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Biografie: Als der Tag begann
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Titel:      Als der Tag begann
Kategorien:      Biografie
BuchID:      1943
Autor:      Liz Murray
ISBN-10(13):      3453291085
Verlag:      Diana Verlag
Publikationsdatum:      2011-03-28
Edition:      Hardcover
Number of pages:      480
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Ausbruch aus der Hoffnungslosigkeit

31.03.2011 Bewertung:  3.5 coffee2go vergibt 7 von 10 Punkten

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Kurze Inhaltszusammenfassung:

Liz wächst zusammen mit ihrer älteren Schwester Lisa und ihren beiden drogenabhängigen Eltern in schwierigen familiären Verhältnissen, mit kaum finanziellen Möglichkeiten in desolaten Wohnverhältnissen und quasi auf sich alleine gestellt auf. Schon in ihrer Kindheit besteht ihr Alltag aus Schule schwänzen, in der Nacht herumstreunen und dem drogenbenebelten Leben ihrer Eltern aus. Als auch noch die HIV-Infektion ihrer Mutter und die Trennung der Eltern hinzukommen, ist Liz völlig auf sich alleine gestellt und der Weg, den sie als Jugendliche einschlagen wird, ist nahezu vorprogrammiert.

 

Meine Meinung zum Buch:

Die Biografie von Liz Murray über ihre dramatische Kindheit und ihr Erwachsenwerden finde ich sehr emotional und authentisch beschrieben. Erstaunlich finde ich auch, dass Liz sich an so viele Details und Situationen aus ihrer frühen Kindheit erinnern kann, denn zu Beginn des Buches war sie noch nicht einmal im Schulalter. Manche sich wiederholende Situationen sind für meinen Geschmack zu oft wiederholt worden – wahrscheinlich wollte die Autorin damit klar zum Ausdruck bringen, wie trostlos ihre Kindheit Tag für Tag abgelaufen ist – aber für mich war das Buch dadurch zeitweise etwas langatmig.

Sehr traurig fand ich, dass Liz sich selbst für so viele Dinge verantwortlich gesehen hat, für die ein Kind nichts kann, zB für die HIV-Infektion ihrer Mutter, weil sie ihr oft Geld organisiert hat für Drogen oder auch dafür, dass ihre Eltern sich getrennt haben. Schade ist auch, dass die beiden Schwestern Liz und Lisa, die nur einen geringen Altersunterschied haben und in einer sehr schwierigen familiären Situation aufwachsen, sich so wenig gegenseitig unterstützen, miteinander das Gespräch suchen usw. Man hat das Gefühl, dass in der Familie jedes einzelne Familienmitglied ein eigenes selbstständiges Leben geführt hat und die Überschneidungen im Alltag nur sehr begrenzt waren. Obwohl die Eltern ihre Kinder vernachlässigt haben, sie hungern lassen haben und das Geld für Drogen auszugeben, wurden sie von Liz auch von ihren liebenswürdigen Seiten beschrieben, sodass sie mein Mitgefühl geweckt haben und ich auch ihre Situation verstehen kann, wie sie in ihr drogenreiches Leben hineingeschlittert und dann immer tiefer gefallen sind.

Trotzdem ist es sehr erstaunlich, wie Liz es geschafft hat, sich selbst durchs Leben zu schlagen, sich selbst mit Kleidung und Essen zu versorgen und auch wieder einen Freundeskreis aufzubauen. Sie ist durch ihr Schicksal nicht zerbrochen, sondern hat es am Ende doch noch geschafft, aus dem Teufelskreis auszubrechen und ihr Leben selbst in die Hand genommen.

 

Titel und Cover:

Die beiden Fotos, auf denen einmal Liz selbst und einmal ihre Mutter als Jugendliche zu sehen sind, haben mir gut gefallen und die Personen sympathisch gemacht.

 

Fazit:

Das Buch finde ich auf alle Fälle lesenswert, da die Autorin sehr ehrlich über ihr Leben schreibt und auch Mut gibt, aus schwierigen Situationen einen Ausweg zu suchen.


coffee2go hat insgesamt 62 Rezensionen angelegt.


