Interview mit Silvia Stolzenburg (Autorin)

stolzenburg1_smallSilvia Stolzenburg wurde 1974 geboren. Sie hat an der Uni Tübingen Anglistik und Germanistik studiert. Das Studium schloss sie 2006 mit einer Promotion über Besteller und Buchmarkt ab. Frau Stolzenburg ist verheiratet und lebt mit ihrem  Mann in einer Kleinstadt im Schwabenland. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet sie als Englischdozentin und Übersetzerin. In ihren Büchern merkt man die Liebe zur historischen Geschichte. Sie hat bereits eine Triologie veröffentlicht, bei der sich historischen Geschichten rund um Ulm widmete.

 

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Guten Tag Frau Stolzenburg,

es freut mich, Ihnen ein paar Fragen zu Ihrer Tätigkeit als Autorin von historischen Romanen stellen zu dürfen. Bevor ich aber zu Ihrem dritten Werk „Die Heilerin des Sultans“ komme, möchte ich Ihnen erst ein paar allgemeinere Fragen zum Schreiben stellen.
Wie sind Sie eigentlich zum Schreiben gekommen?


Hallo liebe Frau Bruno, gerne beantworte ich Ihre Fragen. Auf die Idee, selbst Romane zu verfassen, bin ich gekommen, als ich im Jahr 2006 meine Dissertation über Bestseller und Buchmarkt an der Universität Tübingen abgegeben habe und das Warten auf die Korrektur anfing. Nachdem ich Literaturwissenschaft studiert habe, dachte ich mir, ich könnte es auch mal selbst mit dem Schreiben versuchen – und es hat auch gleich sehr viel Spaß gemacht.

Warum gerade Historik? Liegt es an Ihrem Studium oder haben Sie allgemein ein Faible für historische Romane?

Alles, was mit Geschichte, und vor allem mit dem Mittelalter zu tun hat, hat mich von Kindesbeinen an begeistert. Keinedie_heilerin_des_sultans Burgruine war vor mir sicher, und in der Grundschule habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als einen Abstecher in die Vergangenheit machen zu können. Immer noch ziehen mich Museen, Burgen und mittelalterliche Städte magisch an, aber oft habe ich das Gefühl, je mehr man lernt, desto mehr Fragen tun sich auf. Die Neugier wird also immer weiter angefacht.

Können Sie sich noch erinnern, was das erste Buch war, daß Sie gelesen haben?


Nein, leider nicht. Aber ich vermute es war etwas in Richtung Räuber Hotzenplotz oder Pippi Langstrumpf.

Ihre Romane spielen alle in Ulm, hat das mit Ihrer Herkunft zu tun?

Ja und nein. Einerseits hat sich Ulm natürlich angeboten, weil es in der Nähe liegt. Andererseits war Ulm im Mittelalter einer der bedeutendsten Warenumschlagsplätze Europas, wodurch die Stadt weit über das Deutsche Reich hinaus bekannt war. Und dann ist da natürlich das Münster mit seinem unglaublichen, für damalige Zeiten skandalös hohen Turm.

Wie recherchieren Sie für einen historischen Roman?


Zuerst einmal besorge ich mir soviele Bücher wie möglich. Wenn diese Quellen dann erschöpft sind, ziehe ich los und besuche Museen, befrage Archivare und oft auch Fachleute an Universitäten. Und natürlich recherchiere ich auch vor Ort, damit ich ein Gefühl für das setting bekomme.

Wenn Sie Figuren erschaffen, wie sehr spielen hier reale Personen mit hinein? Haben ihre Protas z.B. irgendwelche Eigenschaften historischer Persönlichkeiten aus der Vergangenheit?


Bei der Anlage der Figuren orientiere ich mich relativ wenig an realen Personen. Sicher taucht mal der eine oder andere Charakterzug auf, der an einen Bekannten erinnert, aber das ist eher selten. Wenn etwas über die Eigenschaften der realen historischen Persönlichkeiten bekannt ist, baue ich das natürlich ein. Oft sind die Informationen aber sehr dünn, sodass man als Autor etwas freier verfahren kann.

