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Schneewittchen muss sterben: Der vierte Fall für Bodenstein und Kirchhoff
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Titel:      Schneewittchen muss sterben: Der vierte Fall für Bodenstein und Kirchhoff
Kategorien:      Krimi/Thriller
BuchID:      1384
Autor:      Nele Neuhaus
ISBN-10(13):      3548609821
Verlag:      List Taschenbuch
Publikationsdatum:      2010-06-11
Edition:      Originalausgabe, 5. Auflage.
Number of pages:      537
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
Gelesen, innen sauber und rein, Schnitte bis auf einen blassen hellblauen Streifen am unteren Schnitt ebenso sauber, leichter Leseknick im Rücken.
   


Rezensionen
Nichts ist so wie es scheint

08.06.2010 Bewertung:  5 KimVi vergibt 10 von 10 Punkten

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Vor zehn Jahren wurden dem ehemaligen Einser-Abiturienten Tobias Sartorius die Morde an zwei Mädchen aus seinem Heimatort Altenhain angelastet. In einem spektakulären Indizienprozess wurde er für schuldig befunden und verurteilt. Mittlerweile hat er seine Strafe verbüßt und wird aus der Haft entlassen. Seine beste Freundin Nadja, die in den vergangenen Jahren zu einer erfolgreichen Schauspielerin aufgestiegen ist, holt ihn ab und bietet ihm an, bei ihr zu wohnen. Doch Tobias lehnt ab und lässt sich von ihr an seinem Elternhaus absetzen. Schnell muss Tobias feststellen, dass die Zeit während seiner Haft nicht stehengeblieben ist. Denn die blühende Gaststätte der Eltern ist mittlerweile geschlossen, das Haus wirkt heruntergekommen und selbst die Ehe seiner Eltern ist an dem Schicksalsschlag zerbrochen. Die Dorfgemeinschaft reagiert mit Ablehnung auf die Rückkehr des vermeintlichen Mörders. Unmissverständlich wird ihm klar gemacht, dass er im Ort nicht mehr erwünscht ist.

 

Kriminaloberkommissarin Pia Kirchhoff und Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein vom Hofheimer K11 werden zu einem rätselhaften Verkehrsunfall gerufen. Eine Frau ist von einer Fußgängerbrücke, direkt in die Windschutzscheibe eines darunter fahrenden Wagens, gestürzt. Zeugen wollen beobachtet haben, dass die Frau von einem Unbekannten gestoßen wurde. Die Ermittlungen führen das Team nach Altenhain. Denn es stellt sich heraus, dass es sich bei der schwerverletzten Frau um die Mutter von Tobias Sartorius handelt. Schnell kommt der Verdacht auf, dass die Haftentlassung ihres Sohnes ein Motiv für den Angriff sein könnte. Doch in Altenhain hält die Dorfgemeinschaft zusammen und blockiert die Ermittlungsversuche der Polizei. Doch  Pia Kirchhoff gibt so schnell nicht auf. Deshalb durchsucht sie die alten Ermittlungsakten, die damals zur Verurteilung von Tobias führten, nach Hinweisen. Schon bald stößt Pia Kirchhoff auf erste Ungereimtheiten. Als auch noch Vernehmungsprotokolle fehlen, ist Pias Misstrauen endgültig geweckt. Doch ihr bleibt nicht mehr viel Zeit, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, denn in Altenhain überschlagen sich die Ereignisse. Die siebzehnjährige Amelie, die einer der damals ermordeten Mädchen ähnlich sieht, wird vermisst. Da man sie vor ihrem Verschwinden oft in der Nähe von Tobias Sartorius gesehen hat, steht für die eingeschworene Dorfgemeinschaft der Täter fest. Diesmal wollen sie Tobias nicht so leicht davonkommen lassen....

 

Meine Meinung


Dieser Band ist bereits der vierte Fall für Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Da ich vorher noch kein Buch von Nele Neuhaus gelesen habe, war \"Schneewittchen muss sterben\" mein Einstieg in diese Krimi-Reihe. Normalerweise lese ich Bücherserien lieber in der richtigen Reihenfolge und das ist sicher auch bei dieser Serie empfehlenswert. Dennoch kann man dem aktuellen Fall auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten Bänden folgen. Wichtige Hintergrundinformationen zu den Ermittlern sind in die Handlung eingestreut. Das Ermittlerduo, Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, wirkt sehr sympathisch und ihre Handlungen glaubhaft und nachvollziehbar. Im Team des Hofheimer K11 kommt es in diesem Band zu einigen Reibereien. Hier fehlt mir natürlich das Hintergrundwissen aus den vorangegangenen Fällen, aber dennoch kann man der Handlung mühelos folgen. Das private Umfeld der Ermittler liefert interessante Nebenhandlungen. Denn Oliver von Bodenstein hat den Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt und kann sich dadurch nicht ganz auf die Ermittlungen konzentrieren. Auch in Pia Kirchhoffs Privatleben verläuft nicht alles glatt, dennoch versucht sie von Bodenstein zu unterstützen und den Fall zu lösen.

 

Das Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Einen Teil der Handlung nehmen dabei die Ermittlungen, die Reibereien im Team und das Privatleben der Ermittler ein. Durch Tobias Sartorius Rückkehr in sein Heimatdorf, wird man langsam in das  gar nicht so idyllischen Dorfleben eingeführt. Schnell wird klar, dass hier ziemlich viele Geheimnisse verborgen sind. Klatsch und Tratsch füllen das Alltagsleben und jeder scheint nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Doch in der Meinung über Tobias Sartorius sind sich alle einig - ihn gilt es zu vertreiben. Die Protagonisten sind vielschichtig. Sie wirken menschlich und ihre einzelnen Schicksale glaubhaft. Die drohende und aufgeladene Atmosphäre im Dorf ist beim Lesen förmlich spürbar und so wird man in den Bann des spannenden Geschehens gezogen. Langsam lüften sich lange gehütete Geheimnisse. Doch damit ist man der Gesamtlösung noch keinen Schritt näher, denn plötzlich gelangt die nächste Unglaublichkeit ans Tageslicht. Es gelingt der Autorin meisterhaft ihre Fährten auszulegen, sodass man keinen Verdächtigen ausschließen kann.

 

Krimis gehören zu meiner bevorzugten Leserichtung und deshalb habe ich in diesem Bereich schon einige Exemplare gelesen. Lange hat mich kein Krimi so sehr gefesselt wie dieser. Denn die Handlung ist von Anfang an spannend und durch überraschende Wendungen bleibt diese Spannung bis zur stimmigen  Auflösung erhalten. Dabei kommt die Handlung  ohne übertriebene Gewalt und größeres Blutvergießen aus. Ich vergebe begeisterte zehn Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung!


KimVi hat insgesamt 226 Rezensionen angelegt.


Für mich mein Krimihighlight des Jahres!

09.06.2010 Bewertung:  5 goat vergibt 10 von 10 Punkten

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Nach einer zehnjährigen Haftstrafe versucht der dreißigjährige Tobias Sartorius sich wieder in den Alltag einzufügen. Doch bereits beim Betreten seines Elternhauses muss er feststellen, dass nichts mehr ist, wie es mal war. Der Hof liegt brach, die einst gut besuchte Gaststätte ist schon seit langer Zeit geschlossen und seine Mutter hat sich schon vor Jahren von seinem Vater getrennt. Da seine Eltern ihm bei den Besuchen im Gefängnis immer eine heile Welt vorgespielt haben, ist der Schock umso größer als er feststellen muss, dass auch das Leben seiner Eltern in Scherben liegt. Dabei weiß Tobias selbst nicht so genau, was vor 11 Jahren eigentlich passiert ist, als zwei siebzehnjährige Mädchen einfach spurlos verschwanden. Doch die Beweise sprachen gegen ihn.

Jetzt hat er die Strafe abgesessen und ist zurück. Eine Welle des Hasses schlägt ihm entgegen und zu seinem Entsetzen scheint die Vergangenheit sich zu wiederholen, denn schon wieder ist ein Mädchen verschwunden ...

Dies ist bereits der vierte Band aus der Bodenstein / Kirchhoff-Reihe und zugleich mein Einstieg in ebendiese. Gut fand ich, dass ich beim Lesen nie den Eindruck hatte, dass mir aus den früheren Bänden etwas an Informationen fehlt.
Nele Neuhaus hat einen sehr flüssigen Schreibstil und genau der hat mich richtig gefesselt. Nach und nach lernt der Leser die Bewohner des Dorfes kennen und kann ungefähr nachempfinden, wie Tobias sich fühlen muss, diese eingeschworene Gemeinschaft gegen sich zu haben. Die Autorin hat es geschafft, ihre Charaktere so zu stricken, dass ich nicht mehr wusste, wem man noch trauen kann und wem nicht.

Die auf Amazon angegebene Seitenzahl von 400 Seiten stimmt nicht. Es sind 537 Seiten Spannung pur. Dieser Roman gehört für mich eindeutig zu den Krimi-Highlights in diesem Jahr. Die anderen Bücher aus der Reihe werde ich ganz bestimmt auch lesen.


Hier die Reihenfolge der Bände:

1. Eine unbeliebte Frau
2. Mordsfreunde
3. Tiefe Wunden
4. Schneewittchen muss sterben


goat hat insgesamt 193 Rezensionen angelegt.


Der Mörder und sein Dorf

15.06.2010 Bewertung:  4 metAlpAnda vergibt 8 von 10 Punkten

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Mädchenmörder Tobias hat seine zehnjährige Strafe verbüßt und kehrt zurück in sein Heimatdorf Altenhain im Taunus. Das Dorf, wo nicht nur sein Vater ein Leben am Rande der Existenz führt, zerstört durch die Verurteilung seines Sohnes, sondern wo auch die Eltern eines der beiden Opfer leben. Doch Tobias will den damaligen Mordfall aufklären. Hat er wirklich selbst im Rausch seine Freundinnen getötet oder steckt da etwas anderes dahinter?

