Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/rezionde/components/com_booklibrary/booklibrary.php on line 2910
Krimi/Thriller: Schneller als der Tod
  Print


Titel:      Schneller als der Tod
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      1236
Autor:      Josh Bazell
ISBN-10(13):      3100039122
Verlag:      Fischer (S.), Frankfurt
Publikationsdatum:      2010-04-09
Edition:      2
Number of pages:      300
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

3 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
Schneller als der Tod
   


Rezensionen
Wie schnell ist der Tod?

02.04.2010 Bewertung:  3 antjemue vergibt 6 von 10 Punkten

Userpic

„Von Josh Bazells unverschämt witzigem Roman über einen zum Arzt gewandelten Mafiakiller würde Ihnen die Ärztekammer sicher abraten. Ignorieren Sie das. Dies ist das einfallsreichste Buch des Jahres.“ USA TODAY


Dieses Zitat auf dem Buchcover weckt große Erwartungen. Die im Vorfeld veröffentlichte Leseprobe erfüllte diese für mich sogar. Jedenfalls war ich hocherfreut, dass ich schon wieder aus dem Lostopf gezogen wurde und das am 11.05.2010 erschienene Buch zum testlesen und rezensieren nach Hause geschickt bekam. Da mich die Email mit der Information, dass ich es bekommen werde, bereits eine gute Woche vor Erhalt erreichte, hatte ich auch genügend Zeit, mich noch ein bisschen im Netz über den Autor zu informieren.


Josh Bazell


Auf den Internetseiten des Focus fand ich unter dem Titel: „Dr. House“ mit Mafia-Hintergrund ein sehr amüsantes Interview mit dem Autor, welches ihn mir regelrecht sympathisch machte. Vorschusslorbeeren sozusagen.


„Schneller als der Tod“ ist sein Debütroman. Der Autor, der Medizin und Literatur studierte, scheint aber Freude am Schreiben gefunden zu haben und ist gerade dabei, sein zweites Werk zu verfassen. Nach seinen im Netz auf verschiedenen Portalen veröffentlichten Aussagen entstand sein Erstling während seiner Arbeit als Medizinstudent in einem Krankenhaus, welches dem im Buch beschriebenen aber in keiner Weise ähnelt. Allerdings würde er auch Krankenhäuser kennen, die durchaus eher Irrenhäuser sind.

Wieder einmal konnte ich das Eintreffen des Buches kaum erwarten. Doch als es dann endlich kam, wollte ich zwar mein aktuelles Buch zur Seite legen, um gleich mit dem Lesen zu beginnen, fand aber erst einmal überhaupt keinen Zugang und fragte mich schon, was ich eigentlich an der Leseprobe gefunden hatte.


So las ich dann doch erst einmal die Fantasygeschichte zu Ende, in der ich gerade mittendrin steckte, danach noch ein Kinderbuch und einen Thriller, der gerade erschienen war und auf den ich, weil letzter Teil einer Trilogie, deren beiden ersten Teile ich voriges Jahr regelrecht verschlang, schon lange gewartet hatte.

Vor ein paar Tagen nahm ich „Schneller als der Tod“ dann noch einmal zur Hand. Und siehe da, ich war reif dafür.


Ein ehemaliger Mafiosi als Arzt


Der ehemalige Mafiakiller „Bärentatze“ ist ausgestiegen und in einem Zeugenschutzprogramm des FBI. In seiner neuen Identität wurde er Arzt und arbeitet jetzt in einem ziemlich abgewrackten Krankenhaus. Von den Zuständen dort mal ganz abgesehen, ist eigentlich alles gut, bis er eines Tages einen Patienten behandeln muss, der ihn von früher her kennt…


Hier möchte ich nicht Patient sein

Die Handlung besteht aus einer Mischung über die aktuellen Vorgänge in besagtem Krankenhaus und den Erinnerungen der Hauptfigur, aus der Zeit als diese noch Pietro Brnwa hieß, wie aus ihm der Mafiakiller Bärentatze wurde und warum er dem Ganzen wieder abschwor.


Sie gewinnt an Spannung, als der neue Patient seinen Arzt erkennt und von ihm sein Leben verlangt. Das ist jedoch bei Krebs im Endstadium fast illusorisch. So erlebt dann die Geschichte ihren Höhepunkt, als der Arzt, der um seine Zukunft fürchtet, im OP nicht nur um das Leben seines Patienten, sondern viel mehr um sein eigenes kämpft.

