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Die russische Herzogin: Historischer Roman
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Titel:      Die russische Herzogin: Historischer Roman
Kategorien:      Historischer Roman
BuchID:      1561
Autor:      Petra Durst-Benning
ISBN-10(13):      3471350284
Verlag:      List Hardcover
Publikationsdatum:      2010-09-08
Edition:      Hardcover
Number of pages:      512
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Olga, Königin von Württemberg

14.09.2010 Bewertung:  3.5 KimVi vergibt 7 von 10 Punkten

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Die russische Herzogin ist der Folgeband von Petra Durst-Bennings historischem Roman Die Zarentochter. Er erzählt die Geschichte der Großfürstin Olga Nikolajewna Romanowa, genannt Olly. Sie ist die zweitälteste Tochter des Zaren Nikolaus I. und mittlerweile mit dem Kronprinzen Karl von Württemberg verheiratet. Die Romanhandlung knüpft nicht unmittelbar an das Ende des ersten Teils an, sondern setzt 1863, also 17 Jahre nach der Hochzeit, erneut ein.

 

Die Verliebtheit zwischen den beiden Ehepartnern ist merklich abgekühlt und die bescheidenen Wünsche, die Olly als junge Braut erträumte, wurden vom Schicksal nicht erfüllt. Olly, die von Kindesbeinen an zum Regieren erzogen wurde und sich deshalb nicht nur politisch auf dem Laufenden hält, wird in dieser Hinsicht in Württemberg nicht gefordert. Denn ihr Schwiegervater Wilhelm I., lässt sich in die Regierungsgeschäfte nicht hineinreden und hat zu seinem Sohn Karl kein Vertrauen. Der Thronfolger hat unter den Launen seines Vaters zu leiden und auch Ollys Vorschläge finden keinen Anklang. Deshalb engagiert Olly sich im sozialen und karitativen Bereich. Sie unterstützt  aus Überzeugung zahlreiche Hilfsprojekte und greift dabei oft auf ihr eigenes Geld zurück.

 

Ihre ungewollte Kinderlosigkeit macht Olly schwer zu schaffen. Deshalb ist sie hocherfreut, als ihr Bruder Konstantin sie bittet, seine Tochter Wera, die übrigens Ollys Patenkind ist, bei sich aufzunehmen. Olly hofft darauf, bei Wera die Mutterrolle zu übernehmen und so die Tochter zu bekommen, die ihr auf natürlichem Wege verwehrt blieb. Die russische Verwandtschaft verschweigt Olly allerdings, dass Wera kein einfaches Kind ist und in Russland als schwer erziehbar gilt. Die neunjährige Wera hat große Schwierigkeiten sich an das höfische Leben in Stuttgart zu gewöhnen. Es kommt zu peinlichen Vorfällen, die Olly an den Rande der Verzweiflung bringen. Doch mit viel Geduld und Liebe gelingt es ihr, das Vertrauen des Mädchens zu gewinnen und so verknüpfen sich die Schicksalsfäden der beiden Frauen untrennbar miteinander.

 

Meine Meinung


Die russische Herzogin kann durchaus ohne die Vorkenntnisse aus dem ersten Teil gelesen werden. Dennoch empfiehlt es sich, meiner Meinung nach, zuerst Die Zarentochter zu lesen. Da man so die verzweigten Familienverhältnisse der Romanows besser nachvollziehen kann und bereits die Vorgeschichte der Großfürstin Olga Nikolajewna Romanowa kennt. Es gibt allerdings auch einige Rückblicke in die Vergangenheit, sodass man der Handlung auch ohne diese Vorkenntnisse mühelos folgen kann.

 

Die Erzählung beginnt mit einem Prolog, ist in drei Hauptteile mit insgesamt 35 Kapiteln gegliedert und endet mit dem Epilog. Anschließend folgen ausführliche Anmerkungen der Autorin, in denen sie Auskunft darüber gibt, in welcher Form sich die historischen Fakten mit ihrer künstlerischen Freiheit mischen.

 

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm lesbar. Durch ihre detaillierten Beschreibungen fällt es leicht, sich die Handlungsorte und Begebenheiten vorzustellen und in die Erzählung einzutauchen. Noch intensiver wird dieses Vorstellungsvermögen nach einem Besuch auf der Homepage der Autorin. Denn dort kann man sich umfassend über das Buch informieren und sich zum Beispiel Wanderwege oder ausgewählte Handlungsorte ansehen. Durch die verwendeten Perspektivenwechsel kann man das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Dies lässt die Handlung abwechslungsreich und interessant wirken.

 

Leider konnten mich die Protagonisten nicht vollkommen überzeugen. Denn neben den beiden Hauptakteuren Olly und Wera verblassen die anderen Figuren etwas und treten in den Hintergrund. Die Handlung wirkt stellenweise konstruiert und dadurch unglaubwürdig. Doch wenn man die Anmerkungen der Autorin am Ende des Buchs liest, fällt auf, dass hier das Schicksal seine Hände im Spiel hatte und sich Petra Durst-Benning weitestgehend an die historischen Fakten hält. Ganz nebenbei bekommt man also einen Einblick in die Geschichte der Königin von Württemberg und  einen Eindruck von ihrem sozialen und karitativen Engagement. Dieses Wissen wird unterhaltsam im Romangeschehen verpackt und wirkt dadurch interessant und keinesfalls trocken oder zähflüssig.