Auch die neu dazugezogene Teenager-Rebellin Amelie interessiert sich für den elf Jahre zurückliegenden Mordfall in dem von ihr verhassten Dorf. Endlich etwas spannendes erleben zu wollen in diesem Kleinöd, vielleicht gar mit dem vermeintlichen Mörder in Kontakt treten - ob der erwünschte Nervenkitzel nicht die 17-jährige selbst in Gefahr bringen wird?

Ein Leichenfund auf einem verlassenen Flughafengelände lässt schließlich auch die Kriminalpolizei diesen alten scheinbar aufgeklärten Fall neu aufrollen.

Doch auf der anderen Seite steht das Dorf. Wird der wahre Mörder von der verschwiegenen Dorfgemeinde gedeckt? Oder war es am Ende doch Tobias ganz alleine, der am Doppelmord schuld ist und zurecht von den Dorfbewohnern gehasst wird; kann man einen derartigen Rausch haben, dass ein schreckliches Blutbad im Nirvana des Filmrisses verschwindet?

Nele Neuhaus baut die Spannung gleich in mehreren Handlungssträngen auf und hält diese durch den ganzen Roman hindurch konstant hoch. Doch an manchen Stellen scheint sich die Autorin selbst zu verhaken, indem sie an zuvielen Fäden gleichzeitig zieht. So erfährt der Leser nach und nach, dass so ziemlich jeder in Altenhain, selbst der Dorfdepp, irgendwie in die Geschichte verwickelt ist. Dadurch verliert der Fall etwas an Glaubwürdigkeit.

Doch dies macht Nele Neuhaus jedoch mit ihrem hervorragenden Schreibstil wieder gut. Die Ortbeschreibungen, so genau, als würde man selbst im kleinen Dorf in Taunus stehen, ein Hauch Lokalkolorit durch die dialektisch geprägten Dialoge und die durchgehende klare Linie der Handlung trotz der vielen Charaktere, die dem Leser im Laufe des Romans begegnen, machen \"Schneewittchen muss sterben\" zu einem wirklich gelungenen, spannenden und mitreißenden Heimat-Krimi.

Auch die Liebe der Autorin zu Details und scheinbar unwichtigen Nebenhandlungen macht den Roman zu einer einzigartigen Lektüre. Der vermeintliche Mörder Tobias soll vom Leser nicht als brutaler, seelenloser Ex-Knacki angesehen werden, was durch die Beschreibung des verwahrlosten Elternhofes sowie auch der kaputten Familie unterstrichen wird. Die Kriminalpolizisten jagen nicht 24 Stunden am Tag Verbrecher, sondern haben auch ein Privatleben, das mit angedrohten Hausabrissen oder aufgeflogenen Seitensprüngen nicht weniger spannend und anstrengend ist als deren Job.

Auch hier könnte man an manchen Stellen jedoch meinen, die eigentliche Handlung würde durch solche Einschübe gesprengt werden. Beispielsweise das zerrüttete Familienleben des Hauptkommissars Bodenstein, dem im Gesamtverlauf viel Aufmerksamkeit in längeren Passagen gewidmet wird, das aber mit dem eigentlichen Fall nichts zu tun hat, außer dass der Ermittler manchmal zu sehr neben sich steht.

Doch wenn man bedenkt dass das kein einziges Buch der Autorin ist, sondern zu einer Serie um die beiden Kommissare Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff gehört, ist es nachvollziehbar und gar begrüßenswert, auch das Dasein der Ermittler zu beleuchten.

\"Schneewittchen muss sterben\" war der erste Roman von Nele Neuhaus, den ich in den Händen hielt - wird aber sicherlich nicht der letzte bleiben.


metAlpAnda hat insgesamt 28 Rezensionen angelegt.


Nele Neuhaus - \"Schneewittchen muss sterben\"

29.06.2010 Bewertung:  4 Stahlfixx vergibt 8 von 10 Punkten

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Über das Buch:
Tobias Sartorius kehrt nach einer verbüßten 10 jährigen Jugendstrafe in sein Heimatdorf zurück, verurteilt wurde er damals in einem Indizienprozess, für den Mord an zwei Mädchen, deren Leichen nie gefunden wurden, er war damals stark alkoholisiert und hat an die Tat(en) und den Tatzeitraum keinerlei Erinnerung. Seinen Eltern ist es in der Zwischenzeit auch nicht gut ergangen, die Dorfgemeinschaft ächtet sie, ihre Ehe ist zerbrochen, ihr Gasthaus ist pleite und der Vater ist in Hoffnungslosigkeit erstarrt. Auch Tobias wird nicht mit offenen Armen empfangen und die Bewohner von Altenhain beschließen, nachdem wieder ein junges Mädchen, die einem der ersten Opfer sehr ähnelte, verschwunden ist, die \"Lösung\" in die eigene Hand zu nehmen.
Als eine skelettierte Leiche gefunden wird und Tobias Mutter angegriffen und von einer Autobahnbrücke gestürzt wird, beginnen die Ermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein die alten Morde an den Mädchen wieder aufzurollen und finden schnell Ungereimtheiten. Als dann auch noch Ermittlungsakten verschwinden wird klar, hier hat jemand Interesse daran, dass die Akten auch weiterhin nicht allzu genau gesichtet werden. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da die Dörfler (außer Klatsch und Tratsch) nichts sinnvolles zu den Ermittlungen beitragen und fast die ganze Dorfgemeinschaft wirkt, als hätte sie etwas zu verbergen, verquickt sind alle zusammen durch Claudius Terlinden, ein reicher Unternehmer, der für viele Arbeitgeber ist, dem fast das ganze Dorf gehört und der auch einzelnen Einwohnern finanziell geholfen hat.
Meine Meinung:
Gekauft habe ich das Buch, da ich sehr viele positive Kritiken gelesen habe, normalerweise liegen mir deutsche Krimis oder Thriller nicht so sehr (...meine subjektive Meinung, evtl. habe ich auch immer zu den falschen Büchern gegriffen...). Da es sich auch noch um einen regional angesiedelten \"Taunuskrimi\" handelt, war ich doppelt skeptisch, Regionales gleitet ja auch gerne mal auf die \"Klamauk-Schiene\" ab und für CSI Musikantenstadel habe ich altersmäßig noch nicht die notwendige \"Reife\". Aber ich muss sagen, \"Schneewittchen muss sterben\" hat mich dahingehend positiv überrascht, prinzipiell hätte die Geschichte auch überall in Deutschland spielen können und die vereinzelt auftauchenden Kommentare in Dialekt, waren nicht störend, waren verständlich und haben auch keinen großen Teil der Geschichte beansprucht.
Der Einstieg ins Buch erfolgt mit einem guten Prolog, der beim Leser eine etwas gruselige Stimmung erzeugt und der natürlich auch die Neugier weckt.
Nele Neuhaus hat hier eine sehr komplexe Story geschaffen, die trotz der sehr vielen verschiedenen Beteiligten, die auch jeweils ausführlich eingeführt werden, nicht verwirrt, die bis zum Schluss stimmig bleibt und die alle gesponnen Handlungsfäden auch zu Ende bringt. Anfangs muss sich der Leser ein wenig an die Sprunghaftigkeit des Schreibstils gewöhnen, der Leser folgt abwechselnd den Ermittlern, den Opfern und den Tätern (außer den Ermittlern ist die Rollenverteilung für den Leser erst einmal vollkommen undurchsichtig). Auch die Spannung bleibt weitestgehend bis zum Schluss erhalten. Das Privat- und Arbeitsleben der beiden Ermittler wird auch etwas thematisiert, aber in einem glaubwürdigen Rahmen, der das (für mich) erträgliche Maß nicht überbeansprucht (schön - keine \"nordische Kopie\" - keine Alkoholprobleme, keine typischen und übermäßig problembeladenen Einzelgänger).
Ein wenig Kritik zu Schluss, teilweise wäre an manchen Stellen weniger \"mehr\" gewesen, in einigen Kapiteln - zunehmend zum Ende hin - hatte ich einfach das Gefühl, dass die Autorin etwas zu viel gewollt hat, die vielen Ideen und verschiedenen Charaktere, die der Leser hier kennenlernt (vom reichen \"Dorfpaten\" über seinen autistischen Sohn zur bekannten Schauspielerin gab es fast nichts, was es in dem Dorf nicht gab), hätten einige Bücher füllen können und damit büßt das ganze wieder etwas an Glaubwürdigkeit ein - dass ein Dorfverband eine gewisse Dynamik gegen einen vermeintlichen Störenfried entwickeln kann - ok, aber dass fast jeder Bewohner eines Dorfes ein dunkles Geheimnis hat und dass es kaum Menschlichkeit hinter der biederen Fassade gibt, ist schon ein wenig \"dick\" aufgetragen.
\"Schneewittchen muss sterben\" ist der vierte Band einer Reihe um die Ermittler Kirchhoff und von Bodenstein. Alle Bücher sind in sich abgeschlossen und können auch ohne Vorwissen aus den andern Bänden gelesen werden.
Mein Fazit:?Ein guter, spannender und grundsolider deutscher Krimi, der sicherlich einen besonderen Reiz für Leser aus dem Taunus bietet. Trotz dem Bedienen einiger Klischees und fast ein wenig zuviel an Handlung und Protagonisten empfehlenswert.


Stahlfixx hat insgesamt 42 Rezensionen angelegt.


