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Krimi/Thriller: Verflucht seist du: Kommissar Dühnforts fünfter Fall
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Titel:      Verflucht seist du: Kommissar Dühnforts fünfter Fall
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      10173
Autor:      Inge Löhnig
ISBN-10(13):      3548611230
Verlag:      List Taschenbuch
Publikationsdatum:      2012-12-14
Number of pages:      432
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

5 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Cybermobbing

06.01.2013 Bewertung:  5 goat vergibt 10 von 10 Punkten

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Bei „Verflucht seist Du“ handelt es sich bereits um den fünften Band aus der Kommissar Dühnfort-Reihe. Die Covergestaltung weicht dieses Mal geringfügig von den anderen Büchern aus der Reihe ab. Die Vorgängerbände hatten immer einen weißen Hintergrund mit roter Schrift. Die Schriftart und Größe des Buchtitels waren immer gleich und im Fokus des Covers war grundsätzlich ein einzelner Gegenstand. In diesem Fall fehlt der Gegenstand und es ist stattdessen eine Landschaft abgebildet – ein Feld mit Treckerspuren, die zu einer Dorfkirche führen. Auch die Überschrift ist plötzlich in einer anderen Schriftart und überlagert das Cover regelrecht, so fett ist sie gedruckt. Einzig die Tatsache, dass die Überschrift wie immer aus drei Wörtern besteht, ist geblieben. Das Cover sieht nicht schlecht aus und passt zu einem Krimi, ist aber gewöhnungsbedürftig.

München im Hochsommer: Es ist Mitternacht und noch immer brütende Hitze. Ricarda Nowotny kann nicht schlafen. Sie ist leicht angetrunken, weil sie bereits einiges an Wein zu sich genommen hat, und setzt sich deshalb nun mit einer Flasche Volvic auf ihren Balkon. Als ihr Blick an einem gegenüberliegenden Rohbau hängen bleibt, sieht sie dort im ersten Stock das Aufglimmen einer Zigarette. Wenig später fällt ein Schuss, glaubt Ricarda – sicher ist sie sich jedoch nicht aufgrund ihres Alkoholpegels. Sie hört noch eine schlagende Autotür und den startenden Motor eines Lieferwagens, der sich schnell entfernt und noch ein Vorfahrtsschild touchiert. Den Vorsatz, die Polizei anzurufen, schiebt sie beiseite, als sie feststellt, dass anscheinend auch kein anderer den Schuss gehört zu haben scheint. Kurz nach ein Uhr legt sie sich ins Bett, kann jedoch wieder nicht einschlafen, nur dieses Mal lässt ihr der Vorfall keine Ruhe und sie ruft nun doch die Polizei.

Morgens 6 Uhr: Kommissar Konstantin (Tino) Dühnfort ist bereits frisch geduscht und bereitet das Frühstück für sich und Gina vor. Die beiden unterhalten sich gerade über die Vergrößerung von Tinos Wohnung, die mithilfe eines Mauerdurchbruchs zur leer stehenden Nachbarwohnung erfolgen soll, als das Telefon klingelt. In Unterhaching gab es in der letzten Nacht einen Toten auf einer Baustelle …

Über einige ungeplante Umwege stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um einen Jugendlichen namens Daniel handelt. In seiner Hosentasche findet die Polizei einige Drogen und Geldscheine. Dühnfort hört sich in Daniels Clique um, die sich allesamt als Kinder gut betuchter Eltern herausstellen – ein Umfeld, in das Daniel nicht so recht reingepasst hat. Aus welchem Grund hat Daniel mit Drogen gedealt – vielleicht um seiner Exfreundin Mika zu imponieren? Und wie passt der Selbstmord von Mikas Freundin ins Bild? Gibt es vielleicht einen Zusammenhang?

Inge Löhnig hat sich in diesem Band dem Thema soziales Netzwerk gewidmet. Sie hat sich ausreichend darüber informiert und macht auch ihren Kommissar so langsam aber sicher mit der modernen Technik vertraut – mit dem Resultat, dass dieser sich tatsächlich selbst bei Facebook anmeldet, nachdem er zu der Erkenntnis gelangt ist, dass ihm früher oder später sowieso nichts anderes übrig bleibt. Dühnfort macht sich in diesem Band leider etwas rar, was vielleicht daran liegt, dass die Autorin ihr Hauptaugenmerk auf den Umkreis der toten Jugendlichen gelegt hat. In meinen Augen hat das den Krimi etwas ruhiger als sonst erscheinen lassen, aber auf keinen Fall langweilig. Selbst wenn ich das Gefühl hatte, die Handlung würde nur vor sich hinplätschern, blieb die Spannung immer konstant greifbar.

Die Protagonisten entwickeln sich in jedem Band merklich weiter. Ich freue mich, dass Konstantin und Gina nun endlich ein Paar sind und sich entschlossen haben, zusammenzuziehen. Schade, aber nachvollziehbar finde ich es, dass Gina nun die Abteilung gewechselt hat und nicht mehr mit Tino zusammenarbeitet (aber es kann nun mal nur einen Chef in der Beziehung geben und das ist ja meistens die Frau). Allerdings kommen wir Leser nun in den Genuss, am Rande auch von Ginas Arbeit zu erfahren – wie ein parallel laufender Fall – eben weil die beiden natürlich in der Freizeit auch über ihre Fälle miteinander reden.

