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Belletristik: Das Glücksbüro
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Titel:      Das Glücksbüro
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      10258
Autor:      Andreas Izquierdo
ISBN-10(13):      3832162259
Verlag:      Dumont Buchverlag
Publikationsdatum:      2013-02-25
Edition:      2
Number of pages:      268
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

5 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Chaos trifft auf Ordnung ...

20.05.2013 Bewertung:  5 goat vergibt 10 von 10 Punkten

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Das Cover von "Das Glücksbüro" wirkt auf den ersten Blick etwas altmodisch und unscheinbar. Die einzelnen Buchstaben des Titels sind bunt gestaltet und werden vom Schein einer Bürolampe angeleuchtet - genauso wie das Paar, was unter dieser Lampe steht. Im Buchhandel wäre ich wahrscheinlich eher an diesem Cover vorbeigegangen, ohne es in die Hand zu nehmen - wenn ich nicht gewusst hätte, dass es ein Buch von Andreas Izquierdo ist ...

Albert Glück hat mit über 50 Jahren noch nicht viel von der Welt gesehen. Er
ist mit Leib und Seele Beamter und lebt seinen Beruf im wahrsten Sinne des
Wortes, denn das Amt für Verwaltungsangelegenheiten ist nicht nur seine
Arbeits-, sondern auch seine Wohnstätte. Gänzlich unbemerkt von seinen Kollegen
und Vorgesetzten bewohnt er dort im Keller einen kleinen Raum. Albert legt
großen Wert auf feste Gewohnheiten, von denen er so gut wie nie abweicht. Mit
Veränderungen tut er sich schwer. Seine persönlichen kleinen Abenteuer bestehen
aus kleinen Streichen, die er seinen Kollegen spielt.

Eines Tages gerät Alberts wohlgeordnetes Leben jedoch aus den Fugen, denn auf
seinem Schreibtisch liegt ein Antrag, den er zum ersten Mal in seiner über
30-jährigen Dienstzeit nicht ordnungsgemäß bearbeiten kann, denn dieser Antrag
beantragt rein gar nichts. Alle Versuche, diesen unglückseligen Zettel
loszuwerden scheitern kläglich und so bleibt Albert nichts anderes übrig, als
sich auf den Weg zu machen, um den Antragssteller um eine Erklärung zu bitten.
Hierfür muss er jedoch seine schützende Festung verlassen und setzt zum ersten
Mal seit Jahrzehnten wieder einen Fuß ins Leben vor der Tür und trifft auf die
Künstlerin Anna Sugus, die nicht nur Nichts beantragt, sondern auch fortan
Alberts Leben ordentlich auf den Kopf stellt ...

Andreas Izquierdo hat mich bereits mit seinem Roman "Apocalypsia"
sehr beeindruckt. Seine Geschichten liegen außerhalb des Mainstreams und
berühren auf vielfältige Weise. Ich denke, Menschen wie der Protagonist Albert
Glück gibt es viele in der Welt. Menschen, die sich an Gewohnheiten
festklammern, immer im Hintergrund agieren und Angst haben, sich der Welt da
draußen zu stellen. Menschen, die vielleicht auch der Meinung sind, dass sie
nur in einer Sache (bei Albert ist es der Beruf) richtig gut sind und somit ihr
Licht unter den Scheffel stellen. Dass sie mit ein wenig Mut vieles bewegen
könnten, auf den Gedanken kommen sie nicht und mit viel Glück gibt es dann
Menschen, die in ihr Leben treten (wie in diesem Fall Anna Sugus) und bringen
die besten Seiten an ihnen zum Vorschein.

Trotz des ernsten Hintergrunds der Geschichte lässt sie einen zwischendurch
immer wieder schmunzeln, was nicht zuletzt an den vielen Klischees des
Beamtenlebens liegt, derer sich der Autor bedient. "Um diese Uhrzeit war
nur noch selten jemand im Amt, da es nur selten jemanden gab, der Überstunden
machte."



Die Entwicklung des Protagonisten Albert Glück ist beispielhaft. Zwar wird aus
dem hässlichen Entlein kein wunderschöner Schwan, aber es gibt durchaus
Parallelen zu der Geschichte. Albert ist ein sonderbarer Charakter, der nicht
so recht in die Welt zu passen scheint. Als grau und unscheinbar wird er von
den Personen beschrieben, die ihn kennen. Für Albert ist das Amt wie eine Burg,
in der er Schutz findet, vor der Welt da draußen, die immer größer, komplizierter
und chaotischer geworden ist. Der Umgang mit anderen Menschen macht ihn ratlos,
weil sie dazu neigen, sich einander das Leben zur Hölle zu machen. Aber selbst
im Amt finden kleine Machtspielchen statt. Mike Schulze hat es scheinbar auf
Albert abgesehen und triezt ihn, wo es nur geht. Aber die Tatsache, dass das
Amt sein zu Hause ist, bietet Albert viele Möglichkeiten, es seinen Kollegen
auf andere Art und Weise heimzuzahlen.



Aber im Großen und Ganzen ist Albert sehr weichherzig. So hilft er heimlich dem
unglücklichen Kantinenkoch in Liebesdingen etwas auf die Sprünge und abends
guckt Albert immer "Legenden der Leidenschaft". Dass ausgerechnet ihn
selbst Amors Pfeil bald treffen wird, auf den Gedanken würde er niemals kommen.
Im Fall von Anna Sugus und Albert kam mir als Erstes der Spruch
"Gegensätze ziehen sich an" in den Sinn. Chaos trifft auf Ordnung.
Und was daraus entsteht, hat der Autor einfach wunderbar rübergebracht, ohne
ins Kitschige abzudriften.



Mit "Das Glücksbüro" hat Andreas Izquierdo wieder ganz meinen
Geschmack getroffen. Eine Mischung aus Humor, Drama und Liebesgeschichte, die
sich auch sehr gut als Geburtstagsgeschenk eignet. Ich persönlich würde den
Roman allerdings nur an Frauen verschenken und den Männern eher das Verfassen solcher
Geschichten überlassen. Volle Punktzahl für dieses wundervolle Buch, welches
berührt und zum Nachdenken anregt.




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