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Krimi/Thriller: Vater, Mutter, Tod
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Titel:      Vater, Mutter, Tod
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      2015
Autor:      Siegfried Langer
ISBN-10(13):      354861051X
Verlag:      List Taschenbuch
Publikationsdatum:      2011-05-13
Edition:      1. Auflage
Number of pages:      336
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Vorsicht: Suchtgefahr !!

20.05.2011 Bewertung:  5 CabotCove vergibt 10 von 10 Punkten

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Vorsicht: Suchtgefahr !!

 

Spannung pur, Nervenkitzel garantiert“ sagt laut Klappentext Nele Neuhaus...

 

Ich sage: Recht hat sie !!

 

Das Erstlingswerk von Siegfried Langer hat mich vollends davon überzeugt, dass wir einen neuen, sehr guten Krimiautoren in Deutschland haben. Besonders nach dem viel zu frühen und jähen Verlust von Andreas Franz hat mich das wirklich gefreut.

 

Zum Autor

Siegfried Langer, geboren 1966 in Memmingen und nun wohnhaft in Berlin, war als Schauspieler auf der Bühne und vor der Kamera tätig.

Vater, Mutter, Tod“ ist ein erster Krimi (dem hoffentlich noch viele folgen werden..!).

 

Cover und kurz zum Inhalt

Das Cover mit dem blutigen Messer und dem blutbefleckten, zerbrochenen Teller greift gleich eine Szene des Prologs auf, in dem eine Frau nach dem Einkauf zu ihrem gewalttätigen Mann zurückkehrt, der sie beschuldigt, sie sei zu spät heimgekommen. Es kommt zu einem Streit, einem Handgemenge – tragischerweise wird dabei der kleine Sohn getötet, der sich schützend vor die Mutter stellt...

 

Dann blendet der Autor um zu Jacqueline Adam, einer jungen Architektin, die mit einem Mal nicht mehr weiß, in welchem Stockwerk ihr Büro ist und die mit ihrer Mutter einkaufen geht – obwohl diese bereits seit Jahren tot ist...

Hat sie Alzheimer ?

Halluzinationen ?

Ist sie gar schizophren ?

Haben die beiden Frauen miteinander zu tun ? Wenn ja, inwiefern ?

 

Hier ist leider sehr schnell zuviel verraten vom Inhalt, von daher lasse ich es hiermit gut sein inhaltlich, denn ich möchte keinem anderen Leser den Spass an diesem großartigen Buch verderben.

 

Mein Eindruck

Siegfried Langer´s „Vater, Mutter, Tod“ hat mich unwillkürlich an Sebastian Fitzek erinnert - auch wenn Langer absolut seinen eigenen Stil hat, er schreibt ebenso packend, mit überraschenden Wendungen, die den Leser gern mal auf die falsche Fährte führen.

Und um das mal klar herauszustellen: der Vergleich zu Fitzek kommt für mich schon einem Ritterschlag gleich, denn ich habe bislang keinen deutschen Autor gefunden, bei dem ich mich ebenso auf das nächste Buch gefreut habe und das Werk so rasch verschlungen habe.

Fitzek und jetzt auch Siegfried Langer !

 

Er hält konstant die Spannung und fesselt den Leser so absolut an sein Werk. Der Wechsel zwischen den Tagen „vor der Katharsis“ und den Erzählungen von Jacqueline Adam lassen den Leser nicht mal ansatzweise Luft holen, was für mich äußerst lesenwert war.

Vom Prolog an gibt Langer Gas und lässt nicht nach damit. So muss ein Krimi/Thriller sein !

Wenn man essen, schlafen, alles Andere um sich herum vergisst und sich wünscht, das Buch würde gar nicht mehr enden, ist alles zum Buch gesagt !

 

Ergo

Ein absoluter Pageturner in feinster Krimimanier und ein sympathischer Autor, dessen Namen man sich wirklich merken sollte, der noch viel mehr Leser verdient hat und der trotz eigenem Stil den Vergleich mit den großen, deutschen Krimiautoren in keinster Weise scheuen muss, denn mit diesem Buch fügt er sich naht- und scheinbar mühelos in ihre Reihe ein !