Kirsten, die Neue im Team Dühnfort hat genau wie Gina eine sehr direkte Art, allerdings wirkt sie im Gegensatz zu ihr eher unterkühlt. Genau wie den Kollegen fällt es mir schwer, mit ihr warm zu werden. Dass Alois und Kirsten aneinandergeraten, ist quasi schon vorprogrammiert, weil beide sehr schwierige Charaktere sind. Aber genau das macht die Protagonisten aus. Sie haben alle Ecken und Kanten und es ist nur realistisch, dass nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen sein kann. Als Leser kann man sich so viel besser mit den einzelnen Figuren identifizieren.

Ich selber habe mit Facebook & Co. nicht viel am Hut, weil es mir viel zu unsicher ist. Im Grunde genommen hat mich Inge Löhnig mit dem Verlauf ihrer Geschichte auch nur bestätigt. Das Thema Cybermobbing ist gerade jetzt allgegenwärtig. Das Video von Amanda Todd ist auf der ganzen Welt zu sehen und ihr Selbstmord wird nicht der Letzte gewesen sein. Es ist grausam, was sich die Menschen gegenseitig antun im Schutze der Anonymität. Die Autorin hat das Thema sehr anschaulich beschrieben und der Selbstmord der jungen Isa hier im Roman regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Aber gibt es tatsächlich eine Verbindung zwischen diesem Selbstmord und dem Mord? Ich habe während des Lesens immer wieder gerätselt, wer Interesse an dem Tod des jungen Daniel gehabt haben könnte.

Die Auflösung des Mordfalls hat mich total überrascht. Ich hätte mit allem gerechnet, nur damit nicht. Die Kettenreaktion, die diese Handlung ausgelöst hat, kam mir zwar etwas übertrieben und unrealistisch vor, aber damit kann ich leben. Es ist genau das, was ich als Krimileser von einem guten Krimi erwarte – am Ende überrascht zu werden, nicht zu wissen, wer der Täter ist. Inge Löhnig hat alles richtig gemacht. Mit Spannung erwarte ich nun den nächsten Fall dieser Reihe und kann überzeugende fünf Sterne vergeben und meine Empfehlung aussprechen.


goat hat insgesamt 193 Rezensionen angelegt.


Verflucht seist Du

07.01.2013 Bewertung:  4.5 urmeli vergibt 9 von 10 Punkten

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Es sind Sommerferien in München, doch statt Spaß ist Trauer in der Gruppe junger Menschen. Ida hat sich umgebracht. Doch warum? Lag an den schlechten schulischen Leistungen und dem Druck ihrer Eltern oder doch an dem ominösen Sascha, den sie im Internet kennen und lieben gelernt hat und der sie bloßgestellt hat. Als dann Daniel, ebenfalls Mitglied dieser Gruppe, in einem Rohbau gelockt und dort mit Vorsatz erschossen wird versucht Kommissar Dühnfort mit seinen Kollegen Licht in die Verstrickungen zu bekommen. Daniel saß wegen Drogenhandel und es wurden Ecstasy bei ihm gefunden, doch keiner von den Jugendlichen kann es fassen. Nicht nur die Polizei, auch Idas beste Freundin Mika begibt sich auf die Suche nach Sascha.

In diesem Kriminalroman geht es nicht nur um die Aufklärung des Mordes und das Verstehen des Selbstmordes, es geht auch um das Loslösen junger Menschen von ihrem Elternhaus. In diesen gut betuchten Familien geht es um den Schein nach außen, darum, dass die Kinder in die Fußstapfen der Eltern zu treten haben, den Vorstellungen und Wünschen zu gehorchen haben. Auch das persönliche Umfeld Dühnforts und seiner beiden Kollegen nimmt einen breiten Raum ein. Teilweise hat der Roman, neben aller Spannung, auch philosophische Ansätze.

Insgesamt ein äußerst interessanter Fall spannend und intelligent geschrieben mit immer neuen Entwicklungen. Nichts ist wie es scheint.


urmeli hat insgesamt 92 Rezensionen angelegt.


Der fünfte (und bisher beste) Dühnfort

15.01.2013 Bewertung:  5 metAlpAnda vergibt 10 von 10 Punkten

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Der 20-jährige Daniel wird nachts auf einer Baustelle abgepasst und erschossen. Auf den ersten Blick ein Delikt in der Drogenszene, doch Kommissar Dühnfort und sein Team geben sich nicht mit dem ersten Verdacht zufrieden. Im Zuge der Ermittlungen erfahren sie, dass es schon der zweite Tod innerhalb kurzer Zeit in Daniels Clique ist. Ein übergewichtiges Mädchen namens Isa ist wenige Monate zuvor Opfer von Cybermobbing auf Facebook geworden und hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Besteht ein Zusammenhang zwischen den beiden Toten? Dühnfort und seine Mitarbeiter haben es mit einem schwierigen Fall in der schweren Sommerhitze der bayerischen Hauptstadt zu tun.