Der Autor legt von Anfang an einen locker fluffigen Ton an den Tag und schimpft alle Vorstellungen, die ich bisher von Ärzten hatte, Lügen. So braucht Doc seine tägliche Dröhnung um den Tag zu überstehen, was ich jedoch bei seinen Schilderungen über die Zustände in dem Krankenhaus, in dem er arbeitet, durchaus verstehen kann.


Schlag auf Schlag erzählt Doc Peter Brown, die Hauptfigur, aus der Ich-Perspektive was um ihn herum so passiert. Da geschehen wirklich ganz ungeheuerliche Dinge, die aber so forsch rüber gebracht werden, dass sie im Lesefluss einerseits wie das Normalste auf der ganzen Welt wirken, den Leser aber trotzdem zu einem ständigen Kopfschütteln bewegen. Man möchte irgendwie über die bildhaft intelligenten, sehr schwarzhumorigen Vergleiche lauthals lachen, andererseits jedoch wegen der beschriebenen Brutalität auch schreiend davon laufen.

Diverse Fußnoten, in denen der Autor etliche Zusatzerklärungen zu medizinischen Begriffen und auch der Mafia lieferte, störten mich anfangs extrem. Teilweise waren sie zwar witzig, oft empfand ich sie jedoch als unnütz, manchmal fast als prahlerisch. Vielleicht hätten mich diese Ergüsse in einem hinten angehangenen Glossar weniger gestört. Aber ich denke, das ist Ansichtssache.


Bei „Schneller als der Tod“ handelt es sich um eine sehr temporeiche Geschichte voller Sarkasmus und dunkelschwarzem Humor. Sie strotzt vor Satire und Kritik am Gesundheitswesen, an der Gesellschaft überhaupt. Selbst wenn dies vor allem auf die Verhältnisse in den USA anspielt, kann man es mittlerweile durchaus zum Teil auch auf Deutschland adaptieren. Das Ende wirkte auf mich dann regelrecht überhastet. Diesen Eindruck konnte auch die noch einmal gezielt hineingelegte Blutrünstigkeit nicht wettmachen.

Alles in allem hat mich das Buch schon unterhalten. Andererseits lässt es mich auch sehr nachdenklich zurück. Sind wir wirklich noch sehr weit von diesen überhöht dargestellten Schilderungen entfernt und wie viel ist ein Menschenleben überhaupt noch wert? Ein Lesestoff, der ganz bestimmt nichts für schwache Nerven ist und den ich persönlich auch nicht immer haben möchte.


S. Fischer Verlag 2010
Übersetzung: Malte Krutzsch
ISBN 978-3-10-003912-5
304 Seiten
Derzeit nur als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen für 18,95 € im deutschen Buchhandel erhältlich.


antjemue hat insgesamt 45 Rezensionen angelegt.


Humor und andere tödliche Sachen

15.04.2010 Bewertung:  4 Sodom vergibt 8 von 10 Punkten

Userpic

Piotro Brwna ist Arzt in einem New Yorker Krankenhaus, obwohl man ihn da eigentlich als Dr. Peter Brown kennt. Der Grund ist eigentlich ein einfacher. Piotro ist im Zeugenschutzprogramm, da er als ehemaliger Mafia-Killer gegen seine \"Familie\" ausgesagt hat. Als ehemaliger \"Mobster\" rettet er nun Leben. Das ist auch dringend nötig, sollte sein neuester Patient nämlich sterben, wird er verraten und das gilt es nunmal zu verhindern.

Bazell hat sich hier eines Themas angenommen, dass vielleicht von der Idee her nicht neu sein mag, mir in der Ausführung aber noch nie in die Finger gelangt ist. Mit einer riesigen Portion schwarzen Humors pfeffert er die teils eigentlich humorlosen Geschehnisse auf. Dabei ist es klar, dass keine große Lachattacke den Leser überfällt. Es ist eher die Art von Humor, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Sprachlich trifft Bazell dabei immer ins Schwarze. Denn durch den Mix von fachchinesisch und Straßenjargon stellt er den Charakter der Hauptfigur genial dar. Piotro ist ein einskalter Killer und dabei so erschreckend sympathisch, dass man ihn einfach mögen muss.

Einige Leser werden sich sicherlich am Stil der Fußnoten stören, da sie den Lesefluss bremsen, aber auch nicht ausgelassen werden können, da dort teilweise für das Verständnis bedeutsame Erklärungen geschrieben stehen. Es ist aber auch nicht zu empfehlen die Fußnoten auszulassen, da gerade dort oft der Witz liegt.

