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Krimi/Thriller: Die Todesfee: Schwester Fidelma ermittelt
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Titel:      Die Todesfee: Schwester Fidelma ermittelt
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      10210
Autor:      Peter Tremayne
ISBN-10(13):      3746627281
Verlag:      Aufbau
Publikationsdatum:      2011-10-10
Edition:      2
Number of pages:      447
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

5 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Eine Nonne ermittelt

09.03.2013 Bewertung:  5 kerry3 vergibt 10 von 10 Punkten

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Die irische Nonne Fidelma lebt im 7. Jahrhundert und ist Mitglied der von St. Brigid in Kildare. Ihre Glaubensrichtung ist die, die man heute die "Keltische Kirche" nennt und die sich teilweise im Widerstreit mit der römischen dieser Zeit befand. Ab dem 7. Jahrhundert spielten Klöster eine immer bedeutendere Rolle. Die meist adligen Äbte, gleichzeitig auch Bischöfe und Landbesitzer, wurden so mächtig wie die Regionalkönige.


Auch Fidelma ist nicht nur eine einfach Nonne, die aus königlichem Haus stammende junge Frau ist zudem noch eine dálaigh (sprich: dawlie) - eine Anwältin mit hervorragender juristischer Ausbildung, einen scharfen und logischem Verstand und dem Talent, auch die verzwicktesten Fälle zu lösen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dabei steht ihr der Mönch Eadulf zur Seite, zuerst ein ihr lieber Weggefährte, später ihr Mann, der mir ein wenig wie eine irische, mittelalterliche Version von Holmes´ Dr. Watson vorkommt. Zu dieser Beziehung ist zu sagen, dass das Zölibat in vielen irischen Abteien damals sich nicht durchsetzen hatte können und Mönche und Nonnen zusammen lebten, ihre Kinder im christlichen Glauben und zum Dienst an Gott erziehend.

Oft muss Fidelma sich gegen hochgestellte Adelige, Äbte oder voreingenommene Brehons (die irischen Richter dieser Zeit) durchsetzen und obwohl die Rolle der Frau im Irland dieser Zeit eine außerordentlich gleichberechtigte war, stößt sie dabei hin und wieder auf Herablassung. Hilfreich dagegen ist sicher, dass die die Schwester des Königs von Cashel ist, doch diese Rolle spielt sie selten aus, sondern verlässt sich selbstbewußt auf ihre Stärke und ihr Wissen um ihre Rechte. Fidelma ist mutig, hält ihre größte Schwäche - ihre Ungeduld - meist gut im Zaum, zeigt auch eine gewisse Sturheit, wenn es um das geht, was ihr am Wichtigsten ist: die Gerechtigkeit.

Peter Tremayne zeichnet mit Fidelma das Bild einer sympathischen und starken Frau, für den Leser ist sie eine wunderbare Hauptfigur, für weibliche Leser wohl sogar jemand, mit dem man sich gerne identifiziert. Interessant ist dabei, dass Tremayne nie das Aussehen der Nonne beschreibt, man trotzdem aber ein klares Bild von ihr vor dem inneren Auge hat, allein dadurch, wie Fidelma handelt und spricht.

 

Als ich diesen Band der von mir geliebten Fidelma-Reihe kaufte, war mir nicht klar gewesen, dass es sich hier nicht um einen Roman, sondern um eine Kurzgeschichtensammlung handelt. Da ich solche nicht unbedingt mag, war ich etwas skeptisch, als ich zu Lesen begann... und nach kürzester Zeit genauso gefesselt wie immer, wenn Fidelma ermittelt.
So unterschiedlich wie die Schauplätze, die handelnden Personen neben Fidelma, die Verbrechen in Tremaynes Romanen sind, so unterschiedlich sind sie auch hier.

Natürlich gibt es in diesem Buch Geschichten, die einem besser gefallen als andere, aber jede für sich ist sehr gelungen, spannend und mit Witz und intelligent geschrieben. Man rätselt beim Lesen mit, meint oft, die Lösung vorab zu wissen, ist auch hin und wieder auf der richtigen Spur und doch am Ende immer wieder überrascht, wobei kein Ende konstruiert oder an den Haaren herbei gezogen ist, sondern immer logisch und in sich schlüssig

Diese Sammlung von Kurzgeschichten wie auch die Fidelma-Romane kann man rein zur Unterhaltung lesen, sie sind leicht lesbar und enorm spannend. Die irischen Namen irritieren nicht, obwohl sie natürlich ungewohnt sind - es kommt schließlich nicht darauf an, dass man sie korrekt ausspricht und die einzelnen Namen der Handelnden sind jeweils so gewählt, dass man sie nicht verwechselt.
Was mich mit meinem Interesse für die irische / keltische Geschichte so fasziniert ist die Tatsache, dass man bei Lesen so ganz nebenher auch eine Menge über das Rechtswesen, die gesellschaftlichen Verhältnisse und das Leben der Menschen in dieser Zeit erfährt. Ein kleiner Satz über das Erbrecht, zwei oder drei Sätze, die erklären, wie die Nachfolgerschaft des Stammesfürsten bestimmt wurde, ein kleiner Disput Fidelmas mit einem Abt oder Adeligen, der erläutert, warum sie ihm etwas zu befehlen hat... das läuft alles so nebenher mit ein. Ich möchte an dieser Stelle keine Abhandlung über die Geschichte Irlands des 7 Jahrhunderts halten, auch wenn ich gerade durch diese Romane viel darüber gelernt habe und das sehr interessant finde. Ich sage nur: Lest die Bücher - wen es interessiert, der behält dieses Wissen automatisch im Kopf, wen es nicht interessiert, den stört es nicht. Der Historiker Peter Tremayne hat das Wissen, der Belletristik-Autor Peter Tremayne bringt es zum Vorteil der Bücher ein - eine tolle Sache.

Meine Empfehlung sowohl für diese Sammlung von Kurzgeschichten als auch für sämtliche Fidelma-Romane richtet sich an eine große Zielgruppe: an Männer wie Frauen und auch Jugendliche, die gerne Krimis lesen, ob nun historische oder "normale", an alle Liebhaber speziell des historischen Kriminalromans sowieso. An alle, die sich für die irische/keltische Geschichte interessieren und an alle, die sich gerne leicht und dennoch intelligent unterhalten lassen. Und wer neben der Unterhaltung auch noch Wissen aufschnappen möchte, der ist ebenfalls gut bedient. 5 Sterne - was sonst?


kerry3 hat insgesamt 30 Rezensionen angelegt.


 
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