Interview mit Sabine Wassermann (Autorin)

Sabine Wassermann: Die eiserne WeltSabine Wassermann wurde 1965 in Simmern geboren und studierte Kunst an der Städelschule in Frankfurt am Main. Das Interesse an der griechischen Sagenwelt und der Antike brachte sie zum Schreiben. Sie lebt als Malerin und Schriftstellerin in Bad Kreuznach, wo sie 2001 mit dem Förderpreis für Kunst und Kultur ausgezeichnet wurde. (entnommen von www.sabinewasermann.de)


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Ich würde gerne mit den historischen Romanen anfangen. Du sollst gesagt haben, daß Achilles Dein Lieblingsheld der Antike ist. Wieso?

Den hab ich schon geliebt, als ich zwölf Jahre alt war. Irgendwie hat er mich mein ganzes Leben begleitet. Schwer nachzuvollziehen also, wie das kam. Aber er hat meine Vorliebe für einen ganz bestimmten Figurentypus generiert: der starke Kämpfer, den kaum einer besiegen kann, den man bewundert und fürchtet, der innerlich aber zerrissen ist und an sich selbst zu scheitern droht.

Deine anderen historischen Romane spielen im Alten Ägypten und im Mainz des 17. Jahrhunderts; dazwischen liegen Welten. Findest Du die Figuren oder finden sie Dich?


Ach, das ist bestimmt das Gleiche. Aber das läuft unterschiedlich ab. Bei „Goldhorus“ habe ich bewusst nach einem Pharao gesucht, der nicht gar so bekannt ist wie die üblichen Verdächtigen der 18. Dynastie, gleichzeitig aber meinem bevorzugten Heldentypus entspricht – da gab’s eigentlich nur einen, Amenophis II., der war ja wie für mich gemacht. Anschar, der Held aus dem Gläsernen Tor, konnte uneingeschränkt so sein, wie ich ihn am liebsten mochte, klar, in der Fantasy war das leicht machbar. Aber oft entstehen die Figuren aus plottechnischen Erwägungen: Ich habe hier eine Ausgangsposition, wie muss die Figur beschaffen sein, um dazu einen Konflikt auszulösen? Grazia, die Heldin aus dem „Tor“, ist nicht deshalb preußisch zugeknöpft, weil ich das unbedingt so haben wollte, sondern weil es dadurch für sie problematisch wird, sich in der Fantasywelt in einer freizügigen Gesellschaft aufzuhalten.

Du bist selbst Malerin; bist Du im Zuge dieser Kunst auf „Die Teufelsmalerin“ gekommen? (und wenn nicht, wie dann?)Sabine Wassermann: Das Zeichen des Ketzers

Doch, natürlich! Es lag auf der Hand, das mal zu machen, ich hab’s nur deshalb recht spät getan, weil ich mir lange Zeit nicht vorstellen konnte, mich mit dem Setting aus der Antike wegzubewegen.

Apropos Malerin: Schriftstellerei, Malerei. Gibt es noch andere Wege, wie Du Deine Kreativität auslebst?


Ja, ich singe beim Autofahren. Aber nur, wenn’s keiner hört. Ist ungefährlicher.

Was macht für Dich einen „historischen“ Roman aus: Detailgenauigkeit oder das große Bild? Worauf achtest Du selbst beim Lesen am meisten?

Natürlich freut es mich, wenn die Recherche stimmt und mir ein farbenprächtiges Bild der Zeit vermittelt wird, aber das allein macht’s nicht aus. Ich mag lebensechte Figuren, die so handeln, dass man glauben kann, so jemand habe wirklich in der jeweiligen Zeit gelebt. Wenn sie so beschaffen sind, dass ich sie unbedingt auf ihrem Weg begleiten will. Wenn’s dann sprachlich noch stimmt und die Handlung mich zum Weiterlesen zwingt, bin ich glücklich.