Leider etwas anstrengend ist der dauernde Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Zwar ist sowohl die Geschichte im Heute, als auch die Geschichte wie aus Piotro Brwna eben Dr. Peter Brown wird grundsätzlich interessant, den Lesefluss bremst es aber schon sehr. Dies wird leider dadurch verstärkt, dass gerade in der Vergangenheit auch hier und da Längen in der Story sind.

Ein solches Buch kommt ohne Gewaltdarstellungen nicht aus, dennoch sind diese meist so fachlich (medizinisch), dass man nicht von übermäßig abscheulicher Darstellung sprechen kann. Etwas übler ist leider eine Darstellung, die am Ende des Buches auftaucht (und deshalb nicht näher erläutert wird). Hier muss man schon hart im Nehmen sein, um sich von den Bildern im eigenen Kopf nicht anwiedern zu lassen.

Fazit: Bazell ist ein genialer bitterböser schwarzer Thriller gelungen, der aber sicher nicht jedermanns Sache ist. Mich hat er gefesselt. Es ist kein Gute-Laune-Buch für heitere Stunden, vielmehr pakt es den Leser an der dunkelsten Humorseite und lässt nicht mehr los. Ich habe hier ein \"spitzen\" Buch gelesen, dass für jeden Liebhaber des schwarzen Humors ein absolutes \"must have\" ist. Eine bessere (und damit Best-) Bewertung scheitert letztlich an der leichten Schwäche in der Erzählkontinuität (s.o.) und an der letzten Gewaltdarstellung, die in ihrer Art zwar nicht abwegig für die Geschichte war, die ich aber als sehr unrealistisch und vor allem unangenehm empfunden habe (und das hat was zu bedeuten). Aufgrund ihrer Stellung im Roman am Ende, lässt sie dadurch den Leser auch mit keinem überaus guten Gefühl aus der Geschichte aussteigen. Aber wie gesagt, bleibt es ein höchst lesenswertes Buch.


Sodom hat insgesamt 9 Rezensionen angelegt.


Es war einmal ein Mafiakiller...

21.04.2010 Bewertung:  4 Sammylein vergibt 8 von 10 Punkten

Userpic

Das Buch fing furios an. Pietro Brwna, ehemaliger Mafiakiller und jetzt Arzt, wird auf dem Weg zu seinem Dienst überfallen. Natürlich „löst“ er das Problem auf seine Weise und behält die Oberhand. Mit der Waffe des „Opfers“ marschiert er dann ins Krankenhaus und beginnt seine Arbeit...

 

Danach verfällt die Handlung in eine leichte Monotonie. Man erhält Einblicke in die Vergangenheit von Dr. Peter Brown (wie er sich jetzt nennt) und erfährt, daß er in einem Zeugenschutzprogramm ist. Bei seiner Visite trifft er dann auf einen alten Bekannten aus seiner Mafia-Zeit. Die nächsten 24 Stunden werden für die „Bärentatze“ zu einem Katz-und-Maus-Spiel. Sein alter „Freund“ Squillante heuert einen Killer an. Falls er den Krebs nicht besiegen sollte, ist die Zeit für Pietro abgelaufen...

 

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive erzählt. Das passt sehr gut und macht den Protagonisten irgendwie sympathisch. Immer wieder liest man Rückblenden aus Pietro´s Leben und erfährt so, wie seine Großeltern ermordet worden, von seiner großen Liebe und einigen anderen wegweisenden Erlebnissen.

 

Das Buch ist in einem Rutsch zu lesen. Die Sprache ist sehr flapsig, teilweise vulgär, aber auf jeden Fall unkonventionell. Die derben Ausdrücke stehen im Gegensatz zu den medizinischen Ausführungen, die ich aber auf keinen Fall als störend empfinde. Im Gegenteil: Der Krankenhaus-Alltag im Gegensatz zu der locker-flockigen Gedankenwelt von Pietro ist sehr ausgewogen und macht den Charme des Buches aus.

 

Das Buch läuft unter dem Genre Thriller. Für mich ist es aber eher ein Krimi mit viel schwarzen Humor. Sehr unterhaltsam und bestimmt nicht das letzte Mal, daß ich das Buch gelesen habe..


Sammylein hat insgesamt 5 Rezensionen angelegt.


Viel Blut, viel Ekel, wenig Geschmack

06.05.2010 Bewertung:  2 Toschi3 vergibt 4 von 10 Punkten

Userpic

Pietro, ein ehemaliger Mafiakiller, ist nun Arzt in einem Krankenhaus. Doch alle Zeugenschutzmaßnahmen helfen nichts: er wird von einem Patienten, ebenfalls Mafioso, erkannt und verpfiffen. Während er sich nicht entscheiden kann, ob er seinen Patienten hilft oder sich sofort verdrückt, lässt er sein bisheriges Leben Revue passieren.