CabotCove hat insgesamt 39 Rezensionen angelegt.


zwischen Realität und Einbildung

09.09.2011 Bewertung:  3 coffee2go vergibt 6 von 10 Punkten

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Kurze Inhaltszusammenfassung:

In der ersten Familie wird ein kleiner Junge vor den Augen seiner Mutter vom gewalttätigen Vater mit einem Messer erstochen.

In der zweiten Szene treten bei Jacqueline, einer sehr gefragten Architektin, die mit ihrem Ehemann und einem siebenjährigen Sohn zusammenlebt, plötzlich drastische Gedächtnislücken und Aussetzer auf. Sie kann sich nicht mehr erinnern, in welchem Stockwerk ihr Büro liegt und berichtet von einem Treffen mit ihrer Mutter, die schon vor Jahren gestorben ist. Jacquelines Mann drängt sie, einen Arzt aufzusuchen. Plötzlich ist der siebenjährige Lukas auch noch verschwunden.

 

Meine Meinung zum Buch:

Das Buch lässt sich aufgrund der kurzen Kapitel und großzügigen Gliederung sehr schnell in einem Durchgang lesen; für meinen Geschmack etwas zu schnell. Bei mir hinterlassen Bücher, mit denen ich mehr Zeit verbringe und bei denen man mehr mitdenken oder interpretieren muss, einen längerfristigen Eindruck. Den Einstieg in das Buch fand ich etwas gewöhnungsbedürftig und verwirrend aufgrund der rasch wechselnden Szenen und Einführung der Charaktere, aber trotzdem sehr faszinierend. Leider konnte die Spannung nicht konstant über das gesamte Buch aufrecht erhalten werden, sodass ich schon recht bald die Auflösung der Geschichte zwischen den Zeilen herauslesen konnte. Trotzdem fand ich das Buch originell, das Thema ungewöhnlich und ich habe es sehr genossen, das Buch zu lesen und mich auf die Verwirrungen einzulassen. Nicht immer war klar ersichtlich, was Realität und was Einbildung von bestimmten Personen war, sodass die Grenzen teilweise verschwommen waren. Gerade dies machte das Buch spannend und lesenswert.

Manthey, der Ermittler des Falles spielt eine eher untergeordnete Rolle, fast schon die Nebenrolle und hat selbst auch große familiäre Belastungen, die an sich schon ein eigenes Buch wert wären, aber in diesem Buch nur eine kleine Rolle einnehmen.

 

Titel und Cover:

Die Auswahl des Titels – im Telegrammstil, getrennt durch zwei Kommas - finde ich ungewöhnlich, aber spannend. Das Cover finde ich okay, aber auch nicht besonders auffallend.

 

Mein Fazit:

Der Thriller hat sehr stark begonnen, war aber etwas verwirrend geschrieben und hatte zwischenzeitlich einen leichten Hänger, außerdem war das Buch viel zu kurz!


coffee2go hat insgesamt 62 Rezensionen angelegt.


Erinnerungslücken

28.09.2011 Bewertung:  3 KimVi vergibt 6 von 10 Punkten

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Eine Frau kehrt nur widerstrebend in die Wohnung zurück, in der sie mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Sohn lebt. Sie hat sich verspätet und ahnt bereits, dass nun Streit und häusliche Gewalt auf sie warten. Doch diesmal gerät die Situation völlig außer Kontrolle. Genau wie befürchtet, geht der betrunkene Mann auf sie los. Der kleine Sohn versucht die Mutter zu beschützen und wird dabei tödlich verletzt.

Ein vollkommen anderes Leben führt die erfolgreiche Architektin Jacqueline. Sie ist glücklich verheiratet und hat einen kleinen Sohn, der von beiden Eltern geliebt und verwöhnt wird. Die Familie lebt in einem schicken Haus und braucht sich um Geld keine Gedanken zu machen. Jacquelines Leben ist nahezu perfekt, wenn da nur nicht die Erinnerungslücken wären, die sie immer häufiger plagen und die sie in äußerst unangenehme Situationen bringen....


