag. Du schickst sie zu Dorothea Haneff, denn Du möchtest dich bei ihr entschuldigen. Den wahren Grund für deine Entschuldigung kannst Du bei der Auftragserteilung natürlich nicht angeben. Denn Du hast diese Frau auf bestialische Art und Weise ermordet. Durch das Angebot der Agentur bist Du auf bestem Wege dich von deiner Schuld zu befreien, oder?

 

Für den Fall, dass die Agenturmitarbeiter ihren Auftrag nicht ausführen möchten, hast Du dich vorsichtshalber ein wenig in ihrem näheren Familienkreis umgesehen und ein gut plazierter Brief  in der Nähe der Getöteten, mit Fotos der Angehörigen, sollte auch dieses Problem lösen. Du hast dich wirklich gut vorbereitet und an alles gedacht. Oder?

 

So zwingst Du die vier geschockten Freunde ihren Auftrag zu erfüllen, denn dafür hast Du ja schließlich auch bezahlt! Außerdem hast Du die Absicht die Dienste der Agentur erneut in Anspruch zu nehmen, denn Du hast ja noch jemanden aufgespürt, der Vergeltung nötig hat. Sicher, Du hast an alles gedacht, deshalb muss ich dich auch nicht auf den Mann hinweisen, der gar nicht da war......

 

 

Meine Meinung

 

 

Ich bin ein großer Fan von Thrillern, deshalb habe ich schon unzählige Bücher dieses Genres gelesen. Eigentlich dachte ich nun auch, ich hätte schon alles gelesen und nichts könnte mich noch schocken. Aber weit gefehlt, dieser Thriller liefert wirklich atemlose Spannung und ist nichts für schwache Nerven. Die rote Banderole mit dem Sicherheitshinweis: \" ... aber sagen Sie später bitte nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt. \" hat durchaus ihre Berechtigung. Deshalb kann ich nur hoffen, dass das Buch von speziell geschultem Personal in der Buchhandlung verkauft wird....

 

Durch die verschiedenen Erzählperspektiven, Kris, Wolf, Tamara, Frauke, Du und Der Mann der nicht da war, wird eine immense Spannung erzeugt. Auch die Zeitsprünge wie dazwischen, danach und davor stiften zunächst große Verwirrung und führen einen so manches Mal in die Irre. Mir war bis zum Schluß nicht ganz klar, wie alles zusammenhängt und somit wird die Spannung bis zum Schluß aufrecht erhalten. Überrascht habe ich festgestellt, dass sich am Ende wirklich alles zusammenfügt und keine losen Fäden übrig bleiben. Gewöhnungsbedürftig war zunächst, dass die wörtliche Rede hier nicht in Anführungszeichen, sondern lediglich durch einen Querstrich gekennzeichnet ist.

 

Für alle, nicht ganz zart besaiteten, Thrillerfans kann ich hier eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen. Man gerät förmlich in den Sog der Erzählung und möchte unbedingt erfahren wie alles zusammenhängt. Auch die detailliert geschilderte Ermordung war in diesem Fall nötig, denn schließlich hast Du sie ja auf dem Gewissen...


KimVi hat insgesamt 226 Rezensionen angelegt.


Psychothriller, bei dem der Leser eine Hauptrolle inne hat

18.05.2010 Bewertung:  4 Bellexr vergibt 8 von 10 Punkten

Userpic

Vier Berliner Freunde, alle Anfang 30, kommen auf die Idee, eine Agentur für Entschuldigungen zu gründen. Schon schnell floriert ihr Geschäft und sie können ihren Erfolg kaum fassen. Frauke und Tamara kümmern sich um das Organisatorische, die Brüder Kris und Wolf erledigen die Aufträge. Eines Tages erhalten sie den Auftrag, sich bei einer Frau zu entschuldigen. Wolf geht zu der angegebenen Adresse und findet eine Ermordete vor, bei der er sich im Auftrag des Mörders entschuldigen soll. Und da der Mörder sie erpresst, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als dies zu erledigen. Doch ist der Auftrag für den Mörder damit beendet?

