Interview mit Steffen Janssen (Autor)

steffen_jansenSteffen Janssen, Jahrgang 1974, wohnhaft in Ahlen/Westfalen.
Nach dem Abitur im Jahre 1993 erlernte er den Beruf des Hotelkaufmannes und arbeitet seitdem als leitender Angestellter in der Lebensmittelbranche.
Das Schreiben betrachtet er als liebgewonnenen Zeitvertreib, welcher ihm hilft, geistig nicht einzurosten.
Seine große Leidenschaft ist das Erzählen fantasievoller, abstrakter und doch ganz menschlicher Begegnungen.
Der Hobby-Schriftsteller ist glücklich verheiratet und seit 2009 stolzer Vater einer bezaubernden Tochter.

 

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Herr Janssen, ich danke Ihnen vielmals, daß Sie sich dazu bereit erklärt haben, mir paar Fragen zu Ihrer Tätigkeit als Autor zu beantworten.



Zuerst einmal würde ich gerne wissen, wie Sie zum Schreiben gekommen sind?

Das ist gar keine so kurze Geschichte, Frau Bruno. Ich glaube, bevor man sich mit dem Gedanken befasst, selbst einmal etwas zu schreiben, muss man irgendwann die Liebe zum Buch entdeckt haben. Das war bei mir sehr früh der Fall. Und zwar bereits im Kleinkindalter, als ich begann, meine nähere Umwelt (Eltern, Großeltern) mit dem Vorlesen von Geschichten zu geißeln. Später, als ich dann selbst lesen konnte, habe ich Bücher regelrecht „gefressen“.
Gern erinnere ich mich an Jugendtage, an welchen ich mittags aus der Schule kam, ein paar Marmeladenstullen geschmiert habe und dann den Rest des Tages Bücher, wie „Die Söhne der großen Bärin (6-Teiler)“, „Winnetou“ oder „In 80 Tagen um die Welt“ verschlang. Im Alter von etwa 14 Jahren begann ich mich auch für „ernsthaftere“
Literatur zu interessieren (was bisher mein Geheimnis war). Da kamen dann Schinken wie „Othello“ und „Macbeth“ von Shakespeare oder „Schimmelreiter“ von Storm auf den Tisch. Doch an eigene Schreibversuche war noch lange nicht zu denken.
Meine erste klitzekleine Kurzgeschichte schrieb ich im Alter von 20 Jahren. Sie wurde (und hoffentlich mache ich mich jetzt nicht lächerlich) in einem „John Sinclair“-Heft als Leserbeitrag veröffentlich. Na ja, immerhin 150,- DM damals.
Das war’s dann auch schon wieder. Ganze 16 Jahre lang! Bis zum Februar diesen Jahres (2010).
Und diese Geschichte traue ich mich fast gar nicht zu erzählen...
Nun gut, jetzt bin ich einmal dabei:
Es war ein Samstagabend mit viiiiel Rotwein und guter Laune.
Als wir (meine Gattin und ich) dann irgendwann ins Bett gehen wollten, watschelte ich halt (volltrunken) noch mal auf Toilette (darf ich das hier sagen?). Als ich dann endlich ins Bett kroch und wie so oft dumme Reime von mir gab (mach ich zu gern), sagte meine Frau: „Schreib doch mal ein Gedicht über den Furz.“
Etwa 10 Minuten später war’s geschehen. Das Ergebnis kann man ja im Blog nachlesen. Okay, ich erzielte einen gehörigen Achtungserfolg im Familienkreise und das machte mich mutiger und nachdenklicher.
Warum nicht mal was Größeres – was „Richtiges“ versuchen?
Also entstanden die ersten Kurzgeschichten. Gleichzeitig war aber auch die Idee zum Roman „Tödliches Leben“ geboren. Ein kleiner Gedanke, der ganz schnell erschreckend große Ausmaße annahm. Nun schreibe ich seit April regelmäßig an dem Roman, täglich etwa 2-3 Seiten und nebenher ab und zu mal ein Gedicht, oder eine weitere Kurzgeschichte.


„Diabolica Carmina – Teuflische Gesänge“ (Tipp, schaut mal auf  Herrn Janssen´s Blog) ist ihr erstes bereits veröffentlichtes Buch. Würden Sie mir ein bisschen über den Inhalt erzählen?


