Interview mit Anne Kerber (Autorin)

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Anne Kerber, Hauptberufliche  Medizinisch-technische Assistentin und nebenberufliche Autorin, wurde 1970 geboren und lebt im  schönen Mandelbachtal in der Nähe von Saarbrücken. 2008 ist ihr erstes Buch „Das Saarländische Seifenbuch“ im Blattlaus Verleg erschienen.
Anfang 2010 erscheint das Folgebuch „Seifenwelt – Seifen und Seifenrezepte aus aller Welt“, dessen Cover vom Saarländischen Multitalent „Bernd  Kissel“ gestaltet wurde. Anne Kerbers  zweite Leidenschaft gilt der japanischen Tuchmalerei „sumi-e“ und dem  Schreiben japanischer Kurzgedichte „Haikus“.



„Das Saarländische Seifenbuch“ bietet auf 123 Seiten viele  Informationen rund um das Thema Seife. Anne Kerber beschreibt die Seifenherstellung früher und heute. Im historischen Teil wird die Geschichte der Seifenherstellung, die verwendeten Materialien und die traditionelle Bedeutung der Seife im Saarland erzählt. Weiter geht es mit der modernen Seifenherstellung, den heutigen Zusatzstoffen und der Bedeutung der Seife im täglichen Haushalt. Seife ist mehr als nur ein Reinigungsmittel, Seife ist Dekoration, Medizin und Wellness. Weiterhin befinden sich im Buch viele Rezepte zur eigenen Seifenherstellung, z.B. der Gewürzseife, der Kokostraum-Seife  und vielen anderen.
Aufgelockert wird das Buch durch zahlreiche Bilder, die Lust auf Seife und Seifenherstellung wecken.

Anne, wie würdest Du Dein Buch beschreiben, Sachbuch, Fachbuch, Roman, wissenschaftliche Abhandlung, Ratgeber oder von allem eine wohldosierte Portion?

„Das Saarländische Seifenbuch“ ist eine Mischung von allem. Der historisch geprägte Teil erzählt spannende Seifengeschichten aus dem Saarland. Das Hauptaugenmerk liegt aber schon auf der fachlichen Anleitung zur Seifenherstellung. Hierbei sind mir Sicherheitshinweise und ganz klare, leicht verständliche Anleitung das Wichtigste, um jedem interessierten Seifensieder eine Grundlage für dieses faszinierende Hobby zu geben.


Wie entstand die Idee ein Buch über Seife zu schreiben?

Wie viele Menschen hatte ich schon seit meiner Kindheit den Traum, einmal ein Buch zu schreiben. Lange Zeit hat einfach das Thema gefehlt. Nachdem ich 2002 mit dem Seifensieden begonnen habe, hat sich recht schnell der Gedanke bei mir festgesetzt, meine „seifigen“ Erfahrungen für andere Interessierte festzuhalten. Die Idee eines saarländischen Buches kam nach und nach bei verschiedenen Recherchen hinzu und hat das Buch am Ende doch deutlich geprägt. Meine Heimatverbundenheit spielt hier sicher eine große Rolle.

Jeder kennt Seife, jeder benutzt Seife, aber nur sehr, sehr wenige haben wirklich Ahnung von Seife. Beschreibe in einem Satz, was eine gute Seife ausmacht.


Eine gute Seife sollte die Haut nicht zu stark auslaugen und auf jeden Fall zusätzlich rückfetten – diese Eigenschaften kann man in einer selbstgemachten Seife durch Auswahl von Rezept und Zutaten selbst bestimmen.

Abgesehen von der industriellen Fertigung, was ist der Hauptunterschied zwischen eine Seife, die 1900 hergestellt wurde und einem heutigen Produkt?

In früheren Zeiten stand die reine Waschwirkung sicher deutlich im Vordergrund. Begriffe wie „pflegend“ und „“kosmetisch wirksam“ gab es nicht. Heute sind Duft, Farbe, Form und vor allem Pflege die wichtigen Eigenschaften einer Seife.

