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Krimi/Thriller: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen
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Titel:      Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      1355
Autor:      Hallgrímur Helgason
ISBN-10(13):      3608501088
Verlag:      Tropen Bei Klett-Cotta
Publikationsdatum:      2011-05
Edition:      5., Aufl.
Number of pages:      270
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Ein eiskalter Auftragskiller

25.05.2010 Bewertung:  4 KimVi vergibt 8 von 10 Punkten

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Der Kroate Tomislav Bokšic, genannt Toxic, arbeitet in Amerika als erfolgreicher Auftragskiller. Dank seiner präzisen Arbeit haben die Bestattungsinstitute gut zu tun. MWA \"Möglichst wenig Aufsehen\" ist sein Motto. Dem kann er jedoch bei seinem 66. Opfer nicht gerecht werden. Obwohl der Schuss mit gewohnter Präzision im richtigen Kopf landet, beendet er die makellose Karriere des Profikillers. Denn das Opfer entpuppt sich als getarnter FBI-Agent. Da Toxic bei der Ausführung seines Jobs von den Kollegen des Opfers beobachtet wurde, kann man wohl kaum von möglichst wenig Aufsehen sprechen. Jetzt hilft nur eins, Toxic muss seinem lukrativen Job den Rücken kehren und untertauchen. Geplant ist eine kurze Auszeit  in seiner alten kroatischen Heimat. Doch schon am Flughafen stellt sich heraus, dass dieser Plan nicht durchführbar ist. Mit seinem geschulten Auge erkennt Toxic die dort wartende Zivilpolizei.

 

Jetzt hilft nur sofortiges Umdenken. Im Toilettenbereich fällt Toxics Blick auf einen Mann, der ebenso glatzköpfig ist wie er und ihm auch von der Körperfülle her recht ähnlich sieht. Ein echter Glücksfall also! Der Profikiller überlegt nicht lange, sondern erledigt lautlos und schnell sein 67. Opfer. Er zieht die leblose Gestalt in eine Toilettenkabine und schlüpft in die Kleidung des Getöteten. Dann nimmt er noch schnell das Ticket, die Brieftasche und den Pass seines Opfers an sich und verlässt den Toilettenbereich als Father Friendly. Derartig gut getarnt, gelingt es ihm den Flughafen und das Land zu verlassen. Seine neue Identität führt ihn direkt nach Island, denn dort wird Father Friendly schon sehnsüchtig von seinen Gastgebern erwartet. Ein Ehepaar hat Father Friendly eingeladen, in einer religiösen Fernsehsendung aufzutreten. Mit Toxics Motto \"Möglichst wenig Aufsehen\" lässt sich dieser Wunsch nur schwer in Einklang bringen. Entsetzt stellt der Profikiller fest, dass sich Island denkbar schlecht zum Untertauchen eignet. Hier ist es ihm auch nahezu unmöglich an eine Schusswaffe zu kommen. Als der vermeintliche Gottesmann sich dann auch noch in die Tochter seiner religiösen Gastgeber verliebt und die Polizei ihm auf die Schliche kommt, nimmt das Schicksal seinen Lauf...

 

Meine Meinung


Das Buch ist in der Ich-Form, aus der Sicht des Profikillers Toxic, geschrieben. Er erzählt in einem lockeren und eher respektlosen Plauderton seine Geschichte. Sein rabenschwarzer Humor ist dabei allgegenwärtig.  Schnell wird klar, Toxic liebt seinen Beruf und ist stolz auf seine Erfolgsquote. Aufgrund seiner Berufsauffassung ist das Opfer bei ihm noch König und wird zuvorkommend behandelt! Durch die gewählte Erzählperspektive schlüpft man in die Haut des Auftragskillers, bekommt einen Einblick in seine Gedanken und verfolgt seine skurrilen Ansichten zu Land und Leuten. Alleine seine Berufswahl deutet daraufhin, dass Toxic die Welt mit anderen Augen sieht als der Durchschnittsbürger. Ausgerechnet ihn verschlägt es nach Island und dann noch in der Gestalt eines angesehenen Gottesmannes. Schnell stellt er fest, dass Island kein Land für Auftragskiller ist und es gar nicht so einfach ist, als gottesfürchtiger TV-Prediger möglichst wenig Aufsehen zu erregen. Obwohl sich Toxic redlich bemüht, lassen sich alte Gewohnheiten nicht auf Knopfdruck abstellen.

