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Fantasy: Das Albtraumreich des Edward Moon: Roman
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Titel:      Das Albtraumreich des Edward Moon: Roman
Kategorien:      Fantasy
BuchID:      893
Autor:      Jonathan Barnes
ISBN-10(13):      3492701574
Verlag:      Piper
Publikationsdatum:      2008-08
Edition:      2
Number of pages:      400
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
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Rezensionen
Rezension

05.07.2009 Bewertung:  5 Anonym vergibt 10 von 10 Punkten

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Edward Moon, einst gefeierter Detektiv, nun hauptberuflich Magier im viktorianischen London, gerät langsam in Vergessenheit; sein Scheitern in nur einem einzigen Fall scheint Moon zu verfolgen. Doch es gibt immer noch Leute, denen sein Urteil wichtig ist - so z.B. Detektivinspektor Merryweather, der Moon in einem besonders seltsamen Fall um Unterstützung bittet. Und so stürzen sich Edward Moon und sein Freund, der Schlafwandler, in die Ermittlungen. Der Prophezeiung eines Mediums zufolge wird London binnen 10 Tagen untergehen und nur er, Moon, kann die Katastrophe aufhalten, spielt jedoch selbst eine zentrale Rolle in der Geschichte. Die Beiden finden in ganz London die seltsamsten Hinweise und ein Mann, der angeblich rückwärts durch Zeit reist, versucht, ihn auf die richtige Fährte zu bringen; dennoch scheint der Untergang der Stadt unausweichlich.

"Das Albtraumreich des Edward Moon" ist ein ganz außergewöhnlicher Roman, der so vieles in einem ist: Kriminalgeschichte und Gesellschaftskritik, menschlich und unmenschlich, religiös fanatisch und zugleich so objektiv, wie eine Geschichte aus der Feder eines Menschen mit Gefühlen und Gedanken nur sein kann.

Nie hätte ich diesen Roman für ein Erstlingswerk gehalten. Die Übersetzung mag einiges davon einbüßen, aber die Sprache und Wortwahl sind außergewöhnlich und einfach nur gewaltig. Feine Andeutungen und kleine, in Nebensätze verpackte Spitzen lassen den Leser lächeln oder die Augenbrauen hochziehen. Die Geschichte an sich hätte ebensogut mit einem halben Dutzend weniger Randfiguren auskommen können, aber die Sammlung von menschlichen Kuriositäten ist amüsant und wirkt nicht überladen.

Gleich zu Beginn lernen wir den Erzähler kennen, der, wie sich später herausstellt, viel viel mehr als ein bloßer Chronist ist. Die lineare Erzählweise mit nur wenigen Abweichungen macht das Verfolgen von Moons Ermittlungen recht einfach, aber immer schwingt dieses unterschwellige Unbehagen mit, daß da irgendetwas nicht stimmt, entweder mit der Geschichte selbst oder mit dem, der sie erzählt, denn manche Details werden scheinbar zu sehr hervorgehoben, bis... ja, bis sich die Identität des Erzählers klärt.

Als einizige Kritik habe ich anzumerken, daß Funktion, Herkunft oder Werdegang bestimmter Personen nicht geklärt wird. Zu vieles bleibt im Dunkeln, was meiner Meinung nach noch einer Erklärung bedurft hätte. Wer ist der Schlafwandler? Wer beaufsichtigte das Direktorium? Wer oder was sind Hawker und Boon? Und was bewog den Chronisten, zu dem zu werden, der er letztendlich geworden ist?

Alles in allem kann ich "Das Albtraumreich des Edward Moon" aber sehr empfehlen und für all diejenigen, die sich für die Stadt London interessieren, ist es wie ein Wiedersehen mit einer alten Geliebten.


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Unterhaltsam, aber nicht der vom „Oberserver“ angepriesene geistreiche Geniestreich

