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Jack Engles Leben und Abenteuer: Roman
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Titel:      Jack Engles Leben und Abenteuer: Roman
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      10969
Autor:      Walt Whitman
ISBN-10(13):      371752450X
Verlag:      Manesse Verlag
Publikationsdatum:      2017-05-22
Number of pages:      192
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
[Neuwertig und ungelesen, als Geschenk geeignet ]
   


Rezensionen
Freiheitliebend, witzig und obsessiv verrückt

12.06.2017 Bewertung:  4.5 ragantanger vergibt 9 von 10 Punkten

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Walt Whitman ist weltberühmt für seine Gedichte, für seine zwar pathetischen, aber äußerst kraftvollen Naturessays, denen eine zwanglose Form modernere Religiosität anhaftet. Die erstmals 1855 erschienene Sammlung Grashalme gilt bis heute als Meisterwerk. Dass er drei Jahre vorher anonym einen Roman veröffentlichte, wissen wir erst seit Kurzem. Und genau dieser Roman liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Jack Engles Leben und Abenteuer in New York sind amerikanischer Kitsch in bester Whitmanscher Prosa. Aber kein langweiliger, Kaugummi kauender Kitsch, sondern ein vom amerikanischen Ethos geprägter Bericht über den Aufstieg eines Waisenjungen in der Großstadt. Erinnert automatisch an die Weihnachtsromane von Charles Dickens, nur dass hier dem englischen Bürgertum ein freiheitsliebendes, sprunghaftes und grenzenloses Freiheitsdenken entgegen steht. Das Schöne: das Buch ist, vor allen Dingen nach den ersten, etwas nüchternen und zunächst typisch gehaltenen Einstiegskpaiteln witzig und obsessiv verrückt. Genau dieser Unterschied ist es, den der biedere Dickens vom freiheitsliebend Whitman unterscheidet. Die Sprache ist einfach, aber klar, schwungvoll und dynamisch. Whitman lesen macht – noch mehr als in seinen Gedichten – eine reine Freude, denn es ist Wortkunst und Sprachschönheit. Dass schlussendlich die Notwendigkeit der Beschreibung elender Arbeitermassen in den USA des 19. Jahrhunderts im Vordergrund steht, ist trotz aller poetischen Schönheit und dramaturgischen Situationskomik nur naheliegend und unabdingbar. Wie sein Zeitgenosse Henry David Thoreau machte er eindringlich darauf aufmerksam, machte sich aber im Gegensatz zu Ersterem nicht auf die Flucht in die Wälder, sondern bleibt bohrend, gelassen, aber auch eindringlich in den Straßen stehen und kommentiert meisterhaft. Wichtiger und starker Fund eines amerikanischen Literaturwissenschaftlers, dem hiermit Dank ausgesprochen sei. Aber ob Whitman sich bei all den Errungenschaften der USA im 21. Jahrhundert darüber überhaupt freuen kann?


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