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Interview mit Bettina von Cossel (Autorin) Drucken
Interviews
Geschrieben von: Jester   
Donnerstag, den 06. August 2009 um 14:26 Uhr

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Bettina von Cossel lebt mit Mann, 4 Kindern und Hund in einem Vorort von London. Bisher hat die Autorin drei Kriminalromane veröffentlicht.

 

 

 

Verlag: Wellhöfer

ISBN-10: 393954034X

ISBN-13: 978-3940868336

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Frau von Cossel, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen.

 

Gerne!

 

Ihr neuester Kriminalroman "Tod in den Dünen" spielt auf der Nordseeinsel Juist. Gibt es einen besonderen Grund dafür?

Juist hat sich in den letzten Jahren als Krimi-Insel in Szene gesetzt. Jeden September gibt es dort ein Krimifestival, außerdem wird jährlich ein Krimistipendium ausgeschrieben: Zwei Wochen Schreiburlaub auf der Insel inklusive Kost und Logis. Stipendiaten der vergangenen Jahre waren unter anderem Jürgen Kehrer ("Wilsberg") oder Doris Gercke ("Bella Block") ... und ich. Was lag da näher als meinen  Kriminalroman auf dieser einzigartigen Insel spielen zu lassen?


In "Tod in den Dünen" spielt das Mörderspiel Cluedo eine gewisse Rolle. Sind Sie ein Fan dieses Spiels?

Ja, Cluedo inspiriert mich. Sechs Tatverdächtige in einem Haus sind eine spannende Ausgangssituation für ein Brettspiel - und einen Kriminalroman. Als Autor kann man dieses Thema nach Belieben ausbauen. Die klassische Variante wäre, die sechs Personen einschneien zu lassen und dann einen nach dem anderen umzubringen, bis nur noch der Mörder übrig bleibt. Allerdings habe ich diese Variante bei "Tod in den Dünen" nicht gewählt.

Vor Jahren soll einmal eine Leiche unter Ihrem Hotelfenster gelegen haben. Stimmt das?

Das war am Bodensee, ein Mord aus Eifersucht. Das Ganze hat mich damals sehr beeindruckt. Der Kreideumriss, die vielen Polizisten ...

Zwei Ihrer Kriminalromane spielen in England, wo Sie seit vielen Jahren leben. Sind das Regiokrimis, so wie man sie aus Deutschland kennt?

Nein, in beiden Romanen ist der Handlungsort fiktiv. Allerdings habe ich die Dörfer, Pubs und Herrenhäuser so "erfunden", dass sie typisch für England sind. Mir ist wichtig, dass die englische Atmosphäre rüberkommt, nicht, dass jeder Ortsname stimmt. Ab und zu schwenkt die Handlung nach London. In diesem Fall beschreibe ich die Örtlichkeiten natürlich so akurat wie möglich.

Einige Rezensenten vergleichen Ihre Romane mit den Werken von Agatha Christie, ist das für Sie ein Kompliment oder eher etwas zu kategorisiert?

Ich freue mich natürlich, mit der "Queen of Crime" verglichen zu werden. Man darf aber nicht vergessen, dass wir in einer viel moderneren Welt leben als Agatha Christie. Längst gibt es DNA-Analyse und Internet, und der Kommissar hat selbstverständlich ein Handy in der Tasche. So auch in meinen Krimis. Davon einmal abgesehen, gibt es durchaus ein paar Ähnlichkeiten mit dem klassischen "Agatha-Christie-Krimi": jede Menge Verdächtige, skurille Gestalten und falsche Fährten. Auch das Setting ist ähnlich. Herrenhäuser, Gasthöfe, beschauliche Dörfer ...

Wer sollte ihre Bücher lesen und wer nicht?


Jedem, der gerne spannende Krimis liest, die auf blutige Details verzichten, kann ich meine Kriminalromane wärmstens ans Herz legen.

Beschreiben Sie Ihre Romane in 5 Sätzen.


Mord im beschaulichen Ambiente, dort, wo man es nicht erwartet hätte. Keiner kann's gewesen sein, oder etwa doch? Falsche Fährten, falsche Aussagen, falsches Spiel. Krimis zum Mitraten mit viel Atmosphäre. Kurz und gut: Ideal für gemütliche Krimistunden auf dem Sofa, am Kamin oder sonstwo.

Sie schreiben Kriminalromane, wird es zukünftig auch einen Roman aus einem anderem Genre geben?

Wahrscheinlich nicht.

Wie gehen Sie beim Schreiben vor. Exposé, Morphologischer Kasten oder reift die Idee beim Schreiben?

Zuerst entwerfe ich den groben Plot, d.h. wer war es, wen bringt er um, wie geht er vor und was ist sein Motiv? Nun bringe ich weitere Verdächtige mit ins Spiel und lege falsche Fährten, um den Leser zu verwirren. Zum Schluss muss nicht nur der Täter entlarvt, sondern auch jede falsche Fährte aufgelöst sein. Ein Zeitplan tut beim Plotten gute Dienste, so dass man immer den Überblick behält, an welchem Tag was passiert bzw. nicht passieren kann. Obwohl in London z.B. sonntags die meisten Geschäfte geöffnet sind, ist das auf dem Land nicht der Fall. Auch auf die örtlichen Gegebenheiten muss geachtet werden. Juist kann man nur einmal täglich per Fähre erreichen, die Fahrzeiten ändern sich von Tag zu Tag. Beim Buchschreiben hatte ich deshalb den Fahrplan immer zur Hand.

Wann sind Sie am kreativsten, am Tag oder eher in der Nacht?

Ideen kommen mir eher nachts, auch das Tüfteln mit verschiedenen Motiven, Alibis etc geht mir abends besser von der Hand. Schreiben kann ich aber zu jeder Tageszeit.

Wird es Ihre Romane auch in anderen Sprachen geben?

Das würde mich freuen. Allerdings habe ich darauf keinen Einfluss.

Welche Tipps haben Sie für junge Autoren, die an ihrem ersten Roman schreiben?

Einer Schreibgruppe beizutreten, das Handwerk zu lernen. Selbst gestandene Autoren machen das. Man lernt nie aus, aber gerade am Anfang ist das Know How enorm wichtig.

Warum ist der Gärtner immer der Mörder?

Weil er in Wirklichkeit der Sohn des Grafen und Haupterbe ist.

Beschreiben Sie sich selbst in einem Satz.


Ich liebe meine Familie, Krimis und Spaziergänge mit dem Hund.

Wird es einen weiteren Roman geben, ist es eine Fortsetzung und wann wird er erschienen?

Einen weiteren Kriminalroman wird es im nächsten Jahr geben. Ob es eine Fortsetzung wird, kann ich im Moment noch nicht sagen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre es?

Gesundheit und ein langes, interessantes, glückliches Leben für alle - ganz ohne Mord und Totschlag.

Wann können wir Sie wieder in Deutschland sehen. Sehen wir uns auf der Frankfurter Buchmesse?

Auf die Frankfurter Buchmesse komme ich in diesem Jahr leider nicht. Wahrscheinlich werde ich erst im November wieder in Deutschland sein, beim Krimifestival der "Mörderischen Schwestern" in Düsseldorf. Die "Mörderischen Schwestern" sind ein Netzwerk deutschsprachiger Autorinnen, Leserinnen und Bücherfrauen mit Vorliebe für Krimis. www.moerderische-schwestern.eu

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.


Weitere Infos auf der Webseite von Bettina von Cossel


Interview (c) Jester und Bettina von Cossel

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