15.04.2011 Bewertung:  3 Callisto vergibt 6 von 10 Punkten

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Edward Moons beste Zeiten sind vorbei. „Einst war Moon die personifizierte Eleganz gewesen, der fleischgewordene Stil und gute Geschmack. Doch nun über vierzig […] schien seine Ausstrahlung […] zu verblassen.“ (S. 19) Er und sein stummer, milchsüchtiger, über zwei Meter großer Partner, der „Schlafwandler“ arbeiten als Zauberkünstler im „Theater des Unglaublichen“ und bewohnen dessen Untergeschoss. „Edward Moon war Zauberkünstler von Beruf und Detektiv aus Leidenschaft (S. 24)“ und derzeitig langweilt er sich zu Tode.
Als er von der Polizei Londons zum kuriosen Mordfall Honeymann hinzugezogen wird, erkennt Moon sofort, dass es bei diesem Mord nicht mit rechten Dingen zuging und wohl Übernatürliche Phänomene Einfluss auf das dahinscheiden des Mr. Honeymann hatten.
Bald steckt Moon zwischen den Fronten sich bekämpfender Geheimorganisationen, von deren Existenz kaum einer je gehört hat. „Das Direktorium“ jedoch hat eine besonders perfide Methode sich Moons Hilfe zu versichern. Sein Partner „der Schlafwandler“ scheint deutlich mehr zu wissen, da er sich jedoch nur mittels einer Tafel verständigen kann, ist es ihm ein Leichtes Moon vieles zu verschweigen und mit einem Achselzucken abzutun.
Als Moon den einzigen Mensch verliert, den er je liebte und durch seine Schuld seine Schwester Charlotte in Lebensgefahr gerät, beginnt ihm die Zeit davonzulaufen, denn der Countdown läuft und eine Weissagerin hat prophezeit, dass in wenigen Tagen London dem Bösen anheimfallen wird.

„Seien Sie gewarnt. Dieses Buch besitzt keinen wie auch immer gearteten Literarischen Wert. Dieser Roman ist ein grässliches Konvolut von Unsinnigkeiten, bevölkert von wenig überzeugenden Charakteren, geschrieben in öder Prosa, oft genug lächerlich und durchweg bizarr. (S. 7)“ Teils muss ich dem Autor in dieser Hinsicht leider Recht geben. Mit diesem witzigen Anfang und noch einigen anderen witzigen Wortexplosionen zu Anfang des Buches hat sich der Wortwitz leider sehr schnell aufgebraucht. Die skurrilen Personen, die dieses Buch bevölkern sind einfach nur das: Skurril. Neben dem Schlafwandler, einem Fliegenmenschen, einer bärtigen Hure, Mördern in Schuluniformen und dergleichen gibt es noch den James Bond typischen Überbösewicht in der Art von Dr. No oder Dr. Evil, während Edward Moon einen in die Jahre gekommenen James Bond verkörpert.
Den Figuren fehlt die Tiefe, sie bleiben zweidimensional. Der Autor spielt mit der Idee des von Samuel Taylor Coleridge und Robert Southey entwickelten Pantisokratie. Die Dichter wollten eine utopische Gemeinschaft an den Ufern des Susquehanna Flusses in den USA errichten scheiterten jedoch in ihrem Projekt.
Das Buch wird von einem Erzähler, der die Ereignisse miterlebt hat erzählt. Teils wendet sich der Erzähler auch direkt an den Leser und revidiert einiges, was er gerade erzählt hat, bis irgendwann die Perspektive kippt und der Erzähler Teil der Geschichte wird, was teilweise recht irritierend wirkt.
Die Erzählung wirkt teilweise sprunghaft, unfertig und irritierend und weniger mysteriös oder unheimlich. Handlungsstränge brechen ab, Vieles wird nicht aufgelöst und die Rolle des Schlafwandlers bleibt unklar bis zum Ende, obwohl das Buch im Orginal „The Somnambulist“ also „Der Schlafwandler“ heißt und wohl er die Hauptperson sein sollte. Selbst die bösen Zwillinge schaffen es nicht einen einzigen Schauer über den Rücken des Lesers zu jagen. Dies schaffen eher die teils sehr drastischen Darstellungen von Gewalt „Boon stieß den Schirm mit aller Kraft in Trotmanns Brust, die Spitze bohrte sich in seinen Körper – und mit einem leisen „Plop“ in sein Herz. […] Gackernd vor Entzücken trieb Boon den Schirm so weit in den Leib seines Opfers, dass die Spitze am Rücken wieder zum Vorschein kam, ehe er das Din Zwang, sich zu öffnen“ (S. 372)
Was das Titelbild angeht, so stellt sich mir auch nach Ende des Buches die Frage wen es darstellt. Mr. Cribb oder den Schlafwandler? Ich tendiere zu Mr. Cribb, da der Schlafwandler nie einen Monokel trug.
Unterhaltsam, aber nicht der vom „Oberserver“ angepriesene geistreiche Geniestreich. An Pratchett oder Fforde kommt es leider nicht annähernd heran.


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