Interview mit Frank Lauenroth (Autor)

Frank Lauenroth AutorFrank Lauenroth wurde am 1963 in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) geboren und ist in Magdeburg aufgewachsen. Nach einem vierjährigen Zwischenstopp in Bad Oldesloe lebt der Autor seit 1996 in Hamburg (seit 2008 mit Frau und Sohn).
Der gelernte Schlosser und diplomierte Maschinenbauer arbeitet als Software-Entwickler und schreibt in seiner Freizeit Romane und Kurzgeschichten.
Letzte Veröffentlichungen waren 2008 sein dritter Roman „Boston Run“ bei BoD und die Kurzgeschichte „Leben nehmen“, die 2009 in der Anthologie „Stehlen & Rauben“ der Edition Splitter Wien erschien.

 

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Hallo Frank, wie war Dein Jahreswechsel, eher ruhig oder doch ordentlich gefeiert?


Mit einem gerade mal 15 Monate alten Sohn versucht man selbst Silvesternächte so ruhig wie möglich zu gestalten. Außerdem beherbergen wir 2 Katzen, die gerade am Silvesterabend für jeden Moment der Ruhe dankbar sind.

Dein Roman „Boston Run“ spielt, wie der Titel schon andeutet, in Boston. Warum ausgerechnet diese Stadt, gibt es etwas, was Dich mit dieser Metropole verbindet?


An Boston bin ich aus zwei Richtungen geraten. Zuerst war da mein grundsätzliches Marathon-Interesse. Ich fand es bereits in meiner Jugend faszinierend, dass es Menschen gibt, die so lange so schnell laufen können. Der Boston-Marathon als Großvater aller Laufgroßveranstaltungen und als einer der wenigen Nicht-Rundkurse hatte spätestens seit den Siebzigern so seinen Platz in meinem sportlichen Interessenfeld gefunden. Und dann war da noch ‚Ally McBeal’. Als Fan der Serie hatte ich Woche für Woche Gelegenheit, die Ansichten dieser schönen Stadt zu genießen. Als erst einmal die Idee gereift war, einen Thriller über einen Marathon zu schreiben, wurde Boston zwangsläufig meine erste Wahl.



In „Boston Run“ spielt ein neuartiges Dopingmittel eine große Rolle, glaubst Du, dass es solche Mittel bereits gibt?


Immer wenn ich sehe, wie Radsportler kilometerlang die steilsten Berge meistern und dabei kaum unter einen 30 km/h-Schnitt rutschen, dann glaube ich nicht mehr an Talent und Training allein.boston_run_neu

 

Ein durchschnittlicher Marathon-Lauf dauert 2,5-3 Stunden, beschränkt sich die Handlung von „Boston Run“ ebenfalls auf diesen Zeitraum?


Im Grunde ja. Es gibt eine Aufwärmphase vor dem Start und einen – wenn man so will – Epilog zum Lauf, aber der Großteil handelt in den 2 Stunden, den die Weltelite mittlerweile nur noch für diese Strecke benötigt.

 

Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden und wie sah die Schreibarbeit aus? Arbeitest Du mit Exposé oder entwickelt sich die Handlung beim schreiben?


Meine Ideen drehen sich häufig um die Frage: Was wäre, wenn …? In dem Fall war es im Sommer 2005, als ich wieder einmal von Radsportlern las, die des Dopings überführt wurden. Meine Frage war also: Was wäre, wenn es eine nicht nachweisbare Droge gäbe? Allerdings nahm ich schnell davon Abstand, die Handlung in ein Etappenrennen zu packen. Für zusätzlichen Thrill brauchte ich eine klar definierte Handlungsstrecke und –zeit. Ein Marathon war der ideale Hintergrund.

Ich habe mir dann kapitelweise Treatments erstellt, die ich beim Schreiben nach und nach mit Leben füllte. Anfang und Ende standen aber bereits zum Beginn meiner Schreibarbeit fest.

 

Bist Du eher ein Tag- oder ein Nachtschreiber?


Konzentrationsfähigkeit und in Folge dessen Output sind bei mir nachts deutlich höher.

 

Frank Lauenroth: Simon BefiehltIn „Simon befiehlt“, einem weiteren Buch von Dir, ist die Science-Fiction Komponente ausgeprägter. Wieder spielt die „körperliche Verbesserung“ eine tragende Rolle. Was ist das faszinierende an diesem Thema?


Meine Helden sind immer einfache Leute ohne Superkräfte oder besondere Ausbildung. Dennoch gelangen sie durch besondere Umstände in die Situation, verborgen heldenhaftes in sich zu Tage fördern zu müssen. Die „körperliche Verbesserung“ als gemeinsame Komponente beider Romane ist dabei eher zufällig.

 

Du hast bereits 3 Bücher bei BoD veröffentlicht, was sind die Vorteile von BoD?


Ich habe alles selbst in der Hand. Von der Covergestaltung bis zum Buchblock. Speziell bei der Covergestaltung bin ich gerne mein eigener Herr. Dennoch ist mein erklärtes Ziel, bei einem renommierten Verlag unterzukommen. Früher oder später.

 

Wer sollte Deine Bücher lesen und wer nicht?


Ich kann keine Altersempfehlung ausgeben. Ein gewisses Maß an Allgemeinbildung erleichtert allerdings das Verständnis mancher Einzelheiten. Dies können 12-jährige sicherlich nur in Einzelfällen besitzen. Wichtiger scheint mir ein Hinweis auf meinen Stil. Allzu oft ärgere ich mich als Leser, wenn Autoren eine an sich spannende Handlung durch unwichtige Nebenhandlungen künstlich strecken, um über die mittlerweile wohl notwendige 400-Seiten-Grenze zu gelangen. Bei meinen Büchern geht es gradliniger aufs Ziel zu. Und wenn es dann, wie bei „Boston run“, nur 216 Seiten sind, dann bin ich - und meine Leser hoffentlich auch - damit zufrieden.

