Interview mit Eva Lirot (Autorin)

eva_lirotEva Lirot wurde 1966 in Diez an der Lahn geboren und ist vergleichsweise wohlbehütet in der Umgebung von Limburg (Hessen) aufgewachsen.
Nach berufsbedingter Wanderschaft durch den Großraum Hessen, die USA und Kanada lebt sie seit einigen Jahren mit ihrem Mann wieder in Limburg.
2002 begann sie ein Studium in den Fächern Literaturwissenschaft und Psychologie.
Heraus kam ein Magister – und ihr erster  Kriminalroman „Rendezvous mit dem kleinen Tod“.
Mit „Seelenbruch!“ legt sie nun ihren zweiten Roman vor.

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Hallo Frau Lirot, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview nehmen.
Kein Problem, gerne.

Ihr neuer Roman „Seelenbruch“ spielt in Frankfurt. Was macht Frankfurt
für eine Kriminalromanautorin interessant?


Gehen Sie doch mal abends allein in Richtung Hauptbahnhof ...
Spaß beiseite, ich habe jahrelang in Frankfurt am Main gearbeitet und kenne
die Stadt also sehr gut. Und insbesondere dank des internationalen Flairs
gibt „Mainhattan“ eine prima Kulisse ab für meine auch im Überregionalen angesiedelten Kriminalfälle.

Der Name des Hauptkommissars lautet „Jim Devcon“, nicht gerade ein typischer hessischer Name.
Gibt es einen besonderen Grund für die Namenswahl?


Jim Devcon ist ein in Deutschland lebender, gebürtiger US-Amerikaner. Und das ist insofern nicht ganz untypisch, weil die seit dem Fall der Mauer ja nicht plötzlich alle aus Frankfurt verschwunden sind.

Sie schreiben unter einem Pseudonym, warum nicht unter Ihrem richtigen Namen?

Nun, ich schreibe ja nicht, um mich selbst zu verwirklichen, sondern weil ich einen Weg gesucht habe, um auf Geschehnisse hinzuweisen, die meiner Ansicht nach eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Und mithilfe meiner Geschichten versuche ich jetzt also, diese Geschehnisse für jeden „miterlebbar“ zu gestalten. Denn es ist etwas ganz anderes, ob ich einen Zeitungsartikel lese, Nachrichten schaue, oder ob ich bei einem Roman- oder Filmgeschehen mitfiebere. Letzteres stimuliert das Erinnerungsvermögen in jedem Fall nachhaltiger. Und das Pseudonym ist dabei sozusagen mein Arbeitsgewand, in das ich schlüpfe, um sicherzustellen, dass ich diesen selbstgestellten Anspruch zu keiner Zeit vergesse.

Ihr Pseudonym ist ein Anagram des Namens eines großen französischen Schriftstellers (Voltaire), der für seine sarkastische Kritik an dem vorherrschenden System bekannt ist. Finden wir diese Elemente auch in Ihren Büchern?

Immer mal wieder, ja – und besonders in den Kommentaren von Hauptkommissar Jim Devcon.

Im Moment ist es besonders „in“ Literaturgenre miteinander zu vermischen. Die Grenzen zwischen den klassischen Genres verschwinden. Halten Sie an dem klassischen Kriminalroman fest oder käme für Sie auch eine Kriminal-Liebesroman-Geschichte in Frage?

„Seelenbruch!“ enthält einige Elemente aus dem Genre des Psychothrillers. Und bei „Rendezvous mit dem kleinen Tod“ ist die Frage des „Wer war es“ ebenfalls deutlich weniger interessant als die Frage nach dem „Warum“ der Tat. Und Seelenbruch von Eva Lirotauch Elemente des Liebesromans kommen zumindest andeutungsweise in beiden Romanen vor. Der klassische „Whodunnit“ eignet sich eben nicht mehr, um die Wirklichkeit zu spiegeln. Das ist zumindest meine Ansicht.

Ernst zu nehmende Literaturkritiker (oder welche, die sich dafür halten) empfehlen vorrangig Bücher, die sich mit Vergangenheitsbewältigung beschäftigen oder eine sehr starke soziale Komponente beinhalten. Die Verkaufscharts entwickeln sich glücklicherweise in eine andere Richtung. Warum werden Bücher, die spannend sind und einfach nur Spaß machen nicht „ernst“ genommen?

