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Ohne Blut
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Titel:      Ohne Blut
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      1291
Autor:      Alessandro Baricco
ISBN-10(13):      3446203478
Verlag:      Carl Hanser Verlag GmbH "&" CO. KG
Publikationsdatum:      2003-08-25
Edition:      3
Number of pages:      104
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

3.5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
Auf einem einsamen Bauernhof üben drei Männer grausame Rache. Sie töteneinen Mann, wie nebenbei erwischt es auch den kleinen Sohn, nur die Tochterüberlebt in einem Versteck. Zwar wird sie dort vom jüngsten Killer entdeckt,doch der verrät sie nicht. Jahrzehnte später treffen sich die Frau undder ehemalige Killer wieder und setzen die Vergangenheit zusammen eineGeschichte aus Tod, Rache, Vergeltung und ungelebtem Leben. So lange, bissich beide fragen Was bleibt noch zu tun?
Aus der Amazon.de-Redaktion
Anders als der Titel vermuten lässt, geht es in Ohne Blut ohne Blut nicht ab. Im Gegenteil: davon fließt reichlich. Der neue Roman von Alessandro Baricco handelt von Rache und Vergeltung. Von der grausamen Rache, die vier Männer nach irgendeinem Krieg an dem Mann üben, der während dieses Krieges sich selbst mit dem Blut der Feindesfrauen und -kinder besudelt hatte. Auch der Sohn des Gerichteten wird bei der Strafaktion auf einem entlegenen Bauernhof getötet. Nur die kleine Tochter überlebt in einem Erdloch, das der Vater ihr als Versteck angewiesen hatte, als er seine Henker kommen sah. Zwar wird sie von einem der Blutrichter entdeckt, doch der schweigt und schenkt ihr damit das Leben.

Ein Leben freilich, das für die Gerettete vor allem eines ist: qualvolle Buße für etwas, das sie selbst nicht zu verantworten hat. Und ein Leben, dem abermals die Rache zu seinem bestimmenden Inhalt wird. Fast schon am Ende dieses Lebens -- und nachdem alle anderen an der Hinrichtung Beteiligten schon selbst Opfer ihrer Tat geworden sind -- taucht das Mädchen vor der kleinen Losbude auf, in der ihr damaliger Retter seinen Lebensunterhalt verdient.

Ohne Blut ist der fünfte Roman aus der Feder Alessandro Bariccos und ein kleines Meisterwerk. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich schon bald der eine oder andere Drehbuchautor über dieses Buch beugen wird, um es mit großer Lust zu durchpflügen. Ein noch größeres Vergnügen nämlich als die bloße Lektüre dürfte es machen, die Fäden der Geschichte versuchsweise einmal hier und dort aufzunehmen, um sie mal aus dieser, mal aus jener Perspektive, mal mit diesem Anfang und jenem Ende, mal chronologisch dem Roman folgend, mal die Mitte an den Anfang oder ans Ende setzend zu erzählen. Baricco schreibt, so hat es den Anschein, nicht weniger als für den Leser für das Kino. Das war bereits bei Seide so und bei Novecento war es nicht anders. Ohne Blut aber ist in dieser Hinsicht vollkommen. --Andreas Vierecke

   


