Interview mit Gerd Scherm (Autor, Künstler)

nomadengott_scherm1950 in Fürth geboren und aufgewachsen, lebt seit 1996 in einem alten Fachwerkgehöft in Binzwangen bei Colmberg. Gerd Scherm ist als Schriftsteller und Bildender Künstler tätig. Ab 1972 Mitarbeiter von Eugen Gomringer, dem Begründer der „Konkreten Poesie“, und Projekt-Assistent des ZERO-Künstlers Prof. Otto Piene (M.I.T., Cambridge, Mass., USA) für verschiedene Umweltkunst-Projekte und Arbeit als Kreativdirektor für die Rosenthal AG in Selb.
Gerd Scherm hat eine Vielzahl von Einzelveröffentlichungen vorzuweisen, darunter Theaterstücke, Lyrikbände, Erzählungen und Romane. Einer seiner Schwerpunkte liegt in der Lyrik, die er meist in künstlerisch-bibliophiler Ausstattung präsentiert, und die auch immer wieder zeitgenössische Komponisten zu Werken anregt (Werner Heider, Erwin Koch-Raphael, Ingo Bathow und Franck Adrian Holzkamp). Gerd Scherm ist u.a. Gastdozent an der Freien Universität Berlin und an der Uni St. Gallen im Fachbereich Kultur- und Religionssoziologie. (entnommen von www.scherm.de)

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Hallo Scherm, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen.

Gerne!

Poesie, Lyrik, Theaterstücke und Fantasy, wie bekommt man das alles unter einen Hut?
Gibt es so etwas wie poetisch-lyrische Fantasy?

 


Nein, ich denke nicht. Man muss ja nicht alles in einen einzigen Text pressen. Ich suche mir für jeden Inhalt die für mich optimale Form. Da wird dann eine Idee zum Roman, eine andere zum Theaterstück. Poesie und Lyrik sind ja die kleine Form, mit der man sich wunderbar einem einzigen, besonderen Gedanken widmen kann. Aber wehe, man will ihn zu einem Roman „aufblasen“!

Sie mischen in ihren Romanen phönizische Kultur mit Ragnarök und der Nibelungensage (und noch viel mehr). Haben Sie keine Angst, dass Sie von wütenden Historikern zerrissen werden?

Nein. Ich lebe weit ab „vom Schuss“ und bin schwer zu finden. Spaß beiseite, ich beschäftige mich ja mit dem, worauf die „Kultur des Abendlands“ basiert, den sinnstiftenden Ereignissen, den Legenden, den Mythen. Nur sortiere und bearbeite ich die Sachen manchmal ein wenig eigenwillig.

Ist die Reihe mit dem dritten Band abgeschlossen oder wird es weitere Teile geben?


Douglas Adams hat einmal gesagt, dass jede gute Trilogie aus mindestens vier Bänden besteht. Ich denke, das ist die reine Wahrheit. Deshalb plane ich einen vierten Band, der sich mit der keltischen Mythologie beschäftigen wird.

Wie wichtig ist Humor in der Fantasy?

Sehr wichtig. Es ist meine Art von Fantasy, die eigentlich mehr zur humorvollen „Phantastik“ gehört. scherm_weltenbaumler

Woher kommen die Ideen für die Romane, eigene Erfahrungen scheiden eher aus, oder?

Bei der Beschäftigung mit der Geschichte und den Mythen fand ich immer wieder Stellen, wo ich mir dachte: So kann das nicht gewesen sein! Oder was wäre geschehen, wenn es an dieser Stelle der Historie anders gelaufen wäre? Und dann fängt mein Kopfkino an …

Können Sie sich trotzdem für ernste Fantasy wie z.B. HdR begeistern?

Ja, durchaus. Ich habe HdR gerne gelesen, ebenso wie die „Schwert und Magie“-Klassiker. Ab und zu ein schönes Fantasy-Abenteuer, warum nicht?

Sie halten auch Vorträge, ein Thema ist z.B. „Das Dan Brown-Syndrom: Freimaurerei im Umfeld postmoderner Fantasy-Welten und Verschwörungsvorstellungen“. Ist das Thema inzwischen nicht verbraucht? Inzwischen ist der Markt mit Büchern über Geheimgesellschaften und Verschwörungen geradezu überschwemmt worden.