Schneewittchen muss sterben

04.07.2010 Bewertung:  4 LenaBo vergibt 8 von 10 Punkten

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Tobias Sartorius wird im Alter von 20 Jahren wegen zweifachen Mordes an zwei seiner Jugendfreundinnen, deren Leichen nie gefunden wurden, zu 10 Jahren Haft verurteilt.
Als Tobias nach Absitzen seiner Strafe in seine Heimatstadt Altenhain zurückkehrt muss er feststellen, dass seine Vergangenheit nicht nur sein eigenes Leben zerstört hat. Denn Tobias’ Eltern wurden während seiner Abwesenheit von den Bewohnern des kleinen Dorfes tyranisiert und von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Auch Tobias’ Rückkehr in die Dorfgemeinde wird von den Bewohnern nicht positiv aufgenommen, denn keiner möchte einen verurteilten Mädchenmörder zum  Nachbarn haben.
Als dann auch noch die Leiche einer der getöteten Mädchen auf einem Fluggelände gefunden wird, nehmen die Komissare Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein die Ermittlungen wieder auf und bringen dadurch eine Lawine an Ereignissen zum Rollen, mit der sie nicht gerechnet haben.

 

Nele Neuhaus hat einen Krimi geschrieben, der sich nicht nur auf die Ermittlungen des angeblichen Mörders Tobias Sartorius beschränkt, sondern vielmehr auch die Lebensumstände sämtlicher Figuren beschreibt. Durch diesen Perspektivenwechsel bleibt die Geschichte durchweg spannend und bewirkt, dass die Charakterzüge der Personen an Tiefe gewinnen und sie sehr authentisch erscheinen.
Außerdem gelingt es Neuhaus von Zeit zu Zeit tolle Wendungen  einzubauen, so dass immer wieder andere Figuren als mögliche Täter in Frage kommen könnten.
Punktabzug gibt es trotzdem. Nele Neuhaus wirft in ihrem Buch mit Orts- und Personenname um sich, sodass es bisweilen doch etwas schwierig ist die einzelnen Figuren miteinander in verbindung zu setzen und sich zu merken, wer wer ist. Je mehr man sich jedoch in die Geschichte hineinliest, desto leichter wird es zu entscheiden, welche Personen ein besondere Rolle in der Erzählung spielen, sodass man ihre Namen nicht wieder vergisst.

 

Fazit: ‘Schneewittchen muss sterben’ ist ein spannender und abwechslungsreifer Krimi mit authentischen und sympathischen Charakteren.


LenaBo hat insgesamt 25 Rezensionen angelegt.


Wer einmal saß, dem glaubt man nicht

08.07.2010 Bewertung:  4 Sodom vergibt 8 von 10 Punkten

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Tobias kehrt nach langer Zeit in sein Heimatdorf zurück. Doch er war nicht auf Reisen oder aus beruflichen Gründen in irgendeiner deutschen Großstadt. Nein! Er war im Gefängnis. 10 Jahre war er weggeschlossen, weil er als Jugendlicher zwei Mädchen aus dem Dorf getötet haben soll, deren Leichen nie gefunden wurden. Doch erinnern kann er sich an nichts. War wirklich Tobias der Täter? Nach seiner Rückkehr will er seinem Vater wieder auf die Beine helfen, weil seine Familie und deren Existenz aufgrund seiner Verurteilung zusammengebrochen sind. Doch das Dorf schneidet ihn, verachtet ihn und macht es ihm und seinem Vater schwer. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was ihm blüht, als erneut ein Mädchen verschwindet.

Thematisch hat Nele Neuhaus mit dem Buch \"Schneewittchen muss sterben\" sicherlich kein Neuland betreten. Da viele Ideen aber nunmal bereits gedacht sind, kommt es auf die Ausführung der Idee an. Die Charakterausgestaltung ist Neuhaus sehr gut gelungen. Egal ob Oliver von Bodenstein, seine Partnerin Pia oder Tobias Sartorius. Ihre Eigenschaften sind gut ausgebildet und bringen sie dem Leser nah.

Auch technisch ist das Buch auf hohem Niveau geschrieben. Der Erzählstil ist bildlich und lässt die Story vor dem inneren Augen ablaufen. Gleichzeitig kommt nie Langeweile auf. Im Gegenteil ist es Neuhaus gut gelungen, Spannung aufzubauen und vor allem auch zu halten.

Interessant ist vielleicht auch anzumerken, dass Nele Neuhaus von Hause aus Juristin ist, was man ihren Buch auch entnehmen kann. Hier und da blitzt auf, dass juristische Kenntnisse hinter den Ausführungen stehen. Dabei erzeugt sie aber keinen Eindruck der Besserwisserei oder eines juristischen Lehrbuchs, sondern streut derartige Aussagen nebenbei ein.

Bei ihrem Buch handelt es sich um einen Roman aus einer Reihe Krimis mit dem Ermittler Oliver von Bodenstein, dennoch merkt man dies nur an ein paar Andeutungen, so dass man zu keiner Zeit das Gefühl, etwas wichtiges für die Geschichte nicht zu kennen. Somit ist dieses Buch auch für Leser geeignet, die die vorherigen Bücher nicht lesen konnten bzw. nicht lesen wollten.

Einziger Wermutstropfen ist der in Kleinigkeiten nicht ganz logische Schluss. Zwar macht er im Großen und Ganzen Sinn, hat jedoch einen Punkt, der den Leser mit Fragen zurücklässt. Diese sind nicht so erheblich, dass sie das gesamte Buch in Frage stellen, führen aber dazu, dass das Ende ein wenig getrübt erscheint. Leider kann ich aus verständlichen Gründen nicht sagen, um was es sich dabei handelte, hoffe aber, dass ein Leser des Romans wissen wird, was ich meinen könnte.

Fazit: Nele Neuhaus hat mit \"Schneewittchen muss sterben\" ein äußert lesenswertes Buch geschaffen. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute macht es Lust auf mehr, insbesondere auf ihre früheren Werke. Es handelt sich allerdings um einen \"klassischen\" Krimi, was heißen soll, dass es mit nur wenig Action auskommt. Mich störte dies hier (im Gegensatz zu anderen Büchern) nicht. Einen Mangel an Action kann ich daher nicht beklagen. Fest steht, dass ich hier ein \"spitzen\" Buch gelesen habe. Für eine bessere (und damit Best-) Wertung reichte es aufgrund der Schlusses nicht. Wie bereits angesprochen, war er nicht fatal, hat bei mir aber dennoch Fragen offengelassen, die das durchweg gute Gefühl etwas eintrübten, wenn auch nur gering. Ich kann es aber ohne Zweifel jedem Krimiliebhaber empfehlen.


Sodom hat insgesamt 9 Rezensionen angelegt.


Nur ein einziger Satz in Fettschrift stand auf dem weissen Blatt...

15.07.2010 Bewertung:  4.5 Purpurfalter vergibt 9 von 10 Punkten

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SCHNEEWITTCHEN MUSS STERBEN


Inhaltlicher Überblick:

Der Taunuskrimi „Schneewittchen muss sterben“ von Nele Neuhaus  beginnt mit einem kurzen Prolog, in dem jemand sich regelrecht besorgt um ein totes Mädchen “kümmert“ und mit ihr spricht.

November 2008: Tobias Sartorius wird nach 10 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen und kehrt in sein Heimatdorf Altenhain zurück. Er möchte herausfinden, was damals passiert ist, denn er kann sich an nichts erinnern…

Kurze Zeit später werden Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein zu einem mysteriösen Verkehrsunfall gerufen und entdecken an einem Flugplatz das Skelett einer Frau. Ihre Ermittlungen führen sie nun geradewegs in das Dorf Altenhain, wo vor 11 Jahren zwei  17-jährige Mädchen spurlos verschwanden.

Ist Tobias Sartorius für den Unfall verantwortlich, hat er die Morde damals wirklich begangen? Oder wurde vielleicht schlampig ermittelt, vertuscht oder falsch ausgesagt?


Eigene Stellungnahme:

Ich habe die ersten 2 bis 3 Kapitel gebraucht, um in das Buch reinzufinden – und das obwohl es recht einfach und flüssig zu lesen ist. Es sind vielmehr die vielen unterschiedlichen Personen und Orte, mit denen man konfrontiert wird, die es etwas komplizierter machen, dem Geschehen absolut aufmerksam zu folgen. Auch schmückt die Autorin den Anfang meiner Meinung nach etwas zu stark aus.

Wenn man sich dann erst einmal eingelesen hat, kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen. Es ist sehr interessant, immer wieder lässt die Autorin dem Leser neue Informationen zukommen und alles bleibt bis zum Schluss undurchsichtig und spannend! Das Ende kommt dann größtenteils überraschend und plötzlich fügt sich alles zusammen.

Dieses Buch ist toll, da es “aus dem Leben“ gegriffen ist. Man erfährt, was sich alles unter jungen Leuten und in einer “Dorfgemeinschaft“ abspielen kann und dass dies zum Teil mit weitreichenden Folgen verbunden ist. Man kann sich sehr gut in die Personen hineinversetzen, da sie hervorragend ausgearbeitet sind. Auch erkennt man teilweise Parallelen zu seinem eigenen Umfeld.

Zu dem Hauptprotagonist Tobias kann ich sagen, dass die Autorin ihm einen aussagekräftigen Charakter verliehen hat.  Er hasst sein Heimatdorf, ja verflucht es regelrecht – und doch kehrt er nach seiner Haft dorthin zurück und beschließt auch dort zu bleiben, da ihm das Wohlergehen seines Vaters am Herzen liegt. Dass er überdurchschnittlich intelligent ist, merkt man im Handlungsverlauf immer wieder, zum Beispiel an seinen Gesprächen mit der Polizei.

