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Krimi/Thriller: Blaue Augen
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Titel:      Blaue Augen
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      1986
Autor:      Joanne Harris
ISBN-10(13):      3471350535
Verlag:      List Hardcover
Publikationsdatum:      2011-03-11
Edition:      Hardcover
Number of pages:      496
Sprache:      Englisch
Bewertung:     

3 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Der \"blauäugige\" Sohn

21.04.2011 Bewertung:  3 coffee2go vergibt 6 von 10 Punkten

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Kurze Inhaltszusammenfassung:

Eine kurze Inhaltsangabe über dieses Buch zusammenzufassen, finde ich nicht einfach: Es handelt von Gloria, einer Mutter, die drei Söhne hatte, wobei nur noch einer davon lebt und mit 42 Jahren, unverheiratet bei seiner Mutter wohnt. Er führt einerseits ein öffentliches, relativ unauffälliges Leben, trotzdem verbirgt er viele Geheimnisse, auch vor seiner Mutter. In einem Blog veröffentlicht er Geschichten aus seiner Vergangenheit und Fiktionen über Mordgedanken, etc. Gleichzeitig veröffentlichen in seinem Blog auch Personen aus seinem näheren Umfeld wahre und erfundene Geschichten, die sich teilweise inhaltlich vermischen.

 

Meine Meinung zum Buch:

Der Schreibstil der Autorin passt sehr gut für die Zielgruppe Jugendliche oder Personen, die selbst gerne in Web-Communities posten und lesen, da das Buch in „Geschichten“ unterteilt ist und in Blog-Form erzählt wird. Zusätzlich sind noch Kommentare von anderen Usern angeführt. Dadurch lässt sich das Buch auch recht schnell lesen und entspricht nicht unbedingt der üblichen Romanform.

Inhaltlich handelt das Buch von Manipulationen, Abhängigkeiten, Mordgedanken, unglücklicher Kindheit, Schuldzuweisungen und der Aufarbeitung von Lebensgeschichten und missglückten Beziehungen. Es stehen sehr stark die persönlichen Erlebnisse und Lebensgeschichten der einzelnen Personen im Vordergrund, aber auch Gerüche, Farben und Emotionen. Zwischenzeitlich wird es etwas langatmiger, da sich teilweise die Ereignisse aus der Vergangenheit wiederholen, aber am Ende kommt noch eine Wende, die ev. so nicht voraussehbar war.

Gefallen hat mir die Vermischung von wahren Erzählungen mit erdachten Geschichten, die im Blog gepostet wurden, sodass die Spannung gut aufrecht erhalten wurde und ich erst wieder herausfinden musste, was wirklich passiert ist und was Fiktion war. Dadurch wurde für mich die Spannung bis zum Ende aufrecht gehalten. Das tatsächliche Ende des Buches hat mir persönlich nicht so gut gefallen, da vieles ungeklärt bleibt und das Buch eher abrupt beendet wird, allerdings möchte ich vom Ende nicht zu viel verraten, da muss sich jedeR LeserIn selbst ein Bild machen.

 

Cover und Titel:

Das Cover finde ich durch die auffallende Gestaltung sehr gelungen, die stechend blauen Augen vermitteln den Eindruck, als ob sie den Betrachter direkt anstarren oder beobachten. Auch die Titelauswahl wird im Buch deutlich gemacht.

 

Mein Fazit:

Empfehlen kann ich das Buch für alle, die gerne über ihr Leben in Web berichten, aber auch für Personen, die sich für außergewöhnliche Fantasien und Gedanken ihrer Mitmenschen interessieren.


coffee2go hat insgesamt 62 Rezensionen angelegt.


Ein Spiegel im Spiegel im Spiegel...

23.02.2012 Bewertung:  3 rumble-bee vergibt 6 von 10 Punkten

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Ach, ich sehe sie förmlich vor mir, die gute Joanne Harris. Da sitzt sie an ihrem Schreibtisch und reibt sich die Hände, wie schön sie doch dieses Buch ausgetüftelt hat. Zugegeben, das \"Getüftelte\" merkt man dem Buch auch an: Lauter doppelte Böden, lauter Spiegelungen, lauter Halbwahrheiten, lauter Identitätswechsel. Aber vor lauter Tüfteln ist ihr dabei der Kontakt zum Leser verloren gegangen - zumindest der Kontakt zu mir.