 

Josh Bazell nimmt den Leser mit auf eine Geschichte, wie ein einfacher Junge durch einen traurigen Verlust in eine richtige Familie kommt, und damit auch in DIE Familie. In Rückblenden erzählt er davon, wie sein Hauptdarsteller Pietro die Geschichte seiner Familie recherchiert, seine große Liebe findet, seinen ersten Mord begeht und bald untertauchen muss, weil er die Familie verrät.

 

Der Schreibstil des Autors ist gewöhnungsbedürftig. Sein Literaturkurs und seine Kritiker mögen aufjubeln, dass das eine neue Art zu unterhalten ist, aber schön ist das in meinen Augen nicht. Derb und blutig: okay. Aber was zu viel ist ...

 

Der Autor hat Literatur und Medizin studiert. Und dass er auf letzterem Gebiet Ahnung hat, lässt er den Leser auch deutlich merken, mal anhand von bisweilen recht witzigen Fachsimpeleien, leider aber auch in ziemlich geschmacklosen Episoden. Insbesondere mit dem Ende hat Bazell meine Grenze des guten Geschmacks definitiv überschritten und mindestens einen Stern in der Bewertung verspielt.

 

Fazit: wer viel Blut und eine skurrile Geschichte mag, ist hier an der richtigen Stelle. Mein Geschmack ist dieser Roman definitiv nicht.


Toschi3 hat insgesamt 81 Rezensionen angelegt.


Thriller? Wohl kaum...

27.11.2010 Bewertung:  1 SunshineRose vergibt 2 von 10 Punkten

Userpic

Also ich weiß ja nicht, was so manch einer unter dem Begriff Thriller versteht. Ein gähnend langweiliges Buch, bei dem sich die Seiten nur so dahin ziehen, fällt meiner Meinung nach nicht unter diesen Begriff. Aber erst einmal von vorne...

 

Dr. Peter Brown ist Assistensarzt, zumindest in seinem \"neuen Leben\". Davor war er allerdings für die Mafia tätig. Die Verbindung zur Mafia suchte er bereits im Alter von fünfzehn Jahren, da seine Großeltern, bei denen er lebte, vermutlich von Mafiosi ermordert wurden. Doch Peters eigentliches Ziel der Rache verschwimmt mit der Zeit immer mehr, dieMafia-Familie Locano ersetzt seine eigene. Irgendwann allerdings steigt Peter aus und möchte für all die Verbrechen, die er begangen hat, der Welt etwas Gutes tun, indem er seine Zeit als Arzt in einem Krankenhaus in Manhatten verbringt. Und eines Tages begegnet er dort einem der alten Mafiabosse, welcher Peter wiedererkennt und zu verraten droht für den Fall, dass er sterben sollte. Problematisch ist nur, dass dieser Mafioso an Krebs erkrankt ist...

 

Die Story war wirklich vielversprechend und wenn man diese alleine betrachtet ist das Buch auch nicht schlecht. Aber leider geht es in diesem Buch mehr um Peters Vorgeschichte und eine ganze Menge anderer Kleinigkeiten. So bekommt man z.B. mehr über die Geschichte der Mafia im Allgemeinen und die kinetische Energie eines Schusses erzählt als über die eigentliche Handlung. Das Lesevergnügen ist dabei nur mäßig, da man das Gefühl hat, das Buch wäre mehr als tausend Seiten stark, obwohl es gerade einmal dreihundert umfasst. Es hat mich viel Mühe gekostet weiterzulesen und zwischenzeitlich geriet ich stark in die Versuchung einfach die letzten zwanzig Seiten zu lesen, um einfach zu wissen wie es ausgeht. Alles andere war für mich sowieso uninteressant. Spannung, welche ein elementarer Bestandteil eines Thrillers ist, kam meiner Meinung nach das gesamte Buch über nicht auf.

 

Auch der Stil des Autors hat mich in keinster Weise überzeugt. Die Dialoge sind kurz und abgedroschen. Hier ließe sich natürlich argumentieren, dass sich Mafiosi miteinander unterhalten. Aber auch die können meiner Meinung nach Sätze mit mehr als fünf Worten bilden. Die verwendete Sprache ist auch auf einem unteren Niveau angesiedelt. Worte wie Dödel, Knarre, Scheißding, etc. sind keine Seltenheit. Also auch von dieser Perspektive her macht es keinen Spaß, dieses Buch zu lesen. Ebenso die mehrfach auftretenden Ergänzungen als Fußnoten, mit denen der Autor vermutlich etwas Humor in die Sache bringen wollte, sind genauso überflüssig und unlustig, wie einige der anderen episch langen Erklärungen.

