Interview mit Isabel Kreitz (Autorin/Comiczeichnerin)

punktchenundantonIsabel Kreitz (* 1967 in Hamburg) ist eine deutsche Comiczeichnerin, die 1997 als beste deutsche Comiczeichnerin ausgezeichnet wurde.
Nach dem Besuch der Kunsthochschule in Hamburg besuchte sie die Parssons School in New York. Nach einem halben Jahr kehrte sie wieder heim und startete mit den Tageszeichnungsstrips Ottifanten und Heiß und fettig. (Quelle: wikipedia.de)


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Wie kamen Sie dazu Zeichnerin und Autorin zu sein?

Ich wollte schon immer Geschichten erzählen UND zeichnen...

Seit wann zeichnen Sie Comics und wie kamen Sie dazu?

seit ich entdeckt habe, dass man Geschichten mit Bildern erzählen kann. Durch Phlegma. Man muss schon viel Zeit investieren und "Sitzfleisch" haben, um dabei zu bleiben!


Möchten Sie irgendwann auch mal "nur" Zeichnerin oder "nur" Autorin sein?

Nur in absoluten Ausnahmefällen (s.u.). Im Prinzip gehört das Schreiben (darunter verstehe ich auch die Adaption eines Buches, denn das Storyboard wird ja speziell für den Comic "geschrieben") und das Zeichnen für mich zusammen.

 

Wenn ja, mit wem würden Sie gerne einen Comic machen?

Ich arbeite gerade an einem Comic-Script von Peer Meter. Es ist ein Script, das schon einmal von Christian Gorny bearbeitet wurde, aber nie fertiggestellt worden ist. Nun versuche ich das.
Das Script ist sehr schön und es ist meine erste Zusammenarbeit mit einem Autoren. Danach möchte ich aber wieder selber schreiben, denn s.o..

Ihr neuester Comic ist wieder von Erich Kästner - warum haben Sie sich für "Pünktchen und Anton" entschieden?


35maiDas Buch gehört zu den älteren Kinderbüchern Kästners. Nach dem "35.Mai" wollte ich ein realistischeres Szenario bearbeiten, mit viel urbaner Stadtkulisse. Realität statt Utopie. Und es gibt viele schöne Strassenszenen, in denen man das Berlin der 30ger Jahre abbilden kann.
Das hat mich sehr gereizt.


Haben Sie sich 100% an die Buchvorlage gehalten? Bzw. geht das überhaupt bei einer Comicadaption?


Ich habe mich bemüht, so nah wie möglich an den Text heranzukommen, auch an den Stellen, die mir nicht so gefielen, die von recht abgestandenen Moralvorstellungen geprägt waren.
Eingriffe in die Geschichte gibt es nur dort, wo sich Passagen für die Bildgeschichte verdichten liessen, in der szenischen Abfolge etwa.

Adaptieren Sie in Zukunft auch "Das fliegende Klassenzimmer"?

Wer weiss?

Was bedeutet Ihnen der Ruf "zu den besten Comiczeichnern/innen Deutschlands zu gehören?

Ich denke, dafür werde ich noch eine Menge tun müssen, denn auch ein guter Ruf hat ein Verfallsdatum!

Haben Sie Vorbilder?

oh, ja! Zu meinen Helden gehört zum Beispiel der amerikanische Zeichner/Autor/Verleger/Redakteur und Visionär Will Eisner. Ein Comiczeichner dessen Kreativität nicht am Ende des Zeichenbretts aufgehört hat, der sich nicht für die industrielle Comicproduktion zu schade war und der trotzdem konsequent seine Ideen verfolgt hat.

Welche Comics lesen Sie selber am liebsten?

Mich begeistern Comics in denen Geschichten so fesselnd erzählt werden, dass man die Grafik darüber vergisst...

Gehen Sie mit "Pünktchen und Anton" auf Signiertour? Und wo kann man Sie erleben?

Nein, leider nicht.

Wie kam es zu diesem Projekt?

Ich habe die Idee, Kästner als Comic zu adaptieren an den Dressler Verlag herangetragen. Nachdem ein erstes Buch (Der 35. Mai) entstanden war, hat der Verlag mir angeboten, ein zweites umzusetzen. Meine Wahl fiel dann auf "Püntchen&Anton.

Warum wurden Sie ausgewählt?sachesorge

s.o.

Haben Sie genug Auswahl für 52 Folgen und können auswählen?
(Anmerkung für den Leser dieses Interviews: jetzt geht es nicht mehr um Kästner, sondern um meine Jahresproduktion bei der Frankfurter
Rundschau.)

Mein Kollege Frank Giese, der mir bei Recherche und Dokumentation hilft, hat für mich eine Jahresübersicht mit Themen ausgewählt, eine Mischung aus Politik, Sport, Kultur, Gesellschaft. Natürlich gibt es noch tausende von Themen, die wir nicht berücksichtigen können. Aber leider hat das Jahr nur 52 Samstage.

Wie kommt diese Serie bei der FR Redaktion und den Lesern an?

Da müssten Sie die Redaktion fragen. Zum Glück habe ich noch keine Beschwerden erhalten.
(Ich finde Idee und Umsetzung gut und freue mich jede Woche auf die nächste Folge und ärgere mich, wenn die FR umstellt und in der Hamburger Ausgabe die Folge fehlt, aber gottlob bis jetzt nur 2 mal und beide doch noch erhalten) - Danke!

Können Sie sich eine Buchausgabe vom "Deutschland-Comicvorstellen?

Möglicherweise. Ich überlege noch, was sich aus den 52 Seiten machen lässt!

Frau Kreitz, ich bedanke mich, das Sie sich für die Beantwortung der Fragen Zeit genommen haben.

 

 

Interview (c) Martin Boisen, Isabel Kreitz, Rezi-Online


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