Vieles hat mich einfach nicht erreicht. Da ist zum Beispiel die Grundidee für die Handlung, das \"Setting\". Wenn man mal alle falschen Rahmen beiseite lässt, dann ging es im Grunde um Folgendes: eine englische Kleinstadt, und diverse Gestalten, die in ihrem Mief festhängen. Auf der einen Seite eine tyrannische Mutter mit drei (farblich getrennten) Söhnen, scheinbar frisch aus \"Grimms Märchen\" entsprungen. Auf der anderen Seite zwei kleine Mädchen, jede auf ihre Weise beschädigt, und ebenfalls aus dysfunktionalen Familien. Mindestens zwei der Kinder haben ungewöhnliche Fähigkeiten, die im Fachjargon \"Synästhesie\" (das Verschmelzen mehrerer Sinneseindrücke) genannt werden. Und mit diesen Fähigkeiten konkurrieren sie um die Aufmerksamkeit des ortsansässigen Wissenschaftlers. Verkompliziert wird das Ganze dann noch durch die überdreht ehrgeizigen Mütter. Tja - tut mir leid, aber diese \"Mischung\" geht einfach an mir vorbei. Ich verstehe einfach nicht, wie daraus lebenslängliche Verstrickungen und gar Animositäten entstehen können. Ich fand diese Grundhandlung schlicht uninteressant - um nicht zu sagen, streckenweise ausgesprochen langweilig (besonders im mittleren Drittel des Buches).


\"Aufgepeppt\" wird diese Idee allerdings durch die Schreibweise in Form eines Blogs. Das Buch wird geschrieben aus der Sicht eines der drei Söhne, der zum Schluss noch mit seiner teuflischen Mama in deren (Hexen-)Häuschen übrig bleibt. Er ist mittlerweile im mittleren Alter, und in seinen Blog-Einträgen versucht er wohl, das Erlebte Revue passieren zu lassen - wobei er aber offensichtlich genauso viel schönt und erfindet, wie er zugibt. Ab der Mitte des Buches kommen noch die Einträge einer anderen Bloggerin hinzu, Albertine. Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich beim Lesen zumindest ansatzweise Interesse, da die Einträge der beiden Personen sich ständig widersprechen, spiegeln, dann wieder ergänzen. Es ist ein wenig wie bei einem Tennismatch - die Aufmerksamkeit des Lesers fliegt ständig hin und her, und kann sich doch nie zur Ruhe setzen. Das ist zumindest gut gemacht.


Doch dieser an sich nette Gedanke wird wiederum dadurch zunichte gemacht, dass es die Autorin nicht dabei belassen konnte. Nein, es geht nicht nur um zwei Blogger, die sich gegenseitig belauern. Jetzt kommen auch noch die geheimen Identitäten ins Spiel. Im letzten Drittel des Buches herrschte bei mir nur noch Verwirrung. Etliche vermutete Identitäten stellen sich als falsch heraus, und bis zum Schluss war ich mir bei manchen Schlussfolgerungen nicht sicher. Eigentlich müsste man das Buch sofort noch einmal von vorne lesen, aber aufgrund des zähen Kaugummi-Feelings in der Mitte, und aufgrund der für mich an sich völlig belanglosen Handlung um zwei verhinderte Wunderkinder, werde ich das ganz sicher nicht tun!


Es war einfach ein wenig \"too much\". Zu viel gewollt, zu viel gespiegelt, wie ein Spiegelbild im Spiegel im Spiegel im Spiegel... da wurde mir richtig schwindelig! Eindeutig zu viel \"Schwindel\", und das in mehr als einem Sinne des Wortes. Da konnte das - zugegeben - dann wieder rasante Ende, der Showdown, auch nichts mehr reißen. Denn er begann viel zu spät, und dauerte auch nur 30 bis 50 Seiten.