Positiv bei diesem Roman ist auch, dass sehr viele Personen als Täter in Frage kommen und man persönliche Probleme sowie das soziale Auseinanderdriften der Dorfgemeinschaft vermittelt bekommt.

Eine Frage bleibt für mich allerdings offen: Was hat sich die Autorin bei der Wahl des tollen Covers gedacht? Soll es evtl. als „Kirchturmspitze“ für die Dorfgemeinschaft stehen, die Himmelsrichtungen für die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Bewohner? Wirklich interessant, Ich tüftel noch…


Fazit:

Nele Neuhaus hat es geschafft, einen gelungenen und in sich logischen 500-Seiten-Krimi zu schreiben, der vielseitige Handlungsstränge aufweist und bei dem die Spannung durchweg aufrecht erhalten wird. Ich kann diesen realistischen, komplexen Krimi sehr empfehlen.


Purpurfalter hat insgesamt 11 Rezensionen angelegt.


Schneewittchen muss sterben

17.08.2010 Bewertung:  4.5 Switzerland vergibt 9 von 10 Punkten

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Inhalt

Der wegen zweifachen Mädchenmordes in einem Indizienprozess verurteilte Tobias Sartorius kehrt nach seiner 10-jährigen Haftstrafe wieder in sein Heimatdorf Altenhaim zurück, in dem ihm erst die Auswirkungen, die seine Verurteilung auf seine gesamte Familie genommen haben, bewusst wird. 

Durch seine Rückkehr und das Finden eine der Leichen, der damals ermordeten Mädchen wird ein Stein ins Rollen gebracht, der schließlich eine ganze Lawine auslöst.

Gemeinsam mit dem Ermittlerpaar Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein begibt sich der Leser auf eine Suche nach der Wahrheit. Und dabei müssen nicht nur die alten Mordfälle aufgeklärt werden, sondern gleichzeitig ein neuer Fall, das Verschwinden eines Mädchens, das vermutlich in Zusammenhang mit den Morden steht, sowie einige private und dienstinterne Probleme gelöst werden.

Meinung

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, die oftmals bereits nach wenigen Seiten gewechselt werden. So erlebt der Leser das Geschehen aus der Sicht des Ermittlers, des Opfers und des Täters, ohne zunächst in einigen Fällen zwischen Opfer und Täter unterscheiden zu können. 

Auch ist der Fokus nie komplett nur auf das Lösen des Falles konzentriert, sondern ebenso auf die privaten Probleme der Ermittler und das ganze soziale Zusammenleben des Dorfes, das im Laufe der Geschichte einige Abgründe zeigt.

Der Schreibstil ist konstant flüssig, mit Detailgenauigkeiten an den richtigen Stellen.

Die Gefühle der Personen, aus dessen Sichtweise gerade berichtet wird, werden für einen Krimi relativ ausführlich beschrieben, weshalb der Leser sich wunderbar in die Personen hineinversetzen kann. 

Bei der Leseprobe hatte ich die Befürchtung geäußert, dass mich die große Anzahl an verschiedenen Personen verwirren wird. Gerade weil es mein erster Krimi von Nele Neuhaus und damit auch das erste Buch dieser Reihe war, musste ich neben den Opfern und potentiellen Tätern, die sich im ganzen Dorf tümmeln, auch die gesamte ermittelnde Dienststelle kennenlernen. Doch dies stellte eigentlich keine größeren Probleme dar, obwohl ich einige Male überlegen musste, wen ich nun vor mir habe und wie die Familienverhältnisse nun stehen. 

Wahrscheinlich ist dies unvermeidbar, wenn man sich als Kulisse seines Krimis ein ganzes Dorf auswählt, in dem alle Geheimnisse über mehrere Ecken miteinander verankert sind.

Positiv hierbei aus natürlich ein breiter Fächer an möglichen Tätern. Daraus entwickelt Nele Neuhaus ihre sehr verworrene, komplexe und mit einigen Klischees behaftete Geschichte, die nach meinem Empfinden aber nie ihre Glaubwürdigkeit verliert. Und auch die Klischees wirken nicht störend. 

Sie Länge des Buches hat mich zunächst überrascht, da ich selten Krimis mit über 500 Seiten gelesen habe, da es oftmals auch schwer ist, die Spannung eine solch lange Zeit aufrecht zu erhalten. Nele Neuhaus hat es meiner Meinung nach geschafft, besonders der Einstieg in die Geschichte gelingt ihr sehr gut, sie hält den Leser schon nach kurzer Zeit in den Geschehnissen gefangen. Nur das Ende flacht etwas ab, alles passiert Knall auf Fall, neue Tatsachen werden plötzlich in den Raum geworfen.

Fazit

Ingesamt ist es ein sehr empfehlenswerter Krimi, in dem die Spannung nie verloren geht und der mit einer verstrikten Geschichte glänzt. Für mich mein Einstieg in die Krimiwelt von Nele Neuhaus.


Switzerland hat insgesamt 3 Rezensionen angelegt.


Schneewittchen muss sterben

26.11.2010 Bewertung:  5 Bücherwurm82 vergibt 10 von 10 Punkten

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Inhalt:

Der in 1997 verurteilte 2 fach Mädchenmörder Tobias Sartorius wir nach 10 Jahren au dem Gefängnis entlassen. Er kehrt zu seinen Eltern nach Altenhain im Taunus zurück. Er muss feststellen das nichts mehr so ist wie es damals war, als er festgenommen wurde. Die Bewohner Altenhain´s sind nicht begeistert davon, das Tobias zurück gekehrt ist. Sie setzten alles daran, Tobias und seinen Vater zu transkalieren, damit Tobias der verurteilte Mädchenmörder wieder aus ihrer Gemeinde verschwindet.
Plötzlich findet eine Abrissfirma auf einem verlassenen Fluggelände überreste einer Leiche. Es stellt sich raus, das dies ein Mädchen ist, die Tobias ermordet haben soll. Die Ermittlungen werden wieder eingestellt, und die Kommisarin Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein nehmen die Ermittlung wieder auf.
Meinung:
Am Anfang fand ich es erst einmal sehr schwer in die Geschichte rein zu kommen, da ich am anfang noch nicht so mit den ganzen Namen zurecht kam, und ich erstmal die Situation um die es in den verschiedenen momenten gingen nicht gleich einordnen konnte. Es dauerte allerdings nicht lange, bis ich so von der Geschichte gefesselt war, das es mir schwer fiel aufzuhören zu lesen.
Das Buch ist von Nele Neuhaus vom Anfang bis zum Ende spannend geschrieben. Es war schon ziemlich früh klar, das die Bewohner Altenhain´s was zu verbergen hatten, aber lange nicht so recht raus kam, was es alles war. Das hieß, man hat immer mit spekuliert, was ist es was sie zu verbergen haben, und ist Tobias wirklich der wahre Mörder von den beiden Mädchen gewesen. Doch alles ist so verstrickt in einer Gemeinde, das erst ziemlich am Ende sich das Puzzle schließt.
Allerdings das Cover dieses Buches hat mich nicht wirklich sehr angesprochen, und könnte ich auch nicht umbedingt mit dem Buch in Verbindung bringen.
Fazit:
Ein super spannender und gelungener Roman, den die Autorin Nele Neuhaus herausgebracht hat. Find ich wirklich sehr lesenswert, der Krimis gerne mag. Nur die Wahl des Covers hätte etwas anprechender sein dürfen.

Bücherwurm82 hat insgesamt 7 Rezensionen angelegt.


Ein absolut spannender und vielschichtiger Krimi

30.11.2010 Bewertung:  5 horrorbiene vergibt 10 von 10 Punkten

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Schneewittchen muss sterben ist der vierte Teil einer Kriminalromanserie um die Kommissare Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein aus dem Main-Taunus-Kreis. Es folgt eine Liste, der bisher veröffentlichen Teile dieser Serie:


1. Fall: Eine unbeliebte Frau
2. Fall: Mordsfreunde
3. Fall: Tiefe Wunden
4. Fall: Schneewittchen muss sterben


Eine Ermittlung führt die Kommissare Kirchhoff und von Bodenstein in das Dorf Althenhain. Eine Frau wurde von einer Brücke gestoßen. Die Kommissare finden heraus, dass es sich dabei um die Mutter eines kürzlich entlassenen mutmaßlichen Mörders zweier Mädchen handelt. Gegen diesen wird nun im Dorf eine regelrechte Hetzjagd veranstaltet. Als auch noch in der näheren Umgebung eine Leiche in einem Tank gefunden wird und in Althenhain erneut ein Mädchen verschwindet, wird der alte Fall erneut aufgerollt. Eine Ermittlung gegen die Uhr beginnt.