|| Meine Meinung ||

Durch den rasanten Einstieg startet das Buch bereits mit hohem Tempo. Die Spannung ist sofort da und man möchte unbedingt erfahren wie es weitergeht. Die Handlung besteht zunächst aus zwei Handlungssträngen, die auf den ersten Blick nicht miteinander in Verbindung gebracht werden können. Beim Lesen stellt man sich die Frage, wo sich die Wege der beiden Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, kreuzen werden. Das Geheimnis wird allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge gelüftet, denn während der Erzählung kommt es zu häufigen Perspektivenwechseln und Zeitsprüngen. Das Buch ist in einzelne Kapitel unterteilt, die auf den Tag der Katharsis zusteuern. Um die Übersicht zu erleichtern, werden die Abschnitte durch Hinweise, an welchem Tag vor der Katharsis sich die Handlung gerade zuträgt, gekennzeichnet. Es gibt auch Passagen mit der Überschrift \"Jacquelines Berichterstattung\". Hier beobachtet man gespannt die erfolgreiche Architektin und stellt sich die Frage, welche Rolle sie in diesem Thriller spielt.

Durch die Zeitsprünge und Perspektivenwechsel gelingt es dem Autor mühelos Verwirrung zu stiften und falsche Fährten auszulegen. Sobald man meint, einen Zusammenhang gefunden zu haben und der Lösung des Rätsels ein wenig näher gekommen zu sein, gewährt Siegfried Langer einen weiteren Einblick in die Handlung, und säht damit Zweifel an den gerade beim Lesen entwickelten Theorien. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint und alles muss in Frage gestellt werden. Wahrheit und Wahn liegen hier eng zusammen und sind nicht so leicht zu enttarnen. Dadurch entwickelt das Buch, gerade am Anfang, eine sogartige Wirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Kurze Kapitel, die an entscheidenden Stellen stoppen, unterstützen diesen Effekt zusätzlich, sodass man gebannt dem undurchsichtigen Geschehen folgt.

Doch leider kann die aufgebaute Spannung nicht durchgehend gehalten werden, denn sobald man erste Antworten präsentiert bekommt, die die Puzzelteile der Handlung an die richtige Stelle rücken, flaut das Interesse am Geschehen abrupt ab. Denn die eigentliche Krimihandlung plätschert, ohne große Höhen und Tiefen, vor sich hin. Das liegt sicher auch daran, dass der ermittelnde Kommissar eher eine Statistenrollen einnimmt. Die Ermittlungen werden nur am Rande gestreift und bilden nicht das Zentrum des Thrillers. Das Privatleben des Kommissars kommt ebenfalls zur Sprache, da er einen schweren Schicksalsschlag erleiden musste. Dieser Teil der Handlung, und gerade das Ende dieses Erzählstrangs, wirkt allerdings zu konstruiert und damit völlig unglaubwürdig. Etwas weniger Dramatik wäre an dieser Stelle mehr gewesen.

Ich habe mich beim Lesen dieses Thrillers recht gut unterhalten. Gerade am Anfang konnte ich mich kaum von der Handlung lösen und hätte zu diesem Zeitpunkt begeisterte fünf Bewertungssterne vergeben. Doch leider wurden die ersten Rätsel, für meinen Geschmack, zu früh gelöst und so ließ mein Interesse am Geschehen abrupt nach. Die Nebenhandlung aus dem Privatleben des Kommissars konnte mich leider nicht überzeugen. Darauf hätte ich gut verzichten können. Das Ende dieses Erzählstrangs und die schlagartig abfallende Spannungskurve verleiten mich dazu, \"nur\" drei von fünf Bewertungssternen zu vergeben.


KimVi hat insgesamt 226 Rezensionen angelegt.


Vater, Mutter und Spannung bis zur letzten Seite!

29.10.2011 Bewertung:  4.5 lenchen vergibt 9 von 10 Punkten

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Eine Mutter gerät in Streit mit ihrem alkoholisierten und gewaltbereiten Ehemann. Bei dem Versuch, ihren Sohn zu schützen, kommt es zu einem tragischen Unfall: Sie schubst das Kind wortwörtlich in des Messers Klinge. Der Sohn stirbt.

Cut. Jacqueline Adam, eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Alles in ihrem Leben scheint perfekt. Oder doch nicht? Wenige Stunden nach einem Einkaufsbummel mit ihrer Mutter erfährt sie, dass diese vor Jahren schon gestorben ist. Nur eine kleine Gedächtnislücke, oder steckt da doch mehr dahinter?