Bitte erzählen Sie kurz ein wenig über ihr drittes Werk „Die Heilerin des Sultans“. Um was geht es und wie kamen Sie auf diese Geschichte?

„Die Heilerin des Sultans“ erzählt die Geschichte des 15-jährigen Ulmers Falk von Katzenstein, dessen Eltern bei einem Brand ums Leben gekommen sind. Nachdem er die elterliche Pferdezucht übernommen hat, tritt unvermittelt ein unbekannter die_launen_des_teufelsOnkel, Otto von Katzenstein, in sein Leben, der den jungen Mann zu einer Reise in den Orient überredet. Dort will er Araberpferde für die Zucht erstehen, und Falk lässt sich im Handumdrehen von ihm zu diesem Abenteuer überreden. Der Weg führt über Venedig, wo Falk das Opfer einer perfiden Intrige wird. Er gerät in die Gefangenschaft von Piraten, die ihn an den mächtigen und grausamen Sultan Bayezid Yilderim verkaufen. Am Hof des Sultans wird er zum Militärsklaven ausgebildet. Als alle Hoffnung auf Freiheit verloren scheint, trifft Falk auf Sapphira, die Heilerin des Sultans. Die beiden verlieben sich ineinander und begeben sich damit in tödliche Gefahr, denn Liebschaften unter den Hofsklaven werden mit dem Tod bestraft. Um den Klauen des Sultans zu entkommen, schmieden sie einen waghalsigen Plan…. Mehr mag ich nicht verraten.
Auf die Geschichte kam ich, als ich den Alltag reicher Fernhändler recherchiert habe. Ich war erstaunt, wie weit und wie schnell damals schon gereist wurde, und wie selbstverständlich es war, selbst in Indien oder China Waren zu erstehen. Die Welt war damals schon viel globaler, als ich gedacht hatte. Je mehr ich recherchiert habe, desto begeisterter war ich von all den Details, die ich über das Leben am Hof und im Harem des osmanischen Sultans herausgefunden habe – das entsprach alles so gar nicht den Klischees, die man kennt.

Was würden Sie sagen ist wichtig, wenn ein Autor ein historisches Buch schreibt?

Hm, da kann ich nur für mich sprechen. Für mich ist sowohl die Recherche, als auch die Geschichte selbst sehr wichtig. Und das ist stets eine Gratwanderung, da man manchmal natürlich historische Fakten ein wenig „zurechtbiegen“ muss. Diese kleinen Schummeleien versuche ich aber immer auf ein Minimum zu beschränken, und wenn es mal nötig ist, weise ich immer im Nachwort darauf hin.  

Wenn Sie sich für ein weiteres Genre entscheiden müssten, welches wäre es dann und warum?


Zurzeit kann ich mir kein anderes Genre vorstellen, die Historie ist und bleibt faszinierend.

Was tun Sie, um neue Ideen für Ihre Romane zu gewinnen? Gibt es etwas, was Ihnen bei Ihrer Inspiration hilft?


Da habe ich zum Glück keine Schwierigkeiten. Die Ideen kommen wie von selbst. Egal, wo man ist, spannende Geschichten sind überall zu finden.

Was macht Frau Stolzenburg, wenn Sie mal nicht schreibt?


Wenn ich nicht gerade am Rechner sitze und schreibe, arbeite ich als freiberufliche Englischdozentin und Übersetzerin oder mache mit meinem Rennrad die Täler und Berge der Schwäbischen Alb unsicher.

Ich danke Ihnen vielmals für das nette Interview und wünsche für die Zukunft noch viele Ideen und viele Leser.


Vielen lieben Dank, das Interview hat mir viel Spaß gemacht.

Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Bookspot-Verlags

 

 Cornelia Bruno

 

 

(c) 2012 Cornelia Bruno, Silvia Stolzenburg, Rezi-Online

 


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