 

Der Einstieg in Toxics ereignisreiches Leben ist rasant und seine Schilderungen triefen vor Sarkasmus. Doch meiner Meinung nach, gibt es auch einige Längen, die recht langatmig wirken. Dennoch bleibt das Buch interessant und Toxic wirkt, trotz seines Berufs als Auftragskiller, sympathisch und durchaus humorvoll. Durch Rückblicke in seine Vergangenheit lernt man die Hintergründe seiner Persönlichkeit besser kennen. Das Buch hat also mehr zu bieten, als eine Aneinanderreihung von skurrilen Begebenheiten. Toxics Weiterentwicklung wirkt auf mich allerdings nicht immer glaubhaft und nachvollziehbar. Dennoch ist mir der Profikiller mit den schrägen Ansichten und dem tiefschwarzen Humor ans Herz gewachsen.

 

Ich greife eher selten zu Büchern von skandinavischen Autoren, da ich die Atmosphäre dieser Romane meist zu düster und erdrückend empfinde. Das war bei Toxics Erzählung allerdings keinen Moment so. Meistens habe ich Schwierigkeiten  mir die fremden und ungewohnten skandinavischen Namen in solchen Romanen zu merken und richtig einzuordnen. Doch da Toxic eine ganz eigene Art hat, mit diesem Problem umzugehen, habe ich auch in dieser Hinsicht nichts auszusetzen.

 

Das Ende trifft mich allerdings abrupt und unvorbereitet. Ich hatte mir einen anderen Abschluss erhofft, doch das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert.

 

Mein Fazit


\"Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen\" hat mich durch den tiefschwarzen Humor überzeugt. Allerdings muss man dieser Art von Humor mögen, um das Buch zu genießen. Ich bewerte es mit acht von zehn Sternen. Die beiden ziehe ich, wegen einiger Längen im Mittelteil und dem abrupten Ende, ab.


KimVi hat insgesamt 226 Rezensionen angelegt.


Vom Auftragskiller zum Geistlichen...

01.06.2010 Bewertung:  5 Sammylein vergibt 10 von 10 Punkten

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Toxic hat ein Problem: Er ist ein Auftragskiller und bei seinem letzten \"Fall\" ist einiges schief gegangen. Vom FBI gejagt, bringt er einen Geistlichen um und nimmt seine Identität an. Sein Weg führt ihn nach Island...


Schon die Beschreibung des Buches fand ich echt klasse! Und beim Lesen habe ich schnell rausgefunden: Das ganze Buch ist top! Von der ersten bis zur letzten Seite, habe ich das Lesen sehr genossen.


Der Erzählstil aus der Ich-Perspektive passt wunderbar und man konnte wirklich mit Toxic \"mitleiden\". Sein Weg führt ihn von einem Schlamassel in das Nächste. Und doch sieht es so aus, als wenn alles ein gutes Ende hätte... Mit seiner \"Butterblondine\" und einigen \"Freunden\", die ihn nicht aufgeben wollen, tritt er seinen Weg in ein neues Ich an.


Das Buch beinhaltet eine Menge feine Ironie, Witz und schwarzen Humor. Und gegen Ende gibt es sogar einige Passagen, die zum Nachdenken anregen.


Aber ich fand auch die Beschreibungen eines fremden Landes (Island) wunderbar gelungen und konnte mir bildlich vorstellen, wie die Umgebung und die verschiedenen Unterschlupfe von Toxic aussahen.


Alles in allem ein gelungenes Buch, welches ich auch ein zweites oder drittes Mal lesen würde!


