Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/rezionde/components/com_booklibrary/booklibrary.php on line 2910
Krimi/Thriller: Toter geht's nicht: Bröhmanns erster Fall
  Print


Titel:      Toter geht's nicht: Bröhmanns erster Fall
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      2325
Autor:      Dietrich Faber
ISBN-10(13):      3862520242
Verlag:      Rowohlt Polaris
Publikationsdatum:      2011-11-01
Edition:      3
Number of pages:      288
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

3 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Memmige Nummern-Revue

23.02.2012 Bewertung:  2 rumble-bee vergibt 4 von 10 Punkten

Userpic

Es fällt mir ungeheuer schwer, dieses Buch zu bewerten – geschweige denn, in irgendeine Kategorie einzuordnen. Möglicherweise ist dies vom Autor gerade beabsichtigt worden. Dennoch, wenigstens einen (!) roten Faden, irgendeine Ausrichtung, sollte ein Buch meiner Meinung nach schon haben. Doch danach muss man hier lange suchen.

Ich will dem Buch aber wenigstens in einer Hinsicht Gerechtigkeit widerfahren lassen. Dass so viele Krimi-Leser von diesem Werk enttäuscht sind, ist sicher nicht die Schuld des Buches, oder des Autors. Denn schauen wir doch mal genauer hin: nirgendwo steht hier, dies sei ein „Krimi“! Gut, der Untertitel lautet „Bröhmanns erster Fall“. Doch das Buch ist in der Sparte rowohlt Polaris erschienen, und das ist nun mal kein (!) typischer Krimi-Verlag, sondern eine neue, auf eher jugendliche Leser ausgerichtete Unterkategorie, die sich scheinbar auf Unterhaltung spezialisieren möchte (man erinnere sich: auch „Der Hodscha und die Piepenkötter“ wurden hier verlegt). Merke: nur weil ein Kommissar die Hauptperson ist, macht das noch lange keinen Krimi aus.

Was ist es dann? Teilweise ein Familiendrama. Denn die bekennende Memme Henning Bröhmann, zufällig auch Kriminalhauptkommissar, wird gerade von seiner Frau verlassen. Er hat nun sowohl eine stark pubertierende Tochter, als auch einen fünfjährigen Sohn und einen ständig furzenden Hund zu betreuen, was bislang nicht zu seinen Stärken gehörte. Doch auch diese Handlung macht nur ein gefühltes Drittel des Buches aus. Sie wird eher episodisch in das Buch eingestreut. Die für mich besten Szenen drehen sich dabei noch um den kleinen Laurin, und den „alternativen“ Kindergarten, den er besucht. Meine Söhne waren auch in so einem von Eltern verwalteten Kindergarten, und ich habe so manches Mal schmunzeln müssen! Sicher leben diese Szenen von deftigsten Klischees, aber Übertreibung macht ja bekanntlich anschaulich.

Insgesamt kommt mir aber Henning Bröhmann als alleinerziehender Vater zu wenig vor, um das Buch als Familiengeschichte zu bezeichnen. Hier und da ein paar Dialoge mit der stark im Jugendslang daherpöbelnden Tochter, dann die (wie gesagt netten) Szenen im Kindergarten, hier und da mal ein Abendessen mit Pizza, und Gassigehen mit dem Hund Berlusconi – das ist für mich zu wenig, das hat kein Rückgrat als Handlung.

Den Krimi als solchen kann man so gut wie vernachlässigen. In den ersten zwei Dritteln des Buches wälzt Henning Bröhmann die Verantwortung für die Ermittlungen immerzu auf andere ab, so dass mir die Haare zu Berge standen! Memme hin oder her, aber das war schlicht unglaubwürdig. Der wäre im echten Leben schon längst gefeuert worden. Auch wenn der Herr Papa Polizeipräsident war. Hier konnte ich nur den Kopf schütteln. Lustig war es jedenfalls nicht.