Nun zu Deinen beiden Fantasy-Romanen, die 2007 und 2009 beim Heyne-Verlag erschienen sind. Ein Krieger aus der Bronzezeit und ein junges Mädchen aus dem Berlin kurz vor der Wende zum 20.Jahrhundert. Klingt reichlich ungewöhnlich – wie kommt man auf so etwas?

Meine „Schreibheimat“ ist ja so ein bisschen die Bronzezeit rund ums Mittelmeer. Ägypten, Troja, Mykene, Hethiter, das hab ich schon immer geliebt. Mit solchen Themen hat man im historischen Roman ja seit einigen Jahren eher schlechte Karten. Also habe ich mir einen Bronzezeit-Kulturenmix gebastelt, heraus kam die Fantasywelt „Argad“. Dass es eine Frau aus unserer Welt dorthin verschlägt, war eine Idee des Verlags, und das gefiel mir sofort. Allerdings reizte mich keine Frau aus der heutigen Zeit, und weil ich die Zeit der alten Jahrhundertwende sehr spannend finde und eh schon vage überlegt hatte, dort mal einen Roman anzusiedeln, lag es nahe, beides zu verbinden.

Warum Berlin?

Weil’s am geschichtsträchtigsten ist. Wenn ich in die Kaiserzeit gehe, dachte ich, dann doch gleich dahin, wo der Kaiser hockt.

Stell Dir vor, Du sollst einen Satz für den Einband von „Das gläserne Tor“ entwerfen, der den Roman mit einem anderen vergleicht. Was fällt Dir da ein?

Also, wenn jemandem ein vergleichbarer Roman einfällt, der maile bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . Nicht weil ich denke, das gäbe es nicht, sondern weil ich auf die Lesetipps scharf bin.

Sabine Wassermann: Die TeufelsmalerinFans loben an der Geschichte, daß es etwas in der Art vorher eben noch nicht gegeben hat. Ich könnte mir vorstellen, daß man sich über so ein Lob unglaublich freut. Ist es denn wahr oder hattest Du doch irgendeine Inspiration, die bereits in diese Richtung ging?

Mich hat die Waldgräfin-Trilogie von Dagmar Trodler dazu inspiriert, der Liebesgeschichte einen stärkeren Raum als ursprünglich zu geben. Die eher weltfremde Heldin und der starke, eher barbarisch wirkende Held, der einiges erdulden muss – das gibt’s auch da. Ich fand’s hinreißend.

Deine älteren – also historischen – Romane, weisen alle Krimi-Elemente auf: Intrigen, rätselhafte Anschläge und Morde… warum dann ausgerechnet Fantasy?

Naja, Morde, Anschläge – wenn ich das wollte, ließe sich das ja auch in die Fantasy übertragen. Wie sagte Susanne Gerdom sinngemäß mal so schön: die Fantasy vereint alle Genres. Aber ich steh gar nicht mehr so auf Morde. Und bin ein ganz, ganz schlechter Krimileser. Ich weiß nicht, ich hab anscheinend im gesetzteren Alter die elementareren Dinge entdeckt: Liebe, Ängste, Sehnsüchte – die Sehnsucht nach Heimat, Verwurzelung ist zum Beispiel Thema des nächsten historischen Romans.

Hattest Du keine Angst, in der Masse unterzugehen, daß die Leute stöhnen: Oh, jetzt die auch noch?

Auf die Idee, dass das einer denken könnte, wär ich echt nie gekommen. Natürlich hätte es was für sich, wenn es außer mir nur noch eine Handvoll Autoren gäbe, die sich den Kuchen teilen. Aber das Leben ist kein bunter Teller. ;-)

Konzentrierst Du Dich beim Schreiben / Recherchieren darauf, Deine Romane passend für eine bestimmte Leserschaft zu machen, was das Alter oder das Geschlecht angeht?

Nein, ich schreibe, was ich selber am liebsten lesen würde. Und da ich selber ja auch zu einer bestimmten Zielgruppe gehöre (die romantische: Auf 1 Kampfszene bitte 3 x Bett und 2 x Kerker inklusive tröstender Besuch der Heldin), passt das schon.