Auch Literaturkritiker (inklusive derjenigen, die sich dafür halten) haben ihr Spezialgebiet und versuchen natürlich, damit zu glänzen – was die Auswahl ihrer zu empfehlenden Bücher sicher sehr stark beeinflusst ...

Wie entstehen Ihre Bücher? Entsteht nach der Idee ein Exposé, welches dann zum Roman ausgearbeitet wird oder entwickelt sich die Idee beim Schreiben?

Erst die Idee, dann die Recherche, dann der Fahrplan. Als nächstes schreibe ich ein Exposé und dann geht´s richtig los – wobei es schon vorgekommen ist, dass das fertige Manuskript mit dem ursprünglich geschriebenen Exposé nicht mehr wirklich viel zu tun hatte.

Was ist ihre bevorzugte Arbeitszeit, sind Sie ein Tag- oder Nachtschreiber?

Als bekennende Nachteule laufe ich am Spätnachmittag und abends regelmäßig zur Höchstform auf.

Was motiviert Sie, Musik, Filme, Bücher, Erlebnisse?

Ja, klar. Wenn sie einen starken Eindruck hinterlassen, sind das sozusagen die vier Haupttöpfe, aus denen ich immer wieder neue Ideen schöpfen kann. Hinzufügen möchte ich hier aber noch die Gespräche mit bekannten und vor allem auch fremden Leuten. Da schnappt man sehr viel auf – wenn man in der Lage ist, auch mal zuzuhören.

Skandinavische Kriminalromane liegen zur Zeit voll im Trend. Sind die Romane wirklich so besonders? Ich persönlich halte sie für extrem überbewertet.

Da stimme ich Ihnen zu. Es ist wie in allen anderen Ländern auch: Es gibt dort gute und schlechte Romane. Aber wie alle anderen Märkte funktioniert auch der Buchmarkt nach dem Diktat diverser Moden. Und der skandinavische Kriminalroman ist derzeit eben sehr en vogue.

Ihre Romane spielen in der Gegenwart, können Sie sich vorstellen, einen Roman zu schreiben, der in einem anderen Jahrzehnt spielt? Welches wäre das?

kleinen_todFür die Zukunft möchte ich nichts kategorisch ausschließen. Aber im Moment erscheint mir die Gegenwart sehr interessant. Ein Bedürfnis, mal für längere Zeit ausschließlich in der Vergangenheit zu stöbern, verspüre ich bisher jedenfalls nicht. Und ein Blick in die Zukunft hat doch stets einen sehr orakelhaften Beigeschmack, find ich.

Bleibt neben der ganzen Schreibarbeit noch Zeit für andere Hobbys?


Abgesehen davon, das Schreiben für mich kein Hobby ist – ich spiele gern mal eine Runde Golf und lese auch sehr viel (querbeet). Außerdem dröhnt jeden Abend eine Stunde lang meine Lieblingsmusik aus dem iPod, während ich auf meinem Ellipsentrainer vor mich hin strampele. Das puscht den Körper – und den Geist.

Sie treffen in einem Buchladen auf eine Person, die unentschlossen vor dem Regal mit Kriminalromanen steht. Welche drei Romane würden Sie der Person empfehlen?


Nur drei? Also gut, dann greif ich jetzt mal schnell in einen Loskasten mit Zetteln, auf denen die Romane stehen, die ich im letzten halben Jahr gelesen und für sehr gut befunden habe.
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Jens Johler: Kritik der mörderischen Vernunft
Anne Chaplet: Schrei nach Stille

Beschreiben Sie sich selbst mit fünf Wörtern.


Bin offen für fast alles.

Welche Projekte stehen für die Zukunft an, ein weiterer Roman mit Jim Devcon?

Einer ist auf jeden Fall noch in der Mache, ja. Danach sehen wir mal weiter ...

Zum Abschluss noch eine kleine Schnellrunde:

 

Kino oder TV?
TV
Tee oder Kaffee?
Kaffee
Strand oder Berg?
... die Qual der Wahl ...
Großstadt oder Dorf?
Großstadt
Wein oder Bier?
Wein

Welches Buch hätten Sie gerne geschrieben?


Die Bibel, Koran, Talmud – wäre mit Sicherheit weit weniger dogmatisch ausgefallen.

 

 

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.




Weitere Informationen zur Autorin und ihren Büchern gibt es auf der Homepage von Eva Lirot



Interview (c) Jester, Eva Lirot, Rezi-Online

 



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