Viel mehr möchte ich von der Story ehrlich gesagt gar nicht verraten, denn ich will nichts von der Handlung spoilern.
Der ständige Perspektivwechsel lässt das Buch zunächst recht verwirrend erscheinen, wenn aber ein gewisser Lesefluss hergestellt ist, erkennt man langsam die Genialität, die hinter all dem steckt. Man möchte das Buch gar nicht weglegen!

Der Autor schreibt recht flüssig und es herrscht wirklich Spannung auf jeder Seite. Und das bis zum Schluss.

\"Vater, Mutter, Tod\" ist einer der besten Thriller, die ich in letzter Zeit gelesen habe und empfehle ihn auf jeden Fall weiter.


lenchen hat insgesamt 58 Rezensionen angelegt.


Zwischen Wahn und Wirklichkeit

23.02.2012 Bewertung:  4 rumble-bee vergibt 8 von 10 Punkten

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Dieses Buch ist für jeden Rezensenten eine wirklich harte Nuss. Denn wie nur soll man etwas bewerten, was sich der Wiedergabe entzieht, was in sich so komplex ist, dass man es nahezu niemandem begreiflich machen kann, der es nicht selber gelesen hat? Dennoch möchte ich mich an dieser herkulischen Aufgabe versuchen, denn diesen Autor sollte man im Auge behalten.

In der Tat möchte ich mich der Versuchung enthalten, irgendwie näher die Handlung zu referieren. Dazu sagt der Klappentext schon genug, den jedermann leicht nachschlagen kann. Und mit einer bloßen Nacherzählung bekommt man das Buch auch nicht zu fassen - man verfehlt es eher nur. Ich möchte lieber zwei Oberbegriffe bemühen, die für die zwei Haupt-Handlungsstränge des Buches stehen sollen: Wahn und Wirklichkeit. Mit diesen Begriffen spielt der Autor in diesem Buch virtuos, und sagt dem Konzept \"Langeweile\" engagiert den Kampf an. Denn Langeweile wird man als Leser garantiert nicht empfinden! Obwohl das Buch nicht fehlerfrei ist - doch dazu später.

Das Buch hat für mich zwei besondere Kennzeichen. Erstens ist das die verschachtelte Struktur, und zweitens die Rolle des Kommissars. Beides sollte man sich klar machen, bevor man die Lektüre beginnt, damit man vor Ratlosigkeit oder Enttäuschung geschützt ist.

Das Buch ist also ganz und gar ungewöhnlich geplottet - nicht von A wie Anfang bis Z wie Zu Ende, mit einem Spannungsbogen, der sich schön sauber bis zu den letzten Seiten zieht. Oh nein! Und gerade das ist das Ungewöhnliche. Vielmehr hat das Buch seinen Höhepunkt ziemlich genau in der Mitte - und von da an läuft es sozusagen \"rückwärts\". In der ersten Hälfte hat man es mit zwei Handlungsfäden zu tun, die - wie man langsam ahnt - den Bereichen \"Wahn\" und \"Wirklichkeit\" zuzuordnen sind. Man kaut an den Fingernägeln, man weiß teils nicht ein noch aus - man will nur wissen, WAS zum Kuckuck ist denn hier nun Wahn, und was ist Wirklichkeit? Denn dass etwas hier ganz entschieden nicht stimmen kann, das ist recht schnell klar. Ich finde es eine mutige, geschickte und gut umgesetzte Idee, den Höhepunkt dieser Wahn-/Wirklichkeitsdebatte in die Mitte des Buches zu verlegen. Man könnte sich nun fragen, ob dann nicht die Spannung im Rest des Buches verloren geht. Ich würde sagen, die Frage ist falsch gestellt. Denn in der zweiten Hälfte verlagert sich ganz einfach der Fokus. Nun weiß man recht genau, was Wahn und was Wirklichkeit ist - doch wo der verschwundene Junge steckt, und was mit ihm geschah, das ist noch lange nicht ersichtlich.Und auch erst ab der Mitte kommt Kommissar Manthey zum Zuge.