Hast Du ein Lieblingsbuch von Dir selbst?

Ja, immer das letzte.

Bist Du sehr streng mit Dir, wenn Du an einem Roman arbeitest; gibt es so etwas wie eine Mindestarbeitszeit oder Seitenanzahl pro Tag/Woche?

Die leidige Disziplin, die mir meine Eltern nicht vererbt haben … Ich peile zwar ein bestimmtes Tagespensum an, bleibe aber oft drunter oder gehe in den leidenschaftlichsten Schreibphasen auch mal darüber hinaus. Nähert sich der Sabine Wassermann: Herrin zweier LänderAbgabetermin, wird’s immer eng, aber ich mag auch diesen Druck, wenn man eigentlich an gar nichts anderes denken darf als ans Buch. Womöglich schaffe ich mir den, weil er so schön ist. Obwohl ich ihn dann auch verfluche.

Gibt es Romanfiguren, mit denen Du Dich identifizieren würdest oder die Du eventuell so aufgebaut hast, daß man Dich darin wiedererkennen kann?

Ja, eine, Veynaydro aus der Eisernen Welt hat viel von mir. Aber das war eine Ausnahme, normalerweise mache ich sowas nicht, auch nicht mit anderen realen Personen. Einflüsse gibt es, klar, aber keine 1:1-Entsprechungen.

Welches Buch sollte ein Fan historischer Romane unbedingt lesen (eigenes/ anderer Autor)?

„Die Glocken von Vineta“ von Charlotte Lyne.

Der Klassiker aller Fragen: Beschreibe Dich selbst in 5 Worten.

Ja, den hass ich, den Klassiker. :-D
Faul, fleißig. Behäbig, leidenschaftlich. Äh, kreativ?

Welchen Rat kannst Du jungen Autoren bei der Suche nach einem Verlag geben.

Erst mal sollte das Manuskript bis zum Erbrechen überarbeitet und verbessert worden sein. Dass das nicht getan wurde, daran scheitert es meistens. Oft lese ich, dass „Verbessern“ gleichgesetzt wird mit „Rechtschreibfehler ausmerzen“. Das ist aber nur ein winziger Bereich ganz am Rande. Man sollte da wirklich ganz, ganz viel Arbeit reinstecken, notfalls mit professioneller Hilfe. Es schadet auch nichts, sich mit „Marktgängigkeit“ auseinander zu setzen. Über tausend Seiten hinweg eine Kuppel über eine Stadt zu stülpen, kann sich Stephen King leisten; ein Neuling wird es schwieriger haben, einen Verlag damit zu überzeugen. Hat man ein gutes Manuskript, sollte man versuchen, es bei einer Literaturagentur unterzubringen, die sorgt dann schon für den Rest. Für Agenten wie für Verlage gilt: Nur dorthin, wo kein Geld verlangt wird.

Was planst Du für die Zukunft?


Sabine Wassermann: Das gläserne TorZwei historische Romane, der eine spielt um 1500 in Südwestdeutschland, der andere um 1000 … Ach, mir fällt es immer schwer, über ungelegte Eier was zu verraten. An einem Fantasykonzept bastle ich auch noch nebenher.

Angenommen, einer Deiner Romane würde verfilmt, welcher sollte das sein und wer sollte die Hauptrollen spielen?

Bitte das Gläserne Tor, davon hätte ich am meisten, weil’s ja dann auch eine Fortsetzung gäbe. ;-) Für Grazia hätte ich gerne die rothaarige Dame, die gegen Ende in Michael Jacksons Video zu „Black or white“ zu sehen ist. Für Anschar – da gibt’s keinen, der dem Bild in meinem Kopf entsprechen könnte. So ist’s ja immer mit den Traummännern, die müssen Träume bleiben.

 

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Dir für die Zukunft alles Gute.

 

 

Weitere Infos zur Autorin und ihren Büchern gibt es auf der Homepage von Sabine Wassermann: www.sabinewassermann.de

 

 

 

Interview (c) Wittgenstein, Sabine Wassermann, Rezi-Online

 


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