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Historischer Roman: Die Heilerin des Sultans
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Titel:      Die Heilerin des Sultans
Kategorien:      Historischer Roman
BuchID:      10021
Autor:      Silvia Stolzenburg
ISBN-10(13):      9783937357478
Verlag:      Bookspot
Publikationsdatum:      2012-01-15
Edition:      1
Number of pages:      528
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
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Rezensionen
Die Heilerin des Sultans

08.08.2012 Bewertung:  4.5 allegra vergibt 9 von 10 Punkten

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Meine Inhaltsangabe

Ulm, 1399. Nach dem frühen Tod seiner Eltern leitet der junge Falk von Katzenstein erfolgreich das Gestüt seiner Eltern. Er hat beachtliche Zuchterfolge vorzuweisen. Nach einem für ihn erfolgreichen Pferdemarkt lernt er seinen Onkel, den Ritter Otto von Katzenstein kennen. Otto hat wirtschaftlich eine sehr schwere Zeit hinter sich. Viele seiner Pferde sind gestorben, sodass er neue kaufen musste. Dazu ist der Familiensitz, die Burg Katzenstein, marode und bedarf dringender Renovierungsarbeiten. Von großem Neid gepackt, lässt der verarmte Ritter sich von seinem unehelichen Neffen einladen und das Gestüt zeigen. Falk, der außer seinem Verwalter Lutz, der ein guter Freund seines Vaters war, niemanden mehr hat, ist sehr erfreut, seinen Onkel kennen zu lernen. Otto von Katzenstein hat Blut geleckt. Er fühlt sich als rechtmäßiger Erbe von Falks Gestüt und will es an sich reißen. Dazu greift er zu einer heimtückischen List. Er sät in Falk das Verlangen, mit ihm nach Edirne zu reisen, um dort feurige Araberpferde für die Zucht zu erstehen. Lutz durchschaut Otto von Katzenstein und versucht Falk von der wagemutigen Reise abzubringen. Doch dieser fühlt sich zum ersten Mal richtig ernst genommen und schlägt Lutz´ Bedenken in den Wind. Kurze Zeit später machen sich Otto von Katzenstein und Falk auf den Weg in Richtung Augsburg, um nach der Überquerung der Alpen in Venedig ein Schiff nach Edirne (Adrianopel) zu besteigen. Gleichzeitig in Bursa, der Hauptstadt des Osmanischen Reiches, tritt die junge Sapphira ebenfalls eine Reise ins Unbekannte an. Sie wird in den Harem des Sultans Bayezid Yilderim aufgenommen, wo sie neben dem Studium der schönen Künste der Liebe im Krankenhaus eine Ausbildung zur Heilerin erfährt. Das politische Leben des Sultans Bayezid Yilderim wird einerseits bestimmt durch seinen Eroberungsdrang in Richtung Westen gegen das Oströmische Reich. Im Jahr 1400 bestand dieses fast nur noch aus Konstantinopel, das Bayezid erfolgreich belagern ließ. Auf der anderen Seite im Osten wurde das Osmanische Reich bedroht durch Timur Lenk, einem Nachfahren von Dschingis Khan. Bayezid rüstet auf mit einer schlagkräftigen Armee aus Sklavensoldaten und Kampfelefanten um gegen Timur Lenk zu ziehen und das Osmanische Reich gegen Osten zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund finden Sapphira und Falk, als junge Menschen mit völlig unterschiedlicher Herkunft zusammen und begeben sich dadurch in große Gefahr.

 