Dieser Krimi besticht durch seine vielfältigen Perspektiven. Man ermittelt nicht nur mit den beiden Kommissaren, sondern kann auch hinter die Kulissen schauen, wenn die Geschehnisse von diversen Dorfbewohnern geschildert werden. Dabei wird es an keiner Stelle unübersichtlich, an der es nicht gewollt ist.
Die Spannung ist durch den unterschiedlichen Kenntnisstand, den die verschiedenen Protagonisten haben – jedoch nicht immer preisgeben – konstant auf einem hohen Niveau.
Die persönlichen Hintergründe der Ermittler und auch der Dorfbewohner werden geschickt in die laufende Geschichte eingebunden und machen die Protagonisten somit ehrlich und fassbar. Gerade die beiden Ermittler sind durch diese Erzählweise sehr plastisch, authentisch und sympathisch, da sie nicht vollkommen dargestellt werden, sondern auch Schwächen zeigen. Doch gerade durch die vielfältigen Perspektiven stehen die Ermittler nicht ausschließlich im Fokus – da es zwei sind wäre das auch zu viel auf einmal – sodass aus dem Buch ein rundes Werk wird. Der Plot ist zwar vielschichtig, komplex und enthält mehrere Handlungsstränge, doch einige Details werden im Laufe des Geschehens aufgedeckt und die Auflösung des Falls ist schlüssig und für den Leser vollends befriedigend.
Es wird schön dargestellt, wie ein Dorf zusammenhalten kann... und doch ist es so wie bei einem Eisberg: Man sieht nur die Spitze, die Masse ist unter der Wasseroberfläche. Die Abgründe die sich hier auftun und die Vorstellung mancher, was als Kavaliersdelikt zu bezeichnen ist, sind erschreckend. Je mehr vom Eisberg ans Licht kommt, desto mehr Freude am Lesen hat man an diesem Krimi.


Dieser vierte Teil war der erste aus dieser Reihe, den ich gelesen habe. Dies war kein Problem, da auf vorige Fälle kein Bezug genommen wurde. Lediglich die Kommissare und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zueinander wären noch plastischer gewesen, hätte ich die Vorgänger gelesen. Nichtsdestotrotz hat mir das Buch sehr gut gefallen.


Fazit: Nele Neuhaus ist hiermit ein vielschichtiger, tiefgründiger und sehr spannender Kriminalroman-Geniestreich gelungen, der durch die vielfältigen Perspektiven und gut durchdachten Charaktere besticht. Man sollte vielleicht besser mit dem ersten Teil der Serie beginnen, doch auch Einsteigern in die Serie ist dieses Buch zu empfehlen.


horrorbiene hat insgesamt 42 Rezensionen angelegt.


Packender Taunus-Krimi mit vielen Verdächtigen

06.01.2011 Bewertung:  4.5 Pharo72 vergibt 9 von 10 Punkten

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Tobias Sartorius kehrt nach zehn Jahren Haft, die er für die Ermordung zweier 17jähriger Mädchen abgesessen hat, in sein Heimatdorf Altenhain zurück. Dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Die Gaststätte seines Vaters ist seit langem bankrott, der Hof gleicht einem Müllplatz und Tobias wird sofort offen angefeindet. Kurz darauf fällt sogar seine inzwischen von seinem Vater geschiedene Mutter einem heimtückischen Anschlag zum Opfer.

Als die Leiche eines der Mädchen gefunden wird, stellen die bearbeitenden Kriminalbeamten Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein Ungereimtheiten in der damaligen Abwicklung des Falles fest. Die junge Amelie ist fasziniert von den Abgründen, die sich in dem verschlafenen Dorf offenbaren und ermittelt auf eigene Faust. Nicht lange danach verschwindet sie spurlos und für die Dorfbewohner steht der Täter bereits fest. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn sowohl Amelie als auch der erneut verdächtigte Tobias schweben in großer Gefahr.

„Schneewittchen muss sterben“ ist bereits der vierte Roman der im Taunus lebenden Autorin Nele Neuhaus mit den Ermittlern Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Es werden jedoch keinerlei Vorkenntnisse aus den ersten Bänden benötigt. Ganz wunderbar gelingt es der Autorin in einem gerade mal zwanzig Tage umfassenden Zeitraum eine Fülle von Spuren zu legen, die den Leser dieses exzellenten Kriminalromans begeistert miträtseln lassen. Zu keinem Zeitpunkt lässt die Spannung nach, immer wieder gibt es neue Wendungen, neue Verdächtige. Teilweise verführen richtig gemeine Cliffhanger zum sofortigen Weiterlesen, egal was der Wecker anzeigt.

Es ist für mich gut vorstellbar, wie in einem kleinen Dorf eine verschworene Gemeinschaft entstehen kann, wo jeder am liebsten seine eigenen Leichen im Keller behalten möchte. Die einzelnen Charaktere sind dann auch sehr bildhaft dargestellt, man kann mit den leidenden Eltern der toten Mädchen ebenso mitfühlen wie mit den Sorgen privater Art der Ermittler. Insgesamt gelingt es der Autorin hervorragend, alles miteinander zu verknüpfen und ein rundum gelungenes Porträt einer von Lügen, Verrat, Eitelkeit und Machtsucht geprägten Gemeinschaft zu zeichnen.

Der Roman hat mich auf jeden Fall veranlasst, auch die vorher erschienenen Bände der Reihe einer näheren Betrachtung zu unterziehen, denn deutsche Autoren müssen sich auch in diesem Genre keinesfalls vor ihren amerikanischen Kollegen verstecken.


Pharo72 hat insgesamt 83 Rezensionen angelegt.


Hexenjagd und Sippenhaft

02.02.2011 Bewertung:  5 antjemue vergibt 10 von 10 Punkten

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Bereits im vorigen Mai wurde ich erstmals auf das Buch „Schneewittchen muss sterben“ der deutschen Krimiautorin Nele Neuhaus aufmerksam. Auf einer von mir oft besuchten Internetseite wurden Vorableseexemplare verlost. Der Ankündigungstext weckte mein Interesse. Da es mir zu dem Zeitpunkt jedoch mental nicht so gut ging, hatte ich keinen Nerv für die Leseprobe und zog mich für ein paar Wochen von allen Onlineaktivitäten außerhalb meines Arbeitsbereiches zurück.

Doch irgendwann kam ich wieder und las Rezensionen über das Buch. Mein Interesse war wieder geweckt und es kam auf meine Merkliste. Aber die ist lang. Kurz vor Weihnachten kam dann mein jüngster Sohn und bat um einen Wunschzettel für den Weihnachtsmann. Auf diesen schrieb ich ihm drei Buchtitel, inkl. Autor. Dass mein Geschenk dann „Schneewittchen muss sterben“ geworden ist, verdanke ich der Tatsache, dass mein Sohn beim Weihnachtseinkauf den Wunschzettel nicht mit hatte und dieser einprägsame Titel der Einzige war, an den er sich erinnerte. Ich freute mich, trotz dieses Geständnisses seinerseits, riesig und wollte das Buch nicht allzu lange im SuB schmoren lassen. So nahm ich es vor wenigen Tagen endlich zur Hand.

Schneewittchen muss sterben

Tobias Satorius wird nach 10 Jahren Haft aus der JVA entlassen. Er wurde für den Mord an zwei Mädchen, deren Leichen nie gefunden wurden, zur Höchststrafe verurteilt. Doch nach wie vor weiß er nicht, ob er die Morde überhaupt begangen hat. Zum Tatzeitpunkt war er hochgradig betrunken, in seinem Gedächtnis klafft ein großes schwarzes Loch.

Ursprünglich hatte er auch gar nicht vor, nach seiner Haftentlassung dauerhaft nach Altenhain, das kleine hessische Dorf, in dem er aufgewachsen ist, zurück zu kehren. Doch als er den verwahrlosten Hof seines Vaters, dem ehemaligen Gastwirt des Dorfes, sieht, kann er den gebrochenen Mann, der trotz der schweren Vorwürfe gegen ihn und der auf Indizien beruhenden Verurteilung immer zu ihm gestanden hat, nicht alleine lassen.

Schnell begreift er, dass das Dorf, in dem er bis zu dem verhängnisvollen Tag eine wunderschöne Kindheit und Jugend verbracht hat, nicht nur für ihn zu einem Hexenkessel geworden ist. Die unversöhnlichen Dorfbewohner haben die Eltern nach seiner Verhaftung aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßen. Seine Mutter hat die Anfeindungen irgendwann nicht mehr ausgehalten und ist weg gezogen. Die Scheidung war schon vor 4 Jahren. Der Vater ist zu tief mit seiner Heimat verwurzelt, jetzt aber nur noch ein Schatten seiner selbst.

Die knapp 18-jährige Amelie Fröhlich wohnt erst seit einem halben Jahr in Altenhain. Sie wurde von ihrer Mutter mehr oder weniger zum Vater und dessen „neuer“ Familie abgeschoben, da sie in Berlin nur Ärger machte und zum Schluss auch noch wegen Diebstahl und Drogen im Visier der Polizei stand. Amelie hatte bisher nur wenige Kontakte zu den Dorfbewohnern und gilt als Außenseiterin.

Einzig den autistischen Thies sieht sie als Freund an. Dieser ist zwar schon 30 Jahre alt und wohnt noch immer bei seinen Eltern, der wohlhabendsten Familie des Ortes mit dem Familienoberhaupt Claudius Terlinden, aber sein Verhalten ihr gegenüber war bisher immer tadellos und mit seiner Andersartigkeit kommt Amelie wesentlich besser klar, als mit dem Klatsch und Tratsch, um eigentlich Nichtiges, der übrigen Dorfgemeinschaft. Sie findet das Dorf einfach nur ätzend und spart das Geld, welches sie als Kellnerin im Gasthof bei den Jagielskis verdient, um nach ihrem 18. Geburtstag wieder nach Berlin zurück zu können.

Doch ab dem Tag, als Tobias aus der Haft entlassen wird und nach Hause zurückkehrt, wird es auch für das Mädchen interessant. Aus Neugier befasst sie sich mit dem vor 11 Jahren stattgefundenen Doppelmord und lernt irgendwann auch Tobias kennen. Dieser ist ihr außerordentlich sympathisch und nach allem, was sie über die Geschehnisse von damals herausgefunden hat, glaubt sie nicht an seine Schuld.