Als der Tag begann

02.08.2011 Bewertung:  3 Themistokeles vergibt 6 von 10 Punkten

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Inhalt: Liz Murray muss schon als kleines Kind lernen, was es heißt zu hungern, zu frieren, auf sich gestellt zu sein und einfach kein Geld zu besitzen, denn ihre Familie lebt am Existenzminimum. Ihre Eltern sind drogenabhängig und wenden den größten Teil ihres Geldes für Drogen auf, vergessen ihre Töchter jedoch nie ganz. Liz und ihre Schwester Lisa erleben ein ganz spezielle Art von Liebe, zu der ihre Elter noch fähig sind. Um ihren Eltern näher zu kommen, wird Liz schon früh erwachsen und unterstützt ihre Famile auf ihre Art und so weit sie in ihrem Alter dazu fähig ist. Nachdem ihre Mutter jedoch an Aids erkrankt und den Vater verlässt, um mit Lisa zu einem anderen Mann zu ziehen, wird das Leben für Liz nur noch komplizierter. Zwischen Obdachlosigkeit, Erziehungheimen, Schulschwänzen und falschen sowie richtigen Freunden, muss Liz versuchen ihren Platz im Leben zu finden. Vielleicht auch den Ausweg finden, um ein neues und besseres Leben zu finden.

 

Meinung: Das Buch war für mich mal etwas ganz anderes, denn bisher habe ich eigentlich kaum Geschichten gelesen, die auf realen Tatsachen beruhen. Was mich beeindruckt hat, ist die Intensität, mit der Liz Murray es schafft, ihre Kindheit zu beschreiben und wie detaiiliert es ihr gelingt, die Dinge für den Leser lebendig zu machen, so schrecklich diese oftmals auch sind. Ich könnte mir nämlich kein Leben in den Umständen vorstellen, in denen sie ihres gemeistert hat und muss ehrlich sagen, dass ich davon beeindruckt bin, dass sie das geschafft hat. Besonders wenn man bedenkt, wie früh sie erwachsen werden musste und wie viel ihrer Kindheit ihr doch geklaut wurde.

Das Buch hat gleichwohl etwas spannendes wie auch etwas bewegendes an sich. Man weiß zwar, dass alles gut ausgehen wird, aber dennoch ist es schlimm zu erfahren, woher die Probleme kamen und interessant zu erfahren, wie sie es doch immer irgendwie geschafft hat damit umzugehen und ihrem Leben letztendlich eine 180° Wendung zu geben.

Es handelt sich bei dieser Geschichte auf jeden Fall um eine, die einem zum Nachdenken anregt und eine auch mit der Gewissheit zurücklässt, dass man alles schaffen kann, wenn man nur daran glaubt und vor allem für seine Ziele kämpft.


Themistokeles hat insgesamt 66 Rezensionen angelegt.


Die zwei Gesichter der Liz Murray

24.02.2012 Bewertung:  5 rumble-bee vergibt 10 von 10 Punkten

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Wer ist eigentlich Liz Murray? Eine scheinbar leicht zu beantwortende Frage. Zunächst einmal ist sie eine junge und heute erfolgreiche Amerikanerin, die ein Buch geschrieben hat. Keinen Roman, und auch keinen Ratgeber, nein, nicht weniger als die Geschichte ihres Lebens hat sie zu Papier gebracht: ein Leben, das in schwierigsten, drogenverseuchten Verhältnissen begann, das sich durch Phasen des Schuleschwänzens und der Obdachlosigkeit schlängelte, um schließlich doch noch mit Hilfe von Freunden und eines Stipendiums in Harvard zu landen.

Das ist packend zu lesen, und aufgrund der völlig ungeschönten und dramatisch geschickten Schreibweise beschämenderweise sogar fast unterhaltsam. Dennoch habe ich kein ganz eindeutiges Verhältnis zu Liz Murray als Person. Ich habe sehr genau gelesen, und dabei habe ich sie als zerrissene Persönlichkeit kennengelernt, als jemanden, der sich durchaus auch vor Unangenehmem drückt, der Details auslässt, und der sich von einer schicksalhaften Konstellation zur nächsten fallen lässt. Ich möchte hiermit einfach nur betonen, dass es sich sowohl deutsche als auch amerikanische Kulturschaffende viel zu einfach machen, wenn sie Liz in eine Schublade stecken - wie auch immer die aussehen mag.

Sicher, in das amerikanische Konzept einer Lebensgeschichte passt Liz wunderbar hinein. Wie sie ja selbst in den letzten Kapiteln beschreibt, haben sich bei Bekanntwerden ihres Stipendiumsgewinns alle möglichen Leute auf sie gestürzt, sie bemitleidet und bejubelt, ohne sie zu kennen. Auch verfilmt wurde die Geschichte schon, unter dem beziehungsreichen Titel \"From Homeless to Harvard\" - \"from rags to riches\", könnte man auch sagen. Ach so typisch amerikanisch.

