Interview mit Nikola Huppertz (Autorin)

senguelNikola Huppertz wurde 1976 in Mönchengladbach geboren. Sie studierte Geige und Psychologie in Duisburg und Berlin. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt Nikola Huppertz heute in Hannover. Dies ist ihr erstes Kinderbuch.

Ihr aktuelles Buch „Karla, Sengül und das Fenster zur Welt“ handelt nicht nur von der Freundschaft zweier Mädchen, sondern auch von den Missverständnissen zwischen zwei verschiedenen Kulturen. Weshalb haben Sie sich gerade für dieses Problem entschieden?

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In der Geschichte geht es erst einmal um zwei ganz normale Mädchen, die in unmittelbarer Nachbarschaft leben und sich schnell anfreunden. Als sie sich näher kennen lernen und einander wichtig werden, kommen jedoch auch die kulturellen Unterschiede zum Tragen. Die Mädchen haben nun zwei Möglichkeiten: Sie können den sich anbahnenden Konflikten ausweichen oder sich miteinander auseinander setzen und Verständnis für einander entwickeln. Ich glaube, vor dieser gar nicht so leichten Aufgabe stehen heute viele Kinder. Aber sie werden dabei durch sehr interessante Freundschaften belohnt.


Haben Sie selbst schon mal solch einen Irrtum erlebt?

Na klar! Als Teenagerin habe ich häufig an Jugendorchesterfahrten ins europäische Ausland teilgenommen und dort manchmal in Gastfamilien gewohnt. Das war schon mal eine kleine Vorbereitung, denn spätestens im Studium gehörte dann eine ganze Reihe ausländischer Mitstudenten zu meinem Bekanntenkreis. Natürlich bin ich dabei ins eine oder andere Fettnäpfchen getreten, aber mit Humor und gutem Willen ließ sich das immer wieder geradebiegen.



Meinen Sie es gibt einen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen im Umgang mit fremden Kulturen?

Ich glaube, Kinder sind unbefangener und unvoreingenommener als Erwachsene, wenn sie mit Menschen aus anderen Kulturkreisen umgehen. Und sie machen v. a. in den Großstädten diese Erfahrungen so früh und ausgeprägt, dass sie schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Im besten Fall stehen dann die Gemeinsamkeiten der Kinder im Vordergrund und nicht die Unterschiede.


Was könnte man Ihrer Meinung nach tun, um solche Missverständnisse, Irrtümer oder gar Misstrauen gar nicht erst aufkommen zu lassen?

Ich denke, das funktioniert am besten durch persönliche Begegnungen. Kinder, die aus verschiedenen Kulturen stammen, aber im Alltag regelmäßigen Kontakt zueinander haben, werden schnell miteinander vertraut. Und wenn es dann trotzdem mal Streit gibt, hat das meistens gar nichts mit ihrer Herkunft zu tun.


Karla, Sengül und das Fenster zur Welt ist nun in erster Linie ein Kinderbuch. Warum haben Sie sich dafür entschieden Kinderbücher zu schreiben?

Ganz einfach: Weil es mir unglaublich viel Spaß macht. Und ich habe das Gefühl, dass mir Kindergeschichten liegen, einfach, weil ich mich sehr gerne in Kinder hinein versetze. Außerdem gibt es in diesem Bereich zahlreiche Möglichkeiten, da die Leserschaft von den ganz Kleinen bis hin zu den Jugendlichen reicht - von den „heimlich“ mitlesenden Erwachsenen mal ganz abgesehen.

Was ist Ihrer Meinung nach die besondere Herausforderung für Kinder und Jugendliche zu schreiben? (also: Was ist das „Schwere“ daran für Kinder und Jugendliche zu schreiben)


Kinderbücher sind ja normalerweise die Bücher, die einen Menschen überhaupt zum Leser machen. Und sie sind für Kinder anfangs - im Gegensatz zum Fernseher - durchaus mit Mühe verbunden. Deshalb müssen sie Kindern auch wirklich gute Geschichten bieten, für die es sich lohnt zu lesen. Ich finde, Kinder haben genauso einen Anspruch auf gute Literatur wie Erwachsene. Aber eben auf eine Literatur, die ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen entspricht. Das ist eine ständige Gratwanderung.


Können Sie sich noch an ein Buch aus Ihrer Jugend empfehlen, welches Sie sehr berührt/ geprägt hat?

Als Kind habe ich am allerliebsten die Bücher von Astrid Lindgren gelesen; meine Favorit unter ihnen war „Madita“. Sie war wunderbar energisch, phantasievoll und warmherzig zugleich. Sehr gerne gelesen habe ich auch die "Notizen aus Karolines Tagebuch" von Ursula Haucke und "Alles Liebe, Deine Anna" von Jean Little.
In der Jugend habe ich sehr unterschiedliche Bücher gelesen - Jugend- und Erwachsenenliteratur bunt gemischt. Da fällt es mir sehr schwer, ein einzelnes Buch stellvertretend hervorzuheben. Sehr bewegt haben mich zum Beispiel "Die Wächter" von John Christopher, "Abschied von Sidonie" von Erich Hackl und "Unter null" von Bret Easton Ellis.


Gab es vielleicht sogar ein Buch oder einen Autoren/eine Autorin die Sie zum Schreiben inspiriert hat? Wenn nein: Was war dann der Grund mit dem Schreiben zu beginnen?


Da ich ja für Kinder schreibe, waren wahrscheinlich die Bücher besonders bedeutsam, die ich selbst als Kind geliebt habe. Aber ich habe auch als Erwachsene viele wunderbare Kinder- und Jugendbücher kennen gelernt, die ich durchaus inspirierend finde.
Der Grund, selber Bücher zu verfassen, war aber ganz einfach meine Freude am Schreiben. Ich habe schon als Kind sehr häufig Geschichten geschrieben.


Nun gibt es viele „Freizeit“-Schriftsteller, die ein fertiges Manuskript in der Schublade haben, aber sich nicht trauen es an einen Verlag zu geben. Was hat Sie dazu bewegt es als Autorin zu versuchen?

Es gibt dabei ja nichts zu verlieren, solange man bereit ist, auch Kritik anzunehmen und Rückschläge auszuhalten.
Und wahrscheinlich muss der Zeitpunkt stimmen. Der Gedanke arbeitete schon lange in meinem Hinterkopf, aber irgendwann sagte ich mir: Jetzt oder nie! Es war einfach genau das, was ich fortan machen wollte.

 

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 


Interview (c) Patricia H., Nikola Huppertz, Rezi-Online


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