Interview mit Manuela Forst (Autorin)

manuela forstManuela P. Forst wurde 1979 in Wien geboren und hat sich mit Schreibfeder und Zeichenstift der Fantasy verschworen. 2004 gewann ihre erste Kurzgeschichte "Quell des Reichtums" bei einem Anthologiewettbewerb. Seither veröffentlichte sie zahlreiche Texte in Anthologien und Magazinen wie Elfenschrift, XUN, Earth Rocks, Fantasia – teilweise mit eigenen Illustrationen versehen. Ihr Debütroman "Donoghs Rache" erschien im Frühling 2006 in dem Buch "Basodunum - Von Kriegern und Druiden". 2008 bis 2010 war sie aktives Mitglied im Verein zur Förderung phantastischer Literatur in Österreich - Earth Rocks und in diesem Zusammenhang in der Jury der Kurzgeschichtenwettbewerbe tätig sowie für das Layout des Vereinsmagazins zuständig. 2009 erlangte sie den 2. Platz beim Frederic Brown Award in der Kategorie bestes Science-Fiction Bild. 2010 gewann ihr Bild "Perfect Future" den Future 2 Design Award.

 

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Guten Tag Frau Forst,
es freut mich sehr, daß Sie sich die Zeit nehmen mir ein paar Fragen zu beantworten.



Aus ihren Webseiten ist zu entnehmen, daß Sie neben dem Schreiben auch Grafikerin sind und mit ihren Bildern schon einige Preise gewonnen haben. Wenn Sie sich mal in einen stressigen Tag hineinversetzen, was entspannt Sie mehr, ein Bild zu zeichnen oder etwas zu schreiben?


Interessante Szenen zu schreiben, empfinde ich als ausgesprochen spannend. Das lenkt vom Stress in der realen Welt ab, ist aber so gesehen keine Entspannung. Um ein Bild zu zeichnen, braucht es viel Ruhe und Geduld, die mitunter schwer aufzubringen sind, wenn man zu aufgekratzt ist. Die Antwort lautet also: keines von beiden. Wenn ich mich voll und ganz entspannen will, suche ich einen Weg in die Natur. Vogelgezwitscher, der Wind in den Bäumen, das ist es, was mich wirklich entspannt. Dabei kann man dann natürlich auch einen Zeichenblock oder ein Manuskript mit in der Tasche haben.



Sie haben sich ganz und gar der Fantasy verschrieben, sei es nun im Zeichnerischen, als auch in der Schriftstellerei. Wie kam es dazu? Waren Sie schon als Kind begeistert von Fantasiewesen wie Elfen, Hexen und Co.?

Ja. Mein Lieblingsfilm als Kind war „Das letzte Einhorn“. Gespielt habe ich nicht mit Barbie-Puppen, sondern mit Blumenelfen und geflügelten Ponys. Wie es dazu kam? Keine Ahnung.orden_andala


Lesen Sie selbst auch Bücher? Und wenn ja, sind es dann auch überwiegend Fantasyromane?

Leider komme ich viel seltener zum Lesen, als ich das gerne würde. Aber meistens nehme ich dann einen Fantasyroman zur Hand. Eigentlich haben die gelesenen Fantasyromane mich erst auf die Idee gebracht, solche Texte auch selbst zu schreiben.


Der „Orden der Andala“ ist bereits ihr dritter Roman. Wie entstand die Idee dazu, einen Fantasy-Roman zu schaffen, der in der Wüste spielt und in der die beste Freundin der Protagonistin eine Berglöwin ist?


Zuerst hätte es eine Idee für eine Kurzgeschichte sein sollen. Nach dem ersten Kapitel war klar, dass die Handlung Potenzial für viel mehr Seiten barg. Die Wüste ist eine Landschaftsform, mit der ich mich bis dahin kaum auseinandergesetzt hatte. Es schien mir interessant, einmal neue Gegebenheiten auszuprobieren. Warum eine Berglöwin? Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Raubkatzen. Ihre Kraft und Anmut faszinieren mich. Daher war mir klar, dass ich einmal einer Protagonistin eine Raubkatze zur Seite stellen würde. Aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten hat sich die Berglöwin angeboten.


Sie schreiben neben Romanen auch Kurzgeschichten und Gedichte. Was macht Ihnen mehr Freude, einen Roman zu Ende zu bringen oder eine Kurzgeschichte? Und warum?