 

Der Leser ist schon nach dem ersten Satz mit in die Geschichte eingebunden, da der Autor einen direkt anspricht und dies auf eine sehr beklemmende und spannende Art. In verschiedenen Perspektiven erzählt Zoran Drvenkar seine Geschichte, so wechselt er immer wieder zwischen den vier Hauptfiguren und erzählt aus deren Blickwinkel, sowie aus der Perspektive zweier weiterer Personen und des Mörders. Und die Rolle des Mörders hat Zoran Drvenkar seinen Lesern zugedacht.

 

Die Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven ist anfangs etwas verwirrend, doch nach kurzer Zeit findet man sich damit zurecht, zumal bei jedem Wechsel angegeben ist, aus welchem Blickwinkel die Geschichte weitererzählt wird.

 

Dieses für einen Thriller wirklich ungewöhnliche Einbinden des Lesers ist äußerst spannend angelegt und mit jeder Seite taucht man mehr in die Story ein, sodass man nach kurzer Zeit das Gefühl erhält, ein Teil von ihr zu sein. Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben und einige bleiben einem bis zum Ende äußerst rätselhaft, was für die Spannung auch sehr förderlich ist.

 

Alles in allem ist Zoran Drvenkar hier ein äußerst ungewöhnlicher und extrem spannender Thriller gelungen, der die Themen Schuld und Sühne behandelt. Absolut empfehlenswert, aber nichts für schwache Nerven.


Bellexr hat insgesamt 28 Rezensionen angelegt.


Zoran Drvenkar - Sorry

19.08.2010 Bewertung:  5 Stahlfixx vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic

Über das Buch:
Chris, Wolf, Tamara und Frauke sind typische Vertreter der \"Generation Praktikum\", trotz guter Bildung bieten sich ihnen im Berufsleben recht wenig (dauerhafte) Perspektiven und so dümpeln sie mehr schlecht als recht mit Ende zwanzig, ohne Ziel und in recht kindlichen Verhaltensweisen gefangen, dahin. Bis sie an einem Abend die zündende Idee haben, sie gründen eine Agentur, die sich für andere entschuldigt, was ja bisweilen für den, der sich entschuldigen müsste, nicht einfach ist, wird \"fremd-übernommen\" und zur lukrativen Einnahmequelle für die Freunde. Alles läuft wunderbar, bis sie wieder zu einem \"Fall\" gerufen werden, Chris fährt zu der ihm genannten Adresse und läutet, die Tür steht offen und er geht hinein. In der Wohnung bietet sich ihm ein grausamer Anblick, eine hingerichtete Frau und Instruktionen vom Mörder - dass er sich bei der Leiche entschuldigen soll und danach wäre noch der Tatort zu säubern und die Leiche verschwinden zu lassen, dazu sind noch Fotos gelegt, die wichtige Bezugspersonen der vier zeigen - der Mörder will klarstellen, dass wenn das mit dem Beseitigen der Leiche nicht klappen sollte, er genau weiss, wer als nächstes das Zeitliche segnet... Chris ruft seine Freunde zu Hilfe und alle zusammen tun, was der Mörder von ihnen verlangt, was sie nicht wissen ist, dass das erst der Anfang eines Alptraumes für jeden einzelnen der Freunde sein wird.


