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Krimi/Thriller: Teufelsfrucht: Ein kulinarischer Krimi
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Titel:      Teufelsfrucht: Ein kulinarischer Krimi
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      2328
Autor:      Tom Hillenbrand
ISBN-10(13):      3462042874
Verlag:      Kiepenheuer & Witsch
Publikationsdatum:      2011-04-18
Edition:      4.
Number of pages:      303
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
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Rezensionen
Rezept noch verbesserungswürdig

23.02.2012 Bewertung:  4 rumble-bee vergibt 8 von 10 Punkten

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Zuerst einmal: ich habe dieses Buch durchaus gerne, und vor allem ausgesprochen flott, an nur zwei Tagen gelesen. Es hatte etliche \"Zutaten\", die für ein flüssiges und spaßiges Lese-Erlebnis sorgten: Erstens, einen sympathischen Helden (einen hochbegabten Koch, der dennoch lieber sein eigenes, gemütliches Restaurant betreibt, anstatt Sterne zu scheffeln). Zweitens, liebevoll recherchierte Örtlichkeiten - so ganz nebenbei lernte man einiges über Luxembourg, sowie etliche französische Landschlösser. Drittens, eine Handlung, die gänzlich unangestrengt Spannung mit Information verband - vorgeblich ein Krimi, der den Leser dennoch mit einer Fülle an hoch interessanten Details aus Küche, EU-Bürokratie und Lebensmittelchemie versorgte. Viertens, eine Grundthese, die hochaktuell ist und jeden Leser aufrütteln sollte - die Machenschaften internationaler Lebensmittel-Konzerne Fünftens, eine Handvoll verschrobener Nebencharaktere - besonders der trinkfeste Finne, ein Freund unseres Protagonisten, hat mir gefallen. Aber auch der Starkoch Esteban hatte es in sich!

Dennoch, ein kleiner Nachgeschmack bleibt - das Rezept ist gut, die Stimmung des Lesers am Ende auch, aber die Würzung und tatsächliche Ausführung dürften demnächst gerne noch ein wenig professioneller sein. Denn ein Krimi ist das Buch dann doch nur zum Teil. Unter \"Krimi\" würde ich vor allem eine ausgeklügelte Ermittlung mit vielen Überraschungen verstehen. Doch hier haben wir es eher mit einer Art \"unfreiwilligen James Bond\" zu tun. Denn der Protagonist stolpert eher durch eine Handlung, die es am Ende ein wenig mit Knalleffekten übertreibt.

Der Koch Xavier Kieffer hat weder wirkliches Ermittlungsgeschick, noch Kombinationsgabe, noch geht er wirklich planvoll vor. Im Gegenteil - so bricht er beispielsweise zur entscheidenden Phase seiner Nachforschungen nach Genf auf, ohne vorher zu wissen, ob er überhaupt irgendwo am Ort des Geschehens unterkommen wird. Erst von unterwegs ruft er per Handy seinen alten Kumpel Esteban an, und - nein tatsächlich - er bekommt einen Job. Na sowas! Auch hat mich gewundert, dass der Betreiber eines kleinen, angeblich eher unbekannten Lokals in der Luxemburger Altstadt angeblich so viel Geld haben soll, um ständig die unvorhergesehenen Wendungen der Handlung mitzumachen. Auch kommt für meinen Geschmack der eigentliche Ermittler, Kommissar Manderscheid, ein wenig tumb daher, und vor allem kommt er erst viel zu spät im Buch darauf, dass Xavier auf eigene Faust ermittelt. Das wirkt unglaubwürdig, und hat ja auch komischerweise kaum Konsequenzen.

Mir kommt es so vor, als sei die Handlung quasi vom Autor zuerst erfunden worden - und dann wurde sie nur noch um den gewünschten Helden \"herum gebaut\". Das soll nicht allzu negativ klingen - doch Tatsache bleibt, dass \"echte Krimis\" wesentlich logischer begründen, warum der Held aufbricht, dass sie wahrscheinlicher geplottet sind, und auch nicht in einem James-Bond-Finale enden. Das hätte eben zu James Bond gut gepasst, stimmte aber nicht so recht mit der Charakterisierung dieses liebenswerten Provinzkochs überein.

Am Ende relativiert sich mein Eindruck dann doch dadurch, dass ich von der Fülle der gereichten Informationen aus Küche und Keller doch sehr angetan war. Obwohl ich Vegetarier bin, konnte ich die Liebe zum Kochen spüren, die aus dem ganzen Buch spricht. Und über die Verrenkungen der EU-Bürokratie musste ich herzlich lachen! Auch hier wird die persönliche Sachkenntnis des Autors Tom Hillenbrand deutlich. Er ist zweifellos ein guter Koch, und ein Kenner internationaler Bürokratie. Nur eines ist er noch nicht: ein wirklich gewiefter Krimi-Autor.


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


 
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