Interview mit Alexander Rothe (Autor)

Alexander RotheAlexander Rothe heißt mit vollem Namen „Alexander von Eisenhart Rothe“ und wurde 1968 in Köln geboren.
Mit 16 begann er als Autor von Kurzgeschichten und Cartoonist für verschiedene Zeitschrift zu arbeiten. Gleichzeitig fing er an mit dem Rucksack rund um den Globus die Welt zu erforschen. Nach einem längeren Aufenthalt in London arbeitete er als freier Schauspieler und Autor in Deutschland, schrieb 1992 sein erstes Theaterstück und inszenierte es in Bonn. 1994 entstand die erste Fassung der „Wunschmaschine“. 1995 stand er für den WDR vor und hinter der Kamera. 1996 startete eine mehrjährige Tätigkeit als Dokumentarfilmer für verschiedene Reisemagazin, in deren Auftrag er sechs Jahre lang nahezu ununterbrochen weltweit unterwegs war, später entwickelte und drehte er verschiedenste Comedy- und Showformate für das deutsche Fernsehen. Seit 2005 schreibt er eine monatliche Kolumne für „Das Magazin“ wo er seine weltweiten Abenteuer auswertet. Seit 2007 lebt er auf der spanischen Mittelmeerinsel, wo er „seine Heimat“ gefunden hat. Dort entwickelt er neue TV- und Filmideen, züchtet Gemüse und schreibt weitere Folgen seiner Romanserie „Wunschmaschine“.

 

Hallo Alex,

 es freut uns sehr, dass Du Dir trotz Deinem momentan straffen Zeitplan Zeit für ein paar Fragen nimmst. Zuerst einmal, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zur Veröffentlichung Deines Buches. Wie hast Du Dich gefühlt als Du Dein Werk „Die Wunschmaschine“ endlich als „neu aufgelegtes“ Buch in Deinen Händen halten konntest?

 

 Das kann man sich sozusagen „live“ auf der Facebookseite der Wunschmaschine anschauen. (www.facebook.com/DieWunschmaschine) An dem Tag, als das Packet vom Verlag kam und ich das Buch tatsächlich zum ersten Mal in Händen hielt war nämlich ein Freund von mir dabei... der das ganze sofort gefilmt hat. Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl, nach der langen Zeit und der vielen Arbeit, die man selbst und viele andere in das Projekt investiert haben, endlich das Ergebnis in Händen zu halten.

Das Buch handelt von vier Kindern, die Teile einer Maschine finden müssen, welche über die ganze Welt verstreut sind. Wie bist Du auf diese Idee gekommen und wie viel von Deinen eigenen Erlebnissen stecken in dem Buch?

1993 sprach mich ein Fernsehproduzent an, er würde gerne eine Serie entwickeln, bei der Kinder auf einem Segelschiff um die Welt segeln. Ich machte mich an die Arbeit und überlegte mir zunächst einmal einen Grund, warum vier Kinder ganz allein auf einem Segelschiff unterwegs sind und nach was sie eigentlich suchen. Ich brauchte eine Motivation und so entwickelte ich die Idee, dass sie Einzelteile einer Maschine einsammeln müssen. Die Idee, das ganze als Fernsehserie zu machen wurde zwar bald darauf wieder fallen gelassen, aber der Stoff ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Und so baute ich ihn weiter aus und schrieb schließlich 1994 die Ur-Fassung der Wunschmaschine. Ich war schon vorher immer viel unterwegs gewesen, aber erst danach folgte eine Zeit sehr intensiver Reiserei. 10 Jahre war ich ständig weltweit unterwegs und ich erlebte so viel verrücktes Zeug, dass man damit alleine Bücher füllen könnte. Als der Baumhaus-Verlag dann vor zwei Jahren mit der Idee an mich herantrat, „Die Wunschmaschine“ komplett zu überarbeiten und die Urfassung zum Start einer ganzen Abenteuerserie zu machen, konnte ich viele der Erfahrungen die ich in der Zwischenzeit gemacht hatte in die Neufassung einfließen lassen.

Band 2 hast Du ja auch schon fertig geschrieben und arbeitest bereits am Dritten, würdest Du uns ein klein wenig darüber verraten? Wie lange werde die Fans auf Fortsetzung warten müssen?