Bei Kurzgeschichten habe ich die Möglichkeit, neue Ideen auf wenigen Seiten auszuprobieren. Ich kann mit Stilen spielen oder einmal einen Charakter nehmen, mit dessen Eigenheiten ich nicht vertraut bin. Das ergibt mitunter sehr interessante Ergebnisse. Letztendlich macht mir das Schreiben von Romanen aber mehr Freude, weil ich viel mehr Spielraum habe, eine Geschichte und die darin spielenden Charaktere zu entwickeln.


Von der Grundidee bis zum fertigen Roman ist es ja oft ein langer Weg. Wie gehen Sie an ein neues Projekt heran? Schreiben Sie einfach drauflos oder planen Sie voraus, indem Sie ihre Figuren durchdenken etc.?

Kurzgeschichten plane ich, da sie meist strikte Kriterien wie eine vorgeschriebene Thematik und Länge haben. Aber bei den meisten meiner Romane gibt es am Anfang nur eine Idee. Erst durch das Schreiben ergeben sich die einzelnen Gegebenheiten, die Charaktere und ihr Umfeld. Gerade das macht das Arbeiten an einem Roman für mich so interessant. Wenn ich mich an einem Tag zum Schreiben hinsetze, weiß ich mitunter noch nicht genau, was meine Protagonisten heute erwartet. Natürlich hat man eine gewisse Richtung im Kopf, in die sich die Handlung entwickeln soll. Je weiter die Geschichte fortschreitet, umso klarer kristallisiert sich der Weg in meinem Kopf heraus. Aber ich bevorzuge es, die Handlung nicht in ein zu enges Korsett zu schnüren, weil es den Schreibfluss bei mir meistens stört und mir die Worte gezwungen erscheinen. Einzig bei meinem ersten veröffentlichten Roman in „Basodunum – Von Kriegern und Druiden“ musste ich sehr genau planen, da die Handlung parallel zu dem Roman von Christine Guthann verlaufen musste. Da war vom Wetter angefangen alles detailliert besprochen.

Kam es schon einmal vor, daß Sie selbst beim Schreiben feststellen mussten, daß die Geschichte ganz woanders hinläuft, als ursprünglich angenommen, oder wissen Sie schon vorher genau, wie der Roman enden wird?

Ja, das passiert mir gelegentlich. Manchmal gibt es dann von einem Ereignis mehrere Versionen, weil ich eine Szene ändern muss, da sie plötzlich nicht mehr zum Ganzen passt. Das empfinde ich aber nicht unbedingt als Nachteil. Zuweilen ist die neue Richtung besser, als die ursprünglich geplante.


Was denken Sie, gibt es einen Unterschied zwischen der Fantasy-Szene in Deutschland und der in Österreich? Und aus welchem Land kommen die meisten ihrer Leser?

weltentorDer größte Unterschied ist wahrscheinlich das Angebot. Die Nachfrage wäre vielleicht gar nicht so verschieden, doch gibt es einige Firmen (auch Verlage), die Österreich aufgrund seiner geringeren Größe vernachlässigen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich bei meinem ersten Verlag einmal nachgefragt hatte, warum die Bücher bei Thalia in Deutschland beziehbar wären und in Österreich nicht. Als Antwort nannte man mir eben, dass Österreich wirtschaftlich uninteressant wäre.

Wir haben in Österreich nur wenige Verlage, die an Fantasy interessiert sind. Daher habe ich im Laufe der Jahre immer mehr Kontakte nach Deutschland aufgebaut, wodurch sich in weiterer Folge auch viele meiner Leser dort finden.

Zu guter Letzt würde ich gern wissen: Was würden Sie einer jungen Autorin raten, die im Begriff ist, ihren ersten Fantasy-Roman zu schreiben. Worauf sollte man ihrer Meinung nach achten?

Wenn sie den Roman schreiben will, würde ich ihr raten, es einfach mal zu tun und zu sehen, was dabei herauskommt. Man kann ganz am Anfang schwer einschätzen, ob man genug Ausdauer und Ideen hat, um einen ganzen Roman umzusetzen. Manche werden nach einigen Kapiteln feststellen, dass Romanschreiben doch nicht das ist, was sie wirklich wollen. Andere werden so wie ich eine neue Leidenschaft entdecken. Aber, wenn man es nicht versucht, wird man es nie erfahren.


Ich danke Ihnen vielmals, auch im Namen von Rezi-Online für dieses nette Interview und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute!

Herzlichen Dank! Es war mir eine Freude.

 

 

Interview (c) Cornelia Bruno, Manuela Forst, Rezi-Online

 

 

 


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