Meine Meinung:
\"Sorry\" ist für mich einer der besten deutschen (Psycho-) Thriller, die ich bisher gelesen habe, ein Buch, dass eine bisher noch nicht bekannte, oder ähnlich beschriebene Geschichte, in einer für mich noch nicht gelesenen Form, erzählt. Ein Buch, das mich sehr gut unterhalten hat, das in keinster Weise vorhersehbar war, das mich zum Nachdenken gebracht hat und das mir sicherlich im Gedächtnis bleiben wird.
Trotzdem kann ich \"Sorry\" nicht uneingeschränkt weiterempfehlen, denn teilweise wird das Buch sehr brutal und grausam, wer mit (gelesenen) tiefen und real geschilderten menschlichen Abgründen kein Problem hat, bekommt hier, meiner Meinung nach, einen Thriller der Extraklasse serviert. Der interessierte Leser sollte einfach, wenn er das Buch in die Hand bekommt einmal hineinlesen, wer die ersten ca. 10 Seiten übersteht, der kann sich das Buch zulegen, wem das schon zu heavy ist, der sollte natürlich lieber nicht zugreifen. Dazu kommt noch die etwas unkonventionelle Erzählperspektive, die Geschichte ist nicht chronologisch aufgebaut und ist doch ein recht verwirrendes und verstörendes Leseerlebnis, ein Buch, das man nicht einfach \"weglesen\"und weglegen kann. Außerdem fehlt die \"wörtliche Rede\" wie man sie üblicherweise kennt - Dialoge sind mit einem Bindestrich gekennzeichnet, teilweise ist das etwas verwirrend, man weiss nicht immer, wer spricht oder wann die Aussage wieder beendet ist oder wann der \"Sprecher\" wechselt.
Der Einstieg ins Buch ist recht brutal, danach wird der Leser sozusagen von einem Erzähler an die Hand genommen und lernt die vier Mitarbeiter und deren Weg zu der Agentur \"Sorry\" näher kennen. Die einzelnen Kapitel tragen die Überschriften Chris, Wolf, Tamara oder Frauke, so erfährt der Leser verschiedene, an sich gleiche Begebenheiten oder Erlebnisse, aus verschiedenen Perspektiven, damit sind aber noch nicht alle Perspektiven abgedeckt, dazwischen gibt es noch Kapitel die mit \"Du\", \"davor\", \"dazwischen\", \"danach\" und \"Der Mann der nicht da war\" betitelt sind und damit lässt sich erahnen, dass es sich hier nicht um einen \"Mord - wer war es - Thriller\" handelt und die Geschichte wird komplex und als Leser ist man nicht sofort in der Lage alles zu verstehen oder zuordnen zu können, vieles erschließt sich erst im Nachhinein. Vor allem die \"Du\" Kapitel sind außergewöhnlich und fast schon ein wenig unangenehm zu lesen, denn man glaubt als Leser, vom Erzähler, direkt als Mörder angesprochen zu werden, so wird man (ungewollt) zu einem Teil des Buches, wird zum Verbrecher. Die wahre Identität des \"Du\" bleibt fast bis zum Schluss im Dunkeln, im letzten Drittel des Buches ahnt man aber langsam, dass man als Leser nicht damit gemeint sein sein kann.
Im Buch gibt es zwei Haupthandlungsstränge, die Geschichte der Protagonisten und die Geschichte des Mörders und zwei Zeitebenen - Chris, Wolf, Tamara und Frauke im \"Jetzt\" und die Geschichte des Täters in der Vergangenheit, als sich die beiden Geschichten kreuzen beginnt das eigentliche Zeitmaß der Gesamtgeschichte - der erste Mord, alles andere ist \"vorher\", \"dazwischen\" oder \"danach\". Damit ist ist es aber noch nicht genug, es taucht auch noch \"Der Mann der nicht da war\" im \"Jetzt\" auf, der auf Rache sinnt, obwohl er nicht die ganze Wahrheit kennt. Die wahre Geschichte hinter den Morden erschließt sich auch dem Leser erst relativ spät.
Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, Hauptthema ist meiner Meinung nach ein bedrückendes Spiel mit der \"Schuld\" und wie man damit umgeht. Der Ablasshandel hat sich schon im Mittelalter nicht bewährt und übertragen auf unsere Zeit ist es ähnlich - übernimmt der, der sich entschuldigt die Schuld, obwohl er eigentlich nichts getan hat, kann man eine Entschuldigung kaufen, kann man Schuld abgeben und trägt dann der, der sich Entschuldigt hat die Verantwortung für die Taten, für die er sich entschuldigt hat. Was macht Schuld mit Menschen, der Mörder verliert sich selbst in Schuld. Haben sich Chris, Wolf, Tamara und Frauke schuldig gemacht, als sie \"Sorry\" gründeten, gab es die Morde eventuell nur, weil es jemanden gab, der sich dafür entschuldigen wird und damit die Schuld abnimmt. Sehr gut wird auch beschrieben, wie die Hilflosigkeit aller Beteiligten eskaliert, wie die Moral, sobald eigene Interessen beteiligt sind, sinkt. Die Bewertung aber, wer wirklich schuldig ist überlässt der Autor dem Leser, denn Schuld und Unschuld, Gut und Böse liegen manchmal näher zusammen als man sich vorstellen kann.


Mein Fazit:
Ein sehr düsteres und auch stellenweise sehr brutales Buch, sehr ungewöhnlich in Stil und Ausdruck, verstörend und kreativ, das zum Nachdenken anregt und sicherlich nicht schnell zu vergessen ist.