Band 2 wird wie auch schon Band eins eine Mischung aus Abenteuer, Action und Fantasy sein,Die Wunschmaschine: Alexander Rothe diesmal alles vor der Kulisse Marrokkos und Portugals. Natürlich gibt es auch wieder viel Wissenswertes über Land und Leute, aber vor allem wird es wieder sehr, sehr lustig. Und trotzdem: die Stimmung kippt, unaufhaltsam wird es düsterer. Denn dadurch, dass sie in Band eins dem Scheich Kero-Sin das erste Maschinenteil abgeluchst haben, haben sie die Aufmerksamkeit eines Mannes entdeckt, der sich mehr und mehr zu ihrem sehr gefährlichen Hauptgegener entwickelt. Und darüber hinaus kommen die Vier hinter das Geheimnis, was der wahre Grund ihrer Reise ist.

Ich glaube, ich habe es geschafft, das Tempo in Band 2 nochmal deutlich anzuziehen, die Dramatik zu steigern und die Spannungsschraube noch ein bisschen mehr anzuziehen. Und einige werden staunen, wenn sie erfahren um was es bei der ganzen Geschichte wirklich geht. Band 2 wird im Oktober 2013 erscheinen.

 "Die Wunschmaschine“ soll ja eine ganze Buchreihe werden, wie viele Bände hast Du denn insgesamt geplant?

Im Augenblick habe ich die Geschichten für sechs Bände geplant, da habe ich mich aber noch nicht wirklich festgelegt. Allerdings weiß ich schon genau wie das Abenteuer ausgehen wird, aber das verrate ich natürlich nicht.

Du hast Dein Buch „Golden Biker“ vor vier Jahren geschrieben. Hast also erst „kürzlich“ mit dem Schreiben begonnen. Was hat Dich dazu veranlasst, Schriftsteller zu werden?

Naja, ganz so stimmt das ja nicht. Ich habe mit 16 als Cartoonist angefangen und etwa gleichzeitig angefangen für verschiedene Zeitschriften Kurzgeschichten zu schreiben. Mit 22 schrieb ich mein erstes Theaterstück, das dann zwei Jahre lang in Bonn lief. 1994, da war ich 25 schrieb ich die Urfassung der Wunschmaschine und danach ungezählte Drehbücher und Scripts. Das Schreiben war also stets bei mir. Es ist das komplette Gegenteil meiner anderen Tätigkeit beim Fernsehen. Bei meiner TV-Tätigkeit bin ich viel unterwegs, arbeite stets mit einem großen Team und muss meine Ideen einem Zeit- und Budgetrahmen anpassen. Beim Schreiben bin ich allein, darf zu Hause an meinem Lieblingsplatz sitzen und unbeschränkt erstmal alles geistig erschaffen, was ich mir vorstellen kann. Ganz ehrlich, wie kann man von solch einem Job nicht total begeistert sein?

In dem Buch hast Du die Inder nicht gerade sonderlich gut dastehen lassen. Gab´s da bei der Veröffentlichung keinen Ärger? Und was persönlich bedeutet Dir dieses Buch?

Haha! An der Frage merke ich sofort, dass du noch nie in Indiens warst! Jeder, der „Golden Biker“ gelesen hat und schon einemal in Indien war, erkennt sofort dass ich mitnichten die Inder in einem schlechten Bild präsentiere, ganz im Gegenteil. Ich liebe Indien sehr. Indien ist chaotisch, merkwürdig und absolut anders als alles was ein Europäer sich vorstellen kann. Vieles was dort ganz normal ist, erscheint uns schlichtweg verrückt. Und das stelle ich dar.

Alle Reaktionen auf mein Buch war sehr sehr postiv, jeder der es las und wusste wovon ich schrieb hatte dieses „Genauso isses!!!“-Gefühl!

Ich lasse sie also nicht in „einem schlechten Licht“ darstehen sondern überhöhe nur ein kleines bisschen den alltäglichen indischen Wahnsinn... und ja nicht nur den: Ich nehme im „Golden Biker“ auch so ziemlich alles auf die Schippe, was sich nicht wehrt. Ich ziehe mit Freuden über Nazis, Juden, Araber, Chinesen, Deutsche, Engländer,Geheimdienste, die Mafia, sämtliche Religionen und moralische Wertvorstellungen, Drogen, Militär, Zigeuner und vieles, vieles mehr vom Leder.

Im „Golden Biker“ habe ich mich komplett ausgetobt und mit Begeisterung eine schön absurde, böse Abenteuergeschichte geschrieben, ein ziemlich unverschämtes Märchen, dass vor nichts Hemmungen hat und viel Spaß macht.

Alex, Du bist nicht nur Autor sondern auch Regisseur und Schauspieler. Bereits seit 20 Jahren bist Du im Fernsehgeschäft. Wenn Du Dich mal zurück erinnerst, welches war Dein spannendster Dreh, sei es nun hinter oder vor der Kamera?

