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Belletristik: Das fünfte Kind
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Titel:      Das fünfte Kind
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      2171
Autor:      Doris Lessing
ISBN-10(13):      3455019072
Verlag:      Hoffmann und Campe
Publikationsdatum:      1988
Edition:      1
Number of pages:      218
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

3 
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Beschreibung:      Product Description
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Rezensionen
Zwiespältig

22.10.2011 Bewertung:  3 Sim vergibt 6 von 10 Punkten

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Harriett und David lernen sich auf einer Firmenfeier kennen. Beide erschreckend konservativ und weltfremd, sehen und finden sich auf den ersten Blick. Sie ziehen zusammen, heiraten, kaufen ein riesiges Haus, das genug Platz für eine große Familie mit vielen Kindern bietet. Sie planen ihr Leben im Voraus und beschließen glücklich zu sein. Und das setzen sie auch gleich um, indem sie kurz nacheinander vier Kinder in die Welt setzen und ihre Verwandtschaft, wann immer es geht, um sich scharen.

Als Harriett zum fünften Mal schwanger wird, ändert sich alles. Das Kind rebelliert schon im Mutterleib und Harriett sieht das personifizierte Böse in ihm. Sie stellt ihn und sich mit Sedativa ruhig. Und so handelt das fünfte Kind – Ben – auch vom Tag seiner Geburt an „böse“ und für die Familie nicht nachvollziehbar und wehrt sich gegen alles und jeden.
Das traute Familienleben wird empfindlich gestört, die Eltern und Geschwister kommen mit Ben nicht klar. Er wird in eine Einrichtung abgeschoben, die ihn und andere von der Gesellschaft nicht gewollte und ausgestoßene Monstrositäten, beherbergt, damit die Familie unbelästigt durch seine Anwesenheit weiterhin ihren selbstgebastelten Glückstraum leben kann. Aber Harriett holt Ben zurück nach Hause und die Familie zerfällt.

Ben lernt spät sprechen, fügt sich nicht in das Familienidyll ein, er tötet Tiere, aber er passt sich an, soweit ihm möglich, um nicht zurück in die Anstalt zu müssen. Er ist, was er ist. Was genau das ist, erfährt man nicht, man bekommt nur Ausdrücke wie Troll und Monster an den Kopf geworfen und das ist mir zu plakativ und zu engstirnig. Auch wird seine Andersartigkeit niemals hinterfragt, es wird einfach akzeptiert, dass er „böse“ ist.
Ben ist anders und er tut Dinge, die man als böse bezeichnen kann, aber ist er böse? Kann ein Lebewesen von Geburt an böse sein? Oder wird es dazu gemacht? Und was bedeutet „böse“ einem Menschen – einem Kind –, das die Wert- und Moralvorstellungen, die in seinem Umfeld gelten, nicht versteht?

Der Roman hat mich verstört, aber auch wütend zurückgelassen. Mit einem guten Schuss Ironie hätte das ein großartiger Roman werden können, aber Doris Lessing erzählt mit einem verbissenen Ernst, der der Verbissenheit Harrietts gleicht, die krampfhaft versucht sich eine Welt zu erschaffen, in der man sein Glück nach Rezepten aus einem Kochbuch der Jahrhundertwende backt. Und so wie Harriett an ihren eigenen Ansprüchen scheitert, scheitert auch Doris Lessing an ihren. Denn leider kommt bei mir diese Verbissenheit nicht als Spiegelung Harrietts Geisteshaltung an, sondern wie ein gewaltiger erhobener Zeigefinger, der mich nervig in die Seite piekst, um mir ein Lebensmodell schmackhaft zu machen, das ich nicht haben will und das sich selbst als Lug und Trug entlarvt.

Anders ist nicht gleichzusetzen mit böse. Und wenn sich Harrietts Familie, die sich hier als fest geschlossene Gesellschaft präsentiert, nicht so krampfhaft an ihrem Ideal, an ihren Vorstellungen, an ihrem Modell von Glück und dem was für sie richtig ist festgehalten hätte, wenn sie sich nur ein wenig geöffnet hätte und dem andersartigen Kind genügend Raum gelassen hätte, dann hätte alles ganz anders kommen können.

Der Roman wird größtenteils narrativ erzählt und fasst einen Zeitraum von über zwanzig Jahren zusammen, bleibt dabei weit von den Figuren entfernt und wirkt doch sehr eindringlich. Stilistisch sehr einfach gehalten, passt die Erzählform zu der Protagonistin. Überzeugt hat mich die Umsetzung nicht, sie wirkt unfertig, fast wie eine Skizze. Aber näher an die Figuren hätte Doris Lessing wohl nicht heran gehen können, ohne dass das Gebilde zusammengestürzt wäre. Denn wenn sie sich mehr angenähert hätte, wären die Selbstlügen und die mehr als eingeschränkte Sichtweise zu deutlich geworden, als dass die Geschichte sich getragen hätte. Also muss man anerkennen, dass Doris Lessing die Grenzen des Stoffes erkannt und das Bestmögliche herausgeholt hat.

Hat mir der Roman gefallen? Nein. Ist es ein guter Roman? Ja. Trotz allem. \'Das fünfte Kind\' zeigt das Bild einer Gesellschaft, die an ihren bigotten Moralvorstellungen und am Festhalten ihrer eigenen willkürlichen Erwartungen und Vorgaben an das Leben scheitert. Das Buch wirkt nach, auch wenn ich es inhaltlich zum kotzen fand und die Umsetzung suboptimal ist.


Sim hat insgesamt 12 Rezensionen angelegt.


 
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