Der deutsche Verlag geht gleich noch ein paar Schritte weiter. Erstens einmal wird der Titel des Buches völlig umgedeutet. Der Originaltitel lautet \"Breaking Night\", was soviel bedeutet wie \"Bei Anbruch der Nacht\". Doch im Deutschen erhalten wir genau das Gegenteil: \"Als der Tag (!) begann\". Zweitens wird die Geschichte im Klappentext schlicht und ergreifend falsch zusammengefasst - vielleicht, um die Geschichte und die Person Liz Murrays so dem deutschen Publikum zugänglicher zu machen...? Der deutsche Klappentext sagt zum Beispiel, beim Anblick des Sarges ihrer Mutter habe sie begonnen, umzudenken. Das ist ganz einfach nicht richtig. Sie hat sich vor dem Sterben ihrer Mutter eindeutig gedrückt, und nach der Beerdigung folgten erst einmal viele, viele Monate des waghalsigen Umherstreifens mit einem dubiosen Latino, Carlos. Es war nicht (!) der Tod der Mutter, sondern die gewalttätigen Ausbrüche und die Abhängigkeit von diesem Carlos, welche Liz dazu veranlassten, doch endlich auf eigenen Füßen stehen zu wollen. Ferner sagt der deutsche Verlag, sie habe ein Harvard-Stipendium gewonnen. Schon wieder falsch. Ein Harvard-Stipendium kann man nicht gewinnen. Ein Stipendium bedeutet lediglich eine gesicherte Finanzierung. In Harvard musste sich Liz immer noch bewerben, und hätte auch abgelehnt werden können.

Doch ich will hier nicht des \"Korinthenkackertums\" bezichtigt werden. Worauf ich aufmerksam machen möchte, ist die Tatsache, dass Liz selber sich im Text, und in ihrem Leben, immer gegen jedwede Vereinnahmung und Bevormundung gewehrt hat. Man gerät so leicht in die Versuchung, dieses Buch oberflächlich zu lesen, und zu sagen, ach ja, die Arme. Doch ich glaube, das hätte Liz ganz sicher nicht gewollt.

Zunächst einmal bewundere ich ihren Mut, dieses Buch scheinbar ohne die heute so moderne und beliebte Unterstützung durch einen prominenten Co-Autor geschrieben zu haben. Dennoch liest sich das Buch sehr gut strukturiert. Es beginnt sogar mit einem Prolog, in welchem sie als bereits obdachlose Jugendliche versucht, nachts ihr eigenes Gesicht mit einem Foto ihrer Mutter zu vergleichen - dem einzigen Foto, das sie von ihr noch hat. Das setzt gleich einen sehnsuchtsvollen Grundton für dieses Buch fest, und steigert die Erwartungen des Lesers.

Danach beginnt Liz ganz ausführlich und sehr plastisch mit ihrer Kindheit als zweite Tochter drogensüchtiger Hippie-Eltern. Sie wählt einen sehr beeindruckenden Erzählstil. Denn einerseits behält sie durchgehend überzeugend die Perspektive des Kindes bei, das Vieles noch nicht versteht. Und doch schafft sie es gleichzeitig, unglaublich viele Punkte einzuflechten, die aus heutiger Sicht als Erwachsene interessant sind: welche Strategien sie entwickelt hat, um in dieser Umgebung seelisch zu überleben. Wie sie mit ihrer Schwester Lisa um die Aufmerksamkeit der Eltern kämpfte. Wie sie mit dem ständigen Hunger zurecht kam. Wie sie viel zu früh Verantwortung übernahm, ja übernehmen musste. Und noch vieles mehr.

Für mein Verständnis dauert es unglaublich lange, bis das Sozial- und Jugendamt eingreift. Erst als Liz 12 Jahre alt ist, ihre ständig von schizoiden Anfällen geplagte Mutter mit Lisa zu ihrem neuen Freund zieht, und als Liz gemeinsam einsam mit ihrem Vater in der Universitiy Avenue versauert, da erst wird sie diesem unheilvollen Umfeld entrissen, und kommt ins Heim. Aber ganz sicher bin ich mir bei dieser Datierung nicht. Das ist überhaupt ein Kennzeichen dieses Buches. Zeitliche Angaben fehlen entweder völlig, oder bleiben in Andeutungen stecken. Und nur gelegentlich erleichtert dem Leser die Erwähnung von Jahreszeiten die Einordnung des Geschehens.