Uff, da gab es so viele. Bei den vielen Reportagen im Dschungel, auf Ozeanen, in Wüsten und Bergen habe ich so viel spannende und aufregende Dinge erlebt, dass ich sie kaum zählen kann. Ich habe an den unglaublichsten Orten geschlafen, Sachen gegessen von denen ich bis heute lieber nicht wissen möchte was es war, bin ein paarmal haarscharf mit dem Leben davongekommen und habe Menschen aller Rassen und Religionen kennengelernt.

Ich musste, um eine geklaute Schiffsbatterie zurückzuerhalten, den Häuptling einer winzigen tonganischen Insel in Geiselhaft nehmen und nächtelang mit dem Chef der Mafia Bombays saufen um unbehelligt auf den Strassen der Stadt drehen zu können. Toll war auch, zusammen mit Bastian Pastekwa in Russland ein Kosmonauten-Training zu machen und dabei mit einem speziell umgerüsteten Flugzeug zu einem Flug in die Schwerelosigkeit aufzusteigen.

Aber es muss gar nicht immer so exotisch sein. Als wir im vergangenen Frühling für das ZDF „Nicht nachmachen“ drehten durfte ich so richtig den kleinen Jungen rauslassen und mit absurden Experimenten ein komplettes Haus zerlegen. Vollkommen sinnlos, anarchistisch und destruktiv... aber was für ein Spaß!

Im kommenden Frühling verfilmst du eine Kinderbuchreihe, gerade eben hast du in Österreich eine Comedy abgedreht und dein Buch wurde veröffentlicht, dann warst Du auf der Buchmesse und hast in Köln gearbeitet, jetzt bist Du für kurze Zeit zu Hause usw. Du hast ein relativ stressiges Leben wie es scheint. Wie empfindest Du selbst Deine Arbeit? Und was dient Dir persönlich als Stressausgleich?

Ehrlich gesagt empfinde ich das alles als gar nicht so stressig. Das mag daran liegen, dass mir meine Arbeit wirklich Freude macht. Ich betrachte es als großes Privileg, dass ich von einer Tätigkeit leben kann, die mich persönlich erfüllt. Dafür bin ich sehr dankbar, denn ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.

Die Arbeit am Set, wo es laut zugeht und oft unter großem Zeit- und Budgetdruck gearbeitet wird, gleicht sich mit den ruhigen Phasen des Schreibens aus. Hätte ich nur einen dieser Aspekte, würde es mir sicher irgendwann mal zuviel, aber so ist das Ganze schön ausgewogen.

Dein Lieblingsplatz zum Schreiben ist ein großer Feigenbaum. Würdet Du sagen, dass Du generell ein Naturbursche bist?

Absolut.. und in den sechs Jahren die ich nun schon auf Ibiza lebe ist das noch viel ausgeprägter geworden. Jedesmal wenn ich wieder in Deutschland bin, brauche ich immer erstmal ein paar Tage um mich an die vielen Menschen, den Verkehr, das Klima und geschlossene Schuhe zu gewöhnen. Wenn ich nicht jeden Tag mindestens anderthalb Stunden mit meinen Hunden durch die Natur streife fehlt mir richtig was. Und wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich mal auf meinem Grundstück mit Begeisterung Gemüse und Obst selbst züchten und Palmen ziehen würde, ich hätte es ihm nicht geglaubt.  Ich fühle mich unter vielen Menschen nicht wirklich wohl, deshalb meide ich auch in Deutschland große Partys und Konzerte.

Fernab der Arbeit, was tust Du in Deiner Freizeit am liebsten und was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Ich betrachte meine Arbeit ja nicht als auferlegte Pflicht, deshalb habe ich in dem Sinne auch keine „Freizeit“. Aber wenn ich mal nicht schreibe oder Fernsehen mache, dann greife ich mir mein Kajak, fahre raus aufs Meer und gehe mit Schnorchel oder Flasche tauchen. Wenn ich schreiben kann, ab und zu Filme drehen und ansonsten mit Frau und Viechern sein darf, bin ich rundum glücklich. Insofern habe ich nur einen Wunsch für meine Zukunft: Es soll so bleiben wie es ist. Und ich hoffe, dass ich noch viele, viele Bücher schreiben kann.

 

Wir wünschen Dir für die Buchreihe „DIE WUNSCHMASCHINE“ viel Erfolg und freuen uns auf weitere spannende Projekte von und mit Dir.

 

 

 

© Alexander von Eisenhart Rothe, Cornelia Bruno, Rezi-Online


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