Womit wir beim zweiten ungewöhnlichen Aspekt dieses Buches wären, der Rolle des Kommissars. Man muss sich unbedingt klar machen, dass hier die Erzählweise nicht (!) vom Kommissar abhängt. Er ist nicht der Held des Buches, und auch nicht der Erzähler. Er ist einfach einer der Beteiligten, die sich durch den Dschungel aus Wahn und Wirklichkeit kämpfen müssen, um ein Leben zu retten. Er ist ein Fädchen unter mehreren, nicht mehr und nicht weniger. Insofern kann man dem Buch vielleicht den Vorwurf machen, es habe keine wirklich ausgearbeiteten Charaktere. Das kann man so sehen. Es ist eine Frage dessen, inwieweit man als Leser bereit ist, sich von klassischen Erwartungen zu lösen. In diesem Buch sollte vorrangig ein Konzept und ein neuer Ansatz getestet werden, wie man wohl Thriller umsetzen kann. Und wenn man sich von diesem Konzept mitreißen lässt, kann man die fehlende Charaktertiefe durchaus verschmerzen. Denn man hat in diesem Buch einfach gar keine Zeit, sich großartig Gedanken um die Personen zu machen. Besonders während der packenden Schlussphase nicht! Die ich hier natürlich nicht weiter erläutere.

Aber die negativen Punkte will ich auch nicht verschweigen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass zwar die Originalität der Handlung ihresgleichen sucht - dass dafür aber die Qualität der Sprache ein wenig gelitten hat. Sicher braucht es nicht jeden Tag ein Nobelpreisträger zu sein - dennoch, die Sätze waren oft doch sehr \"stromlinienförmig\", sehr gerade, ohne Überraschungen. \"Einfallslos\" möchte ich nicht sagen - eher \"vorhersehbar\". Wenig Beschreibungen. Und die Dialoge, das, was die Personen sagten, klang manchmal ein klein wenig hölzern. Ganz besonders bei betrunkenen Ehemännern und wahnhaften Frauen sollte der Autor noch üben! Rein vom Tonfall her klang das nicht immer überzeugend.

Zweitens möchte ich einfach am Einsetzen des \"Wahns\" ein wenig zweifeln. Ich bin kein Psychologe, kein Wissenschaftler. Doch ich habe mich schon genug mit der Thematik befasst, um eben Zweifel zu haben. So schnell sollte das gehen? Und in so plakativen Sätzen sollte sich das ausdrücken? Sicher können solche Erlebnisse jede Frau, die selber Mutter ist, aus der Bahn werfen. Aber doch nicht von jetzt auf gleich! Doch ich muss mich zügeln, sonst verrate ich zu viel von der Handlung. Und vor allem: wo ist denn nun die \"Katharsis\", die einem das ganze Buch über durch die Überschriften versprochen wird? Ich habe sie nicht gefunden. Jedenfalls nicht für die beteiligten Figuren.

Mein letzter Kritikpunkt gilt einer winzigen Nebenhandlung um Kommissar Manthey, die ich schlicht überflüssig fand. Die hätte es meiner Ansicht nach überhaupt nicht gebraucht, um seinen Einsatz in diesem Fall glaubhaft zu machen. Denn auch er hat in seiner persönlichen Vergangenheit einen traumatischen Verlust erlitten. Hier muss ich nun wirklich sagen, das roch ganz extrem nach Feld-, Wald- und Wiesenpsychologie. Und vor allem ist mir nicht klar, warum sich das am Schluss \"so einfach\" auflöst.

Doch insgesamt bin ich von diesem höchst originellen Thriller mehr als gut unterhalten worden. Sicher ließe sich das eine oder andere Detail weiter verfeinern - doch da es offenbar das erste Buch des Autors war, will ich mal annehmen, dass es sich um Unsicherheiten eines Anfängers handelte. In diesem Sinne: weiter so, Siegfried Langer!


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


Zwischen den Welten

16.03.2012 Bewertung:  4 allegra vergibt 8 von 10 Punkten

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Ich muss zugeben, dass seit der Lektüre dieses Buches schon einige Zeit vergangen ist. Ich hatte richtig Mühe, für mich eine Struktur in das Buch zu bringen, damit ich ein paar Sätze darüber schreiben kann, ohne dass mein Text einen völlig verwirrten Eindruck macht.