 

Woher kommen die Ideen zu Deinen Büchern, lässt Du Dich von anderen Büchern, Filmen oder Musik inspirieren?


Ich habe mich mal von dem Musiktitel „Life for rent“ von Dido zu einer Short-Story „Leben zu vermieten“ befruchten lassen. Das war aber ein Einzelfall. Ich suche vielmehr die Lücken, das, was zuvor noch niemand geschrieben hat. Wie eben einen Marathon-Thriller.

 

Auf Deiner Webseite www.franklauenroth.de kündigst Du Deinen 4. noch namenlosen Roman für 2012 an. Kannst Du uns einen klitzekleinen Vorgucker auf die Handlung geben?


Es wird ein wenig „Newromancer meets Minority report“ werden. Aber das war es auch schon mit Vergleichsmöglichkeiten. Auf jeden Fall SF und auf jeden Fall kurz und knackig.

 

Wie gut kommst Du mit der Schreibarbeit voran, wird das Buch 2012 fertig?


Ich bin gerade bei den Treatments der ersten Kapitel. Wie eingangs erwähnt, habe ich recht jungen Nachwuchs zuhause und der geht natürlich vor. Ich hoffe dennoch auf 2012. Versprechen kann ich freilich nichts.

 

Gibt es ein Genre außerhalb von Thriller und Science-Fiction, in dem Du gerne ein Buch schreiben möchtest?


Eine Roadstory habe ich mir für Roman Nummer 5 vorgenommen. Viele Menschen treffen sich auf der Reise von A nach B und durchleben dabei episodenhafte und dennoch miteinander verbundene Ereignisse.

 

Zurück zu „Boston Run“, stell Dir vor, das Buch würde verfilmt werden, wen würdest Du Dir in den Hauptrollen wünschen?


Gute Frage, da ich mir dazu tatsächlich schon vorher Gedanken gemacht hatte. Als Brian Harding brauchen wir natürlich einen schlanken, sportlichen Typen, der zudem gut laufen kann: Ashton Kutcher! Christopher Johnson muss über ein deutliches Maß an glaubwürdiger Zerrissenheit zwischen Genie und Wahnsinn verfügen: Philip Seymour Hoffman! Und last but not least Rachel Parker, die karrieregetriebene und eiskalte Agentin mit dem feinen Hauch von Mehr: Amanda Peet!

Das wär’s! Die restliche Besetzung überlasse ich gerne meinem Regisseur: David Fincher! Smile

 

Gibt es in näherer Zukunft Lesungen und/oder Signierstunden mit Dir?


Familie geht vor. Derzeit bin ich einfach zu gerne bei meiner Frau und meinem Sohn, als dass die Sucht nach flächendeckender Anerkennung mich davon lösen könnte. Aber das kann sich zumindest ansatzweise ändern, wenn sich ein Verlag findet, der „Boston run“ in sein Portfolio nehmen und es auch bewerben möchte … Derzeit ist aber noch nichts geplant. Wer mich buchen möchte, darf sich dennoch melden! Smile

 

Beschreibe Dich selbst mit 5 Worten.


Gutmütig, freundlich, belastbar, ausdauernd und neuerdings leider ein wenig vergesslich aus Schlafmangel. Smile

 

Welche 3 Bücher und welche 3 CDs sollten in keiner Sammlung fehlen?


Es ist schwierig, allgemeingültige Empfehlungen zu geben. Die Geschmäcker sind halt verschieden. Ich kann aber anpreisen, was mich beeindruckt hat.

Bücher:

  1. Stephen King: Der Todesmarsch (auch wenn mich das Ende nicht hundertprozentig überzeugt hat, war das Buch ein nahezu unvergleichbarer Lesegenuss)
  2. Gerd Prokop: Detektiv Pinky (ein Kinderbuch für den neugierigen Teenager mit Hang zu kriminalistischen Problemlösungen – einzigartig!)
  3. James R. Garber: Der Schacht (ich habe hunderte gelesen und doch nur einen gefunden: DER perfekte Thriller!)

CDs:

  1. Supertramp: Live in Paris (auf dem Höhepunkt ihres Schaffens ein Konzert, das beweist, dass Live qualitativ wie Studio klingen kann, wenn man es kann!)
  2. Queen: A night at the opera (die beste Stimme ever zu wunderbaren Melodien)
  3. Heinz Rudolf Kunze: Wunderkinder (der Oberlehrer unter den deutschen Musikschaffenden ist zugleich ein wunderbarer Poet … und das zählt!)

 

Welche Tipps kannst Du jungen Autoren auf dem Weg zu ihrem ersten Roman geben?


Geduld! Das Buch ist fertig und verlangt danach verlegt zu werden? Fertig ist relativ. Ich lasse meine Stories immer eine bestimmte Zeit liegen, nehme sie erneut vor und stelle überrascht fest, dass man es immer noch besser machen kann. Erst wenn ein Entwurf fünf bis sieben Überarbeitungen hinter sich hat, kann man auf eine durchgängige Güte des Textes hoffen. Es sei denn, man ist ein literarisches Genie.

 

Sehen wir uns auf der Frankfurter Buchmesse?


In diesem Jahr sicherlich nicht. Aber ich habe Hoffnung für 2012.

 

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Dir und Deiner Familie für die Zukunft alles Gute.

 

Weitere Infos zum Autor und seinen Büchern gibt es auf der Homepage von Frank Lauenroth: www.franklauenroth.de

 

Interview (c) Jester, Frank Lauenroth, Rezi-Online


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