Im Heim durchläuft Liz eine Phase zwangsweiser \"Resozialisierung\", und wird danach von Mas neuem Freund aufgenommen. Doch mittlerweile ist Liz bereits gebrochen, und kann sich Autoritäten nur schwer unterordnen. Schule, Mutters neuer Freund, und die ausbrechende schwere Aids-Erkrankung der Mutter, das alles ist zu viel für sie. Eines Tages haut sie einfach ab, zusammen mit ihrer ersten echten Freundin, Sam. Man sieht also: es war durchaus nicht die materielle Not, wodurch Liz auf der Straße landete! Nein, im Gegenteil. Es war eine absolute Nacht-und-Nebel-Aktion, eine Augenblicksentscheidung. Sicher wird auch der eher unkonventionell orientierte Freundeskreis rund um Liz und Sam zu dieser Entscheidung beigetragen haben. Wie dem auch sei: ihre Obdachlosigkeit war ihre eigene (!) Entscheidung.

Die weitere Handlung möchte ich nur kurz skizzieren. Liz hätte eigentlich schon viel früher in ein geregeltes Leben zurück finden können, doch sie ließ sich immer wieder einfach treiben. Immer ließ sie sich von Anderen anstecken, so zum Beispiel von Carlos. Im Nachhinein wissen wir Leser: er war ein autoritärer Blender, wahrscheinlich ein Dealer. Aber immerhin zeigte er Liz, wo es lang ging, und das brauchte sie wohl. Erst als Carlos \"auszuticken\" beginnt, und Sam in die Flucht schlägt, da setzt eigenständiges Denken bei Liz ein - zumal ja inzwischen ihre Mutter verstorben ist. Noch während ihrer Obdachlosigkeit macht sie ihren Schulabschluß nach, und gewinnt zu guter Letzt auch noch ein Stipendium, womit sie selber am wenigsten gerechnet hätte.

Das alles liest sich unglaublich fesselnd - streckenweise konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Besonders die Phase mit Carlos hat mich emotional sehr gepackt. Es war fast spannend wie ein Krimi, mitzuverfolgen, wie Liz so langsam aber sicher hinter die Fassade dieses halbseidenen Typen blickte. Dennoch, bei mir bleiben so viele Fragen einfach offen - und ich kann ganz einfach nicht sagen, ob mir Liz wirklich sympathisch ist. Die zeitliche Un-Eindeutigkeit hatte ich ja schon erwähnt. Außerdem ist Liz ganz geschickt darin, ihre eigene Beteiligung an Entscheidungen herunterzuspielen. Sehen wir den Tatsachen ins Auge, wenn es brenzlig wurde, hat sie oft auch Menschen verlassen. Und besonders im letzten Drittel des Buches wurde die Handlung streckenweise arg gerafft. Warum sollte die Handlung eigentlich mit dem Gewinn des Stipendiums aufhören? Wie kam sie überhaupt dazu, dieses Buch zu schreiben? Wie kam sie überhaupt an diesen Freundeskreis, der sie monatelang, ja jahrelang heimlich beherbergte? Was wurde eigentlich aus James, ihrem zweiten Freund?? Und wer, bitte, war nun dieser Ed, der gemeinsam mit Liz ihren Vater bis zu dessen Tod pflegte?? Manches ging gegen Ende des Buches sehr schnell, und wird nicht wirklich erklärt. Doch das mag auch auf das Betreiben eines Lektors zurückzuführen sein - ich weiß es nicht.

Ja, ich habe mit mir gerungen. Doch zu guter Letzt verleihe ich dem Buch wohlverdiente 5 Sterne. Denn man spürt doch in jeder Zeile, dass hier eine authentische Stimme spricht. Nichts ist gekünstelt, immer stellt sie alles so dar, wie es wirklich war. Sie versteht es, emotionale Zwangslagen zu schildern - zu wessen Gunsten auch immer. Und hier liegt auch die einzige Einschränkung, die ich zukünftigen Lesern mit auf den Weg geben möchte: Man kann, ja man soll sich unbedingt auf diese emotionale Achterbahnfahrt einlassen - aber eines sollte man niemals tun: sich ein allzu wohlfeiles Bild von Liz Murray machen.


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


 
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