Ich kenne alle bisher erschienenen Bände der Dühnfort-Reihe und muss ganz ehrlich sagen, dass "Verflucht seist du" in meinen Augen mit Abstand der beste Roman dieser Reihe ist. Frau Löhnig übertrifft sich mal wieder selbst. Sprachlich sowie inhaltlich sehr ansprechend - eine rundum gelungene Lektüre für die Fans des Krimi-Genres. Falsche Fährten, scheinbar belanglose Nebenhandlungen, Einschübe und auf den ersten Blick bedeutungslose Nebenpersonen, die später eine wichtige Rolle bei der Auflösung spielen - dieser Elemente hat sich die Autorin schon immer gerne bedient, doch in "Verflucht seist du" werden sie noch geschickter eingesetzt, die Überraschungsmomente kommen unvermittelt und überrumpeln den Leser in ihrer Einfachheit und Durchschaubarkeit erst dann, wenn die Autorin die Lösung auch tatsächlich präsentiert. Beim Lesen hatte ich mehrmals das Gefühl, den wahren Täter erkannt zu haben (und jedes Mal mit dem Gedanken "Na klar, genau so muss es sich zugetragen haben und nicht anders!") - doch immer lag ich daneben. Der beste Krimi ist der, der die Überraschung der Lösung bis zum Schluss offen hält.

Was ich ebenfalls lobend erwähnen muss, ist die Entwicklung der Hauptcharaktere, also der Ermittler. In den ersten Bänden hatte Dühnfort wenig Leben in sich, war für mich als Figur schwer vorstellbar. Sein einziger Lebensinhalt außerhalb des Dienstes bestand darin, die Zutaten fürs Abendessen auf dem Viktualienmarkt einzukaufen, selbiges zuzubereiten und auf dem Balkon zu verspeisen. Trostloses Junggesellenleben, aber irgendwann zum Gähnen langweilig für den Leser. Mittlerweile ist Dühnfort fest liiert und hat gewisse Zukunftspläne mit seiner Kollegin Gina. Zum ersten Mal (zumindest soweit ich mich erinnere) taucht auch Dühnforts Mutter in der Erzählung auf. Kleinigkeiten, die aber die Figur des Kommissars wirklich bereichern. Auch seine Teamkollegen werden von ihrer privaten Seite beleuchtet - die Krankheit des Sohnes von Alois und sein Hadern mit dem eigenen Gewissen mögen überhaupt nicht wichtig für den Kriminalfall zu sein (zumal Alois trotz privater Probleme hervorragende Ermittlungsarbeit leistet), macht aber die ganze Geschichte sehr menschlich und glaubwürdig. Nicht wie viele anderen Krimis, wo sich die Ermittler 24 Stunden am Tag nur mit dem Ermitteln beschäftigen, wie Kriminalroboter, auf die schnellste Falllösung programmiert.

Ebenfalls positiv anmerken muss ich, dass Inge Löhnig für ihre Erzählungen stets gründlich recherchiert hat. Als Beispiel die Geschichte mit dem Facebook-Cybermobbing. Beim Lesen unterhielt ich mich mit meinem IT-versierten Mann darüber und witzigerweise las ich wenige Seiten später genau das gleiche Ergebnis in Sachen "Durchsuchungsbeschluss bei Facebook". Die Autorin nimmt sich eines topaktuellen Themas an und stellt es wahrheitsgemäß, gut recherchiert und bestens ausgearbeitet dar. Daumen hoch!

Und auch wenn die Autorin ihr Krimi selbst nicht als "Regionalkrimi" sieht, finde ich dass Dühnfort unverwechselbar nach München gehört. Anfangs wurde ich nur deshalb auf diese Krimireihe aufmerksam, weil der Ort der Handlung Großraum München ist, wo ich auch wohne. Seien es die Löhnig-typischen ausufernden Beschreibungen der Umgebung, wofür die Autorin laut ihren Facebook-Postings ausgedehnte Radtouren um München unternimmt, oder das lakonische "ned" statt "nicht" von Evi, Mutter des Kindes von Alois - diese kleinen unverwechselbaren Details dürfen auch in der Zukunft nicht fehlen, denn sie machen diese Krimireihe in meinen Augen zum "Regionalkrimi", die mittlerweile weit hinter den Grenzen der Region Bekanntheit erlangt hat.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass Inge Löhnig mit "Verflucht seist du" einen herausragenden Krimi in jeder Hinsicht erschaffen hat. Für die Vorgeschichte, was die Figur Dühnforts und seine Kollegen angeht, sind die vorangegangenen Bände vom Vorteil, man findet aber auch ohne Vorkenntnisse in die Geschichte ein. Der Kriminalfall ist sehr gut verstrickt und bis zur letzten Seite spannend; die privaten Geschichten der Ermittler gibt es als Sahnehäubchne oben drauf. Eine äußerst lesenswerte Lektüre!


metAlpAnda hat insgesamt 28 Rezensionen angelegt.


 
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