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Belletristik: Das falsche Leben: Eine Vatersuche
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Titel:      Das falsche Leben: Eine Vatersuche
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      493
Autor:      Ute Scheub
ISBN-10(13):      3492048390
Verlag:      Piper
Publikationsdatum:      2006-02
Edition:      2
Number of pages:      290
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
München / Zürich 2006, Pappband mit illustriertem Schutzumschlag, 290 Seiten, einige Abbildungen, 8°, Lesebändchen, guter Zustand, Leseex.,
Aus der Amazon.de-Redaktion
"Das war Zyankali, mein Fräulein", sagte der Mann auf dem Podium des evangelischen Kirchentages 1969 zu der Frau neben sich, bevor er zusammensank und auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Zuvor hatte er die 2000 Zuhörer im Saal mit einem Gruß "an meine Kameraden von der SS" in helle Aufregung versetzt, ein Glasfläschchen an seine Lippen gesetzt und mit einem Schluck ausgetrunken. Der Name des Mannes (das heißt: das Pseudonym, das der Augenzeuge Günter Grass ihm für sein "Tagebuch einer Schnecke" gegeben hat) war "Manfred Augst, Augst wie Angst", schreibt Ute Scheub, "Er war mein Vater". -- Ein fulminanter Abgang aus einem verpfuschten Leben. Und ein fulminanter Auftakt für ein bewegendes und glänzend geschriebenes Buch.

35 Jahre nach dessen öffentlichem Selbstmord, findet die Autorin auf dem Dachboden des elterlichen Hauses einen (weiteren) Abschiedsbrief des verhassten Vaters. "Jetzt könnt Ihr wahrscheinlich im Haus bleiben", steht dort zu lesen, "wenigstens noch länger. Der Bausparvertrag ist gesichert. So kann ich diesen Schritt verantworten. Was ich Euch darüber hinaus hätte sein können, bin ich auch so. Meine Hoffnung ist sogar, auf diese Weise Besinnung zu sein für Euch alle". – Das Rechtfertigungsschreiben bestätigt die Tochter in ihrem längst gefällten Urteil über ihren Vater. "Ein geschwollenes, geschwulstiges Nichts", lautet ihr Fazit. Und an den Toten gewandt fügt Sie hinzu: "Nicht mal einen anständigen Abschiedsbrief hast du hingekriegt".

Immerhin: Der Brief in der für den Vater typischen "Kampfschrift, die sich nicht darum kümmerte, ob jemand sie lesen konnte", ist Scheub Anlass genug, sich auf "eine Vatersuche" zu machen, bei der sie nicht nur das subtile Nachwirken der väterlichen Nazi-Verstrickung in ihrem Leben rekapituliert und reflektiert, sondern auch den Umgang der elterlichen wie der eigenen Generation mit der Frage nach der Schuld und danach, was aus all dem zu folgern sei. Und deshalb, wenn sie so etwas doch nur läsen: Eine lohnende Lektüre auch für die Generation der Enkel, die daraus nicht nur etwas über die Zeit ihrer Großeltern, sondern auch über die Generation ihrer Eltern erführen. -- Andreas Vierecke

   


Rezensionen
Rezension

05.07.2009 Bewertung:  4 Anonym vergibt 8 von 10 Punkten

UserpicUte Scheub schreibt über ihre Familie - und vor allem über ihren Vater. Der hat sich nämlich in einer spektakulären Aktion im Rahmen eines Kirchentages während einer Lesung von Günther Grass selbst umgebracht, indem er Zyankali geschluckt hat.
Diese Aktion hat er offenbar als verspätete Auswirkung des zweiten Weltkrieges gestartet.
Mit diesem Buch arbetet Ute Scheub ihre Kindheit und ihren Groll gegen ihren Vater auf. Ganz wird ihr dies jedoch nicht gelingen. Und das ist mehr als verständlich.
Aber der Leser wird sensibilisiert für die Auswirkungen, die der Krieg auch auf die Täter hatte. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, wieviel doch unter den Teppich gekehrt worden ist. Wie wenig wirkliche Wiedergutmachung an den Opfern getätigt worden ist. Dieses Buch macht nachdenklich, wütend und offen.
Es zeigt auf, wie groß der Mantel des Schweigens war und ist. Nicht nur in der Familie der Frau Scheub sondern in großen Teil des Landes. Und es ist unfaßbar, daß dies einfach so hingenommen wird. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn uns dieser Makel heute noch anhaftet.
Ich kann Frau Scheub gut nachempfinden, daß sie ihrem Vater nur bedingt vergeben kann. Doch bringt auch diese nachträgliche, teilweise Absolution ihr nicht ihre unbeschwerte KIindheit wieder. Trotzdem bleibt die Erinnerungen an eisiges Schweigen, an sich verstecken müssen, an Gefühlskälte und an die Ausgrenzung durch die Umwelt nach dem Selbstmord. Mal abgesehen von den sozialen Entbehrungen durch den Wegfall des Ernährers.
Mir ging dieses Buch unter die Haut, da es sich um ein sehr lebensnah geschriebenes Buch handelt. Ich fühlte mich an der Hand und mitgenommen. Nicht als Außenstehender.
Danke für diese Erfahrung.

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Rezension

05.07.2009 Bewertung:  4 Etsas vergibt 8 von 10 Punkten

UserpicDas Buch beginnt mit der Schilderung des Selbstmordes eines Mannes, der am Ende noch seine "Kameraden von der SS" grüßt. Ute Scheub schreibt über diesen Mann - ihren Vater - sowie ihr Leben und wie sie die Geschehnisse mehr oder weniger verarbeiten konnte.
Sie versucht sich auf ihrer Reise in die Vergangenheit mit ihrem Vater auszusöhnen. Anhand von Notizen und Briefen ihres Vaters erinnert sie sich an ihre Kindheit und bemüht sich ihren Vater zu verstehen.
Es werden viele Informationen vermittelt, was und wann geschehen ist und v.a. inwieweit Scheubs Vater daran verstrickt war. 
 
Eine durchaus interessante Reise in die Vergangenheit der Autorin und ihres Vaters, die einem nahe bringt wie der 2. WK an den Soldaten und deren Familien Spuren hinterlassen hat. 

Etsas hat insgesamt 70 Rezensionen angelegt.


 
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