Saarländer Seifenbuch
Was ist das besondere an einer saarländischen Seife, wie unterscheidet sie sich z.B. von einer bayrischen oder einer sächsischen Seife?

Meine Rezepte sind unter Verwendung saarländischer Zutaten entstanden. Seife besteht vor allem aus verschiedenen Ölen. Im Saarland gibt es in den letzten Jahren vermehrt Anbau von verschiedenen Ölpflanzen. Das daraus gepresste Öl eignet sich hervorragend zur Seifenherstellung. Natürlich kann man ebenso gut Rapsöl und Sonnenblumenöl aus anderen Quellen nutzen. Für mich ist es aber besonders faszinierend, aus diesen heimischen Zutaten ein Alltagsprodukt zu schaffen, das jeder kennt und das man auch wirklich benutzen kann.

Du veranstaltest selbst Workshops zum Thema Seife, wie sieht der Teilnehmerkreis aus?

Viele Menschen mit Allergien finden den Weg in meine Kurse. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass sie industriell hergestellte Reinigungsprodukte oft nicht so gut vertragen. Eine Allergie auf den reinen Stoff Seife gibt es eigentlich nicht. Meist sind es Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe, die uns eine Seife nicht vertragen lassen. All dies kann man bei selbstgemachter Seife selbst bestimmen und das Rezept entsprechend gestalten.

Wie laufen Deine Workshops ab und wo kann man die nächsten Termine erfahren, bzw. einen Platz buchen?

Veranstalter meiner Kurse sind verschiedene Volkshochschulen. Eine Workshop dauert drei Zeitstunden. Nach einer theoretischen Einführung in Form einer Power-Point-Präsentation (mit ausführlicher Materialkunde und allen Sicherheitshinweisen) sieden wir in kleinen Gruppen selbst Seife. Diese kann jeder Teilnehmer am Ende des Workshops mit nach Hause nehmen. Nach 4-6 Woche ist die Seife fertig gereift und kann zum Waschen verwendet werden.
Meine Kurse finden Interessierte auf meiner Homepage www.das-saarland-seifenbuch.de. Dort finden sich die Kontaktinformationen zu den Volksholschulen.

Die Zahl der Menschen mit Hauterkrankungen nimmt ständig zu, kann Seife bei der dermatologischen Problemen helfen?

So weit würde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen wollen, zu sagen, meine Seifen haben medizinische Wirkung. Da ich selbst in der Dermatologie arbeit weiß ich, wie komplex Hauterkrankungen sind. Bei stark vorgeschädigter Haut sollte man immer vorsichtig mit Reinigungsprodukten sein.
Aber wie schon gesagt, kann man bei selbstgemachten Seifen die Inhaltstoffe selbst bestimmen und findet so vielleicht eine Alternative zu industriellen hergestellten Waschsubstanzen.

Sind in Deinem Buch Ratschläge zu diesem Thema zu finden?

Im Kapitel „Seifen aus dermatologischer Sicht“ erfährt der Leser mehr über Seife und Haut im Allgemeinen und auch über die Unterschiede zwischen Seife und Syndets (synthetische waschaktive Substanzen).

Dein Buch enthält viele Rezepte, um eigene Seifen herzustellen. Abgesehen von den Zutaten, was benötigt man, um eine eigene Seife herzustellen?

Das benötigte Equipment ist recht überbar. Man sollte Seife immer in einem gut belüfteten Raum herstellen. Ein Keller- oder Werkraum ist hier am besten geeignet, da es auch mal Spritzer geben kann. Ein Edelstahltopf, ein Mixstab und eine digitale Waage sind die wichtigsten Arbeitsmaterialien.

Was sind Deine Lieblingsseifen?

Lavendelseife gehört immer noch zu meinen Favoriten, obwohl ich sie in jedem Kurs mit den Teilnehmern herstelle. Die „Saarländische Bierseife“ ist meine Lieblingsseife zum Verschenken. Sie kommt nicht nur bei Männern sehr gut an. Und keine Angst: nach dem Waschen riecht man nicht nach Bier! J

Kauft Du noch Seife im Supermarkt/Fachgeschäft oder verwendest Du nur eigene?