Stahlfixx hat insgesamt 42 Rezensionen angelegt.


Wenn Opfer zu Tätern werden

08.01.2011 Bewertung:  4.5 Pharo72 vergibt 9 von 10 Punkten

Userpic

Vier ehemalige Schulfreunde haben eine geniale Idee. Sie gründen die Agentur „Sorry“ und bieten im geschäftlichen Bereich an, bei den Opfern anstelle des Schuldigen um Verzeihung zu bitten. Die Firma wird ein voller Erfolg. Doch eines Tages werden sie an einen Tatort bestellt und sollen sich bei einer schrecklich zugerichteten Leiche entschuldigen und für deren Verschwinden sorgen. An dieser Stelle werden sich die Freunde uneinig, ein erster Bruch zeichnet sich ab. Ein perfides Spiel wird eröffnet und es gibt noch mehr Mitspieler. Jeder für sich wird in einen Sog aus Schuld und Sühne hineingezogen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.

Mit diesem Thriller legt Zoran Drvenkar einen zutiefst verstörenden Roman vor. Bereits der Anfang schockt enorm und zartbesaitete Leser werden das Buch wohl bereits jetzt weglegen. Danach lernen wir die vier Protagonisten und ihren Weg zur eigenen Firma hin kennen. Die Konfrontation mit der ersten Leiche bildet einen Spannungshöhepunkt und von da ab ist es fast unmöglich, sich dem Sog der Geschichte zu entziehen.

Man hat sich inzwischen an die vielen Perspektivenwechsel sowie die ungewöhnlich persönliche Ansprache in der zweiten Person gewöhnt und bekommt langsam durch die Rückblicke eine Ahnung von den Abgründen, in die man hineingezogen wird. Je deutlicher die Vergangenheit hervortritt, um so mehr Verständnis bringt man dem Täter entgegen. Letzten Endes ist sein Weg, wenn auch nicht der Richtige, so doch menschlich nachvollziehbar.

Anfängliche Verwirrungen und Unklarheiten lösen sich auf wie ein perfekt konstruiertes Puzzle. Opfer gibt es sowohl bei den Schuldigen also auch den Unschuldigen, ohne jedoch zu sehr in blutigen Details zu schwelgen. Ein wenig irritierend fand ich anfangs noch, dass der Roman in alter Rechtschreibung gedruckt wurde, aber auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit wieder und dies soll nicht zu einem Punktabzug führen. Wer einen ungewöhnlichen, jedoch gnadenlos spannenden Thriller lesen mag, dem sei „Sorry“ uneingeschränkt empfohlen.


Pharo72 hat insgesamt 83 Rezensionen angelegt.


Es gibt sie noch, die Krimi-Elite in Deutschland

24.02.2012 Bewertung:  5 rumble-bee vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic

Dienstag. Ich bummle mit einer Freundin durch den Buchladen, entscheide mich nach vielem Hin und Her für den Kauf dieses Buches. Noch hätte ich mich anders entscheiden können - doch ich sollte diesem Buch wohl nicht entgehen.

Dienstag abend. Eigentlich wollte ich heute noch weg, doch das ist kurzerhand gestrichen. Auch für den Besuch, den sich mein Mann eingeladen hat, habe ich nur ein halbes Ohr. Heute gelange ich genau bis zur Mitte des Buches. Fast bin ich wütend auf mich, dass ich müde werde und unterbrechen muss.

Mittwoch. Der Tag steht unter einem unruhigen Stern. Heute ist der Tag, an dem ich dieses Buch zu Ende lesen MUSS. Ich bin wiederum fast ärgerlich über jede Unterbrechung, das \"Taxi Mama\" nimmt zwar seinen Dienst auf, greift aber, kaum daheim, wieder zum Buch.

Mittwoch abend. Eine Kanne Tee und viele Seiten später. Das Buch ist zugeklappt, die Geschichte beendet. Oder doch nicht? Die Charaktere und die Story schweben noch immer im Raum. Ich mag nicht so bald zu Bett gehen, ich denke nach, sinniere, fühle mit, leide. Und ich lese die ersten Kapitel noch einmal. Danach wird mir so langsam klar, dass dies einer der besten Thriller war, die mir jemals in die Hände gefallen sind.