Erstaunlicher Weise ist es nicht verbraucht, das merkt man ja an den Verkaufszahlen bei Dan Brown. Meine Position ist allerdings die entgegengesetzte: Ich enttarne die Verschwörungstheorien als das, was sie sind: blanker Unsinn. Es ist viel schwerer, den Menschen die Wahrheit näherzubringen, als sie mit Hirngespinsten zu füttern.

Wie sieht das typische Publikum bei solch einem Vortrag aus?

Sehr gemischt. Da gibt es die aufrecht Neugierigen; da gibt es diejenigen, die sich ihre bestehende Meinung bestätigen lassen wollen: da gibt es die, die bei der anschließenden Diskussion ihre eigenen obskuren Theorien darlegen; da gibt es natürlich welche, die immer schon alles besser wussten und diejenigen, die einfach wissen wollen, die der Hase wirklich läuft.

Wird es ein Buch von Gerd Scherm über Verschwörungstheorien geben?


Nachdem ich schon etliche Jahre an diesem Thema arbeite, ist das sehr wahrscheinlich.

Wie ist ihre Meinung zu den Büchern von Dan Brown?

Ich kenne nur „Illuminati“ und „Sakrileg“, von denen ich die jeweiligen Themen aber schon vorher bei anderen Autoren besser dargestellt gelesen habe. Da aber Spekulationen und Verschwörungstheorien keinen Copyright-Schutz genießen, kann er wohl verarbeiten was er will. Und Dan Browns Verarbeitung finde ich eher schlicht.

Wer sollte ihre Bücher lesen und wer nicht?

Lesen? Natürlich alle!  Wink
Meine Bücher nicht lesen? Meine Nomadengott-Reihe und meine Satiren sollten von notorisch Humorlosen gemieden werden, denn das könnte bei ihnen zu gesundheitlichen Schäden führen.

Beschreiben Sie Ihre Romane in 5 Sätzen.

irrfahrer_schermEin ägyptischer Schreiber namens Seshmosis wird von einem 30 Zentimeter großen, kurzsichtigen Gott als Prophet ausgewählt. In bisher drei Bänden erlebt er Abenteuer mit ägyptischen, jüdischen, phönizischen, kretischen, griechischen, germanischen Götter, mythischen Tieren und Figuren. Er ist an der Flucht des Minotaurus ebenso beteiligt wie am Untergang Trojas, der Arbeitsniederlegung von Odins Raben und dem Tod Siegfrieds. Und Seshmosis hat ziemlich merkwürdige Freunde wie den Seher Nostr’tut-Amus und den aus Memphis verbannten Sänger El Vis. Das waren jetzt fast 1200 Seiten in 4 Sätzen.

Welche Art von Buch planen Sie für die Zukunft, wieder etwas humoristisches oder eher etwas ernstes?

Das nächste Buch erscheint demnächst und ist mein Drama „Alexander der letzte Markgraf“, das am 19. März 2010 am Ansbacher Theater Premiere hat, also ein ernstes Buch.
Außerdem habe ich derzeit einen Prosaband in Arbeit „Der Turm der geschwätzigen Vögel“, das Ergebnis meines Turmschreiber-Stipendiums auf Burg Abenberg.

Welche Tipps haben Sie für junge Autoren, die an ihrem ersten Roman schreiben?


Sich ein Thema zu suchen, das sie packt, berührt und nicht mehr ruhig schlafen lässt.

Beschreiben Sie sich selbst in einem Satz.

Ich bin neugierig, mitteilungsbedürftig und hoffungsloser Optimist.

Sie sind ein extrem vielseitiger Künstler, in welchem Genre fühlen Sie sich selbst am wohlsten?

Immer in dem Genre, in dem ich gerade arbeite.

Welche drei Dinge dürfen in Ihrem Urlaub nicht fehlen?


Lektüre, Notizbuch und Stifte.

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.


Ich danke Ihnen und alles Gute für Ihr Rezensionsportal und all Ihre Projekte!

 

Weitere Infos zum Autor und seinen Büchern/Projekten auf gibt es auf der Webseite von Gerd Scherm: www.scherm.de

 

Interview (c) Jester und Gerd Scherm


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