Interview mit Boris Zatko (Autor, Comiczeichner)

anna_fanfareBoris Zatko wurde 1973 in Basel geboren und lebt heute mit seiner Familie in der Nähe der Rheinstadt auf dem Land.
Mit sieben Jahren entschied er sich, in seinem Leben nichts anderes zu tun, als Geschichten zu erzählen, sei es in geschriebener oder gezeichneter Form. Darum empfand er den klassischen Schulweg als unnötigen Ballast und konzentrierte sich kompromisslos der Verfolgung seines Lebenstraums – wobei es manchmal eher einem Albtraum glich. Aber nach einigen wertvollen Lehrjahren kann Boris sagen, dass es ihn nun recht gut geht und er der Zukunft zuversichtlich entgegenblicken kann. (entnommen und leicht angepasst von: www.boriszatko.com)

 

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Wie wurden Sie Schriftsteller?

Ich habe eine harte Ausbildung als Autodidakt hinter mir. Ich wusste bereits mit 7 Jahren, dass ich in meinem Leben nur Geschichten erzählen will, in Bildern und mit Worten. Seitdem habe ich dieses Ziel hartnäckig verfolgt. Ich brach die Schule vorzeitig ab, um mich so früh wie möglich an die Verwirklichung meines Traumes zu machen. Natürlich erfuhr ich dabei auch herbe Fehlschläge, die mir aber im Nachhinein viel gebracht haben.


Seit wann schreiben Sie? Warum Jugendbücher?

Wie bereits erwähnt, bin ich seit frühester Kindheit dem Geschichtenerzählen verfallen. Weshalb ich Jugendbücher bevorzuge, liegt wohl daran, dass in solchen Geschichten einfach alles möglich ist. Man kann der Fantasie wirklich freien Lauf lassen, was natürlich auch Gefahren birgt, denn ich mag es überhaupt nicht, wenn Geschichten – wie verrückt sie auch sein mögen – in sich nicht schlüssig sind. In meiner Schublade liegen aber auch Ideen für Erwachsene, die aber noch ein wenig gären müssen.

Worum geht es bei „Anna Fink“?

Anna ist 12-jähriges Mädchen, das nach dem Tod ihres Vaters zusammen mit ihrer Mutter in eine neue Stadt zieht, weil die beiden dort ein Haus geerbt haben – allerdings von einem Unbekannten. Die Hoffnung, endlich ein sorgenfreies Leben führen zu können, wird aber schon bei der Ankunft getrübt. Anna begegnen seltsame Gestalten am Bahnhof, auf dem neuen Grundstück hausen merkwürdige Fahrende Leute, und auch der zuständige Notar verhält sich sehr sonderbar. Schon bald wird Anna klar, dass sie in eine dunkle Verschwörung geraten ist. Und als sie beschließt, den geheimnisvollen Machenschaften auf den Grund zu gehen, wird ihr Verstand auf eine harte Probe gestellt. Aber je näher sie der Wahrheit kommt, desto klarer wird ihr: Sie muss das Rätsel der Erbschaft lösen, sonst wird sie nie erfahren, wer sie in Wirklichkeit ist.

Wie kommt „Anna Fink“ bei den Lesern an? Gibt es da schon irgendwelche Reaktionen?

Als kleiner Junge haben mich Geschichten entführt, an magische Orte. Ich war hin und weg, fühlte mich dabei wohl und geborgen. Dieses Gefühl möchte ich mir selber mit meinen Geschichten zurückholen, und wenn es mir gelingt, dieses Gefühl auch bei anderen auszulösen, dann umso besser. Die bisherigen Reaktionen sprechen dafür, was mich ungeheuer freut und auch anspornt.

Wie lange haben Sie an „Anna Fink“ gearbeitet? Was für Vorarbeiten gab es?

Die ersten Ideen gab es bereits Ende der 90er Jahre. Damals war die Hauptfigur allerdings noch ein Junge, und die Geschichte spielteschoener_lieben ausschließlich in der realen Welt. Ich habe viele Ideen notiert, ab und zu auch Bilder gezeichnet von den Handlungsorten, von Requisiten und den Figuren. Ich musste zuerst die Welt erschaffen, in der die Handlung passiert, was seine Zeit gedauert hat. Auch legte ich die Handlung penibel fest, flocht die einzelnen roten Fäden zu einem spannenden Muster. Ein überaus aufregender Prozess, der fast 3 Jahre gebraucht hat. Das eigentliche Aufschreiben der Geschichte ging dann aber flott von der Hand, dauerte etwa 6 Monate. Länger zog sich dann die Überarbeitung hin, was mir aber genauso Spaß bereitete, wie die ganzen Arbeitsschritte davor. Etwa 2005 war ich dann soweit zufrieden, dass ich mich auf die Suche nach einem Verlag machen konnte, was zwar ein unglaublich aufreibender Prozess war, aber zum Glück mit einem glücklichen Ende belohnt wurde.

Ist „Anna Fink“ ein Einzelroman oder sind Fortsetzungen geplant?

„Anna Fink“ ist eine Trilogie, wobei der erste Teil in sich abgeschlossen ist. Grundsätzlich geht es um das Erwachsen werden und die Angst davor, das Kindliche zu verlieren. Das ist eine Entwicklung, die nicht in einem Buch erzählt werden kann, also auf alle Fälle nicht in dieser Geschichte.

Sie arbeiten ja auch an einem Comic – Was war zuerst da? Comic oder Romane für Jugendliche?