Ist dies ein perfektes Buch, wird der Leser der Rezension nun fragen. Ist es ein Buch ohne Mängel oder Macken. Ist es ein Buch, das man gelesen haben muss. Merkwürdigerweise würde ich in allen diesen Fällen mit \"Nein\" antworten - doch dieses Buch hat mir deutlich gemacht, dass zu einem gelungenen Lese-Erlebnis eben mehr gehört, als logisch erklärbar ist. 

Zwei Worte drängeln sich nach vorne. Sie sind der Meinung, dass sie dieses Buch hinreichend beschreiben. Es sind die Worte \"verstörend\" und \"originell\". Aus der Seitenkulisse taucht noch ein Wort auf, das sich auf die Hauptfiguren bezieht. \"Unperfekt\". In der Tat habe ich zwei Tage lang mit Menschen gelebt und gelitten, die alles andere als realitätsnah waren, die ich so nicht kenne, die sicherlich ein wenig kaputt und orientierungslos wirkten, und zwar allesamt. Und wisst ihr was - es war mir egal.

Das absolut Verstörende an dem Buch ist, dass es einem als Leser die Aufgabe der Bewertung nicht abnimmt. Oberflächlich mag man wissen, die vier Freunde sind die Guten, und der Killer und die Menschen aus seiner Vorgeschichte sind die Bösen. Doch so einfach ist es nicht. Im Laufe der Handlung begeht jeder, aber auch wirklich jeder, etliche Dummheiten, und steht vor tiefen Krisen.

Dieses Gefühl der Verstörtheit kombiniert der Autor dann unglaublich kunstvoll mit formeller Originalität. Das Buch ist völlig neuartig aufgebaut, so etwas habe ich noch nicht gelesen. Das übliche Thriller-Einerlei war es auf keinen Fall! Es gab verschiedene Überschriften, die die Abschnitte (ich möchte nicht gerne \"Kapitel\" sagen) eingeleitet und strukturiert haben: \"davor\", \"danach\", \"dazwischen\", \"Du\", \"der Mann, der nicht da war\", sowie die Namen der vier Freunde, \"Kris\", \"Tamara\", \"Frauke\", und \"Wolf\". Erst im Rückblick macht das alles seinen Sinn. Deshalb würde ich auch jedem Leser raten, das Buch nicht zuzuklappen mit dem Gedanken, wie verwirrend das alles doch war. Lest zumindest die ersten Kapitel (jetzt hab ichs ja doch gesagt) nochmal, dann werdet ihr merken, dass das alles wohl durchdacht war. Und eins kann ich euch versichern: ihr werdet NIE darauf kommen, WER das ist, der in den Abschnitten \"danach\" spricht!!

Gut, man mag sich streiten, ob die Thematik des Buches (das, was den Killer letztlich zu seinen Taten trieb) wirklich so neu ist. Darüber schreibt in letzter Zeit wirklich jeder. Aber auch hier schafft es der Autor, dem Ganzen neue Züge zu verleihen. Denn er lässt die Frage offen, inwieweit Butch, der Freund aus Kindheitstagen, wirklich freiwillig (!) involviert war... eine gruselige Vorstellung!!

Ganz genial fand ich auch die Sprache und Ausdrucksweise. Noch NIE habe ich ein Buch gelesen, in dem so konsequent im Präsens geschrieben wurde, und zwar auch dann, wenn es um Ereignisse in der Vergangenheit oder Zukunft geht. Dazu klare, knappe Sätze, die oft die Zerrissenheit der ganzen Situation noch betonen. Der Effekt ist unmittelbar und eindringlich: man erlebt das Buch als Leser als nahezu schicksalhaft, die Ereignisse als unhaufhaltbar. Dies dann auch noch kombiniert mit dem genial ausgetüftelten Spannungsbogen, und fertig ist ein Lese-Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Mein Fazit kann nur lauten: dieses Buch bleibt in meinem Besitz, ich werde es vermutlich ein zweites Mal lesen. Und ich rate jedem Thriller-Fan, nicht achtlos daran vorbeizugehen. DU, ja genau DU, Leser, bist gemeint. Nimm und lies! Und dann denke nach - so wie ich.

 


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


 
Joomla templates by a4joomla