Dieses Büchlein beinhaltet eine kleine Ansammlung von (hoffentlich) recht spannenden und gruseligen Kurzgeschichten. Eigentlich waren diese Geschichten nur als Schreibübungen auf dem Weg zum Roman gedacht. Jedoch wurde ich – und ich sage es, wie ich es meine – aus dem Freundes- und Familienkreis gedrängt, diese doch zu veröffentlichen. Die Namensgebende Geschichte „Diabolica Carmina“ war dabei das spannendste Projekt. Dieses stellte ich „häppchenweise“ in den Blog - so wie es eben entstand.
Aber ich schweife schon wieder ab...
Also zurück zum Inhalt. „Diabolica Carmina“ handelt von der Entdeckung eines unheimlichen Geheimnisses auf einem alten Friedhof, welcher in jüngster Zeit als Baugrund freigegeben wurde.
Bei „Das Geheimnis der Familie O’Toole“ deckt ein englischer Inspektor eine haarsträubende Familientragödie auf.
Und die restlichen Geschichten sind so kurz, dass ich an dieser Stelle auf einen inhaltlichen Hinweis verzichten möchte. Sie sind – sagen wir mal – ziemlich „eigen“. So eigen, dass meine Frau mich sogar eines schönen Tages fragte, ob sie nun Angst vor mir haben müsse (was natürlich Quatsch ist). Also lassen sie sich einfach überraschen.

Ihrem momentanen Projekt, dem Roman „Tödliches Leben“ liegt ein sehr ernstes Thema zugrunde. Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Als leidenschaftlicher Kleingärtner, der um den Erhalt alter Sorten bemüht ist (in meinem Fall Tomaten und Bohnen), berührt einen dieses Thema zwangsläufig immer wieder. Und wenn man sich aufmerksam umsieht und bemerkt, was in den letzten Jahren weltweit in den Bereichen Lebensmittel-Monopolisierung, Patentierung und genetischer Verfremdung passiert, so wird einem schon mal Himmelangst.

Sind die Personen aus „Tödliches Leben“ rein fiktiv? Oder haben Sie auch Eigenschaften von Ihnen bekannten Personen?

Hmm... diese Frage wird mir in letzter Zeit sehr oft gestellt.
Natürlich sind die Protagonisten des Romans fiktive Figuren. Aber selbstverständlich tragen sie auch Eigenschaften in sich, die jedermann von lebenden Personen aus dem eigenen Umfeld kennt. Mein allergrößter Wunsch ist es, Figuren zu diabolica_carminaerschaffen, die lebendig – ja real – erscheinen und mit denen der Leser sich ganz ungezwungen identifizieren kann. Wenn das geschieht, habe ich es richtig gemacht. Mein (persönliches) Fiasko wären hölzerne Marionetten, ohne Gesicht und ohne Seele. Dann würde ich mir auch überlegen, ob die Schreiberei wirklich das richtige Hobby für mich ist.
Doch das weiß ich noch nicht und deshalb träume ich weiter.
Es macht unheimlich viel Spaß, „Gott“ zu spielen und Figuren zu erschaffen, von denen man nach einiger Zeit genau weiß, wer sie sind und wie sie reagieren. Mittlerweile kommen mir Anna, Paul, Sylvio, Rolf und all die Anderen so real und vertraut vor, als würde ich sie schon eine kleine Ewigkeit kennen.

Sie sind ja recht vielseitig und schreiben sowohl Gedichte und Kurzgeschichten als nun auch einen Roman. Was fällt Ihnen leichter, etwas Kurzes, schnell abgeschlossenes, zu schreiben oder bevorzugen sie doch den Roman, wo man ja durchaus ausschweifender schreiben kann und mit seinem Roman wächst.

Das kann ich, ehrlich gesagt, noch gar nicht beurteilen, da ich ja noch in der „Probierphase“ bin. Die Gedichte sind Arbeiten von wenigen Minuten, die Kurzgeschichten von wenigen Tagen und der Roman ein sehr intensives, verlangendes Projekt. Spaß machen sie alle und ich mag mich gar nicht zu einer Bevorzugung entscheiden. Fakt ist, dass ich schon gern mal ein paar Tage Pause beim Roman einlege und mich einer etwas kürzeren (und weniger anstrengenden) Textform widme. Danach geht es beim Roman auch flüssiger weiter.

Durch Ihren Blog haben Sie es Ihren Lesern einfach gemacht, sich mit Ihnen über ihre Tätigkeit als Autor auszutauschen. Wie wichtig ist Ihnen der direkte Draht zu Ihren Lesern/Kritikern?


Das klingt ja nett: „Ihre Leser und Kritiker“, hihi. Daran muss ich mich erstmal gewöhnen. Also, ich bin selbst auch intensiver Leser und Kritiker und unterscheide mich somit gar nicht von den Leuten, die gewillt sind, meine Texte zu lesen und zu kommentieren. Ich freue mich ehrlich über jeden, der etwas von mir liest und dann seine Gedanken dazu hinterlässt. Es ist eine Ehre, in der heutigen, oberflächlichen und gehetzten Welt, zu sehen, dass da jemand ist, der sich tatsächlich die Zeit nimmt, sich auf deine Texte – deine Gedanken - einzulassen. Ich betrachte dies nicht als Selbstverständlichkeit, denn für diese Nähe, für diesen Austausch, schreibe ich.

Ich danke Ihnen vielmals und wünsche Ihnen weiterhin sehr viel Erfolg!

 

Weitere Infos und Interviews findet ihr auf dem Literaturblog von Solitary.

 

 

Interview (c) Cornelia Bruno, Steffen Janssen, Rezi-Online

 

 

 


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