Kurz nach der Haftentlassung von Tobias ermittelt die Polizei wieder in Altenhain. Pia Kirchhoff und ihr Vorgesetzter Oliver von Bodenstein führte ein Anschlag auf Rita Cramer (Tobias Mutter, die ihren Mädchennamen wieder angenommen hat) und der Fund eines Skeletts im Tank  auf einem benachbarten stillgelegten Flughafengelände dorthin. Schnell erkennt Pia Kirchhoff Zusammenhänge mit dem damaligen Fall, durchforstet die alten Akten und stößt auf Widersprüche.

Aber die Dorfgemeinschaft hüllt sich in Schweigen. Der einzig Unerwünschte ist Tobias Satorius und dem wird das Leben zur Hölle gemacht. Einzig Amelie ist mit ihrer Aussage hilfreich. Doch kurz nach dem sie brisante Bilder in die Hand bekommen hat, verschwindet sie spurlos. Wie damals Laura und Stefanie...

Eine Deutsche schreibt sich in die Bestsellerlisten

Obwohl ich viel lese und mich regelmäßig über neue Bücher oder auch neue Autoren informiere, hatte ich von Nele Neuhaus vor „Schneewittchen muss sterben“ noch nichts gehört. Dabei ist dieses Buch schon der vierte Teil ihrer Reihe um das Ermittlerteam Kirchhoff/Bodenstein.

Die deutsche Kriminalautorin Cornelia „Nele“ Neuhaus wurde 1967 geboren und wuchs zusammen mit 3 Geschwistern im Taunus auf. Sie schreibt schon seit frühester Kindheit. Allerdings macht sie das nach wie vor nur nebenberuflich. Hauptberuflich ist sie ihrem Mann Stütze im familieneigenen Betrieb. Wer mehr über die sympathische Autorin oder ihre Bücher erfahren möchte, kann sich auf ihrer Internetpräsentation neleneuhaus.de umfassend informieren.

Eigenständiges Buch, im Rahmen einer Serie

Trotz der Tatsache, dass „Schneewittchen muss Sterben“ Teil einer Serie der Autorin ist, konnte ich es wie einen eigenständigen Roman lesen. Ein Vorwissen habe ich nicht vermisst. Ich gebe aber zu, dass ich bevor ich das Buch zur Hand nahm, in einem Buchforum, in dem ich oft unterwegs bin, andere User, die schon mehrere Teile der Reihe gelesen haben, dazu befragt habe. Immerhin wollte ich mich ja nicht selbst um den Lese-Spaß bringen.

Der kurze Prolog brachte mich dann ein wenig aus der Fassung. Hatte ich in den Rezensionen nicht gelesen, dass es sich hier nicht um einen perversen Serienmörder handelt und dann sucht irgend so ein Spinner schon seit Jahren eine offensichtlich Tote auf? Sofort schoss mir alles in der Krimi- und Thriller-Welt schon mal dagewesene durch den Kopf und ich dachte, ich wüsste so ungefähr, was jetzt kommt.


Aber es kam alles ganz anders

In einem flüssigen, gut lesbaren und fesselnden Stil präsentiert mir die Autorin ihre Geschichte um den total verunsicherten Eventuell-Mörder, die eingeschworene Dorfgemeinschaft und das Ermittler-Team. Sie führt ihre Charaktere situationsbezogen ein und liefert die Informationen zu ihnen häppchenweise ohne langwierige Erläuterungen. Gleichzeitig werden auch immer kurze aber prägnante Beschreibungen der Umgebung mit eingeflochten, so dass ich keine lange Einlese-Phase benötigte, um Kopf-Kino pur zu bekommen.

Die Protagonisten stehen eindeutig im Vordergrund. So sind meine Sympathien in kürzester Zeit bei Tobias Satorius und seinem Vater, die schnell die Verachtung der gesamten Dorfbevölkerung durch widerliche Attacken zu spüren bekommen. Den wenigen alteingesessenen Einwohnern des Dorfes, die bereit sind, mit Tobias zu sprechen und ihm gar zu helfen, haftet ein Hauch von Falschheit an, der in mir immer mal die Vermutung aufkeimen lässt, dass sie mit den Geschehnissen vor 11 Jahren zu tun hatten und Tobias eventuell für sie als Sündenbock fungierte.

Manche mögen das Verhalten der Dorfbewohner als Klischee abtun, alle gegen einen etc. Aber als ich über die Ereignisse las, die allgemeine Verachtung, die Tobias und seinem Vater entgegenschlug, fühlte ich mich fast wie zu Hause. Es ist einfach so, dass in einem Dorf jeder mehr auf die Nachbarn und ihr Tun achtet als in der Stadt und je kleiner das Dorf ist, umso mehr steht man im Fokus. Und wenn man als Dorfbewohner etwas tut, was nicht hundertprozentig den Normen der Anderen entspricht, gibt es Gerede. Und dieses Gerede schließt dann nicht nur den ein, der den Verstoß verzapft hat, sondern auch dessen gesamte Familie. Und wenn der Verstoß richtig schlimm ist, schlägt einem pure Verachtung und Feindseligkeit entgegen.

Wenn ich dran denke, was vor etwas mehr als 22 Jahren in dem Dorf, in dem ich aufwuchs, los war, als ich nach der Lehre erst mal wieder bei meinen Eltern einzog und als Alleinstehende ein Kind zur Welt brachte. Und das war nur ein „minderschweres“ Vergehen in einem größeren Dorf, am Rande einer Kleinstadt. Obwohl mir dann der berufsbedingte Weggang erst überhaupt nicht leicht gefallen ist, das Gerede ließ ja irgendwann nach, würde ich, nachdem ich mich in der Stadt eingerichtet habe, nie wieder aufs Dorf ziehen. Das ist aber nur meine ganz persönliche Einstellung zu meinem Leben. Wenn ich z. B. Freunde in ihren Häusern auf dem Lande besuche, kann ich auch ganz gut mal für ein paar Tage das Landleben genießen und komme auch auf Partys usw. prächtig mit den Nachbarn dieser Freunde klar, aber dauerhaft wöllte ich das einfach nicht mehr.

Amelie und Thies sind ebenfalls Außenseiter in der ländlichen Gemeinde. Amelie ist eine Zugezogene, die auch noch durch ihre Unangepasstheit provoziert und Thies gilt als Dorfdepp. Wäre er nicht gerade der Sohn des materiell reichsten und damit auch einflussreichsten Einwohners, dann schläge ihm sicher mehr Verachtung als Gleichgültigkeit entgegen.

Aber auch die Ermittler lerne ich näher kennen und darf sogar ein Stückchen in ihre Privatleben schauen. Sie sind Menschen wie Du und ich, mit realen Freuden und Problemen und reagieren auf diese nicht wie Superhelden, sondern einfach nur menschlich.

Der Aufbau und das Halten des Spannungsbogens gelingt der Autorin von Anfang bis Ende bravourös. Sie nutzt dazu Wechsel zwischen verschiedenen Handlungsschauplätzen und meistert diese stets zum rechten Zeitpunkt. An keinem Punkt dieses Krimis hatte ich das Gefühl, mich irgendwo durch quälen zu müssen. Die Auflösung des ganzen Falles überraschte und entsetzte mich gleichermaßen.

Für mich ist „Schneewittchen muss sterben“ eine wirklich gelungene Unterhaltungslektüre. Nele Neuhaus hat mich mit ihrem fesselnden Schreibstil richtig in den Bann gezogen. Leseunterbrechungen waren nie freiwillig sondern pflichtbedingt. Ich spreche dem Buch eine hundertprozentige Empfehlung aus und will demnächst unbedingt mehr von ihr lesen. Dazu habe ich mir auch gestern bei Weltbild den derzeit dort erhältlichen Doppelband der beiden ersten Teile der Serie (Eine unbeliebte Frau / Mordsfreunde) bestellt.

527 Seiten Krimivergnügen
Als Taschenbuch für 9,95 € überall im deutschen Buchhandel erhältlich.


antjemue hat insgesamt 45 Rezensionen angelegt.


Bodenständiger Krimi

14.04.2011 Bewertung:  4 CabotCove vergibt 8 von 10 Punkten

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Auf einem stillgelegten Flugplatz der US-Armee in Eschborn wird ein menschliches Skelett gefunden. Die Ermittlungen führen die Kommissarin Pia Kirchhoff und ihren Chef Oliver von Bodenstein in die Vergangenheit, in der zwei junge Mädchen verschwanden. Vermeintlich Schuldiger: Tobias Sartorius, der nach zehn Jahren Gefängnis in seinen Heimatort zurückkehrt, wo kurz daraufhin eine wahre Hexenjagd auf ihn eröffnet wird.

Als erneut ein junges Mädchen verschwindet, gerät er wieder umgehend unter Verdacht.

Was hat der autistische Thies mit der Sache zu tun ? Kann Tobias vermeintlichen Freunden wirklich trauen ? Ist er damals wirklich der Mörder gewesen ? Dieses Mal ?

 

Ich habe mir den Krimi von Nele Neuhaus aufgrund des Titels und des spannend klingenden Klappentextes gekauft und wurde auch nicht wirklich enttäuscht. Obwohl es schon Teil 4 der Reihe um die Kommissare Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ist, findet man leicht in die Geschichte hinein. Gerade die Detailtreue der Autorin und die Hintergründe zu den einzelnen Personen fand ich interessant. Ich muss aber auch sagen, dass doch recht schnell recht viele Personen auftauchen und man schon ein wenig aufpassen und aufmerksam lesen muss, um nicht durcheinander zu kommen.

Ansonsten solide Krimikost, die sich z. Bsp. hinter der von Andreas Franz, den ich sehr mag, nicht verstecken muss, aber an einen Sebastian Fitzek, den für mich besten deutschen Krimiautor, nicht heranlangt.


CabotCove hat insgesamt 39 Rezensionen angelegt.