Rezensionen


25.04.2010 Bewertung:  3.5 Naraya vergibt 7 von 10 Punkten

UserpicSeine Fans haben den Turiner Schriftsteller Alessandro Baricco durch einzigartige, märchenhafte Geschichten kennengelernt, die so wunderbar zum Träumen einladen – Geschichten über die Liebe wie sein Erstlingswerk „Seide“ oder über verkrachte Außenseiterexistenzen wie in „Oceano Mare“ und „Novecento“. Doch mit seiner jüngsten Erzählung „Ohne Blut“ zeigt er sich zum ersten Mal von einer neuen, ganz ungewohnten Seite. Rache, Krieg, Schuld und Gerechtigkeit sind die Themen des Buches.Eines Abends erscheinen wie aus dem Nichts drei Männer auf Manuel Rocas Farm. Auf grausame Art und Weise nehmen sie Rache; töten Roca und seinen Sohn. Die kleine elfjährige Tochter wird zwar vom jüngsten der drei Täter entdeckt, dieser verschont jedoch ihr Leben. 52 Jahre später ist das Mädchen, das damals Nina hieß und nun viele Namen hat, zu einer reifen Frau geworden. Nach all den Jahren sucht sie jetzt den Mann auf, der an jenem Abend ihr Leben rettete. In einem Restaurant sprechen beide über die Vergangenheit. Er in der Gewissheit, dass er nach dem Gespräch sterben wird, denn Nina hat auch die anderen Täter zuvor beseitigt.„Ohne Blut“ ist in zwei große Kapitel geteilt. Das erste beschäftigt sich mit der Vergangenheit. Baricco schildert hier auf lakonische Art und Weise den Mord an Manuel Roca und seinem Sohn. In kurzen, gehetzten Sätzen erfahren wir, dass es bei diesem Mord um mehr geht, als um Geld oder reines Blutvergießen. Ninas Vater arbeitete im Krieg als Arzt in einem militärischen Krankenhaus. Dort folterte er auf Befehl verwundete Kriegsgefangene, Frauen und Kinder. Unter all den Opfern Rocas befand sich auch der Bruder des Anführers Salinas. Und dieser will nun Rache.„Salinas setzte den Lauf der Pistole auf eins von Rocas Knien. Dann drückte er ab. Das Knie zerplatzte wie eine faulige Frucht. Roca fiel hintenüber und krümmte sich auf dem Boden, brüllend vor Schmerz.“Tito, der jüngste der drei Männer, ist zur Tatzeit gerade einmal zwanzig Jahre alt. Er ist es auch, der Rocas Tochter in ihrem Versteck entdeckt und dann aber so fasziniert von ihr ist, dass er sie verschont. Die drei Täter entkommen, und Nina bleibt allein auf der Farm zurück.Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Gegenwart. Während Nina zu einer erfolgreichen, schönen Frau geworden ist, ist ihr Retter Tito nur ein armer, alternder Losverkäufer. Bei ihrer ersten Begegnung wissen beide sofort, wen sie jeweils vor sich haben. Im Gespräch gesteht Tito Nina, von der er immer nur in der dritten Person spricht, wenn es um deren Vergangenheit geht:„Ich begriff, daß nichts sie aufhalten konnte und daß sie eines Tages auch zu mir kommen würde. Ich habe nie daran geglaubt, daß sie mich hinterrücks erschießen oder irgendwen zu mir schicken würde, der mich nicht einmal kannte. Ich wußte, sie würde kommen, sie würde mir ins Gesicht sehen, und sie würde vorher mit mir sprechen. Denn ich war derjenige, der an jenem Abend die Falltür aufgemacht hatte und wieder zu. Das hätte sie nicht vergessen.“Der zweite Teil des Buches ist parallel zum ersten gestaltet. Geschickt verbindet Baricco mit einer ähnlichen Schlußszene beide Kapitel. Die Sprache spiegelt hierbei den Inhalt wieder. Während die Sätze im ersten Teil noch kurz und staccatohaft die Handlung vorantreiben, werden sie im zweiten immer länger und ruhiger – genau wie die beiden Protagonisten, die beginnen ihr Schicksal anzunehmen. An manchen Stellen hat das Buch sogar den Mut zu schweigen, viele Fragen werden nicht gestellt, einige bleiben unbeantwortet. Und wenn Tito auf einmal beginnt, den Mord an Manuel Roca zu rechtfertigen, wissen wir nicht mehr, auf welcher Seite wir stehen. Wir haben Mitleid mit dem 72-jährigen Mann, der am Ende seines Lebens noch einmal von der Vergangenheit eingeholt wird. Und wir bewundern diese starke Frau, die so vieles auf sich genommen hat, um ihren Vater zu rächen. Mit „Ohne Blut“ hat Alessandro Baricco nun gezeigt, dass er auch andere Geschichten erzählen kann und das sogar durchaus gelungen. Seine Figuren sind glaubhaft, und seine Sprache hat Kraft. Ständig wechselnde Perspektiven, Schnitttechnik und literarische Großaufnahmen der Personen geben dem Buch einen filmischen Charakter. Dennoch trifft eine der Hauptpersonen es ganz gut, wenn sie bedauert: „Dem Leben fehlt immer etwas zur Vollkommenheit“. Auch „Ohne Blut“ fehlt das gewisse Etwas. Vielleicht liegt es ja an dem unerwarteten Ende, das doch wieder so typisch Baricco ist. Wer also kein Fan des Autors ist, der wird nach der Lektüre des Buches enttäuscht sein. Denn die Geschichte, die Baricco hier erzählen wollte, weiß durchaus zu faszinieren, bis sie sich im Laufe der Handlung ins Unwahrscheinliche verliert. Schade eigentlich.

Naraya hat insgesamt 12 Rezensionen angelegt.


 
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