Menschen, Medien, Merkwürdigkeiten

c1733Ein Bericht über die Buchmesse 2009

Ich würde mich selbst ganz unbescheiden als „Alter Hase“ bezeichnen, denn 2009 war für mich ein kleines Jubiläum. Zum 10. mal durfte ich die heiligen Hallen den Literatur betreten und mich über Neuerscheinungen, Neuauflagen und sonstige literarische Veröffentlichungen informieren.  Routiniert schlenderte ich mit der Gruppe des Buchmessetreffens vom Hauptbahnhof zum Messegelände. Das Wetter war erträglich und wegen 10 Minuten Fußweg quetscht man sich doch nicht in eine völlig überfüllte U-Bahn. Der altbekannte Flohmarkt vor der Messe reizte  mich schon seit vielen Jahren nicht mehr, ebenso vermied ich es, mich bereits vor dem Betreten des Messezentrums mit Riesentüte und Prospektmaterial ausstatten zu lassen. Eine Tüte vom ZVAB ist zwar sehr praktisch, aber ich nehme Rücksicht auf die Weichteile meiner Mitmenschen -  nichts ist schwieriger als 0,5m² Papiertüte durch eine Menschenmenge zu steuern.

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Da ich die Karten bereits im Vorfeld erworben hatte, blieb mir auch die Warteschlange am Ticketschalter erspart, die dieses Jahr doch deutlich kürzer ausfiel, scheinbar ist mit 14 Euro Eintritt die Schmerzgrenze bei einigen Messebesuchern überschritten. Der Einlass ist wie immer gut organisiert, so dass ich fast ohne Wartezeit das Ausstellungsgelände betreten konnte. Besucher mit Rucksack oder Tasche wurden dieses Jahr wieder stärker kontrolliert, ebenso war deutlich mehr Polizei- und Sicherheitspersonal auf der Messe vertreten. Irgendwie wirkten die Sicherheitsvorkehrungen auf mich ein wenig beängstigend.

 

 

Schon seit Jahren beschränke ich mich meinen Messebesuch auf die Hallen 3.0/3.1 und das Ausstellungszeit in der Mitte des Messegeländes, in dem traditionell das Gastland untergebracht ist. Aber dazu später mehr. Nach dem medialen Hype um diverse E-Book Reader hatte ich deutlich mehr Präsentationsfläche zu diese Thema erwartet, aber prophezeite Umschwung von Papier zu Byte wurde nur sehr dezent vorgestellt, vielleicht sogar bewusst unterdrückt. Elektronik kann mir persönlich kein Buchpapier ersetzen, jedoch stellen diese Reader für mich eine interessante Alternative zur Zeitung dar. In den Hallen selbst bestärkte sich mein Eindruck, dass die Buchmesse 2009 unter dem Motto „Sparen, sparen, sparen“ stand. 109_0901Einige Verlage konnte ich überhaupt nicht mehr finden und viele Aussteller hatten ihre  Ausstellungsfläche deutlich verkleinert. Überhaupt hielt sich das Gedränge dieses Jahr sehr in Grenzen, selbst die Zahl der Cosplayer hatte sich auf ein (fast erträgliches) Maß reduziert. Die Veranstalter haben endlich erkannt, dass eine eigene Halle für die Manga-Freaks eine Entlastung für alle bietet. Nichts desto trotz war es wieder erschreckend in welchen Outfit sich manche Menschen in die Öffentlichkeit trauen. Eine 120 Kilogramm schwere Pikachu-Dame dürfte selbst für Hardcore-Cosplayer eine Verunglimpfung der Figur darstellen – aber jedem das Seine...

 

 

Deutlich problematischer war es für die Promijäger, die Zahl der anwesenden Stars war merklich gefallen. Peter Maffay und Gunther Gabriel waren zwar mit ihren Autobiografien präsent, aber die richtigen Top-Autoren waren am Samstag nur sehr spärlich vertreten. Da lobe ich mir die Comiczeichner, die wie jedes Jahr wieder sehr zahlreich anwesend waren und sich auch in vorbildlicher Weise um ihre Fans kümmerten. Selten wurde ein Autogrammwunsch ausgeschlagen und die meisten Comiczeichner/autoren garnierten ihre Unterschrift auch noch mit einer kleinen Zeichnung. So sollte ein Künstler mit seinen Fans interagieren, so mancher Star-Autor darf sich hier gerne eine gewaltige Scheibe abschneiden.


Erschreckend unterrepräsentiert war für mich das Gastland China. Das Ausstellungszelt verkümmerte zu einem Nippestempel mit dem Flair eines „Ein Euro Ladens“. China ist ein faszinierendes Land und hat sicherlich mehr zu bieten als ein paar bunte Stoffe und diverse Kitschfiguren, die man auf jedem Ramschtisch in jedem beliebigen Kaufhaus findet. Vielleicht hat auch  das Zelt der Free-Tibet“ Aktivisten, welches in unmittelbarer Nachbarschaft stand, ein wenig auf die Stimmung gedrückt. Rückblickend betrachtet war dies der schwächste Auftritt, den ich bisher von einem Gastland erlebt habe.

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Irgendwie habe ich den richtig großen Knüller auf der Buchmesse 2009 vermisst, die meisten interessanten Neuerscheinungen wurden schon wochenlang von der Presse breit gewalzt und konnten kaum noch mein Interesse wecken.
Es war keine wirklich schlechte Veranstaltung, aber für mich völlig Glanzlos und ohne Highlights. Die Veranstalter werden sich für die nächsten Jahre einiges einfallen lassen müssen, um die ständig steigenden Eintrittspreise zu rechtfertigen und dem sicherlich stattgefundenen Besucherschwund entgegen zu wirken.

 

 


Ich werde auch 2010 wieder dabei sein, allerdings mit deutlich weniger Erwartungen.

 

 

Bericht (c) Jester, Fotos (c) www.buchmessetreffen.de


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