Trügerische Dorfgemeinschaft

21.04.2011 Bewertung:  4 coffee2go vergibt 8 von 10 Punkten

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Kurze Inhaltszusammenfassung:

Tobias wird nach zehn Jahren Haft, aufgrund eines Indizienprozesses, aus dem Gefängnis entlassen. Er kehrt in seinen Heimatort zurück und gleich darauf verschwindet wieder ein junges Mädchen im Ort und eine Hetzjagd gegen Tobias beginnt. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein führen die Ermittlungen, entdecken Ähnlichkeiten zu den Fällen aus der Vergangenheit, kämpfen sich durch alte Akten und durch ein Netz aus Lügen und Intrigen, in die nahezu das gesamte Dorf verwickelt zu sein scheint.

 

Meine Meinung zum Buch:

Nele Neuhaus hat einen Schreibstil, der sehr angenehm zu lesen ist und die Spannung bis zum Schluss aufrecht hält. Die Schilderung über den kleinen Ort Altenhain sowie die Beschreibung der einzelnen Personen, die dort leben, fand ich sehr realitätsnah und authentisch. Die vielen unterschiedlichen Personen und die Verwicklungen untereinander machen das Buch teilweise etwas komplex, zudem auch noch mehrere Handlungsstränge gleichzeitig geschildert werden. Gut gefallen hat mir, dass auch die beiden Ermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein sehr detailliert beschrieben wurden und viel Platz für ihren Alltag und ihre persönlichen und familiären Probleme gelassen wurde. Dies hat den Krimi sehr aufgewertet und die involvierten Personen sehr authentisch und sympathisch gemacht. Eine einzige Schwäche für einen Sterneabzug ist mir am Ende des Krimis aufgefallen: Hier haben sich die Ereignisse nur noch überschlagen und waren teilweise nicht mehr glaubwürdig.

 

Titel und Cover:

Der Titel „Schneewittchen muss sterben“ passt sehr gut und wird auch im Buch geklärt. Das Cover finde ich optisch ansprechend gestaltet, es vermittelt den Eindruck der düsteren Novemberstimmung, die im Dorf herrscht.

 

Mein Fazit:

Ein sehr spannender Kriminalroman über die trügerische Idylle im kleinen Dorf Altenhain bei Taunus mit einem sympathischen Ermittlerduo. Ich freue mich schon auf den Nachfolgeroman von Nele Neuhaus „Wer Wind sät“, der wieder in der gleichen Gegend spielt.


coffee2go hat insgesamt 62 Rezensionen angelegt.


Ein Mensch, zum Mörder gemacht

01.06.2011 Bewertung:  4.5 lenchen vergibt 9 von 10 Punkten

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Was ist der Reiz der Kriminalromane? Sie Suche nach der Lösung des Rätsels. Die Feststellung, wer der Mörder ist. Ein guter Kriminalroman wird außerdem durch die realistische Darstellung der Tatmotive interessant. Ein sehr guter Kriminalroman zeigt auf eine realistische Weise, wie ein Mensch zum Verbrecher wird. Denn keiner wird als Verbrecher geboren, genauso wenig wie man als Held geboren wird. Manchmal wird in einem Kriminalroman erzählt, wie ein Mensch zum Verbrecher gemacht wird. Vorsätzlich und zielstrebig.
Zu diesem Thema gibt es viele erfundene oder halberfundene Geschichten. Manipulation der Persönlichkeit, Anwendung von psychotropen Präparaten, Hypnose, Einpflanzung von Computerchips ins Gehirn…
Doch nichts davon findet man im Roman von Nele Neuhaus. Darin gibt es keine einzige Situation, die die Realität nur um einen winzigen Schritt überschreitet. Die Haupthandlung des Romans ist der Alltag in seinen typischen Situationen. Und doch ist die erzählte Geschichte unglaublich. Die Erzählung davon, wie ein Mensch durch seine Umgebung zu Mörder gemacht wurde. Gemacht – und zwar bewusst. Ausweglos. Obwohl dieser Mensch von sich aus kein Bestreben danach hatte, die Gesetze zu brechen – geschweige denn, jemandem etwas Böses zu tun.

Mit psychologischer Tiefe, in kleinsten Details wird das Leben eines kleinen Dorfes in Hessen gezeigt. Jeder Charakter, jeder Dorfbewohner ist mit Leben gefüllt, deren Freuden und Trauer, Bestrebungen und Ängste, Tugenden und Sünden werden gezeigt.
Die mühevolle psychologische Ausarbeitung sowie die detailreiche Erzählung machen den Roman auf den ersten hundert Seiten etwas langsam. Zwischen den vielen Charakteren vergisst man schon mal die Zusammenhänge.
Aber je weiter die Geschichte fortschreitet, desto spannender wird sie. Hinter jeder Episode sickert die Atmosphäre eines schrecklichen Geheimnisses durch. Warum hat ein Dorf den Mord zweien jungen Frauen gebraucht? Warum wurden diese Frauen, ohne das selbst zu wissen, für dieses schlimme Ende bestimmt?
Und wenn die Morde geplant wurden, muss es auch einen Mörder geben. Und ein junger Dorfbewohner wird zum Mörder gemacht – weil ja schließlich jemand für das, was passiert ist, haften muss.
Elf Jahre alte Geschehnisse, als die Morde passiert sind, werden abwechselnd mit der Erzählung in der Gegenwart dargestellt – als der Täter nach der Haftstrafe entlassen wird und in sein Heimatdorf zurückkehrt. Die Geschichte wiederholt sich in paranoider Reihenfolge: es wir wieder ein Opfer ausgesucht, eine junge Frau, die einer damals Ermordeten erstaunlich ähnlich sieht. Und zum Mörder wird wieder jemand, von dem man nichts anderes erwartet, als ein weiteres Verbrechen.
Was steht hinter diesem Teufelskreis sich wiederholenden Horrors?
Wurden die Morde wirklich durch denjenigen begangen, dem diese Rolle zugeschrieben wurde? Oder ist der wahre Mörder ein anderer. Die Kommissare Pia Kirchhof und Oliver von Bodenstein haben noch nie einen solch komplizierten Knoten von Intrigen und Lügen zu lösen gehabt. Nebenbei behindern ihre privaten Erlebnisse die Ermittlungen: Oliver bekommt einen Hinweis nach dem anderen, dass seine Frau ihn betrügen würde, und Pia erfährt mit Schrecken, dass ihr gekauftes Haus illegal gebaut wurde und sie jeden Tag das Dach über dem Kopf verlieren kann…
Werden die Kommissare die Hintergründe der Geschehnisse im Dorf erkennen, werden sie den Rätsel um die Morde lösen?..


lenchen hat insgesamt 58 Rezensionen angelegt.


Kein Volltreffer, aber auch kein Streifschuss

16.07.2012 Bewertung:  4 rumble-bee vergibt 8 von 10 Punkten

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Vielleicht war es ein wenig ungünstig, ausgerechnet mit diesem Band um Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein anzufangen, denn es ist schon der vierte von fünf bisher erschienenen Bänden. Doch er lief mir zufällig auf einem Trödelmarkt über den Weg, und mir war gerade nach etwas leichterer Unterhaltung. Erst skeptisch (bei angeblichen Bestsellern bin ich das immer), dann immer mehr gebannt, tauchte ich in dieses wirklich gut gemachte Buch ein, um es innerhalb von nur zwei Tagen zu verschlingen.

Um es gleich zu sagen: Weltliteratur ist dieser Krimi natürlich nicht; dafür fehlt es doch an ein paar Ecken. Aber gegen einen gut gemachten, leicht konsumierbaren Krimi ist ja bisweilen nichts einzuwenden.

Was mir gut gefiel, war vor allem die Einteilung und der ausgefuchste Spannungsbogen. Die Handlung spannt sich vom 6. November 2008 bis zum 25. November 2008, und jedem \"Tag\" ist ein Abschnitt, ein Kapitel, gewidmet. Das fand ich sehr logisch, nicht so gezwungen wie manchesmal Kapitel in Krimis sind. Schön gemacht auch die Tatsache, dass jeder \"Tag\" genau mit einer Szene beginnt, die früh morgens spielt, und dementsprechend mit einer Szene am späten Abend oder nachts endet. Das war wirklich nett. Auch den Spannungsbogen fand ich sehr ausgetüftelt. Der Leser war immer genau einen Schritt weiter als die Ermittler: eine Frage, ein Rätsel, das in einem Kapitel gestellt wurde, erfuhr seine Lösung (für den Leser!) prompt im nächsten. Auch war die Handlung auf angenehm vielfältige Stränge aufgeteilt, die sich flott abwechselten. Der Spannungslevel wurde so kontinuierlich hoch gehalten.

Über die Handlung an sich möchte ich nur am Rande ein paar Worte verlieren, weil, wie so oft, darin nicht der Hauptreiz des Buches liegt. Krimi ist eben Krimi. In diesem Band wird ein angeblicher doppelter Mädchenmörder nach 10 Jahren aus dem Gefängnis entlassen, und kehrt - ausgerechnet - in sein Heimatdorf Altenhain zurück. Die Schilderung der diversen Animositäten und Abhängigkeiten in diesem Dorf fand ich schon sehr treffend, und teils auch erheiternd, gemacht. Da blinzeln Nachbarn hinter Gardinen, schwatzen Hausfrauen im Tante-Emma-Laden, malen Unbekannte hässliche Parolen an Hauswände. Und keiner will niemals etwas gewusst haben. Man fühlte sich wirklich sehr gut in dieses Dorf versetzt. Diese Szenerie habe ich beinahe mehr genossen als den eigentlichen Fall.