 

Vom Inhalt möchte ich nicht mehr verraten, als man ohnehin dem Cover entnehmen kann. Ein Kind wird tot in einer Wohnung gefunden, ein anderes Kind schwebt in großer Gefahr. Der ermittelnde Kommissar Manthey versucht, Licht in den Zusammenhang dieser zwei Verbrechen zu bringen. Hauptfigur ist Jacqueline, eine Frau, die sozusagen zwischen den Welten wandelt. Die Einschübe aus ihrer Perspektive erzählt, bringen die Handlung zwar voran, als Leser ist man aber nie wirklich sicher, woran man ist, weil sie vorerst zusammenhangslos erscheinen.

 

Die Kapitel im Buch orientieren sich zeitlich an einer „Katharsis“: Es wird in der Kapitelüberschrift jeweils angegeben, wie viele Tag vor der Katharsis die erzählte Handlung stattfindet. Die „Katharsis“ ist ein Begriff aus dem klassischen griechischen Drama und bezieht sich auf den Reinigungsvorgang, den das Publikum durch das Mitleiden mit den Figuren erlebt. Entlang dem Schema eines Dramas ist der Thriller eigentlich auch aufgebaut - nur chronologisch durcheinander gewirbelt.

 

Der Prolog setzt gleich mit dem Höhepunkt beziehungsweise dem Wendpunkt ein. Die darauf folgenden Kapitel bringen dem Leser die beteiligten Figuren näher und erzählen ihre Geschichte (Exposition). Die zeitlich nach dem Prolog einzuordnenden Erzählstränge führen letztendlich zur „Katharsis“ – der Reinigung. Eine Reinigung entfaltet immer auch einen heilenden oder befreienden Effekt. In diesem Fall bezieht sich dieser auch noch auf eine interessante Nebenfigur, was dem Buch ein sehr versöhnliches und positives Ende verleiht.

 

Ich hatte in der ersten Hälfte gewisse Verständnisprobleme, da die einzelnen Handlungsstränge nicht chronologisch erzählt werden. Als Leser muss man mit recht schwer nachvollziehbaren Zeitsprüngen zurecht kommen. Nach einiger Zeit weiß man aber die Kapitelüberschriften zu beachten, dann fällt es wesentlich leichter, dem Plot zu folgen.

 

Sprachlich ist das Buch sehr angenehm zu lesen. Siegfried Langer schreibt sehr routiniert. Die Sätze sind eher kurz gehalten, aber ohne dass der Text dadurch ins „Stakkatohafte“ abdriftet. Die angenehme Kapitellänge motiviert durch die wechselnden Perspektiven zum schnellen Weiterlesen. Meine Empfehlung ist, sich genügend Lesezeit einzuplanen, damit man das Buch in einer Woche ausgelesen hat. Dann hat man durchgehend spannende Unterhaltung und kann die Geschichte auf sich wirken lassen. Bei größeren Leseunterbrechungen könnte es schwierig sein, den Faden wieder zu finden.

 

Was mir etwas gefehlt hat, ist ein bleibender Inhalt. Es ist nicht so, dass ich ein Buch nicht genießen kann, bei dem es „nur“ um spannende Unterhaltung geht. Aber ich mag es, wenn ein thematischer Aufhänger dafür sorgt, dass ich ein bestimmtes Thema gedanklich vertiefen kann. Dann erinnere ich mich einfach länger an das Buch und es wirkt nachhaltiger.

Dieser Thriller wirft durchaus Fragen auf, wie beispielsweise häusliche Gewalt oder seelische Erkrankungen. Aber für mich fehlt etwas die Vertiefung und die Auflösung.

 

Ich vergebe diesem Buch 4 Sterne mit einer Leseempfehlung.


allegra hat insgesamt 31 Rezensionen angelegt.


Wenn du dir selbst nicht mehr glauben kannst

29.06.2012 Bewertung:  4.5 Pharo72 vergibt 9 von 10 Punkten

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Ein kleiner Junge stirbt bei einem Handgemenge in einer Berliner Wohnung als er zwischen die Fronten seiner Eltern gerät. Eine junge Frau kann ihren eigenen Erinnerungen nicht mehr trauen und irrt scheinbar ziellos durch Berlin. Ein Kommissar sucht ein entführtes Kind und hat ebenso mit den eigenen Dämonen zu kämpfen.

Jedes weitere Wort zum Inhalt des Buches wäre zuviel verraten und würde die Spannung auf den ersten Thriller des Berliner Schauspielers Siegfried Langer trüben, dem hoffentlich noch viele folgen werden. „Vater, Mutter, Tod“ ist ein Pageturner, der den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Am besten nicht spätabends anfangen, denn der Drang immer weiter lesen zu wollen wird schier übermächtig.