Ich vergebe dennoch drei Sterne, da ich anerkenne, dass die Autorin grandiose Fähigkeiten, und auch interessante Ansätze, hat. Sehr gut gelungen ist es ihr, die Verführbarkeit und Scheinheiligkeit im Internet zu zeigen. Jeder kann sich als jeder ausgeben, und immer wird es etliche verlorene Seelen geben, die darauf hereinfallen. Zweitens hat mich der Ansatz interessiert, etliche Elemente aus bekannten Märchen einfließen zu lassen. Teilweise werden bekannte Passagen sogar wörtlich erwähnt - wie zum Beispiel aus \"Rotkäppchen\" (roter Mantel und Körbchen am Arm, also bitte!), \"Rapunzel\" (die böse Zauberin, die jemanden im oberen Stockwerk festhält), die böse Stiefmutter, die drei Söhne, und und und. Aber das wirkte viel zu \"unorganisch\" mit der Internet- und Blog-Handlung verquickt. Schade.


Ja, letztlich weiß ich einfach nicht, was ich aus diesem Buch ziehen soll. Dass das Internet mit Vorsicht zu genießen ist, wusste ich schon vorher. Das Joanne Harris im Prinzip gut schreiben kann, auch. Vermutlich ist es dies: dass auch die interessanteste Leseprobe noch keinen Aufschluss über das Gesamtkonzept eines Buches gibt. Okay, hier habe ich dazugelernt!

 


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


Wenn die Grenzen zwischen Fiktion und Wahrheit verschwimmen

29.06.2012 Bewertung:  3.5 Pharo72 vergibt 7 von 10 Punkten

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B. B. oder wie er sich selbst in seinem Internetblog nennt – Blauauge – ist ein 42jähriger in sich gekehrter Mann, der noch immer bei seiner tyrannischen und gewalttätigen Mutter lebt. Nur in schriftlicher Form und vor allem über das Internet kann er richtig aus sich herausgehen. Teils öffentlich, teils nur mit beschränktem Zugang reflektiert er sein bisheriges Leben in Form von Geschichten, wobei seinen Lesern überlassen bleibt, was davon Wahrheit und was reine Erfindung ist. Denn Blauauge stellt sich selbst als Mörder dar. Nicht nur zwei seiner Brüder, sondern auch viele Personen in seinem Umfeld finden auf merkwürdige Weise den Tod. Doch es gibt jemanden, der die Wahrheit kennt.

Durch die Vorstellung auf vorablesen.de und vor allem auch das interessante Cover mit dem unheimlichen, blauäugigen Jungen bin ich auf dieses Buch von Joanne Harris aufmerksam geworden. Es handelt sich um einen sehr tiefgründigen Roman, in dem nichts ist, wie es anfangs scheint. Die Erzählweise findet ausschließlich in Blog-Form statt, erst nur betrieben von Blauauge, später erhält der Leser auf diesem Weg auch Einblick in die Gedankenwelt von Albertine.

Zugegeben die erste Hälfte des Buches liest sich ein wenig mühselig. Man bleibt als Leser verwirrt zurück, weiß man am Ende doch gar nicht mehr, was ist nun tatsächlich passiert, was der Einbildungskraft eines fantasievollen Mannes entsprungen. Wirkliche Spannung kommt aus diesem Grund bis hierhin auch nicht auf. Nichtsdestotrotz geht eine enorme Faszination von der Geschichte aus, sodass man die Auflösung nicht verpassen möchte und daher weiter liest.

Doch dann nimmt die Handlung eine Wendung, die so absolut nicht zu erwarten war. Alles bisher Gelesene erscheint in einem neuen Licht, sodass man am liebsten noch mal von vorn beginnen möchte, um herauszufinden, ob der Autorin nicht doch ein Fehler unterlaufen ist. Das Ende entpuppt sich dann als Wettlauf um Leben und Tod. Erkenntnisse kommen Schlag auf Schlag, die Handlungsweise diverser Nebencharakter bekommt einen Sinn, offene Fragen werden beantwortet. Und schließlich das Finale, das voller Überraschungen ist, aber dennoch befriedigt. „Blaue Augen“ ist eines dieser Bücher, bei dem Durchhalten wirklich belohnt wird.


Pharo72 hat insgesamt 83 Rezensionen angelegt.


 
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