Seife kaufe ich nicht mehr. Da ich auch keine Seife verkaufe, sammeln sich durch die vielen Experimente sehr viele Stücke an – die verbraucht und verschenkt werden müssen. Duschgel jedoch verwende ich auch heute noch selbst.

Dein Buch enthält einige Seifengeschichten aus dem Saarland. Wie hast Du diese Geschichten recherchiert? Es gibt sicherlich nicht ganz einfach, ich persönlich kenne keine Geschichte über Seife.

In den verschiedenen Stadtarchiven und im Landearchiv konnte ich einiges über Seife entdecken. Mit diesen Informationen war es einfacher, einige noch lebende Verwandte aufzuspüren, die mir dann die Geschichte ihrer Familie erzählt haben. Auch durch Gespräche mit älteren Menschen konnte ich noch viele Informationen zusammentragen.

In Deinem neuen Buch, das Anfang 2010 erscheint verrätst Du Seifenrezepte aus aller Welt. In welchen Ländern hat Seife eine starke kulturelle Bedeutung?

Viele kennen sicher die berühmte Seife aus Aleppo (Syrien). Dort spielt Seife in dieser Form auch heute noch eine große Rolle.
Im asiatischen Raum allgemein kommt der Reinigung eine große Bedeutung zu. So wird Waschen nicht nur als Befreiung von Schmutz, sondern auch als Reinigung der Seele angesehen. Traditionell gibt es hierfür viele verschiedene Seifen mit besonderen Inhaltsstoffen.

Seifenwelt - Seifen und Seifenrezepte aus aller Welt
Es wird auch ein Rezept für „Schneckenseife“ vorgestellt, sind darin wirklich Schnecken enthalten?

Ja, die chilenische Schneckenseife enthält Schneckenschleim. Was für uns auf den ersten Blick eher abstoßend erscheint, ist in der dortigen traditionellen Medizin tief verwurzelt. Schneckeauszug mit seinem Gehalt an natürlichem Allatonin, Kollagen, Elastin, Glykol-Säure und geheimnisvollen Proteinen und Vitaminen machen die Haut weich und geschmeidig. Selbst viele renommierte Pharmafirmen stellen inzwischen Cremes und Seifen mit Schneckenextrakt her.

Wo gibt es Deine Bücher zu kaufen?

In Saarbrücken gibt es das Buch in zwei Buchhandlungen zu kaufen. Wer Interesse hat bekommt es aber auch direkt über mich, zum Preis von € 14.80.

Was gibt es noch für Themen, über die Du gerne schreiben möchtest?

Mein nächstes Projekt ist die Verbindung meiner japanischen Gedichte, der Haikus, mit meinen traditionellen Tuschebildern. Ein kleines Gedichtbändchen in der klassischen Japanbindung, das die Haikus über meine Heimat zeig, das ist mein Traum. Man muss eben immer was zum Träumen haben...

Flüssige oder feste Seife?

Feste Seife ist in der Herstellung einfacher und bietet mehr kreative Möglichkeiten. Daher ist sie mein Favorit.

Welchen Rat kannst Du uns zum Thema Seife mit auf den Weg geben?

Nach all meinen persönlichen „seifigen“ Erfahrungen bin ich kritischer geworden mit dem, was sich landläufig Seife nennt. Lesen Sie die Liste der Inhaltsstoffe und greifen Sie vielleicht auch mal auf eine handgemachte Seife zurück. Lassen Sie sich ein auf das Abenteuer „Seife“! Sie werden den Unterschied spüren.


Ich bedanke mich für Das Interview und wünsche Dir für die Zukunft alles Gute. Ich sehe Seife nun mit anderen Augen.

 

Weitere Infos gibt auf der Homepage von Anne Kerber

 

 

Interview (c) Jester, Anne Kerber, Rezi-Online


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