Mein Fazit also: Wer von dem Thema absolut fasziniert ist, der kann dieses Buch natürlich gerne lesen, aber ansonsten ist es nicht empfehlenswert. Hier fehlt einfach von allem etwas: Humor, Spannung, Niveau,...


SunshineRose hat insgesamt 9 Rezensionen angelegt.


Bazell: Schneller als der Tod

22.12.2012 Bewertung:  5 Nazena vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic

Dr. Peter Brown arbeitet als Assistenzarzt im Manhattan Catholic Hospital, dem schrecklichsten Krankenhaus in New York. Der Tag beginnt schon schlecht mit einem versuchten Raubüberfall, den Dr. Brown aber problemlos abwehrt. Auf der Station dann der Schock: einer der Patienten erkennt ihn. An und für sich kein Grund zur Besorgnis, aber Dr. Peter Brown heißt eigentlich Pietro Brwna und war ein Auftragskiller der Mafia. Er sagte gegen die Mafia aus und kam in ein Zeugenschutzprogramm.

Bevor er reagieren kann, hat der Mobster schon einen Freund angerufen: sollte er im Krankenhau sterben, wird die Mafia erfahren, wo sich Peter aufhält. Zu dumm nur, dass der Mafiosi wegen seiner Krankheit schon fast tot ist. Noch schlimmer: der operierende Arzt ist ein Trottel. Peter darf sich mit übereifrigen Studenten, pedantischen Oberärzten, nörgelnden Patienten und dem ganz alltäglichen bürokratischem Wahnsinn eines Krankenhaus herumschlagen- und die ganze Zeit sitzt ihm buchstäblich die Pistole im Nacken...

 

Die Idee, aus einem Killer einen Arzt zu machen, fand ich sehr innovativ und interessant. Peter oder Pietro, von der Familie Bärenpratze genannt, ist ein zynischer und abgehärteter Mann, der aber trotzdem seinen Idealismus bewahrt hat. Nach dem Tod seiner Großeltern baute er Kontakte zur Mafia auf, blieb aber ein "rechtschaffener" Killer, da er nur Leute tötete, die es auch verdient hatten.

Doch eines Tages geht etwas schief und seine Blitzkarriere fällt steil bergab. Man kann aus der Mafia nicht einfach so aussteigen, wie er bald sehr schmerzhaft erfahren muss. Trotz großer persönlicher Verluste versucht er ein besserer Mensch zu sein und stellt das Wohl seiner Patienten über sein eigenes.

Josh Bazell ist selbst Arzt und hat großes medizinisches Fachwissen in den Roman hineinfließen lassen, welches durchweg interessant ist, aber nie belehrend wirkt.  Die Krankenhaus-Verwaltung ist das reinste Irrenhaus und jeder versucht so gut wie möglich seinen Arbeitstag zu überstehen- und mit etwas Glück vielleicht sogar mal einem Patienten zu helfen. Der Roman übt starke Kritik am Gesundheitswesen, aber auf humorvolle Art, auch wenn dieser häufig Galgenhumor ist. Jeder kennt Horrorberichte aus dem Krankenhaus: Ärzte, die 48 Stunden Dienst hatten und dann eine Not-OP an einem Patienten durchführen müssen, vergessene Tupfer und falsch dosiere Medikamente. Bazell spricht diese Problematik deutlich aus.

 

Was das Buch so besonders macht, ist sein Humor und seine Grundstimmung. Es macht einfach großen Spaß, Peters Klinikalltag zu verfolgen. Ungefähr ein Drittel des Romans erzählt in Rückblenden sein Mafialeben und wie er im Zeugenschutzprogramm landete. Im Vergleich zu den Krankenhausepisoden sind sie nicht ganz so spannend, aber wichtig, um den Charakter zu verstehen. Peter ist zwar deutlich überzeichnet und mutiert teilweise zu einer Mischung aus MacGyver und Superman, aber dies tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und kann es jedem Fan von schwarzhumorigen Romanen empfehlen- nur vielleicht nicht unbedingt, wenn man selbst ins Krankenhaus muss... 5 von 5 Sterne.


Nazena hat insgesamt 88 Rezensionen angelegt.


 
Joomla templates by a4joomla