Der Roman ist einerseits in flüssiger, eindringlicher Sprache gehalten und sehr gut lesbar. Andererseits stellt sich beim Leser schon nach den ersten Kapiteln komplette Verwirrung ein. Die Handlungsebenen wechseln nicht nur zwischen verschiedenen Personen, sondern auch Zeiten und das nicht einmal in chronologischer Reihenfolge. Aber gerade dieser Aufbau, der den Leser immer tiefer in die Geschichte verstrickt, bis er sich selber am Rande des Wahns befindet, ist das Geniale an dem Buch. Man kann einfach nicht aufhören, ohne die wahren Zusammenhänge zu kennen.

Das Buch kommt fast gänzlich ohne Blut aus und als schöne Abwechslung im Genre wird auch mal kein irrer Serienmörder auf die Menschheit losgelassen. Vielmehr spielt die Psyche des Menschen die Hauptrolle, sowohl bei den Protagonisten als auch beim Konsumierer dieser Krimikost.

Siegfried Langer ist ein Paradebeispiel, dass auch deutsche Thrillerautoren ihre Berechtigung auf dem Buchmarkt haben. Weiter so!


Pharo72 hat insgesamt 83 Rezensionen angelegt.


Der Weg zur Katharsis

29.12.2012 Bewertung:  5 metAlpAnda vergibt 10 von 10 Punkten

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Ein zerbrochener Cornflakes-Teller scheint das Einzige zu sein, was die erfolgreiche Architektin Jacqueline Adam mit der namenslosen Frau in einem Berliner Wohnblock verbindet.


Im Prolog kehrt eine Frau heim, wo sie von ihrem betrunkenen und gewaltbereiten Mann schon erwartet wird, da sie sich wohl mal wieder verspätet hat. Bei der anschließenden Auseinandersetzung gerät deren Sohn unter das gezückte Brotmesser des Vaters und stirbt in den Armen seiner Mutter.


Szenenwechsel - heile Familienwelt, Jacqueline Adam, ihr ebenso erfolgreicher Mann René und deren siebenjähriger Sohn Lukas in ihrem Haus in einem noblen Viertel Berlins. Jacqueline leidet an seltsamen Kopfschmerzattacken sowie an Gedächtnisstörungen. Sie vergisst nicht nur ihre EC-Geheimzahl und in welchem Stockwerk sie arbeitet, sondern sogar, dass ihre Mutter seit zwei Jahren tot ist…


Welche scheinbar mysteriösen, doch im Endeffekt erklärbaren und begreifbaren Parallelen zwischen diesen zwei Familien, zwischen den beiden Frauen bestehen, erfährt der Kommissar Manthey und mit ihm der Leser, Kapitel für Kapitel. Stellenweise ist die Handlung etwas verwirrend, doch spätestens am Schluss klärt sich alles auf. Dass man sich eine heile Welt einbilden kann, um der nicht immer zufriedenstellenden Realität zu entfliehen, erklärt Siegfried Langer auf eine sehr anschauliche, nachvollziehbare und stellenweise mitleiderregende Art und Weise. Zusätzlich zieht die persönliche Situation des Ermittlers Martin Manthey an den Lesernerven, denn auch er hat seine eigene traurige Geschichte, an der er zu knabbern hat.

„Vater. Mutter. Tod“ ist der Debütroman vom Berliner Autor, stellt jedoch einen Psychothriller erster Klasse dar, Spannung und Nervenkitzel inklusive. Stellenweise erinnert der Roman an die Werke von Arno Strobel („Der Trakt“) sowie Sebastian Fitzek („Die Therapie“). Doch die Handlung und der Clou sind keinesfalls abgeguckt, sondern sorgfältig durchdacht. „Vater. Mutter. Tod“ zieht den Leser in seinen Bann, man kann das Buch kaum aus der Hand legen, bevor man die Rätsel um die zwei scheinbar ganz unterschiedlichen Familien zusammen mit Kommissar Manthey sowie dem Psychiater Dr. Rakowski lösen kann…


metAlpAnda hat insgesamt 28 Rezensionen angelegt.


 
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