Interview mit Tereza Vanek (Autorin)

vanek_smallTereza Vanek, gebürtige Tschechin, in München aufgewachsen und seit 2007 veröffentlichte Autorin. Den Traum vom Schreiben hatte Tereza Vanek schon mit 14, doch musste sehr viel Zeit vergehen, bis er wahr wurde.
Vorher ging ise brav zur Schule, studierte Sprachen, lebte einige Zeit im Ausland und schlug sich mehr oder weniger begeistert mit den verschiedensten Jobs durchs Leben. Der Drang, sich Geschichten, meist über vergangene Zeiten und unkonventionelle Heldinnen, auszudenken, ließ ihr aber keine Ruhe, so dass sie sich schließlich ernsthaft an die Arbeit machte. Der Erfolg kam dann schneller als erwartet. Heute wohnt Tereza wieder in München mit Mann, Stieftochter, vier Katzen und fünf Großsittichen.

 

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Hallo Frau Vanek,
vielen Dank dass Sie sich Zeit für uns nehmen.

Historische Romane sind in Deutschland gerade sehr angesagt. Wie erklären sie sich das starke Interesse an Geschichten aus der Vergangenheit?


Ich glaube, dass Leser die Exotik vergangener Welten genießen, in die sie bei der Lektüre abtauchen können, ohne den damals weitaus härteren Lebensbedingungen selbst ausgesetzt zu sein. Hinzu kommt bei vielen Leuten sicher ein echtes Interesse an Geschichte. Sie möchten auf unterhaltsame Weise dazu lernen.


Sie wurden in Prag geboren, sind historische Romane in Tschechien ähnlich stark gefragt?

So genau weiß ich das ehrlich gesagt nicht, weil ich den tschechischen Buchmarkt nicht verfolge. Aber sehr erfolgreiche deutsche historische Romane werden oft ins Tschechische übersetzt, so dass es dort auch Interesse an solchen Büchern geben muss.

Wie sehen die Recherchen für Ihre Romane aus, achten sie auf historische und kulturelle Korrektheit?


Ja, natürlich. Ich versuche, so exakt wie möglich zu sein. Manchmal erfordert die Geschichte kleine Abweichungen, doch weise ich jaderinge_vanekdann im Nachwort darauf hin. Ich lese Fachbücher zum Thema, suche nach geeigneten Filmen, Fotos und Ausstellungen, um Informationen zu sammeln. Am Ende weiß man als Autor meist mehr, als in das Buch wirklich einfließen kann. Trotzdem steht jedem Autor auch nur ein beschränkter Zeitrahmen zur Verfügung, um zu recherchieren. Gegen kleine Detailfehler ist leider niemand gefeit.

Ihr Roman "Das Geheimnis der Jaderinge" spielt u.a. auch in Shanghai, waren Sie selbst schon einmal in Asien und was macht die Faszination dieser Kultur aus?


Ich war schon einige Male in Asien. Ich besuche immer die wichtigen Schauplätze meiner Romane, habe mir daher auch Shanghai und Nanjing angesehen. Die Frage nach der Faszination der asiatischen bzw. chinesischen Kultur wird mir seit dem Erscheinen dieses Romans sehr häufig gestellt. Im Grunde halte ich die Beschäftigung mit anderen Kulturen immer für faszinierend, da man sowohl Parallelen als auch Unterschiede zur europäischen Kultur feststellen kann, einen neuen Blick auf Selbstverständliches gewinnt und andere Denkweisen kennen lernt. Asien hat mich schon immer aus ästhetischen Gründen gereizt, ich mag die feinen, präzisen Elemente der Kunst und Dichtung. An der Mentalität gefällt mir die Wertschätzung von Höflichkeit und Bildung.

Die Protagonisten in ihren Büchern sind mehrheitlich weiblich. Ist es für eine Autorin einfacher über Frauen zu schreiben?

Bei mir ist das so. Ich kann mich in weibliche Figuren besser einfühlen. Bei männlichen Protagonisten habe ich eher Angst, entweder in negative Klischees zu verfallen oder ideale Traummänner zu schaffen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Aber das ist nicht bei allen Autorinnen so, denn ich habe Kolleginnen, die nach eigener Aussage männliche Hauptfiguren bevorzugen.

Wie entsteht ein neuer Roman, entwickeln Sie zuerst den kompletten Plot oder "reift" die Geschichte beim Schreiben?

