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Hobby: Frühstück mit Kängurus: Australische Abenteuer
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Titel:      Frühstück mit Kängurus: Australische Abenteuer
Kategorien:      Hobby
BuchID:      2001
Autor:      Bill Bryson
ISBN-10(13):      3442453798
Verlag:      Goldmann Verlag
Publikationsdatum:      2002-11-01
Edition:      Taschenbuchausgabe, 22. Auflage,
Number of pages:      416
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
Frühstück mit Kängurus. Australische Abenteuer.
   


Rezensionen
Und ich sah, dass sie \"Doch.\" dachte ...

03.05.2011 Bewertung:  4.5 mr.matze vergibt 9 von 10 Punkten

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\"Auf dem Flug nach Australien fiel mir wieder nicht ein, wie der Premierminister heißt. Ich seufzte.\" Mit diesem Satz begann eins der größten Lesevergnügen, das mir in der letzten Zeit zuteil wurde. Bill Bryson hat eigentlich mit Australien genauso viel am Hut wie ich. Nicht, dass ich ebenfalls schon über 50 wäre, ebensowenig bin ich in England geboren oder würde nunmehr mit meiner Familie in den Vereinigten Staaten leben. Andererseits gibt es schon Gemeinsamkeiten. Denn, ohne dass es eines ebsonderen Antriebs bedürfe, setzt sich doch so manch einer hin und schreibt nieder, was ihm während seiner Zeit in Australien so passiert ist: Informatives, Interessantes, Lustiges und auch Langweiliges. Herauskommen tun hoffentlich kurzweilige Berichte oder aber besonders lesenswerte Bücher, über letztere Spezies möchte ich hier berichten. 
Der Inhalt ist schnell umrissen. Bill Bryson erzählt von seinem mehrmonatigen Aufenthalt in Australien. Dabei ist er aus den unterschiedlichsten Gründen und den verschiedensten Antrieben in viele Ecken des fünften Kontinents gekommen, nahezu in allen vier Himmelsrichtungen hat er Begegnungen und Erfahrungen mit Land und Leuten gemacht ... und diese - glücklicherweise - in Form dieses Buches verewigt. Ob Sydney, Cairns, Perth oder Alice Springs, Bryson hat viel erlebt, nahezu alles davon ist lustig oder informativ, oftmals sogar beides. 

Begegnungen mit Menschen haben ihn geprägt, vor allem aber Nicht-Begegnungen mit gefährlichen und giftigen Tieren begleiteten ihn auf seiner Australienreise. Einfach herrlich, Bryson zuzuhören, wenn er von der Wirkungsweise der Jellybox-Quallen erzählt, obwohl dies wirklich alles andere als amüsant ist. 
Aufgrund seiner Einschätzung der Lage ist aber schon wenige Sekunden dafür gesorgt, dass man mit Lachtränen in den Augen nur noch undeutlich erkennen kann, wie der Satz weitergeht, denn Pausen dieser Art sollte man stets einplanen. 

Die Stationen seiner Reise sind oben bereits teilweise angedeutet, eine genaue Inhaltsangabe ist nicht nötig. Denn egal, ob man Australien bereits besucht hat oder nicht, es ist ein wahres Lesevergnügen. Man freut sich, wenn man an den gleichen Stellen wie Bryson war, ist interessiert, ob man seine Auffassung und Meinung teilen kann oder ihm jeglichen Wiedererkennungswert aufgrund seiner Beschreibung absprechen möchte, erfreut sich aber genauso daran, wenn man ihm nur in Gedanken folgen kann und etwas über Australien erfährt und hinzulernt, ganz anders, als man es durch einen Reiseführer erfahren würde. 
Geschichtliche Andeutungen fehlen nicht, stehen aber nicht im Vordergrund. Dennoch erfährt man einiges über die Ureinwohner Australiens, was man in machem Reiseführer unter dem Stichwort Aborigines eben nicht findet. 

Das Buch ist im Goldmann-Verlag bisher nur als Hardcoverausgabe erscheinen und ist mit einem Preis von circa 23 Euro recht teuer. Wer aber nicht bis zum Erscheinen des Taschenbuchs warten kann, bekommt hier trotzdem ein Buch mit einem prima Preis-/Leistungs-/Unterhaltungsverhältnis, denn viele schöne Lesestunden möchte ich hiermit prophezeien, fast schon verprechen. 
Als Leseprobe habe ich eine Passage rausgesucht, die sich eigentlich in jeder Stadt der Welt ereignen könnte ... und sie könnte auch jedem passieren, ich selbst bin eigentlich prädestiniert für Geschichten dieser Art, dennoch ist es typisch und unabänderlich, dass diese Geschichte Bill Bryson passiert und irgendwie passt es, dass sie sich in Australien zugetragen hat. Bryson ist in Darwin gelandet und sucht seit Stunden nach einem Hotel, das er eigentlich dauernd in unmittelbarer Nähe wähnt. Höchst verärgert wird er schließlich aufgeklärt, dass es sich um dieses Hotel handele, welches anscheinend keinen Schriftzug mit dem Namen des Hotels tragen würde ... 