Ganz klar beides, wobei ich ja zuerst gezeichnet habe. Das Schreiben muss man ja erst lernen. Ich sage immer, die Geschichte bestimmt die Form. So gesehen lasse ich mich durch mein Gefühl leiten, ob ich eine Geschichte zeichne oder schreibe.

Erzählen Sie bitte was zu Ihrer Comicleidenschaft


Ich liebe Comics nicht mehr als Bücher oder Filme, so gesehen stelle ich den Comic nicht über andere Medien. Was mir aber am Comic besonders gefällt, ist, dass darin der Autor und Zeichner am meisten spürbar ist. Bei Büchern entstehen die Bilder im Kopf des Lesers, Film ist die Summe vieler Kreativer. Comics werden aber meist von nur einer Person gemacht, das Erzählte ist sichtbar, sprich, man sieht die Vorstellung des Zeichners, was etwas sehr persönliches ist, wie ich finde. Das merkt man an den vermehrt autobiografischen Comics, die zurzeit erscheinen. So gesehen ermöglichen Comics einen etwas anderen, tieferen Einblick in die Seele eines Autors, was einen zusätzlichen Reiz bedeutet.

Warum haben Sie sich für „Das Wirtshaus im Spessart“ entschieden?

Das ist eine seltsame Geschichte. Ich hatte als Kind ein Hörspiel vom „Wirtshaus im Spessart“, das ich rauf und runter gehört habe. Die Stimmung war unheimlich und abenteuerlich. Irgendwann träumte ich davon, wie ich in einem „Wirtshaus im Spessart“-Comic blätterte, das ich irgendwann einmal zeichnen würde. Ich war in diesem Traum von meinem zukünftigen Können ziemlich beeindruckt. Vor ein paar Jahren fiel mir dieser Traum plötzlich wieder ein, und sofort war mir klar, dass ich diesen Comic machen musste. Eigentlich ziemlich verrückt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Eckart Schott, Verleger vom Salleck Verlag?

Durch die „Anna Fink“. Er hatte irgendwann einmal die Internet-Präsenz der Anna besucht und war scheinbar so beeindruckt, dass er mich an die Saarbrückener Buchmesse einlud, um dort zu signieren, einfach so. Ich war davon überwältigt, so etwas hätte ich nie erwartet. Aber so ist Eckart nun mal, ein herzensguter Mensch. Wir verstanden uns prima und es kamen noch ein paar Messen dazu. Irgendwann schlug ich ihm einfach mal vor, das Wirtshaus zu verlegen, und er willigte ein. Sein Verlag ist genau die richtige Adresse. Es hat einfach irgendwie gepasst.

Welche Comics lesen Sie selber am liebsten?


Querbeet. Aber ich liebe Geschichten aus dem Leben, weniger Superhelden oder Fantasy, seltsam aber wahr. Konkret kann ich keine speziellen Titel nennen, dazu springe ich zu sehr von Genre zu Genre.

Sie sind in diesem Jahr ja mehrfach auf der Frankfurter Buchmesse live zu erleben. Aber wie sieht es danach aus, wird es weitere Lesungen und Signierstunden mit Ihnen geben, und wenn ja, wo findet man diese Termine?

Ich bin ja seit Kurzem wieder Vater geworden, und ich habe mir vorgenommen, die nächsten Monate ein wenig zurückzuschrauben. Aber es läppert sich eben doch Einiges zusammen. Ich bin nach der Buchmesse im November an der „Buch09“ in Basel, im Dezember in Zürich, Anfang nächsten Jahres haben sie bereits auch schon einige Lesungen angesammelt. Es summiert sich, aber es freut mich natürlich. Ich schreibe ja gerade an der Fortsetzung, und ich hoffe sehr, dass der zweite Teil pünktlich zur Leipziger Buchmesse erscheint. Dort werde ich sicherlich dann auch die eine oder andere Lesung halten. Die genauen Lese- und Signierdaten findet man auf meinem Internet-Auftritt www.boriszatko.com unter – einfallslos schlicht – „Termine“.

Was war Ihr erster Gedanke als sie fertig waren?

Stolz, nicht mehr und nicht weniger. Keine Wehmut, dass jetzt etwas zu Ende ist, denn jeder Schluss ist ja auch ein Anfang. Es ist die reine Freude.

Wie schreiben Sie? Mit Computer? Laptop? Oder altmodisch mit Schreibmaschine?

Am Computer und am Laptop. Aber ich habe immer ein kleines Notizbuch dabei, ganz klassisch, denn Einfälle flattern gerne weiter, wenn man sie nicht gleich in ein solches Büchlein steckt.

Gab es zwischendurch Schreibblockaden?

Eigentlich nicht. Früher, als mir mal nichts einfiel, hat es mir noch Sorgen bereitet. Aber mittlerweile, wenn es gerade nicht so läuft, wie ich möchte, akzeptiere ich das einfach und beschäftige mich mit etwas anderem, bis meine Batterien wieder voll sind. Nein, Kreativschwächen plagen mich nicht.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Kurze Antwort: Ich will einfach nur Geschichten erzählen. Die nächste Roman-Serie ist bereits in Vorbereitung.

Herr Zatko, ich bedanke mich, das Sie sich für die Beantwortung der Fragen Zeit genommen haben. J

Gerne geschehen! Ich danke zurück und viele liebe Grüße!

 

Weitere Infos auf der Homepage von Boris Zatko: www.boriszatko.com

 

 

Interview (c) Martin Boisen, Boris Zatko, Rezi-Online


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