Erst im letzten Drittel des Buches bekommt dieser Handlungsstrang noch ein wenig „Pep“, und Bröhmann läuft zu Höchstform auf. Das macht zwar manches wieder wett, und liest sich recht angenehm – aber es ergibt sich nicht organisch aus dem Vorherigen. Durch nichts ist vorher zu erkennen, dass sich Henning Bröhmann so verändert. Und für mich ist es ebenso fraglich, ob dieser tatsächlich einmal aufkeimende kriminalistische Instinkt weiter Fuß fassen wird…

Ist es vielleicht ein Ehedrama? Auch wieder nur in Ansätzen. Ab und an memmt Henning auf dem Sofa vor sich hin, dass er seine Ehefrau vermisse. Und dann fängt er, aus heiterem Himmel, mit einer Unbekannten auf Facebook an zu chatten. Für eine Memme nicht recht nachvollziehbar. Außerdem gibt es, über das ganze Buch verteilt, in der ersten Person geschriebene Abschnitte von seiner im Exil weilenden Frau Franziska. Die sind nun wirklich das reinste Klischee, und haben mir sprachlich und stilistisch überhaupt nicht gefallen. Sie haben nur insofern ihre Berechtigung im Buch, als sie am Ende zur überraschenden Auflösung ein wenig mit beitragen. Aber das verrate ich hier natürlich nicht.

Ist es dann vielleicht eine Provinzposse? Auch nur bedingt. Gerade in den Abschnitten, in denen typische Hessen, z. B. Karnevalsmusiker, Polizeipräsidenten, Sekretärinnen oder Schlagerstars vorkommen, merkt man dem Autor sehr deutlich seinen kabarettistischen Hintergrund an. Als „Nummern-Revue“ machen sich diese Szenen sicher ganz nett, aber sie fallen stilistisch aus dem Buch doch ein wenig heraus.

Was mache ich nun aus diesem memmigen Gemenge? Ich bescheinige dem Buch durchaus, dass es sich flüssig lesen ließ. Auch ist der Humor, pro Erzählstrang für sich genommen, recht nachvollziehbar. Aber das alles wirkte auf mich ein wenig unsicher zusammengeschweißt. Es ergibt weder Fisch noch Fleisch. Mit Hängen und Würgen entscheide ich mich für zwei Sterne, mit Tendenz nach oben. Wollen wir hoffen, dass „Bröhmanns zweiter Fall“ ein wenig zielstrebiger wird.

 


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


Mehr Komödie als Krimi

12.06.2012 Bewertung:  4 smayrhofer vergibt 8 von 10 Punkten

Userpic

Kriminalhauptkommissar Henning Bröhmann ist ein Verlierer-Typ. Seinen Job hat er nicht im Griff, seine Kinder mögen ihn nicht und sein Hund gehorcht ihm nicht. Zu allem Überfluss wird just zu dem Zeitpunkt, als ihn seine Frau verlässt und mit den Kindern sitzen lässt, eine Leiche entdeckt. Wo doch sonst im oberhessischen Vogelsberg kriminaltechnisch nichts los ist! Und der Tote war ausgerechnet als Sensenmann auf dem Karnevalsumzug unterwegs, also toter geht’s wirklich nicht! Fortan versucht Henning, den Spagat zwischen einem Mordfall, der Organisation der Kinderbetreuung und einer scheinbar gescheiterten Ehe zustande zu bringen.

Autor Dietrich Faber lässt in seinem Erstlingswerk seine Hauptfigur Henning Bröhmann als zum Teil sarkastischen Ich-Erzähler auftreten, der trotzdem sympathisch rüberkommt. Dieser Erzählstil hat natürlich auch Auswirkung auf die Beschreibung der anderen Figuren, die auf diese Weise sehr plastisch und witzig erfolgt. Zwischendurch hat auch Hennings Frau Franziska Gelegenheit, mit kleinen Einschüben ihre Gedanken mitzuteilen, wodurch eine zweite Sichtweise ermöglicht wird. Hier hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle etwas mehr erhofft. Das etwas überraschende Ende ist aber dann wieder ein Pluspunkt.

Alles in allem mehr Komödie als Krimi, was aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch bereitet. Man darf hoffen, dass uns Dietrich Faber noch mit weiteren Fällen des sympatischen Ermittlers beglückt.


smayrhofer hat insgesamt 13 Rezensionen angelegt.


 
Joomla templates by a4joomla