Meine persönliche Meinung

„Die Heilerin des Sultans“ ist der dritte Band der historischen Romanreihe, die um den Bau des Ulmermünsters im 14. /15. Jahrhunderts angesiedelt ist. Da ich die beiden Vorgängerbände „Die Launen des Teufels“ und „Das Erbe der Gräfin“ nicht gelesen habe, kann ich nichts dazu sagen, welche Figuren sich in diesem Buch wieder finden. Inhaltlich habe ich bei der Lektüre nichts vermisst, das vorliegende Buch ist auf jeden Fall als eigenständiger Roman lesbar und verständlich. Der Bau des Ulmer Münsters erscheint sehr im Hintergrund. Das Buch ist im allwissenden Erzählstil aus drei Perspektiven geschrieben. Der Leser erfährt dabei, wie es Falk sowie Otto von Katzenstein ergeht. Die Haupthandlung findet jedoch im fernen Bursa statt, dem Sitz des Sultans und begleitet Sapphira, eine junge verwaiste Christin, die an den Hof des Sultans verkauft wird. Bei den Erklärungen und Beschreibungen des Lebens im Harem spürt man die interessierte Historikerin in der Autorin. Die Informationen, die sie im Roman liefert, ergänzt sich noch durch ein sehr informatives Nachwort, das allein schon lohnenswert zu lesen ist. Da ich exotische Romane sehr mag, habe ich schon viele Bücher gelesen, die vom Leben in einem Harem oder am Hofe eines Sultans handeln. Ich habe aber in diesem Werk sehr viele neue Informationen gefunden, die meine Sichtweise auf das Leben im Harem sehr verändert haben. So habe ich erfahren, dass ein Harem weit mehr ist, als ein lustvoller Ort, wo sich schöne Frauen dem süßen Nichtstun hingeben, in Erwartung von ihrem Sultan vernascht zu werden. Zum Bespiel war mir neu, dass ein Harem zweigeteilt ist und aus einem königlichen Harem, in dem Knaben und junge Männer für den Militärdienst oder die Beamtenlaufbahn ausgebildet werden und dem Familienharem, in dem Frauen und Kinder, von Eunuchen bewacht, leben und auch die Ausbildung der jungen Mädchen stattfindet. Da im Koran steht, dass Muslime nicht versklavt werden dürfen, waren die Sklavinnen im Frauenharem sowie die Soldatensklaven ausnahmslos Nichtmuslime, die teilweise in Europa, oft unfreiwillig, rekrutiert wurden. Die Frauen, die als Bettgespielinnen des Sultans in Frage kommen und somit auch seine Kinder gebären, sind nicht seine Gemahlinnen. Mit einer Gemahlin darf er das Bett nicht teilen. Im Buch sind die Intrigen und Ränkespiele unter den Frauen sehr gut dargestellt, aber auch die politischen Klimmzüge der Männer werden in kurzen Kapiteln geschickt eingewoben. Die Charaktere der Hauptfiguren sind sehr sorgfältig ausgearbeitet. Sie machen in der kurzen Zeit, in der das Buch spielt, von 1399 bis 1403 eine Entwicklung durch, was mir persönlich immer sehr wichtig ist. Die Kapitelüberschriften tragen jeweils die Jahreszahl und den Schauplatz des Geschehens, sodass man die verschiedenen Erzählperspektiven jederzeit gut einordnen kann. Durch den stetigen Wechsel zwischen Bursa und Ulm gelingt es der Autorin die Spannung über das ganze Buch hinweg auf einem gewissen Level zu halten, obwohl die Handlung eigentlich nur recht wenige Spannungshöhepunkte zu bieten hat. An dieser Stelle möchte ich diejenigen, die das Buch gerne selber lesen möchten, warnen, nicht allzu viele Rezensionen im Internet zu lesen. Meiner Ansicht nach verrät schon der Klappentext zuviel vom Inhalt und ich habe ihn deshalb hier massiv gekürzt. Das Buch besticht mehr durch sehr detaillierte Beschreibungen des Lebens am Hof und der Ausbildung im Harem als durch actionreiche Hochspannung. Dennoch nimmt es einen natürlich wunder, wie die beiden Hauptfiguren überhaupt zusammen finden können, und diese freudige Erwartung sollte man sich nicht verderben lassen. Wie so oft in Büchern fand ich leider den Schluss etwas zu abrupt. Im Vergleich zu Falks Reise von Ulm über Venedig nach Bursa, die sehr schön ausführlich und stimmungsvoll geschildert wird, kommt das Ende sehr plötzlich. Da hätte ich sehr gerne mehr Details erfahren, unter anderem was in Sapphira vorgegangen ist und wie sie sich mit den schnell wechselnden Begebenheiten zurecht gefunden hat. Das Buch hat natürlich so schon einen stattlichen Umfang von 500 Seiten, aber ich hätte gerne noch etwa 50 Seiten mehr gelesen, um zu einem harmonischeren Ende zu finden. Ich weiß allerdings nicht, ob noch ein weiterer Teil der Serie geplant ist. Stoff dazu gäbe es auf jeden Fall reichlich. Sprachlich fand ich das Buch sehr schön zu lesen. Silvia Stolzenburg formuliert sehr sicher, malt förmlich mit Worten und lässt Glitzern, Gerüche und eine imposante Geräuschekulisse ins Kopfkino zaubern. Eine ganz kleine Kritik habe ich, was den drucktechnischen Satz betrifft. Der Text ist zwar in übersichtliche Kapitel eingeteilt, weist aber kaum oder nur sehr wenige Abschnitte auf, was ich beim Lesen manchmal etwas anstrengend und ermüdend fand. Wenn man mal kurz abschweift oder gestört wird, findet man so recht schwer wieder zurück und kann sich weniger gut auf einer Seite orientieren. Der wunderschön gestaltete Schutzumschlag birgt leider einige Sprengkraft, was den Inhalt des Buches betrifft. Der Klappentext und vor allem der Text auf der Buchrückseite verraten meiner Meinung nach deutlich zuviel.

 

Mein Fazit

Mit diesem Buch konnte ich wunderbar in „Tausendundeine Nacht“ eintauchen und habe sehr viel Neues gelernt über das Leben in einem orientalischen Harem. Ich fand die Geschichte von Falk und Sapphira ansprechend und finde sie vor der historischen Kulisse sehr realistisch gezeichnet. Ich empfehle das Buch vor allem Liebhabern von exotischen Büchern.


allegra hat insgesamt 31 Rezensionen angelegt.


 
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