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Keimruhe
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Titel:      Keimruhe
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      11028
Autor:      Jean-Loup Trassard
ISBN-10(13):      3957574668
Verlag:      Matthes & Seitz Berlin
Publikationsdatum:      2017-09-01
Edition:      1
Number of pages:      320
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

3.5 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Sprache, anders – Zeit, andere

07.12.2017 Bewertung:  3.5 ragantanger vergibt 7 von 10 Punkten

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Nach den ersten Seiten fragt man sich besorgt, wie es wohl dem Übersetzer dieses Buches ergangen sein muss? Syntaktisch ist das alles korrekt, aber wie liest es sich? Wenn man keine Punkte setzt, wenn man abschweifende Gedanken, die nach und nach kommen, so nach und nach einschiebt, hinzufügt, um das Ganze zu komplementieren, nicht sprachlich, sondern inhaltlich. Vielleicht passt das besser ins Französische, aber man braucht schon eine Weile, um in Lesefluss zu kommen. Dafür steht andererseits aber auch ein großer Wurf, ein goldenes Schatzkästchen eines hierzulande komplett unterbelichteten Autors, der in Frankreich schon ein großer Bekannter ist. Und zum Anderen steht da auch die intentionale Wirklichkeit: mit eben dieser Sprachakrobatik den Inhalt zu vervollständigen. Wie es der Titel sagt: die ursprüngliche, irdene Kraft als Semantik ausgeformt, ohne Kunst und ohne mentale Zwänge: wenig Einschübe, wenig Attribute, viel Subjekt-Prädikat-Objekt, viel Archaisches. Und da passt der Plot wie die Faust aufs Auge.

Eine neolithische Analogie, ein Zurückreisen in die Zeit, in der es moderne Dialektik noch gar nicht gab. Das gelingt erstaunlich gut, man fühlt sich wirklich wie vom Stamm der ersten Jäger, die dabei sind sesshaft zu werden, die Erde und die Welt nicht nur zu bestaunen, sondern auch zu befruchten und zu bearbeiten. Das Einzige, was auffällt, ist der scheinbare Widerspruch: denn trotz aller Erdverbundenheit machen sich die Protagonisten dieses Buches viele Gedanken, nehmen Metapositionen ein und handeln reaffektiv oder bisweilen auch als Trickster. DAS passt nicht zur anthropologischen Wirklichkeit, zumindest mahnt es den Leser, sich seine eigenen Gedanken machen, ob vor Tausenden von Jahren wirklich so gefühlt und gedacht worden ist. Aber allein das ist ein großer Schritt. Keimruhe ist ein spannendes, weil urwirkliches und anthropologisch wichtiges Buch, auch wenn es manchmal an der Wirklichkeit vorbei denkt.


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