In Grundzügen entwickele ich zunächst den Plot, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mich sonst schnell verzettele, mir plötzlich Geschichten über Nebenfiguren ausdenke und am Ende ganz den Faden verliere. Aber kleine Details, die Macken der Figuren, die Dialoge und die Gedanken der Protagonisten entstehen erst im Laufe der Geschichte.

Welches andere Genre würde Sie noch reizen?


Vielleicht einmal Thriller oder Fantsasy, aber zunächst sind nur historische Romane geplant.

Familie, vier Katzen und fünf Großsittiche, wieviel Zeit bleibt da noch fürs Schreiben?

Glücklicherweise genug. Ich habe eine Stieftochter, aber die ist schon erwachsen. Die Tiere müssen natürlich versorgt werden, doch ist das zeitlich machbar. Ich kann mich auch beim Schreiben immer wieder kurz mit ihnen beschäftigen.

Ich habe noch nie einen historischen Roman gelesen, welches Ihrer Bücher eignet sich am besten für den Einstieg?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich müsste die Vorlieben eines Lesers kennen, um ihm ein Buch vorzuschlagen. Ansonsten würde ich ihm einfach zu der Geschichte raten, die ihn thematisch am meisten anspricht.

Welche 3 Dinge nimmt Tereza Vanek mit auf eine einsame Insel?

Ihren Laptop, damit sie dort schreiben kann. Das wichtigste Recherchebuch und eine CD mit Musik, die ihr gerade besonders gut gefällt. Das wechselt aber von Monat zu Monat.

Welche literarischen Projekte stehen für die Zukunft an?

caracassonne_VanekIm Juli erscheint mein nächster historischer Roman, "Die Ketzerin von Carcassonne", eine Geschichte über die Verfolgung der Katharer in Südfrankreich. Im nächsten Jahr kommt eine Abenteuergeschichte, die in Mexiko spielt und die ich gerade langsam zu Ende schreibe. Danach möchte ich eine Fortsetzung der Jaderinge in Angriff nehmen.

Stellen Sie sich vor einer Ihrer Romane soll verfilmt werden, welcher wäre Ihnen am liebsten und wer sollte die Hauptrollen spielen?

Ich würde jeden meiner Romane gern verfilmt sehen. Wenn ich schreibe, sehe ich die Szenen als Film vor mir. Die Gesichter der Protagonisten habe ich dabei sehr genau im Kopf, doch richte ich mich dabei meist nach Menschen, die ich z.B. einmal auf der Straße oder in einem Zug gesehen habe. Natürlich könnte ich auch zu jedem Buch passende Schauspieler finden, doch müsste ich hierfür länger im Internet googeln. Ehrlich gesagt würde ich mich ganz besonders über eine  Verfilmung von "Chinatown" freuen, da ich selbst Filme liebe, die in den 20-er Jahren spielen. Und wer sollte nun die Hauptfiguren spielen? Na ja, zu der flippigen, lebhaften Alexandra würde eine Schauspielerin wie Sally Hawkins passen, doch müsste man ihr Haar rot färben.


Welche Romane anderer Autoren können Sie empfehlen?

Auf englisch lese ich mit Vorliebe Sarah Waters und Vanora Bennett. Bei meinen deutschen Kollegen und Kolleginnen gibt es viele, die ich schätze: Charlotte Lyne, Katerina Timm, Julia Kröhn fallen mir spontan ein. Das allein im Bereich historischer Roman. Wer gern deutsche Autoren lesen will, die über Asien schreiben, sollte es mit Steffanie Burow oder Jan Winter versuchen.

Was inspiriert Sie beim schreiben?

Das kommt ganz auf den Moment an. Manchmal ist es Musik, dann ein Film oder ein Buch. Meist ist es aber einfach von meiner Stimmung abhängig, ob das Schreiben gerade flott voran geht oder etwas stockt.

Arbeiten Sie alleine an Ihren Romanen oder wird die Familie beim "Testlesen" mit einbezogen?

Mein Lebensgefährte ist normalerweise mein erster Testleser. Meine Stieftochter liest am liebsten Schauergeschichten über Vampire etc., das heißt, ihr Geschmack ist ein völlig anderer.


Rezi-Online bedankt sich für das Interview und wünscht Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 

 

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage von Tereza Vanek und der Webseite des Bookspot-Verlags

 

 

(c) 2012 Tereza Vanek, Rezi-Online

 

 


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