Den Kommissaren Kirchhoff und Bodenstein kommen allerdings bald Zweifel an der Schuld des vermeintlichen Täters. Die Verdachtsmomente steigern sich immer mehr - zuerst wird die Mutter des jungen Mannes tätlich schwer angegriffen, und dann verschwindet ein drittes Mädchen - doch kann es diesmal wieder Tobias gewesen sein? Es will alles nicht so recht zusammenpassen. Die Spannungsspirale schraubt sich stetig nach oben. Doch die Autorin begeht dann leider einen Fehler in meinen Augen - sie erliegt der Versuchung, auf den letzten 50 Seiten noch einmal ein paar Verwicklungen mehr hinzuzufügen, die nicht immer logisch sind. Hätte sie sich rein auf die Handlungsfäden beschränkt, die vorher auch schon da waren, hätte ich den Schluss als \"runder\" empfunden. So aber war es ein wenig \"unwirklich\".

Zu den Kommissaren selbst - in beinahe skandinavischer Manier stattete die Autorin ihre beiden Ermittler mit allerlei privaten Problemchen aus, die jedoch nicht zu drastisch waren. Pia Kirchhoffs Bauernhof ist vom Abriss bedroht, und Oliver von Bodenstein hat schwere Eheprobleme. Allerdings fand ich, dass Pia in diesem Buch zu kurz kam. Ich kann mich nur an drei Szenen erinnern, in denen es um ihren Hof und das Bauamt ging. Oliver von Bodenstein hingegen und seiner untreuen Ehefrau werden mindestens sechs bis sieben Szenen gewidmet - ich habe nicht nachgezählt. Jedenfalls bestand da für mich ein deutliches Ungleichgewicht. Auch hatte ich das Gefühl, man müsse die Vorgänger-Bände besser schon gelesen haben, um den Figuren wirklich nahe zu kommen. Sie waren zwar nicht unglaubwürdig, aber doch ein wenig \"theoretisch\".

Mein letzter \"Kritikpunkt\", wenn man denn so will, betrifft die Sprache. Sie ist nicht schlecht, nein, für einen Krimi gut lesbar, nicht zu brutal, und auch nicht zu niveaulos. Aber ich fand die Ausdrucksweise der einzelnen Figuren zu wenig ausdifferenziert. Vom Tonfall her konnte ich die Personen kaum unterscheiden, und genau das hätte für mich den Unterschied ausgemacht zu einem Krimi, der wirkliche Weltklasse hat. Denn einen Lesesog hat das Buch für mich durchaus entwickelt.

Insgesamt macht das Buch neugierig auf mehr von dieser Autorin, wenngleich man auch den Eindruck hat, dass Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ein klein wenig stromlinienförmig geraten sind.


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


Ja genau - Taunus-Krimi!

20.10.2012 Bewertung:  5 mr.matze vergibt 10 von 10 Punkten

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== Schneewittchen muss sterben: Der vierte Fall für Bodenstein und Kirchhoff ==

 

Wow, ein „Taunus-Krimi“ – klingt ja ähnlich spannend wie einen Nagel in Styropor klopfen. Langweilig, trivial und nutzlos eben. Und der Name Nele Neuhaus klingt auch eher nach einer 6-Jährigen, die sich einen Pappkarton als neues Spielzimmer einrichtet.

 

Ok, ich gebe zu, ich hatte einen schlechten Tag, als meine Frau mit frischer Trivialliteratur für den Urlaub aus der Bücherei kam. Norwegische Krimiautoren lasse ich mir gefallen. Amerikanisch-britische Agententhriller ja auch. Aber deutsche Autorinnen, die auch noch Krimis in den Ort setzen, wo sie eventuell selber die Grundschule besucht haben und ihr zerrüttetes Verhältnis zur Sportlehrerin aufarbeiten wollen? Ich weiß nicht …

 

== Schneewittchen muss sterben: Der vierte Fall für Bodenstein und Kirchhoff ==

 

Einverstanden: ich habe mich schon mehrfach in meinem Leben getäuscht. So war ein Fluss doch breiter, als ich vor dem versuchten Sprung darüber gedacht hätte.

 

Einverstanden: auch Frauen können Krimis schreiben. Also zum Beispiel … Gott, es gibt ja soviele … nehmen wir: Agatha Christie! Und Astrid Lindgren!

 

Einverstanden: meine Vorurteile haben mich nicht davon abgehalten, die 537 Seiten auch deswegen in Angriff zu nehmen, weil es das letzte Buch im Urlaub war, das noch ungelesen herumlag …

 

== Schneewittchen muss sterben: Der vierte Fall für Bodenstein und Kirchhoff  ==

 

Tobias Sartorius kommt nach zehn Jahren Jugendknast frei. Abgesessen hat er diese Strafe, weil er des Mordes an zwei Mädchen aus seinem Heimatdorf im Taunus für schuldig befunden wurde. Einzig allein Indizien, die teilweise zu erdrückend waren, waren ausschlaggebend für die einschneidende Veränderung in seinem Leben. Ein Geständnis indes gab es nicht. Denn Tobias kann sich nicht mehr daran erinnern, was am Ende dieses schrecklichen Abends geschehen war. Seine Jugendfreundin Nathalie Unger hält indes zu ihm und begleitet ihn bei seinen ersten Schritten zurück ins Leben und zurück in sein Heimatdorf Wetterau, wo beides gleichzeitig passieren konnte: dass nämlich alles beim Alten geblieben ist und trotzdem alles anders. Das Dorf mit seinen Bewohnern schien immer noch dasselbe Misstrauen gegen alles und jeden zu haben – und nun auch gegen ihn und der Wiedereinstieg in den Alltag wird für ihn zur Hölle, da er von allen Seiten angefeindet wird. Sein Vater hat den einstmals florierenden Gasthof aufgeben müssen und seine Frau hat sich ebenfalls von ihm getrennt.

 

Die Kommissare Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein kommen aber zunächst nur nach Wetterau, als eines der Mädchen, die Tobias Sartorius umgebracht haben soll, zufällig bei Bauarbeiten in einem leeren Tank gefunden wird. Ermitteln allerdings werden sie zunächst in dieser Sache nicht weiter, schließlich wurde das Verbrechen seinerzeit durch die Verurteilung von Tobias Sartorius als aufgeklärt zu den Akten gelegt. Erst als Pia Kirchhoff auffällt, dass es Ungereimtheiten in der Beweiskette gegeben hat, beginnt man den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Damit begibt man sich tief in die Seele des Dorfes und seiner Bewohner, die ein ums andere Mal eine Wand des Schweigens bilden.

 

Als erneut ein Mädchen verschwindet, Tobias Mutter von einer Brücke gestoßen wird und jeder jeden zu decken scheint, beginnt auch Tobias mehr und mehr an seiner eigenen Schuld zu zweifeln..

 

Derweil ist Kommissar Bodenstein auch privat mehr als belastet, da er seiner Frau nicht mehr zu trauen können scheint, denn trotz angeblichen Terminen außerhalb trifft er sie plötzlich ganz woanders in männlicher Begleitung …

 

 

== Schneewittchen muss sterben: Der vierte Fall für Bodenstein und Kirchhoff ==

 

Der Taunuskrimi ist wirklich sensationell gelungen. Von daher ist es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis jemand das Buch umschreibt und fernsehtauglich in Szene setzt. Und genau das hat das ZDF jetzt wohl auch so gesehen und wird zwei der Romane verfilmen.

 

Die Story ist – platt gesagt – eine gute Vorlage für einen Tatort. Die Hexenjagd auf einen jungen Mann, der als verurteilter Mörder im Gefängnis saß und nun in einer dörflichen Gegend wieder Fuß zu fassen versucht, klingt weniger spannend, als es Nele Neuhaus umzusetzen verstanden hat. Am Anfang der Geschichte sind es sehr, sehr viele Namen und Beziehungen, die auf den Leser einprasseln, aber wie von selbst gelingt es dem Leser, zunächst zwischen gut und böse und dann zwischen bedeutsam und unbedeutsam zu sortieren, sich Seite für Seite voranzulesen und schließlich in die Abgründe des Dorfes im Taunus hinab zu tauchen.  Die letzten 270 Seiten des Buches habe ich in einer Nacht- und Nebelaktion in einem Zug durchgelesen. Das lag nicht daran, dass ich es sonst nicht hätte aushalten können, sondern schlicht daran, dass ich die Zeit vergessen habe …

 

Es sind gar viele Spannungsbögen, die Nele Neuhaus strickt. So ist die Geschichte um Tobias und seine Jugendfreundin zunächst stets ein Hort der Ruhe und der Entspannung in dem sonst so unerfreulichen Wiedereinstieg ins normale Leben, während die Geschichten rund um die Kommissare Bodenstein und Kirchhoff immer nur die Rampe für das nächste Kapitel im kleinen Schauerdorf sind.

 

Nele Neuhaus‘ Sprache ist einfach, aber nicht simpel gestrickt. Der ausschmückende, aber stets farbenfrohe und nie langweilige Charakter der Wortwahl macht das Buch nicht preisverdächtig, lässt sich aber wunderbar leicht lesen und an der einen oder anderen Stelle doch stets innehalten.

 

Der Verlauf der Geschichte scheint von Höhepunkt zu Höhepunkt zu springen, in dem Nele Neuhaus den Leser an der Hand nimmt und gegen jeden Widerstand in die verletzten und verstörten Seelen der Charaktere hineinführt.

 

Auch der nächste Taunus-Krimi wartet schon auf meinem Nachttisch – definitiv: Neuhaus rockt das Krimihaus! 


mr.matze hat insgesamt 37 Rezensionen angelegt.


 
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