Sammylein hat insgesamt 5 Rezensionen angelegt.


Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken

29.08.2012 Bewertung:  4 rumble-bee vergibt 8 von 10 Punkten

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Warum dieses Buch als "Krimi" berworben und eingeordnet wird, ist mir schleierhaft. Der Held ist ein Auftragskiller auf der Flucht, und sein letzter "Job" ist wohl gründlich daneben gegangen - gut. Aber das ist auch schon alles, was in diesem Buch an einen Krimi erinnert. Es ist in der Tat schwer einzuordnen, und schon allein von daher finde ich es ein mutiges und innovatives Stück Literatur.

Ich würde es irgendwo zwischen Roadmovie, Satire, Liebesgeschichte und Parabel ansiedeln. Klingt komplex, aber so ist eben das Buch. Ich glaube ferner, dass es vorrangig in und für Island geschrieben wurde - denn wie hier die Isländer und ihre Marotten und nationalen Eigenheiten aufs Korn genommen werden, und das auch noch von einem Killer, das hat schon sehr schräg-humorige bis zynische Anteile. Island als ein "Altersheim für Auftragskiller", diese Formulier- bzw. Fabulierkunst grenzte an Dreistigkeit - wenn sie nicht so lustig wäre. Es wird in der Tat so ziemlich alles an Island karikiert. Vom Wetter, über die (Mond-) Landschaft, über die Frauen, den Verkehr, die Hauptstadt, die Jobs, die Religion, bis hin zum Volkssport "Eurovision Song Contest", ist alles dabei. Letzteren Punkt fand ich besonders amüsant, da ich an diesem Wettbewerb schon immer eher das Lustige gesehen habe...

Das Buch verlangt dem Durchschnittsleser so einiges ab - denn hier geht es offenkundig eben nicht darum, sich mit irgendeiner Figur zu identifizieren, oder sie gar zu "mögen". Protagonist ist Tomislav Boksic, ein Auftragskiller aus Kroatien, der im Balkan-Krieg war, und seitdem ein mehr als gestörtes Verhältnis zu seiner Umwelt hat. Mit schnoddrigem Ton und rotzfrechem Humor erzählt er seine Geschichte, durchgehend in der Ich-Perspektive. Nun ist es nicht so, dass es sich permanent um derben Schenkelklopfer-Humor handelte - nein, die Kunst liegt hier oft zwischen den Zeilen. Oft bleibt einem als Leser auch das Lachen im Halse stecken, da sich der Zynismus des Helden eben aus seinen Kriegserlebnissen speist. Und so ganz nebenbei spielt er, in Nebensätzen oder in Kapitelüberschriften, auf bekannte Filme oder Bücher an, was mir persönlich einen Heidenspaß gemacht hat.

Keine Figur ist in diesem Buch das, was sie zu sein scheint. Fernsehprediger, die so ihre privaten Abgründe haben; Leiharbeiter, die in düstere Geschäfte verwickelt sind; Kleriker mit Kampftsportausbildung; Töchter mit mehr als fragwürdigem Liebesleben; und noch etliches mehr. Dazu eine Handlung, die man - vielleicht - nur in bekifftem Zustand ernst nehmen kann, so überdreht ist sie. Und sie mündet auch noch in ein Finale, das Tarantino nicht besser hingekriegt hätte - der kommt übrigens auch (indirekt) im Buch vor. Insofern ist das Ende vielleicht als Hommage gedacht, wer weiß.

Ich mag das Buch einfach nicht "festlegen", dafür scheint es mir viel zu schade. Ich habe es genossen, obwohl ich aufgrund des Klappentextes eher seichteren Humor erwartet hatte. Doch das Buch hat zum Glück mit wesentlich mehr Untiefen aufgewartet, und hat sich so vor dem schnellen Vergessen gekonnt gedrückt. Ich empfehle es wärmstens allen, die sich einen Mix aus Quentin Tarantino, Art Paasilinna und Monty Python vorstellen mögen.


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


 
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