<<< Ich marschierte durch die Eingangstür. \"Isr dies das All Seasons Frontier Hotel?\", brüllte ich aus einer unhöflichen Distanz. Die junge Frau am Empfang blickte auf und blinzelte. \"Ja\", erwiderte sie. \"Und warum\", ich baute mich sehr nahe vor ihr auf, \"haben Sie dann kein Schild, auf dem das auch draufsteht?\". 
Sie betrachtete mich gleichmütig. \"Es steht an der Seite des Gebäudes.\" \"Das stimmt nicht.\" Sie schenkte mir ein dünnes, stählernes, extrem herablassendes Lächeln. \"Doch.\" \"Nein!\" 
Hin- und hergerissen zwischen ihrer jugendlichen Selbstgewissheit und dem, was sie im Fach Kundenbetreuung gelernt hatte, zögerte sie und sahte dann leise: \"Doch.\" 
Ich ging raus, raste wie ein wildgewordener Bauinspektor um das Hotel, inspizierte es aus jedem Blickwinkel und aus den unterschiedlichsten Entfernungen, bedeutete meinem Freund Allan, der verwirrt vom Fahrersitz zuschaute, mit erhobenem Finger zu schweigen, ging dann wieder hinein und verkündete: \"Nirgendwo steht All Seasons.\" 
Sie schaute mich an und schwieg, aber ich sah, dass sie \"Doch!\" dachte. >>> 
Viele würden vermuten, dass Bryson hier einfach aus einer kleinen Begebenheit eine nette Geschichte gemacht hätte, aber nach der Lektüre des Buches werdet auch ihr ihm glauben, dass es sich genau so zu getragen hat. Und selbst wenn nicht, werde ich immer bei dem Gedanken daran lächeln, dass es sich genau so zugetragen haben könnte. Und ich schwöre euch eins: wenn ich das Buch vor meiner Australienreise gelesen hätte oder wenn ich jemals wieder nach Darwin kommen sollte - und das werde ich - so werde ich in Darwin das All Seasons in der 3 Buffaloe Court aufsuchen und nach eben diesem Namenszug forschen ... 

Bryson beschreibt übrigens die Menschen in Darwin als diejenigen Australier, die mit dem Begriff Freundlichkeit am wenigsten anfangen könnten. Auch dies ist irgendwie faszinierend. Ich habe es eigentlich komplett anders erlebt. Gut, hier und da schien es nettere Menschen zu geben, aber auch in Darwin konnte ich nicht feststellen, dass man hier wegen der Hitze oder irgendwelcher Krokodilattacken griesgrämiger wäre als weiter südlich in Down Under. Und dennoch oder gerade deswegen ist man an Bryson\'s Sicht der Dinge interessiert, insbesondere dann, wenn man sich selbst schon eine Meinung gebildet hat. So sei es dann ein ums andere Mal denjenigen empfohlen, die Australien demnächst das erste Mal entdecken werden, als auch jenen, die bereits dort waren und einfach sich in Gedanken nochmal unterhalten wollen; in diesem Fall mit Bill Bryson, der erzählt und erzählt und erzählt. Ich habe mich auf diese Weise stundenlang mit ihm unterhalten können, habe ab und zu kurz inngehalten und meine eigenen Anekdoten erzählt, sie niedergeschrieben und habe spät in der Nacht festgestellt, dass Bryson und ich uns viel zu berichten hatten, jeder auf seine Weise ... 
Zu guter Letzt: Der Schutzumschlag des Buches ist einfach furchtbar. Ein dümmlich dreinblickendes Känguruh vor dem Ayers Rock in einer mehr als mittelmäßigen Fotomontage. Und da sich wohl niemand ernsthafte Gedanken darüber machen möchte, wie der Komparativ von mittelmäßig lautet, erlaube ich mir, die Gestaltung als schrecklich zu bezeichnen. Dies unter anderem auch aus diesem Grund, weil ein Frühstück am Ayers Rock mich im Rahmen einer geführten Tour nur wieder an diesen unsäglichen Parkplatz erinnert, in dem tausende Touristen immer wieder von dieser \"himmlischen Ruhe\" erzählten ... - nein, brüllten. Ein Umstand, der auch Bryson das eine oder andere Mal durchaus unangenehm auffiel und wofür ich ihn noch ein klitzekleines Stückchen mehr mag als vorher. 

Die Übersetzung ist alles andere als Flickschusterei oder eine Verbesserung der Wort- und Satzfragmente, die ein mittelprächtiges Übersetzungsprogramm ausspucken würde. Ich habe ein paar Abschnitte der englischen Ausgabe gelesen und muss sagen, dass nicht im Entferntesten versucht wurde, die Erlebnisse von Bryson Eins zu Eins zu übersetzen. Vielmehr scheint Sigrid Ruschmeyer, die sich für die deutsche Ausgabe verantwortlich nennen darf, die Art und Weise des britischen Humors in eine andere Sprache übersetzt zu haben, ein Umstand, der nur sehr selten den Tatbestand des vorsätzlichen Gelingens zu erfüllen scheint. Es ist kein ins Deutsche übersetzter britischer Humor, es scheint etwas Eigenständiges zu haben, obwohl man genau weiß, dass nichts von alledem auch nur ansatzweise typisch deutsch zu sein scheint, wenn ihr wisst, was ich meine. Ich vermag diesen Humor, die Erzählart nur als \"Bryson\'scher Humor\" zu betiteln, alles andere würde dem Buch und seinem Inhalt nicht gerecht werden. 
Als \"Regalfaktor\" bezeichne ich immer eine virtuelle Zahl, die umso höher ist, je dringender man dieses Buch nicht im Regal haben sollte. Das Buch ist grandios, keine Frage und sollte zunächst mal in keinem Regal fehlen, dennoch ist Vorsicht geboten. Denn mittlerweile ist der Bekannheitsgrad von Bryson schon so groß, dass auch Pseudokenner gerne beim Erblicken dieses Buches eine Diskussion über Australien anfagen wollen, obwohl ihr einziges Wissen über den fünften Kontinent darin besteht, dass Sydney nicht die Haupstadt Australiens darstellt. Vorsicht ist also geboten, wem man da sein Bücherregal vorführt.


mr.matze hat insgesamt 37 Rezensionen angelegt.


 
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