 

Mein Fazit


Ich vergebe, trotz der erwähnten Kritikpunkte, 7 von zehn Bewertungspunkten, da ich mich insgesamt gesehen gut unterhalten habe. Die Zarentochter hat mir zwar etwas besser gefallen, doch der gelungene Mix aus historischen Fakten und künstlerischer Freiheit im Folgeband konnte mich dennoch überzeugen.


KimVi hat insgesamt 226 Rezensionen angelegt.


Keine heile Welt

21.10.2010 Bewertung:  5 Nordlicht vergibt 10 von 10 Punkten

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\"Die russische Herzogin\" ist der Folgeband zu \"Die Zarentochter\" und beschäftigt sich mit dem Leben der Olga Nikolaewna Romanowa (genannt \"Olly\",1822 - 1892) nach ihrer Eheschließung mit dem Kronprinzen Karl von Württemberg (später König Karl I). Die Romanhandlung setzt 1863 ein. Olgas Leben ist nicht so verlaufen, wie sie es sich bei der Hochzeit 17 Jahre zuvor erträumt hatte. Ihr Schwiegervater, König Wilhelm I, hält nicht viel von seinem Sohn und beteiligt das junge Ehepaar nicht an der Regierung. Besonders Olly ist geistig ziemlich unterfordert und hat sich karitativen Aufgaben verschrieben. Sie ist unermüdlich unterwegs, um den Armen zu helfen, oft finanziert sie ihre sozialen Tätigkeiten aus ihrer eigenen Schatulle, da der Königshof ihr nur wenig Geld zur Verfügung stellt. Auch in ihrer Ehe steht es nicht zum Besten: Karl und Olly sind kinderlos geblieben und haben sich zunehmend voneinander entfremdet. Dass ihr Ehemann homosexuell ist, will Olly lange Zeit nicht wahrhaben.

Ihr Leben erhält einen neuen Sinn, als ihr Bruder Konstantin sie bittet, seine neunjährige Tochter Wera Konstantinowna Romanowa (1854 - 1912) bei sich aufzunehmen, da die Eltern mit dem unangepassten, quirligen Mädchen völlig überfordert sind und ihm keine Liebe entgegenbringen (können). Auch Olly, Karl, die Hofdame Evelyn von Massenbach und die gestrenge Gouvernante Helene Trupow erleben mit dem aufgeweckten, aber schwierigen Mädchen (heutzutage würde man wohl ADS diagnostizieren) allerlei unangenehme und peinliche Situationen.

Trotzdem gelingt es Olly im Laufe der Jahre, zu Wera eine liebevolle Beziehung aufzubauen und in ihr soziales Interesse und Engagement zu wecken. Sie ist auch an Weras Seite, als diese - inzwischen von Olly und Karl adoptiert - in ihrer eigenen Ehe schwere Schicksalsschläge hinnehmen muss. Die beiden Frauen sind sich darin ähnlich, dass sie auch unter widrigen Umständen niemals aufgeben und für das Wohl der Stuttgarter Bevölkerung im Einsatz sind. Noch heute bestehen die von Olly und Wera ins Leben gerufenen wohltätigen Institutionen, die seinerzeit bahnbrechend waren: Wera gründete das erste \"Mutter und Kind Heim\", in dem verarmte alleinstehende Mütter mit ihren Kindern ein menschenwürdiges Leben führen konnten.

Der Roman ist in einen Prolog, drei Hauptteile und einen Epilog (1909) gegliedert, die drei Hauptteile passen sich den Lebensabschnitten von Wera an, die neben Olly eine gleichwertige Hauptfigur darstellt. Wie schon der erste Band ist auch dieses Buch von der Autorin gründlich recherchiert und sehr flüssig erzählt. Oft kann man sich ein Schmunzeln über Weras kindliche Missetaten nicht verkneifen, andererseits werden die Armut und die unwürdigen Lebensbedingungen der einfachen Leute sehr eindringlich geschildert. Besonders beeindruckend ist die differenzierte Charakterzeichnung aller Hauptfiguren, die nicht in Gut und Böse eingeteilt werden, sondern mit ihrer Zurschaustellung sympathischer und weniger sympathischer Züge sehr lebensnah wirken.

Dieser Roman bietet nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch Hintergrundwissen über die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Forderung nach mehr Demokratie, Auflehnung gegen die russische Zarenfamilie und ihren autokratischen Regierungsstil) . Ein Buch, das unterhält und nachdenklich macht!

Wenn möglich, sollte man zuerst \"Die Zarentochter\" gelesen haben, damit man den komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen folgen kann.


Nordlicht hat insgesamt 44 Rezensionen angelegt.


 
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